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Chris Christodoulou

Royal College of Music

Albert Herring

Mutter kann dich gefangen halten. Rum kann dich befreien.

Opern | Britten

Ein schüchterner Gemüsehändler wird zum Maikönig gewählt, nachdem kein Mädchen in der Stadt würdig war Königin zu werden. Mit Hilfe eines verfälschten Getränkes löst er sich von den gesellschaftlichen Erwartungen und lernt, für sich selbst einzustehen.

 

Unter der Leitung des führenden Britten-Interpreten und Opernregisseurs am Royal College of Music, Michael Rosewell, zeigt diese Aufführung von Brittens Albert Herring die besten jungen Talente der Internationalen Opernschule des Royal College of Music. Die gefeierte schottische Sopranistin und RCM Alumna und Lehrerin Janis Kelly spielt Lady Billows.

Live mit englischen Untertiteln, zusätzlich automatische Übersetzungen in 114 andere Sprachen.  

Boosey & Hawkes Music Publishers Limited

Verfügbar von
21.09.2018 um 19:00 MEZ

bis
20.03.2019 um 23:59 MEZ

Albert HerringNick Pritchard
Superintendent BuddMatt Buswell
SidNicholas Morton
NancyAngela Simkin
EmmieCatriona Hewitson
Lady BillowsJanis Kelly
Miss WordsworthNatasha Day
Florence PikePolly Leech
Mrs HerringAmy Lyddon
CisRowan Pierce
Der AußenseiterMichael Taylor Moran
Mr GedgeJulien Van Mellaerts
Mr UpfoldJoel Williams
HarryMax Todes
OrchesterRoyal College of Music Opera Orchestra


MusikBenjamin Britten
LibrettoEric Crozier
Musikalische LeitungMichael Rosewell
InszenierungLiam Steel
DesignerAnna Fleischle
LichtJoshua Carr
ProduktionsleiterPaul Tucker
InspizientinRachael Hewer
Chef der KostümeJools Osborne
Royal College of Music

Akt I

In der Kirchenhalle einer kleinen Marktstadt in Suffolk leitet Lady Billows ein Komitee, um ein passendes Mädchen zu wählen, das zur Maikönigin gekrönt werden soll. Ihre Haushälterin, bewaffnet mit Berichten über unwürdiges Verhalten, verurteilt jede einzelne und letztendlich ist keine mehr übrig. Aber warum sollte Tugend dem weiblichen Geschlecht vorbehalten sein? Die ungewöhnliche Idee, einen Maikönig zu krönen, kommt auf und sie beschließen, Albert Herring, den Sohn der verwitweten Gemüsehändlerin, zu ehren. Sein Ruf ist tadellos, und seine Schüchternheit und seine Angst vor Mädchen sind berüchtigt. So beschließt das ganze Komitee, Albert und seiner Mutter die gute Nachricht zu überbringen.

Am selben Tag in Herrings Gemüseladen, zieht Sid, der Metzgerassistent, Albert wegen seiner Unerfahrenheit auf. Albert fühlt sich unbehaglich, als er beobachtet, wie Sid Nancy ganz offen verführt. Die Situation lässt ihn sein einfaches Leben und das, das seine Mutter für ihn aufgebaut hat, in Frage stellen. Als Lady Billows und ihr Gefolge kommen, um Albert zu seiner Wahl zum Maikönig gratulieren, ist Mrs. Herring hocherfreut, doch Albert eher besorgt, da er Angst hat zum Gespött der Stadt zu werden.

Akt II

Drei Wochen später ist endlich der Tag des 1. Mais. In der Kirchenhalle beeilen sich Florence und Nancy, die Vorbereitungen für das Stadtfest zu treffen. Sid hat eine Idee, um Unheil zu stiften und geht mit Nancy hinaus, um ihr von seinem Plan zu erzählen. Als sie zurückkommen, um Limonade für das Fest zu servieren, mischt Sid in Alberts Limonade Rum. Die Gäste erscheinen, bald gefolgt von Albert. Lady Billows beginnt das Fest mit einem großen Willkommen, das zu einer leidenschaftlichen Predigt wird, die die Jugend der Stadt vor unmoralischem Verhalten warnt. Die Zeremonie endet mit einem Toast auf Albert und Lady Billows. Albert trinkt von seiner falschen Limonade, wovon er Schluckauf bekommt.

Nach den Feierlichkeiten kehrt ein betrunkener Albert nach Hause zurück. Er hört Pfeifen von draußen: es ist Sid, der nach Nancy vor ihrem Fenster ruft. Sie kommt auf die Straße und sie lachen über Alberts Aussehen und seine Persönlichkeit. Im Laufe ihrer Unterhaltung erfährt Albert, dass Sid Rum in sein Getränk getan hat. Nachdem er die liebenden Liebenden auf der Straße gehört hat, kann Albert das Joch seiner Keuschheit nicht länger ertragen. Er macht sich mit seinem Preisgeld auf den Weg, um ein kleines Abenteuer zu erleben. Er verpasst knapp seine Mutter, die nach Hause kommt.

Akt III

Am folgenden Morgen hat Alberts Verschwinden die Stadt in Aufruhr versetzt. Nancy schimpft mit Sid, da er nicht sonderlich um sein Verschwinden besorgt ist. Mrs. Herring, völlig verstört und überzeugt davon, dass Albert tot ist, wehklagt über das eine Foto, das sie von ihrem Sohn hat. Als die Polizei Alberts Maifeiertagskranz überfahren auf der Straße findet, glauben Mrs Herring und die Stadtbewohner, dass dies Alberts Tod bestätigt und sie schließen sich für eine Threnodie der Klage zusammen. Schließlich kehrt Albert zurück. Als die Stadtelite wissen will, wo er gewesen ist, erzählt Albert selbstbewusst von einer Nacht voller betrunkener Ausschweifungen. Die Beschreibung seines sündigen Abends, schockiert und entsetzt seine Mutter und die Dorfelite, während Sid und Nancy entsprechend beeindruckt sind. Mit seiner neugewonnenen Selbstsicherheit schleudert Albert seinen Krönungskranz weg. Er ist sich sicher, nun eine Zukunft zu leben, in der er sich selbst treu bleiben wird.

1° Ein Suffolk-Komponist

Benjamin Britten, der am St. Cecilia Tag im Fischereihafen von Lowestoft, Suffolk, geboren wurde, war von klein auf ein produktiver und erfolgreicher Komponist. Als Pazifist und Kriegsdienstverweigerer, der dem drohenden Krieg in Europa entfliehen wollte, verließ er mit seinem Partner Peter Pears 1939 England, um ihren Freunden, dem Dichter WH Auden und dem Romancier Christopher Isherwood, in die USA zu folgen. Dort stieß Britten auf die Gedichte von George Crabbe aus dem 18. Jahrhundert, die in der Landschaft von Suffolk verwurzelt waren. Heimwehkrank kehrte der Komponist 1942mit Pears nach England zurück. Als Kriegsdienstverweigerer akzeptierte er seine erste Oper, Peter Grimes, basierend auf Crabbes tragischem Gedicht über einen Fischer in Aldeburgh, „The Borough“. Seine triumphale Premiere in London, einen Monat nach dem Ende des Krieges in Europa, spornte ihn an, seine zweite Oper, Die Schändung der Lucretia zu schreiben. Er beendete das Werk in nur vier Monaten, aber seine anschließende Tour durch Englands Provinzstädte war ein kostspieliger finanzieller Misserfolg. Er entschied, dass eine Komödie ein größeres Publikum anziehen würde, weshalb Britten den Winter 1946 und das Frühjahr 1947 damit verbrachte, Albert Herring, seine dritte Oper und seine zweitaufgeführte in Suffolk, zu komponieren.

2° Librettist, Regisseur und Freund

Der britische Theaterregisseur und Opernlibrettist Eric Crozier pflegte eine lange Zusammenarbeit mit Britten. Er leitete die erste Oper des Komponisten, Peter Grimes, in Sadlers Wells im Jahre 1945, sowie seine zweite Oper, Die Schändung der Lucretia, in Glyndebourne im folgenden Jahr. Sie waren Mitbegründer der English Opera Group und Mitbegründer und gemeinsame künstlerische Leiter des Aldeburgh Festivals. Als engagierter Frankophiler schlug Crozier vor, Guy de Maupassants Novelle Le Rosier de Madame Husson in eine Kammeroper zu verwandeln und die Handlung in einer fiktiven Stadt in Suffolk spielen zu lassen. Anstatt einen anderen Librettisten zu engagieren, bat Britten Crozier, den Text für Albert Herring selbst zu schreiben. Darin schrieb er die Figur von Nancy für seine zukünftige zweite Frau, Nancy Evans, eine Mezzosopranistin, die neben Kathleen Ferrier die Rolle der Lucretia mitgestaltet hatte. Die Archive von Crozier und Evans sind in Aldeburgh erhalten.

3° Die English Opera Group

Um künstlerische, finanzielle und administrative Kontrolle über ihre Unternehmungen bei der Inszenierung neuer englischer Opern zu behalten, gründeten Britten, Crozier und Designer John Piper The English Opera Group. Sie wurde auf einer Non-Profit-Basis gegründet und zielte darauf ab, jährliche Saisons der zeitgenössischen Oper in Englisch sowie geeignete klassische Werke, darunter die von Purcell, darzubieten. Anfang 1947 veröffentlichte die Gruppe ein Flugblatt, in dem sie ihre Gründung der Öffentlichkeit bekannt gaben: „Wir glauben, dass die Zeit gekommen ist, in der England, das nie eine Tradition der einheimischen Oper hatte und immer auf ein Repertoire ausländischer Werke angewiesen war, seine eigenen Opern schaffen kann. Die Oper ist genau wie Orchestermusik, Theater und Malerei ein wichtiges Mittel künstlerischen Ausdrucks. Der Mangel hat eine gewisse Verarmung des englischen Kunstlebens zur Folge gehabt.“ Zur Zeit der Druckschrift schrieb Britten bereits seine dritte Oper, Albert Herring. Die erste Aufführung und ein Revival von Die Schändung der Lucretia bildeten die erste Saison der Gruppe, die am 20. Juni desselben Jahres in Glyndebourne eröffnet wurde. Die Gruppe prämierte weitere neue Opern, einschließlich William Waltons The Bear und Harrison Birtwistles Punch and Judy, bevor sie sich 1980 nach einer letzten Produktion von Brittens Sommernachtstraum auflöste.

4° Anhaltende Themen

Albert Herring, Brittens dritte Oper, ist eine fröhliche Komödie in der malerischen Stadt Loxford in Suffolk, einem fiktiven Ort, der eine verblüffende Ähnlichkeit mit der echten Stadt Yuffford in Suffolk hat. Es scheint eine Welt fern von den grausamen letzten Tagen des Römischen Reiches zu sein, wie sie in der zweiten Oper des Komponisten, Die Schändung der Lucretia, dargestellt sind, die wiederum kaum unterschiedlicher, als die großartigen Orchester-Meereslandschaften in seinem ersten, Peter Grimes sein könnten. Nichtsdestotrotz teilen alle drei Werke beständige Themen, vor allem die Korruption der Unschuld, den Platz des Außenseiters in der Gesellschaft und, wie Britten seine erste Oper zusammenfasste, „den Kampf des Individuums gegen die Masse“. Peter und Albert sind jeweils Opfer von Kleinstadt Verdächtigungen und Verurteilungen auf ihre eigene Art und Weise. Ebenso sind Lucretia und Albert tugendhafte Ausnahmen unter ihren triebhaften Altersgenossen. Von den Dreien ist es jedoch nur Albert, der ein tragisches Schicksal dadurch vermeidet, dass er soziale Erwartungen untergräbt und seine eigene Unschuld willig verdirbt.

5° Junge Talente

Die Internationale Opernschule des Royal College of Music ist eine Fachgemeinschaft, in der sich die besten jungen Sänger aus der ganzen Welt treffen, um mit führenden Fachleuten zu arbeiten und sich auf internationale Opernkarrieren vorzubereiten. Dame Joan Sutherland, Sir Thomas Allen, Sarah Connolly und Gerald Finley sind unter den gefeierten Stars, die dort ihre Karriere begannen, ebenso wie die umjubelte schottische Sopranistin Janis Kelly, die Lady Billows in dieser Produktion singt. Der Dirigent ist Michael Rosewell, Operndirektor am Royal College of Music und Musikdirektor der English Touring Opera. Er gilt als einer der führenden Interpreten von Brittens Musik und ist der einzige Dirigent, der eingeladen wurde, den Sommernachtstraum in der Jubiläumshalle des Aldeburgh Festivals zu dirigieren, da Britten dort selbst 1960 die Uraufführung dirigierte.