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Birmingham Opera Company

Birmingham Opera Company

Fidelio

Wie können wir Freiheit erlangen?

Opern | Beethoven

Unter den kompliziertesten Umständen, in denen die Welt unvorstellbar dunkel erscheint, nimmt eine Frau ihr Leben selbst in die Hand. Sie riskiert alles, um ihren politisch inhaftierten Mann zu retten - und befreit sich selbst.

 

Die Produktion der Birmingham Opera Company,  die in einem riesigen Zirkuszelt spielt und Profi- und Laiendarsteller*innen vermischt, erforscht auf eindrucksvolle Weise, was Unterdrückung heute bedeutet.Das eindrucksvolle Schauspiel von über 200 Einheimischen, die ihre eigenen Gefangenschaften aufführen und Freiheit erleben, wird Ihnen noch lange im Gedächtnis bleiben.

Aufgezeichnet in 2002

 

Mit englischen Untertiteln und zusätzlich automatische Übersetzungen in mehr als hundert andere Sprachen.

Verfügbar von
24.10.2020 um 19:00 MEZ

bis
24.02.2021 um 12:00 MEZ

Florestan Ronald Samm
Leonore Jane Leslie MacKenzie
Rocco Jonathan Best
Marzelline Donna Bateman
Jaquino John Upperton
Don Pizarro Keel Watson
Don Fernando Michael Druiett


Musik Ludwig van Beethoven
Musikalische Leitung William Lacey
Inszenierung Graham Vick
Bühne Paul Brown
Licht Robert A Jones
Bewegungsregisseur Ron Howell
Neue orchestrale Version Julian Grant
Neue Version des Stücks Sarah Woods

Leonore, disguised as a man named Fidelio, has secured a post at the prison where she suspects her husband, Florestan, is being illegally incarcerated. Marzelline, the daughter of chief gaoler Rocco, has fallen in love with Fidelio, much to the annoyance of fellow employee Jaquino.

Fidelio persuades Rocco to share supervision of the inmates. Upon overhearing plans to kill the prisoner in solitary confinement, Fidelio secures permission to assist in preparing the grave.

Deprived of light, air, nourishment and liberty, Florestan considers his hopeless situation, seeing a vision of Leonore leading him to freedom. Upon hearing his voice, Fidelio recognises her husband, reveals herself as Leonore and threatens the governor, Pizarro, with a gun. At that very moment, the Minister arrives and announces a pardon for all prisoners, allowing Leonore to finally release her beloved Florestan.

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Über die klassische Nacherzählung der Oper hinaus ist Fidelio der Birmingham Opera Company eine Geschichte von persönlicher, politischer und sozialer Gefangenschaft und Befreiung.

In der Pause wurde jedem Zuschauer eine nummerierte schwarze Tasche ausgehändigt. Zu diesem Zeitpunkt der Aufführung waren sie bereits der Gewalt der Bereitschaftspolizei ausgesetzt, inhaftiert und dann freigelassen worden. Sie waren also längst Teil der Aufführung. Als sie zum Zelt zurückkehrten, mussten sie ihre Nummern finden und sich auf sie stellen. Auf Anweisung mussten sie sich die schwarze Tasche über den Kopf stülpen. Florestans Erfahrung der Gefangenschaft in der Dunkelheit teilend, stand jeder Zuschauer neun Minuten lang unerreichbar in völliger Dunkelheit und lauschte, bis die Worte „Leonore kommt‟ erklangen. Das war ihr Stichwort, die Kapuzen abzunehmen, als Leonore - und Beethoven - das Licht der Hoffnung in ihre Dunkelheit brachten.

Atme das Leben

Wie die Inszenierungen von Graham Vick Barrieren abbauen
Opernhäuser auf der ganzen Welt suchen nach neuen Wegen, um ihr Publikum zu erreichen. Diese Bemühungen haben sich mit den Auswirkungen der Pandemie auf den Bereich der darstellenden Künste nur noch verstärkt. Die Birmingham Opera Company ist in dieser Landschaft eine etwas wundersame Ausnahme. Der künstlerische Leiter Graham Vick hat die Oper immer als einen Vektor der Veränderung und Kommunikation verstanden.

Als Künstler besteht unsere Herausforderung nicht darin, wie wir geben können, sondern wie wir zurückgeben können - und ich meine zurückgeben an alle in unserem zunehmend komplexen und reichen Schmelztiegel der Völker. Die Wirkung der Musik verändert sich, indem sie die Menschheit berührt.

Graham Vick

Vick ist an den führenden Opernhäusern der Welt kein Unbekannter, dennoch kehrt er immer wieder in seine Heimatstadt Birmingham zurück und inszeniert. Dort machen seine künstlerisch ehrgeizigen und intellektuell anspruchsvollen Inszenierungen keine leichten Zugeständnisse an ihr Publikum, das zu einem bedeutenden Teil ein Neuling in dieser Kunstform ist. Nichtsdestotrotz strömt die örtliche Gemeinde in Scharen herbei, um an Vicks Produktionen teilzunehmen und sich einzubringen. Was ist also sein Geheimnis?

Freisetzen, was bereits da ist

Obwohl Vick für seine experimentellen Inszenierungen bekannt ist, ist seine Herangehensweise an die Bühnenregie nicht ikonoklastisch. Seine Arbeit - „von den hochkomplexen, facettenreichen Inszenierungen, die das Publikum zu Entscheidungen herausfordern, bis hin zu den strengen, essentiellen Bühnenwelten, die es ermutigen, den leeren Raum mit phantasievollen Reaktionen zu füllen‟ - dreht sich immer um die Musik und versucht, sie freizusetzen.

Vick bezieht sich dabei auf die Interaktion der Musik mit der Bedeutung und versucht, die Interpreten dazu anzuleiten, sich so authentisch mit dem Material zu identifizieren, dass es durch sie wiedergeboren wird. Dieser Prozess des Abbaus von Barrieren und der Förderung direkter persönlicher Begegnungen, so Vick, gelte auch für die Öffentlichkeit. „Alles ist bereits da, bereits vertraut - wenn es nur freigesetzt werden kann.‟

Auf Augenhöhe

Vicks Produktionen treffen das Publikum auf Augenhöhe. In der Überzeugung, dass die Oper allen gehört, bemüht sich die Birmingham Opera Company aktiv darum, ihr Publikum auf ihrem eigenen Terrain zu finden. „Man muss nicht gebildet sein, um von der Oper berührt, bewegt und begeistert zu werden. Man braucht sie nur direkt am eigenen Leib zu erleben, ohne dass einem etwas im Wege steht‟, sagt Vick. Er erkennt und übernimmt die Verantwortung an, proaktiv die Barrieren zu beseitigen und die Verbindungen herzustellen, die die Kraft der Oper für alle freisetzen.

Es überrascht nicht, dass die örtliche Gemeinde in all ihrer ethnischen, religiösen und sozialen Vielfalt eingeladen und ermutigt wird, sich in seinem „immersiven Theater‟ in einem offenen, ermächtigenden Dialog einzubringen. Schon allein aus der Kraft der Inszenierungen wird deutlich, dass die andauernde Beziehung des gegenseitigen Vertrauens für alle Beteiligten bereichernd ist. In Vicks Inszenierungen gibt es keine intellektuellen Barrieren, jeder hat ein Recht auf seine Stimme und es gibt keine Vorsprechen. Der Prozess gleicht einem sich ständig weiterentwickelnden Experiment.

O welche Lust, in freier Luft
Den Atem leicht zu heben!
Nur hier, nur hier ist Leben!

Fidelio, Chor der Gefangenen

Die Inszenierung von Fidelio aus dem Jahr 2002, einer von Vicks persönlichen Favoriten, ist ein erstaunliches frühes Beispiel dafür, wie immersives Theater, wenn es gut gemacht wird, uns alle befreien kann. Als Provokation gedacht, folgt das ganze Publikum Leonore auf ihrer Suche nach ihrem angeketteten Ehemann. Das Ergebnis ist eine mythische Reise in die Gefängnisse, die wir alle für uns selbst bauen. Und so haben über 200 Menschen aus Birmingham an ihrer eigenen Gefangenschaft teil und erleben Freiheit. Die Befreiung, die sich daraus ergibt, ist keine Einbildung, kein Schauspiel, sondern echt. Dies ist vielleicht das Geheimnis von Vick.