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Guido Loconsolo, Teresa Iervolino, Chiara Tirotta, John Irving, Chorus of Teatro di San Carlo - photo: Luciano Romano

Teatro di San Carlo

Ermione

Ein wirres Märchen über LIebe, Krieg und kaltherzige Rache.

Opern | Rossini

Nach dem Trojanischen Krieg droht eine Reihe von unerwiderten Liebschaften den fragilen Frieden zu destabilisieren. Aber für die zurückgewiesene spartanische Prinzessin gibt es nur noch zwei Möglichkeiten: Vergebung und Mord.

 

Ermione, die ehrgeizigste und innovativste aller Opern von Rossini, war bei ihrer Premiere im Teatro di San Carlo vor 200 Jahren ein verheerender Misserfolg. In einer neuen Produktion des italienischen Regisseurs Jacopo Spirei mit der amerikanischen Sopranistin Angela Meade in der Titelrolle kehrt sie nun ins Theater in Neapel zurück.

In Italienischer Sprache

 

Französische, englische und deutsche Untertitel sind bald verfügbar und zusätzlich automatische Übersetzungen in mehr als hundert andere Sprachen.

Verfügbar von
09.11.2019 um 19:00 MEZ

bis
08.05.2020 um 23:59 MEZ

ErmioneAngela Meade
AndromacaTeresa Iervolino
PirroJohn Irvin
OresteAntonino Siragusa
PiladeFilippo Adami
FenicioGuido Loconsolo
CleoneGaia Petrone
CefisaChiara Tirotta
AttaloCristiano Olivieri
ChorTeatro di San Carlo
OrchesterTeatro di San Carlo


MusikGioachino Rossini
LibrettoAndrea Leone Tottola
Musikalische LeitungAlessandro De Marchi
InszenierungJacopo Spirei
Stellvertretender RegisseurJoão Carvalho Aboim
BühneNikolaus Webern
KostümeGiusi Giustino
LichtGiuseppe Di Iorio
ChorleitungGea Garatti Ansini
Video-DirektorAlberto Massarese
Filmen & BearbeitenSUD Comunicazioni

I. Akt

Pyrrhus, Sohn von Achilles und König von Epirus, hat versprochen, Hermione, Tochter von Menelaos, zu heiraten, aber er hat sich in die trojanische Gefangene Andromache, die Witwe Hektors, verliebt. In einem Verlies erinnern sich die trojanischen Gefangenen an die vergangene Größe ihres Landes und beklagen ihr Schicksal. Andromache tritt mit Attalo und Fenicio auf. Sie durfte ein paar Minuten mit ihrem Sohn Astyanax verbringen. Attalo rät ihr, ihre Trauerkleidung abzulegen und an die Zukunft ihres Sohns zu denken, aber Fenicio unterbricht ihn, nachdem er verstanden hat, dass Attalo versucht, Pyrrhus' Liebe zu Andromache zu ermutigen, eine Liebe, die die Griechen nie dulden würden und die nur zu einem weiteren Krieg führen könnte.

Draußen laden die Dienstmädchen Hermione ein, die Jagd zu genießen, aber die Prinzessin schmerzt die Eifersucht. Als Pyrrhus eintritt, wirft sie ihm vor, Andromache zu lieben und droht mit Rache. Aber Pyrrhus gibt nicht klein bei, auch wenn er besorgt ist über die Ankündigung der Ankunft von Orestes als Bote der Könige von Griechenland.

Im Palast denkt Orestes nur daran, Hermione wiederzusehen, da er schon lange in sie verliebt ist, aber Pylades fordert ihn auf, sich zu beherrschen und eher an die Mission zu denken, die Griechenland ihm anvertraut hat. Pyrrhus tritt mit seinem Hof ein und lädt zu Hermiones Zorn Andromache ein, sich zwischen die Adligen zu setzen. Orestes erklärt seine Mission: Die Könige von Griechenland wollen, dass der junge Astyanax getötet wird, damit die Macht Trojas nicht wieder aufersteht. Pyrrhus lehnt diese Bitte nicht nur ab, sondern offenbart öffentlich seine Liebe zu Andromache und kündigt seine Absicht an, sie zu heiraten.

Außerhalb des Palastes rät Cleone Hermione, sich von Orestes rächen zu lassen. Als Orestes ihr seine Liebe erklärt, kann Hermione sich nicht dazu bekennen, weist ihn aber auch nicht ab. Pyrrhus kehrt mit seinen Anhängern zurück. Da Andromache im Angedenken an Hector ihre Hand verweigert hat, hat er beschlossen, Astyanax an Oreste abzugeben und mit Hermione Frieden zu schließen. Aber als die Wachen Astyanax anführen, ist Andromache von ihren mütterlichen Instinkten überwältigt und sie fleht Pyrrhus an, ihr Zeit zum Nachdenken zu geben. Pyrrhus ist erfreut, während Hermione und Orestes von Bestürzung und Wut überwältigt werden.
 
II. Akt

 
Im Innenhof des Palastes ist Pyrrhus überglücklich zu hören, dass Andromache endlich zugestimmt hat, seine Frau zu werden. Er befiehlt, dass die Trauung unverzüglich vollzogen wird. In Wirklichkeit will Andromache ihn dazu bringen, auf dem Altar zu schwören, Astyanax zu schützen, dann wird sie sich umbringen. Hermione ist derweil Opfer von konfliktreichen Gefühlen: ihre Liebe zu Pyrrhus, der Wunsch nach dem Tod und die Lust auf Rache. Doch wütend über den Anblick des Hochzeitszuges von Pyrrhus und Andromache fordert sie, dass Orestes den Verräter tötet. Sie bedauert dies sofort und fühlt sich wieder einmal geneigt, Pyrrhus zu vergeben - alles vergeblich, denn Orestes gibt ihr seinen Dolch, der mit dem Blut von Pyrrhus befleckt ist. Hermione wirft ihm wild vor, dass er ihre wahren Gefühle nicht verstanden hat, und bricht zusammen, nachdem sie die Furien gerufen hat, um den Verbrecher zu bestrafen; Pylades und seine Männer drängen Orestes zurück zu ihrem Schiff, um ihn vor der wütenden Bevölkerung zu schützen.

5 Dinge, die man über Ermione wissen sollte

1° Ein Angebot, das er nicht ablehnen konnte

Mit anfang 20 war Gioachino Rossini schon zu einigem Ruhm gelangt. Seine Oper L'italiana in Algeri war in Venedig ein großer Erfolg, und er war bei führenden Opernhäusern in ganz Italien gefragt, unter anderem am Teatro alla Scala in Mailand. Seine größte Vertrauensprobe wurde ihm jedoch 1815 zuteil, als die Stadt Neapel ihn einlud, die Stelle des örtlichen Komponisten und Musikdirektors für die königlichen Theater, darunter das Teatro di San Carlo, zu übernehmen. Zum ersten Mal konnte Rossini regelmäßig für ein festes Haus mit erstklassigen Sängern und einem guten Orchester schreiben, mit angemessenen Proben und Zeitplänen, so dass er nicht mehr in aller Eile komponieren musste, um Termine einzuhalten.

2° Aufstieg aus der Asche

Das städtische Musiktheater nahm Rossini nicht sofort begeistert auf, so dass er für seine erste Oper für das Teatro di San Carlo, Elisabetta, regina d'Inghilterra, eine Auswahl der besten Musik aus seinen früheren Werken wiederverwendete, von denen er wusste, dass sie das Publikum noch nie zuvor gehört hatte. Die Oper wurde mit großer Begeisterung aufgenommen, ebenso wie die neapolitanische Uraufführung von L'italiana in Algeri, und Rossinis Position als einheimischer Komponist wurde gesichert. Anfang 1816 wurde das Innere des Theaters durch einen Brand zerstört, aber auf Befehl von König Ferdinand I. wurde es innerhalb von nur zehn Monaten neu gestaltet und wieder aufgebaut. Der Barbier von Sevilla und La cenerentola wurden in der Zwischenzeit in Rom uraufgeführt, aber als das Teatro di San Carlo wiedereröffnet wurde, wurde es wieder der Ort, an dem Rossini seine neuen Werke wie Armida, Mosè in Egitto, Ricciardo e Zoraide und im März 1819 Ermione präsentieren konnte.

3° Ein glücklicher Fehler

Basierend auf Jean Racines Stück Andromaque aus dem Jahre 1667 spielt Rossinis Ermione kurz nach dem Trojanischen Krieg. Das Stück erzählt die Geschichte von Hermiones Ermordung durch König Pyrrhus, nachdem er sie zugunsten von Andromache abgelehnt hatte. Die Oper galt als gescheitert und wurde nach nur sieben Aufführungen abgesetzt. Dennoch schien Rossini dieses Werk sehr zu mögen und behielt sein Manuskript für den Rest seines Lebens. „Es ist mein kleiner italienischer Guillaume Tell“, soll er im hohen Alter gesagt haben, „und es wird erst nach meinem Tod das Licht der Welt erblickenl“. Schließlich wurde 1977 in Siena ein Konzert gegeben, und zehn Jahre später folgte die erste moderne Inszenierung beim Rossini Opera Festival in Pesaro.

4° Anspruchsvolle Musik

Für Alessandro De Marchi ist Ermione eine schwierig zu dirigierende Oper, da sie seine gesamte Aufmerksamkeit erfordert. Dies liegt nicht nur an der anhaltenden dramatischen Spannung, sondern auch daran, dass zwischen den Arien und den Rezitativen wenig Platz zum Atmen ist, wobei Rossini jedes Stück mit dem nächsten verbindet in einer Weise, die an Glucks französische Opern erinnert. „Noch schwieriger“, sagt De Marchi, „aber was der Dramaturgie sehr hilft, ist unsere Entscheidung, die Rezitative auf der Grundlage der Rhythmen der Worte durchzuführen, was den Sängern die Freiheit gibt, den Text so zu interpretieren, als wären sie Schauspieler“. Das impliziert natürlich eine größere Reaktivität des Orchesters, um die Stimmen richtig zu begleiten.

5° Ein komplizierter Charakter

Seit Jahren wollte die amerikanische Sopranistin Angela Meade die Titelrolle in Ermione singen: „Ich war mir nicht sicher, ob es jemals passieren würde, weil es eine so seltene Oper ist. Und dann passierte es mit Alberto Zedda in A Coruña, Spanien, und danach auch an anderen Orten, auch als konzertante Aufführung“. Dann wurde sie eingeladen, die Rolle am Teatro di San Carlo zu singen. „Ich dachte: Wie interessant, dass das Werk an dem Ort aufgeführt wird, an dem es geboren wurde! Besonders zum 200. Jahrestag. Es ist ein ganz besonderer Anlass, um hier zu sein“. Meade erklärt, dass Ermione ein sehr komplizierter Charakter ist: „Sie durchlebt eine große Bandbreite von Emotionen, die von Liebe zu Hass, zu Wut, zu Mitleid, zu einer ganzen Reihe von Dingen reichen! Sie wechselt von einer Emotion zur anderen, was es kompliziert macht. Ich versuche lediglich, all diese verschiedenen Emotionen mit ins Spiel zu bringen.“