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Oper, die Kunst der Emotionen

Wir alle haben eine Vorstellung davon, was Oper ist. Aber was macht eine Oper zur Oper?

Die Oper stellt im Kern einen Weg dar eine Geschichte durch Musik und Gesang zu erzählen.

Die Oper stellt im Kern einen Weg dar eine Geschichte durch Musik und Gesang zu erzählen. Seit ihrer Erfindung im späten 16. Jahrhundert in Italien hat sie sich kontinuierlich weiterentwickelt um das universelle Gesamtkunstwerk zu werden, als das wir sie heutzutage kennen. Drama, Poesie, plastische Künste und manchmal auch Tanz interagieren mit Musik um eine einzigartige Mischung zu kreieren, die sich von Vorstellung zu Verstellung, von Inszenierung zu Inszenierung verändert.

Eine Oper besteht aus vier essentiellen Elementen: Dem Text („Libretto“), dem Gesang, der Musik und der Inszenierung.

 

Das Libretto

Das Libretto stellt das Skript der Oper dar. Es kann eine originale Kreation sein, beizeiten geschrieben von berühmten Poeten oder Schriftstellern (so wie zum Beispiel Hugo von Hoffmannsthal und Stefan Zweig für Richard Strauss Werke), aber oft ist sie auch eine Adaption von Theaterstücken (Shakespeare diente oft als großartige Inspirationsquelle für Librettisten), Geschichten oder Büchern. Die Themen welche in Librettos behandelt werden sind vielfältig: verbotene Liebe, Untreue, Rache, Machtbegierde, Krieg, antike Mythen oder historische Vorkommnisse…

Alle menschlichen Passionen sind in der Oper vertreten. Liebe, Tragödie und Tod stehen oft im Mittelpunkt der Handlung. Die Charaktere, manchmal zerrissen zwischen ihren Gefühlen und ihrer Pflicht, werden mit außergewöhnlichen Situationen konfrontiert und werden von ihren Gefühlen überwältigt. Liebe auf den ersten Blick, Aufopferung, Verzauberung, Mut, Selbstmord oder Mord: Alle Extreme können stattfinden. Einige Charaktere werden für ihre Verbrechen bestraft, andere finden Erlösung oder werden von Reue verfolgt… und manchmal gibt es sogar ein happy end!

„Wenn Sie sich fühlen wollen, als ob Sie zu etwas Größerem gehörten, sogar zu etwas außerhalb von diesem Universum, dann gehen Sie in die Oper!“

Mehmet Murat ildan

Die Musik

Musik ist eine notwendige und unverzichtbare Komponente einer Oper, deswegen überrascht es heutzutage umso mehr zu hören, dass sie nicht immer die Hauptrolle gespielt hat. Für die ersten Komponisten, welche von der griechischen Tragödie inspiriert waren, hieß es: „Prima le parole, dopo la musica“ (Die Worte zuerst, danach die Musik). Im Verlauf der Geschichte haben Libretto und Musik einander abgelöst bezüglich des Anspruchs auf Vorrang in der Oper, obwohl sie sich in Wirklichkeit gegenseitig ergänzen und erhöhen während sie die Emotionen, Passionen, Handlungen und Charaktere intensivieren.

Komponisten kosten die außerordentliche suggestive Kraft der Musik aus um spezielle Atmosphären zu kreieren die Text oder Inszenierung alleine nie erzeugen könnten. Einige Autoren nutzen wiederkehrende musikalische Motive um Charaktere, Konzepte oder Emotionen zu repräsentieren. In Tristan und Isolde nutzt Wagner ausführlich mehrere Motive um verschiedenes anzudeuten, wie zum Beispiel Tristans Leid, das Nahen der Morgendämmerung, die See oder den Liebestrank, der die beiden Geliebten dazu verdammt einander auf Ewigkeit zu lieben. Die Anfangsakkorde der Oper kündigen das bevorstehende Schicksal der Liebenden an und klingen mehrmals durch das Stück hinweg an, um in den finalen Momenten des Stücks schlussendlich aufgelöst zu werden.

Gräfin: In eins verschmolzen sind Worte und Töne – zu einem Neuen verbunden. (…) Wählst du den einen – verlierst du den andern! Verliert man nicht immer, wenn man gewinnt? Willst du zwischen zwei Feuern verbrennen? Du Spiegelbild der verliebten Madeleine, kannst du mir Rat geben, kannst du mir helfen den Schluß zu finden, den Schluß für ihre Oper? Gibt es einen, der nicht trivial ist?

Haushofmeister: Frau Gräfin, das Souper ist serviert,

Clemens Krauss und Richard Strauss, Capriccio

Der Gesang

Im Gegensatz zu anderen Musikarten ist Operngesang hochgradig strukturiert, verschiedene Stimmarten werden mit verschiedenen Rollen assoziiert.

Es gibt verschiedene Stimmen welche in sechs Grundkategorien unterteilt werden können, von den höheren Stimmen zu den tieferen: Sopran, Mezzo-Sopran und Contra-Alto für Frauen, sowie Tenor, Bariton und Bass für Männer. Des Weiteren werden Stimmen nach ihrer Kraft und ihrer Agilität charakterisiert: sie können leicht, lyrisch oder dramatisch sein. Eine leichte Stimme ist nicht sonderlich stark, kann jedoch leicht hohe Noten erreichen und vokalisiert zudem, im Gegensatz zu einer dramatischen Stimme, welche stark aber weniger agil ist.

Jeder Stimmentyp wird traditionellerweise mit bestimmten Rollen assoziiert, seien es Helden oder Schurken. In Bizets Carmen ist Carmen eine wilde Verführerin die weltliche Erfahrung besitzt, deswegen wird sie von einem Mezzo-Sopran mit einer dunklen und warmen Stimme gespielt. Gilda in Verdis Rigoletto, ist ein lyrischer Sopran: ihre klare und hohe Stimme symbolisiert ihre Reinheit, Unschuld und Naivität.

 

Die Inszenierung

Vor dem 20. Jahrhundert war die theatralische Dimension der Opernaufführung nebensächlich. Die Inszenierung gewann an Bedeutung als sich das Programm der Opernhäuser mehr und mehr auf bestehendes Material konzentrierte als auf Neuaufführungen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass es in der Vergangenheit weniger spannend war in die Oper zu gehen. Opernbühnen waren immer schon ein außergewöhnlicher Ort, mit spektakulären visuellen Effekten und beeindruckender Maschinerie. Die Möglichkeiten für Inszenierungen haben vom technischen Fortschritt profitiert, und heutzutage werden auch Spezialeffekte, digitale Technologie und Bildprojektionen in vielen Produktionen eingesetzt.

Eine Aufführung ist nicht einfach nur eine Illustration des Werks: sie trägt ein neues Konzept oder eine neue Bedeutung bei. Der Regisseur schlägt einen neuen Blick auf ein Opernstück vor. Dieser Blick kann nahe am Libretto und der ursprünglichen Vorstellung des Autors liegen oder eine persönlichere Interpretation des Werkes sein. Einige Regisseure verfrachten die Handlung in eine andere Ära, eine andere Situation oder in einen zeitlosen und immateriellen Kontext.

Diese Transpositionierung fördert spezielle Dimensionen des Werks zu Tage und bereichern ihre Bedeutung indem sie andere unbekannte Facetten des Werks aufdecken. In einer modernen Produktion, zum Beispiel, können die Themen welche in einer barocken Oper entwickelt wurden als sehr aktuell dargestellt werden. Die Oper erschafft und erfindet sich selbst permanent neu. Bevor der Vorhang aufgeht weiß niemand was auf der Bühne geschehen wird. Das macht die Oper so aufregend.

Ich habe immer gesagt, die Oper ist wie ein emotionales Fitnesscenter: Sie gehen ins Fitnesscenter, um Ihre Muskeln zu benutzen, weil Sie fitter sein wollen. Wenn Sie emotional fitter sein wollen, gehen Sie in die Oper, wo Sie wirklich intensiv trainieren können.

Kasper Holten