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Komische Oper Berlin

Blaubart

Opern | Offenbach

Blaubart hat mehr als nur eine Leiche im Keller, doch jetzt kommen sie zurück um ihn heimzusuchen...

In deutscher Sprache.

Verfügbar von
23.03.2018 um 19:30 MEZ

BlaubartWolfgang Ablinger-Sperrhacke
König BobèchePeter Renz
Königin Clémentine, Frau des Königs BobècheChristiane Oertel
Prinzessin Hermia, Tochter der beiden, im 1. Akt FleuretteVera-Lotte Böcker
Prinz Saphir, im 1. Bil Schäfer unter dem Namen DaphnisJohannes Dunz
Popolani, Alchimist im Dienste Barte-BlausTom Erik Lie
Graf Oscar, Minister des KönigsPhilipp Meierhöfer
Graf MarizaChristoph Späth
BoulotteSarah Ferede
HeloïseKatarzyna Włodarczyk
EléonoreGeorgina Melville
Gevatter TodWolfgang Häntsch
CupidoRüdiger Frank
ChorChorsolisten der Komischen Oper Berlin
OrchesterOrchester der Komischen Oper Berlin


MusikJacques Offenbach
LibrettoHenri Meilhac und Ludovic Halévy; Textfassung von Stefan Herheim, Alexander Meier-Dörzenbach und Clemens Flick
Musikalische LeitungStefan Soltész
InszenierungStefan Herheim
BühneChristof Hetzer
KostümeEsther Bialas
LichtRobert Pflanz
ChorleitungJean-Christophe Charron
DramaturgieAlexander Meier-Dörzenbach

Akt 1

Das Bauernmädchen Fleurette und der Hirtenjunge Saphir lieben sich. Aber wie wir bald herausfinden, ist Fleurette in Wirklichkeit Prinzessin Hermina, die als kleines Kind verlassen und dann von gutherzigen Hirten aufgenommen wurde. Saphir ist ebenfalls ein Prinz, der sich verkleidet um bei seiner Geliebten Fleurette zu sein. Boulotte ist ein weiteres Bauernmädchen, das andauernd Saphir verfolgt.

Währenddessen erinnert sich der König schlagartig an seine, vor langer Zeit, verlassene Tochter, da sein Sohn unfähig ist die Herrschaft zu übernehmen. Er bittet seinen Minister Oscar sie zu suchen. Oscar gelingt es Herminia in ihrem Leben als Fleurette zu finden und bringt sie zu ihren Eltern.

Boulotte hat ein dörfliches Gewinnspiel gewonnen und Ritter Blaubarts Alchemist, Popolani hat entschieden, dass sie Blaubarts fünfte, zukünftige Frau werden soll. Popolani war auch schon mit der Vergiftung der vorherigen Frauen von Blaubart beauftragt und steht seinem Meister stets zu treuen Diensten.

Akt 2

Szene 1

Mit ihren königlichen Eltern vereint, widersetzt sich Hermia zunächst den Absichten ihrer Eltern sie zu verheiraten. Aber als sie herausfindet, dass es sich bei dem vorgesehenen Ehemann um Prinz Saphir handelt, der ja ihr geliebter Hirtenjunge war, ist sie hoch erfreut.

Szene 2

Blaubart ist schnell von Boulotte gelangweilt und hat nun Hermia im Visier. Er beauftragt Popolani damit, den üblichen Anti-Ehefrauen Trank vorzubereiten und Boulotte damit zu vergiften. in Wirklichkeit aber, hatte Popolani Blaubarts Frauen gar nicht vergiftet. Er verabreichte ihnen lediglich einen Trank, der sie in einen erholsamen Schlaf versetzte.
Als Boulotte aus dem Schlaf erwacht, führt sie alle Frauen in Form eines feministischen Marsches zum Palast.

Akt 3

Als Saphir und Hermia gerade dabei sind den heiligen Bund der Ehe zu schließen, platzt Blaubart in den Palast herein und verkündet den „tragischen Tod“ seiner letzten Ehefrau Boulotte. Er greift sich Hermia und attackiert Saphir. Plötzlich stürmen Boulotte und die anderen, sehr lebendigen, ehemaligen Frauen in den Palast um Blaubarts Verbrechen zu enthüllen. 

5 Dinge, die man über Blaubart wissen sollte

1° Im Gegensatz zu dem Märchen von Perrault

1866 schufen Offenbach und seine üblichen Librettisten Meilhac und Halévy die Komposition von Blaubart am Théâtre des Variétés in Paris. Obwohl der Titel uns gleich an die schreckliche Persönlichkeit aus dem Märchen von Charles Perrault erinnert, haben der Komponist und seine Librettisten sich in Wirklichkeit sehr frei von dem Werk des Schriftstellers inspirieren lassen. Weit entfernt von dem grauenhaften Märchen, haben sie es in eine Opera buffa verwandelt. Die Legende des Blaubarts wurde übrigens schon des Öfteren als Vorlage für komische Volksmärchen in Europa genutzt, vor allem für Pantomime in England. In dieser Fassung wurden die Frauen, im Gegensatz zu dem Märchen von Perrault, nicht umgebracht. Popolani, sein Alchimist, der für die tödlichen Flüssigkeiten zuständig war, hatte den Frauen einen Schlaftrank verabreicht und sie dann in einem Keller untergebracht. Bis zu dem Tag, an dem sie erwachen und sich an ihrem Exmann rächen…

2° Eine Satire über die bürgerliche Gesellschaft des 19. Jahrhunderts

Man kennt den Geschmack Offenbachs für politische und soziale Satire. Zeitgenössisch mit den drei großen Erfolgen: Die schöne Helena (1864), Die Großherzogin von Gerolstein (1867) und Pariser Leben (1866), ist Blaubart eine Kritik der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts aber ebenfalls der Zeit von Napoleon III.  Das Thema Sexualmoral dieser Epoche muss tatsächlich teuer bezahlen: Der Charakter von Blaubart reiht seine Ehefrauen ähnlich aneinander, wie es Kaiser Napoleon III mit den unzähligen Eskapaden tat, die seine sexuelle Begierde stillen sollten. Aber es handelt sich ebenfalls um eine faule und inkompetente Elite, in der sich die bürgerliche Eheschließung in ihren Fundamenten befindet – Treue und Jungfräulichkeit – die fröhlich durch Unterhaltung kritisiert wird.

3° Eine Oper, die in der Epoche einen gewissen Erfolg hatte

In der Epoche seiner Schöpfung, ist die Oper viel umhergereist und hatte vor allem in Europa (London, Wien, Berlin, Mailand, Budapest), einen gewissen Erfolg und auch zwei Jahre später in den USA (New York). Dieser Erfolg entstand aber auch dank der Abwesenheit von Zensur in dem Werk, dass die Macht sehr offen kritisiert. Gibt es ein Erfolgsrezept? Abgesehen von der schrecklichen Geschichte, denkt man an beliebte Schauspieler, wie José Dupuis und Hortense, den gleichen Schaffungsort, das Théâtre des Variétés, ohne von den Librettisten Meilhac und Halévy zu sprechen, mit denen Offenbach es gewohnt ist zusammenzuarbeiten. Heute bleibt festzustellen, dass Blaubart weniger bekannt ist und weniger auf den Opernbühnen aufgeführt wird, als Offenbachs andere sehr berühmten Opern, die in der selben Epoche komponiert wurden.

4° Blaubart, eine Legende die mehrere Komponisten inspiriert hat

Die Legende von Blaubart fasziniert unzählige Komponisten und scheint eine Quelle der Inspiration zu sein. Unter ihnen kann man André Grétry, der um 1789 rum eine sehr seltene komische Oper namens Raoul Barbe-Bleue komponiert hatte, Paul Dukas mit Ariane et Barbe-Bleue 1906 oder auch Béla Bartók mit Herzog Blaubarts Burg 1918, aufzählen.

5° Ein Werk, dass 1963 in das Repertoire der komischen Oper aufgenommen wurde

Walter Felsenstein, einer der größten deutschen Regisseure des 20. Jahrhunderts und Gründer der komischen Oper Berlin, nahm Blaubart 1963 in das Opernrepertoire auf. Nun ist es schon 50 Jahre her, seit die Oper das letzte Mal aufgeführt wurde. Der Intendant der komischen Oper hat den norwegischen Regisseur Stefan Herheim um eine neue Fassung von Blaubart gebeten. Die Hauptrolle wird von Wolfgang Albinger-Sperrhacke verkörpert, der einer der vielseitigsten Tenore seiner Generation ist und seine Anfänge an der komischen Oper macht.