Preloader Operavision
Hannakaisa Nyrönen, Jenny Carlstedt, Nicholas Söderlund - photo: Tuomo Manninen

Finnish National Opera and Ballet

Covid fan tutte

Ein Opernklassiker in neuem Gewand

Opern | Mozart

Auf der Bühne proben die Sänger*innen Die Walküre, als sie plötzlich unterbrochen werden. Da das Management entlassen wurde und sich die Nachricht von einem globalen Virus rasch verbreitet, werden die Wagnerianer plötzlich angewiesen, eine moderne Satire über die Situation aufzuführen.

 

Covid fan tutte greift Mozarts klassische Oper satirisch wieder auf und adaptiert deren Handlung auf die Erfahrungen Finnlands während der Coronavirus-Krise. Mit Karita Mattila in der Hauptrolle und unter der Leitung von Esa-Pekka Salonen verfolgt die Inszenierung unbeschwert das Leben gewöhnlicher Finnen inmitten von Pressekonferenzen der Regierung und Pandemieexperten. Das Libretto für die Covid-Zeit stammt von Minna Lindgren; die Musik ist (fast) zu 100% von Mozart.

In finnischer Sprache

 

Mit englischen Untertiteln und zusätzlich automatische Übersetzungen in mehr als hundert andere Sprachen.

Verfügbar von
16.10.2020 um 19:00 MEZ

bis
04.04.2021 um 12:00 MEZ

Despina Karita Mattila
Fiordiligi Miina-Liisa Värelä
Don Alfonso Tommi Hakala
Dorabella Johanna Rusanen
Ferrando Tuomas Katajala
Guglielmo Waltteri Torikka
Schnittstellenmanagerin Sanna-Kaisa Palo
Mouzart Ylermi Rajamaa
Covid-Virus Natasha Lommi
Gebärdensprachdolmetscherin Outi Huusko


Musik Wolfgang Amadeus Mozart
Libretto Minna Lindgren, nach Da Ponte
Musikalische Leitung Esa-Pekka Salonen
Inszenierung Jussi Nikkilä
Bühne Mark Väisänen
Kostüme Erika Turunen
Licht Mikko Linnavuori
Choreografie Riikka Räsänen

Die Finnish National Opera hält auch unter außergewöhnlichen Umständen durch. Auf der Bühne haben sich Wagner-Sänger*innen darauf vorbereitet, Die Walküre aufzuführen. Da der größte Teil der Direktion entlassen wurde, wird die Situation von der Schnittstellenmanagerin überwacht, die die Produktion auf eine satirische Adaption von Così fan tutte umstellt. Sowohl Mozarts Musik als auch die Handlung, die die finnische Reaktion auf den Ausbruch des Coronavirus lampiert, ist ein neuer Aufbruch für die Wagnerianer.

Die Star-Sopranistin kommt etwas verspätet. Ihre internationale Tournee ist abgesagt worden. Die Finnish National Opera bietet ihr unerwartet eine Stelle an. Doch schon bald sind die Sängerinnen und Sänger des temporären Projekts überdrüssig. Die Sopranistin und der Tenor experimentieren mit der Arbeitsplatzromanze, doch die sozialen Distanzierungsmaßnahmen und die Schnittstellenmanagerin stören ihre Absichten. Die Schnittstellenmanagerin hat einen Arzt gefunden, der einen von ihm entwickelten Impfstoff an den Sänger*innen testen wird.

Plötzlich erscheint für alle die Personifizierung von Covid. Niemand weiß, ob der Anblick wahr, eine Illusion oder ein Symptom einer Krankheit ist. Nur die Starsängerin bleibt bei Verstand und reist nach Erhalt eines Flugtickets nach Paris ab. Schließlich wird eine bessere Zukunft besungen, eine Zeit, in der sich die Wirtschaft erholt hat und Wagner endlich in der Oper gesungen werden kann.

Mozart in Helsinki

Zur Zeit Mozarts schreckten die Interpreten nicht davor zurück, Opern zu verändern, Arien zu tauschen, langweilige oder technisch anspruchsvolle Abschnitte zu überspringen und das Libretto zu retuschieren. Die Vorstellung von einem originalen, authentischen Kunstwerk ist eine moderne Erfindung. Die Inszenierung der Finnish National Opera aus dem Jahr 2020 wirft solche Skrupel über Bord und aktualisiert Così fan tutte radikal. Das Ergebnis ist ein satirischer Blick auf die Erfahrungen des Coronavirus-Ausbruchs in Finnland im Frühjahr.

Mozart war ein schelmischer und phantasievoller Bursche, der nicht an konventionelles Denken gekettet war. Er würde sich wahrscheinlich sehr über dieses Projekt freuen.

Esa-Pekka Salonen, Dirigent

Der Komponist und Chefdirigent des Philharmonia Orchestra in London, Esa-Pekka Salonen, flog bei Ausbruch der Pandemie in seine Heimatstadt Helsinki, wo er das Projekt mit der finnischen Sopranistin Karita Mattila erarbeitete.

„Wir machen uns nicht über die Tragödie und Krise von Covid-19 lustig. Die Arbeit erzählt einfach von der Realität, in der wir leben‟, stellt Salonen klar. „Der Oper als Genre wird oft vorgeworfen, nicht in der heutigen Zeit zu leben und nicht auf aktuelle Themen zu reagieren. Dieses Werk beschäftigt sich nun mit unserer Zeit und unseren Menschen‟.

Eine solch schnelle Reaktion war möglich, da Covid fan tutte in weniger als sechs Monaten anstatt der üblichen mehreren Jahre, die man für die Aufführung einer neuen Oper benötigt, entstanden ist. Die Librettistin Minna Lindgren, die das Libretto für die Inszenierung völlig umgeschrieben hat, reflektiert über den Zeitmangel: „Schon Mozart wusste, dass der Impresario, der hinter der Tür rast, die beste Inspiration eines Künstlers ist‟. 

Ich glaube, wir werden über unsere gemeinsamen Erlebnisse lachen oder zumindest lächeln können, wenn wir sehen, wie gut sie mit Mozarts Musik zusammenpassen. In dieser Oper geht es nicht um eine schwere Krankheit, um die Ängste der Menschen oder gar um den Tod. Ich hoffe, dass der einzigartige Zauber von Mozarts Oper uns alle dazu bringen kann, innezuhalten und uns an einer einfachen Geschichte zu erfreuen, die in Musik umgesetzt wurde.

Minna Lindgren, Librettistin

Die Entscheidung, eine komprimierte Neuauflage von Così fan tutte aufzuführen, war von strategischer Bedeutung, da die Oper mit einem kleinen Orchester und ohne Chor aufgeführt werden kann, um soziale Distanzierung zu gewährleisten. Da es sich bei Così fan tutte um eine Nummernoper handelt, die aus einzelnen Musikstücken besteht, konnte Lindgren die Arien herauspicken, die ihrem Umriss am besten entsprachen. „Wir brauchten ein unbekümmertes Duett, eine zärtliche Arie, eine inbrünstig energische und eine voller Wut. Ein entschlossenes Quintett eröffnet die Pressekonferenz der Regierung, während das zärtliche an die Gebrechlichkeit der älteren Menschen erinnert.‟

In der neuen, bruchstückhaften Geschichte ließ Lindgren die Rezitative weg und wendet bewusst den typisch Mozart-zeitgenössischen Ansatz zum Urheberrecht an, indem sie dem Team von Jussi Nikkilä die völlige Freiheit zur Bearbeitung ihrer Zeilen gab. Die ursprüngliche Reihenfolge der musikalischen Nummern wurde neu gemischt, um unnötige Wendungen in der Handlung zu überspringen. Despinas Rolle, interpretiert von Mattila, gewann in dieser Fassung an Bedeutung, und die Sopranistin stiehlt mehr als einmal die Baritonpartien von Guglielmo und Alfonso. Aufmerksame Zuhörer werden eine Arie aus Don Giovanni und eine weitere aus Die Zauberflöte erkennen. Ein besonderer Leckerbissen ist eine selten gespielte alternative Baritonarie aus der Uraufführung von Così fan tutte in Wien. Die notwendigen Zwischenspiele, Keyboard-Parts und der Flip in der Ouvertüre stammen aus der Feder von Esa-Pekka Salonen. 

Was Sie hier erleben werden, ist eine Mozart-Oper, wie Sie sie noch nie zuvor gehört haben: auf Finnisch gesungen, freudig ungeniert und absolut aktuell. Covid fan tutte: Niemand sonst macht es so (wie die Finnish National Opera).