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Monika Ritterhaus

Komische Oper Berlin

Pelleas und Melisande

Rückblick | Debussy

Diese Vorstellung ist nicht mehr als Video auf unserer Plattform verfügbar. Sie können aber weiterhin das zusätzliche Material der Produktion nutzen.

Barrie Kosky schaut in den Abgrund der menschlichen Seele und nimmt sich eines der wichtigsten symbolistischen Meisterstücke des Opernrepertoires vor.

Arkel, König von AllemondeJens Larsen
Geneviève, Mutter von Pelléas und GolaudNadine Weissmann
PelléasDominik Köninger
GolaudGünter Papendell
MélisandeNadja Mchantaf
Yniold, der junge Sohn Golauds aus erster EheSolisten des Tölzer Knabenchores
Orchester Orchester der Komischen Oper


Musik Debussy
Librettonach Maurice Maeterlinck
Musikalische LeitungJordan de Souza
InszenierungBarrie Kosky
BühneKlaus Grünberg
KostümeDinah Ehm
LichtKlaus Grünberg

An einem sehr abgelegenen Ort trifft Golaud, der Enkel von König Arkel von Allemonde, auf die einsame Mélisande. Ihre Krone ist unwiederbringlich verloren, aber das scheint ihr egal zu sein. Sie folgt dem Prinzen aufmerksam. Zurück in Golauds Heimatland heiraten die beiden. Bei dieser Gelegenheit, trifft Mélisande auf den jüngeren Bruder ihres Mannes, Pelléas. Für längere Zeit wollen die Beiden ihre schicksalhafte Begegnung nicht wahrnehmen, doch die Dinge nehmen ihren unvermeidlichen Lauf.

Eine unbekannte junge Frau weint in der Nähe eines Brunnens im Wald einer verlorenen Krone nach. Als Prinz Golaud auf seiner Jagd über sie stolpert, beginnt die Tragödie. Debussys impressionistische Partitur schafft mit Maeterlincks symbolischem Stück eine atmosphärische Musikszenerie.

Die junge Frau bei dem Brunnen heißt Mélisande. Sie verrät Golaud nichts als nur ihren Namen und ist bereit ihm zu folgen.

Ein Brief für Golauds Eltern, Geneviève und König Arkel, trifft ein. Wir erfahren, dass der verwitwete Golaud Mélisande anstatt Prinzessin Ursule geheiratet hat, mit welcher er eine vorteilhafte politische Allianz hätte formen können. Trotz der Implikationen seiner Leichtsinnigkeit akzeptieren Golauds Eltern die Entscheidung ihres Sohns.

Golaud hat einen jüngeren Bruder, Prinz Pelléas. Pelléas entscheidet sich loszuziehen um einen Freund, der auf dem Sterbebett liegt, zu besuchen. Er stimmt aber schlussendlich zu länger zu bleiben, um auf die Heimkehr von Golaud und seiner Braut zu warten. Später spazieren Geneviève und Mélisande gemeinsam durch einen Garten. Geneviève verlässt Mélisande um sich um Golauds Sohn Yniold zu kümmern. Da beginnt Pelléas plötzlich subtile romantische Gesten gegenüber Mélisande zu machen.

Diese Romanze erblüht schlussendlich im zweiten Akt. Mélisande spielt mit ihrem Ring während sie gemeinsam mit Pelléas beim Brunnen der Blinden sitzt. Ihr Ring fällt ins Wasser als die Uhr zwölf schlägt und zum selben Moment erleidet Golaud einen Unfall, der ihn verwundet zurücklässt.

Als Mélisande im Schlafzimmer ihres neuen Ehemanns ist, fällt Golaud ihr fehlender Ring auf. Sie erzählt ihm jedoch nichts vom wahren Vorfall, sondern behauptet sie habe ihn in einer Seegrotte verloren. Golaud schickt sie hin um den Ring zu suchen, obwohl es bereits Nacht ist und weist Pelléas an, sie dabei zu begleiten.

Im dritten Akt sehen wir Mélisande wie sie ihr langes Haar bürstet und Pelléas es liebkost. Eine Szene, die an Rapunzel erinnert. Golaud wird den beiden gegenüber misstrauisch und zwingt seinen kleinen Sohn Yniold dazu den beiden nachzuspionieren. Das Kind berichtet dem Vater Pelléas und Mélisande einander küssen gesehen zu haben, was den Vater äußerst emotional aufwühlt, dass dieser dem armen Jungen gegenüber einen heftigen Wutausbruch erleidet.

Der vierte Akt ist mit vielen Symbolen beschmückt: Golaud erscheint mit Blut auf der Stirn vor Mélisande und konfrontiert sie mit dem Vorwurf, verdächtig viel Zeit mit Pelléas zu verbringen. Yniold verliert seinen goldenen Ball und eine Schafherde verstummt plötzlich und hört auf zu blöken. Pelléas und Mélisande gestehen einander endlich ihre tiefe gegenseitige Liebe beim Brunnen der Blinden, wo Mélisande ihren Ring verloren hat. Bei diesem Brunnen konfrontiert Golaud schlussendlich die beiden Liebenden und tötet Pelléas mit einem Schwert.

Im fünften Akt wird diese Tragödie schlussendlich beendet. Mélisande stirbt kurz nach der Geburt ihres Kindes. In ihrem letzten lebenden Moment verleugnet sie ihre Liebe zu Pelléas Golaud gegenüber und besteht darauf die Wahrheit zu erzählen.

Aufbauend auf dem symbolistischen Theaterstück von Maurice Maeterlinck ist Pelléas und Mélisande Claude Debussys einzige vollständige Oper. Nachdem er bereits mit der Arbeit am vom Pech verfolgten Rodrigue et Chimène begonnen hatte, ein Stück des Wagnerianer Catulle Mendès, wandte Debussy seine Aufmerksamkeit an Maeterlincks Stück Pelléas et Mélisande zu, als er bemerkte, dass Rodrigue et Chimène seiner künstlerischen Vision diametral zuwiderlief.

Viele halten Pelléas et Mélisande für eines von Debussys stärksten Werken, und in der Tat entdeckte Debussy, dass Maeterlincks Libretto den perfekten Rahmen für eine Oper bildete, die seine Vorstellungen eines Ausgleichs zwischen Musik und Theater erfüllte. Durch seine ausgedehnte fünfaktige Struktur veranschaulicht es die musikalischen Impulse des französischen Expressionismus und schafft eine geheimnisvolle Atmosphäre, die den Zuschauer unerbittlich anzieht. Die Erzählung ist jedoch sehr bruchstückhaft und konzentriert sich im Gegensatz zur traditionelleren Form des Geschichtenerzählens vor allem auf die Symbolik, die dabei Szenen und Skizzen schafft. Maeterlincks Libretto war auch deswegen innovativ, weil es die Prosa gegenüber der Poesie bevorzugte, was den musikalischen Satz und die Struktur beeinflusste. Das gesamte Werk wird von einer instabilen Symmetrie durchzogen und folgt dabei einer schicksalhaften Dreiecksbeziehung.

Gegen jede Konvention hat Maurice Maeterlinck die äußerlich sichtbare Handlung seiner Stücke auf ein Minimum reduziert; alles Folgenreiche findet man in den Implikationen zwischen den Zeilen und entsteht nur durch das Mitgefühl und der Vorstellung des Zuschauers. Debussy hat die mehrdeutigen Strömungen des Quellenmaterials auf kongeniale Weise eingefangen in ein musikalisches Kammerspiel im impressionistischen Stil. Diese Produktion von Barrie Kosky beschwört das Psychogramm einer zum Sterben verurteilten, spätbürgerlichen Gesellschaft, die nichts außer dem Trost einer fein gemeißelten Melancholie besitzt, um einer aus den Fugen geratenen Welt zu begegnen.

Die musikalische Leitung hat der gebürtige Kanadier Jordan de Souza, der neue Kapellmeister der Komischen Oper Berlin. Er ist mit noch nicht einmal 30 Jahren ein aufsteigender Stern in der weltweiten Dirigentenszene.