Preloader Operavision
Marlēna Keine & cast - photo: Agnese Zeltina

Latvian National Opera and Ballet

I Played, I Danced

Die Kraft eines Liedes kann das Böse in der Welt ausräumen.

Opern | Kalniņš

Eine Hochzeit schlägt fehl, als am Ort der Feierlichkeiten ein Feuer ausbricht und die Braut in die Unterwelt verschleppt wird. Nur ein Kokle-Spieler ist mutig genug - und musikalisch genug - um sich dorthin zu wagen und sie zu retten.

 

I Played, I Danced ist mit seinen Märchenfiguren, Kobolden, dem dreiköpfigen Dämonenkönig und der singenden Maulwurfsgrille eine Geschichte wie keine andere. Die Oper wurde 1977 von Imants Kalniņš komponiert, die ausgefeilte musikalische Sprache webt lettische Volksmusik zu einer einzigartigen und bewegenden Klangwelt. Die führende junge lettische Regisseurin Laura Groza-Ķibere und die bildende Künstlerin Miķelis Fišers bringen in ihrer neuen Produktion die wilde Energie dieser Oper zum Vorschein, die uns zu der Frage zwingt: Wie sehr sollten wir die Dämonen der Vergangenheit bekämpfen und gleichzeitig nach einer besseren Zukunft streben?

In lettischer Sprache

 

Mit englischen Untertiteln und zusätzlich automatische Übersetzungen in mehr als hundert andere Sprachen. Französische und deutsche Untertitel sind bald verfügbar.

Verfügbar von
31.01.2020 um 18:00 MEZ

bis
31.07.2020 um 12:00 MEZ

TotsRaimonds Bramanis
LeldeMarlēna Keine
Der dreiköpfige DämonenkönigJānis Apeinis
LordKrišjānis Norvelis
Der BlindeRihards Mačanovskis
Die HexeIlona Bagele
Der LahmeRinalds Kandalincevs
ZemgusJuris Ādamsons
Die MaulwurfsgrilleLaura Grecka
Leldes MutterEvija Martinsone
Zemgus MutterAndžella Goba
VorarbeiterGuntars Ruņģis
Der KoboldMihails Čuļpajevs
HolzbeinKalvis Kalniņš


MusikImants Kalniņš
LibrettoImants Ziedonis, nach einem Stück von Rainis
Musikalische LeitungMārtiņš Ozoliņš
InszenierungLaura Groza-Ķibere
BühneMiķelis Fišers
KostümeKristīne Pasternaka
LichtOskars Pauliņš
ChoreografieRūdolfs Gediņš
DramaturgieEvarts Melnalksnis

I. Akt

Die Hochzeitsfeier von Zemgus und Lelde soll gleich im Rigaer Schloss am Daugava-Ufer beginnen. Plötzlich erscheinen einige ungebetene Märchenfiguren - der Musiker Tots, die Hexe, der blinde Mann und der Lahme Mann. Tots singt, und sein Lied weckt ein Gefühl von Freiheit und Lebenslust, das Lelde bisher nicht gekannt hat. Als sie in die Zukunft blickt, sieht die Hexe eine Bedrohung für Lelde. Während der Hochzeitszeremonie kommt der alte Lord unbemerkt und stiehlt drei Tropfen Blut von Lelde. Die Saiten von Tots' Kokle - einer traditionellen lettischen Zither - reißen und ein Feuer verschlingt die Burg.

Zemgus trauert über den Tod von Lelde. Tots, der auch um sie trauert, fordert von Mutter Erde, das Mädchen wieder zum Leben zu erwecken. Die Maulwurfsgrille erscheint und spricht im Namen von Mutter Erde. Sie bringt eine Botschaft über die Macht des Gesangs, um das Böse zu bekämpfen. Um Tots' Suche zu unterstützen, gibt sie ihm eine Wurzel, um die zerrissenen Saiten zu ersetzen. Tots hört die Stimmen der Toten. Sie flehen ihn an, für sie und für Lelde zu kämpfen, denn ihr Frieden und ihr Gedächtnis werden durch das Leid, das die Teufel über sie gebracht haben, gestört. Tots wird erzählt, dass Lelde mit Hilfe der Totenkerze und der drei vom Lord gestohlenen Blutstropfen wieder zum Leben erweckt werden kann.

II. Akt

Tots kommt im Botschaftersaal des Rigaer Schlosses an und findet den Lord ganz berrauscht vom Blut Leldes vor. Er gibt sich als einer der Toten aus und weckt mit dem Lord die Teufel, die sich im Schloss niedergelassen haben. Tots unterhält die Teufel und die Hexen mit seiner scharfen Zunge und wird mit einem Teufelsschwanz belohnt, den er als Schnur für seinen Kokle benutzt. Sein Instrument gewinnt einen immer reicheren Klang, der zwei verschiedene Welten verbindet.

Tots findet Lelde. Sie ist schwach, aber noch nicht ganz in der Macht des Teufels, da es erst ihre erste Nacht in der Unterwelt ist. Lelde gibt ihm ihr Haar für eine Saite. Tots verspricht, eine Hochzeit für den Lord und Lelde zu arrangieren, damit er ihre Blutstropfen zurückstehlen kann. Fasziniert von Tots' Possen reißen die Teufel und Hexen die Vene des Lord für Tots' Kokle heraus und stehlen selbst die drei Blutstropfen zurück, die vergossen werden und in den Boden sickern.

Tots' Lied bewegt den dreiköpfigen Dämonenkönig, der in Tots seinen lange verlorenen Sohn sieht. Er bietet dem Musiker an, das Reich der Teufel zu erben, aber Tots lehnt ab. Er bekennt sich zu seinem Ehrgeiz, stattdessen die unteren Regionen der Welt mit den höheren zu vereinen. Tots bittet um die Hilfe der Toten, die ihm die Totenkerze schenken. Mit ihr kämpft er und besiegt die Teufel und vertreibt sie. Tots kann Lelde nun wiederbeleben, doch die Kerze wurde ihm nicht nur zur Rettung von Lelde geschenkt - er muss das Gedenken an die Toten in die Gegenwart und in die Zukunft bringen.

III. Akt

Im Morgengrauen beginnt der Wiederaufbau der Burg. Die Märchenfiguren erzählen die Geschichte der verganenen Nacht. Tots bringt Lelde und zündet die Kerze an, deren Flamme das Sonnenlicht berühren muss, damit die Toten in Frieden ruhen und Lelde wieder auferstehen kann. Die Sonne geht auf und die Toten danken Tots und gehen fort. Aber Lelde kann nicht aufwachen, denn Mutter Erde und die Toten haben das vergossene Blut für sich selbst beansprucht.
Damit Lelde lebt, muss sich jemand opfern. Wenn Zemgus das nicht tut, muss Tots seine ganze Willenskraft aufbringen und Lelde sein Blut geben. Lelde lebt wieder auf und übernimmt Tots' Lied, während er stirbt. Die Maulwurfsgrille verkündet, dass er ein Heiliger ist und somit in jedem weiterleben wird.

5 Dinge die man über I Played, I Danced wissen sollte

1° Rainis – Dichter und Politiker

Das Stück I Played, I Danced wurde während des Ersten Weltkriegs geschrieben. Sein Autor, der Dichter und Dramatiker Rainis (1865 - 1929), gilt als die einflussreichste Figur der lettischen Literatur und wird sogar als lettischer Goethe bezeichnet. Auch als Vater des lettischen Sozialismus gefeiert, wurde Rainis 1897 verhaftet und deportiert, weil er soziale Reformen forderte. Nachdem er eine entscheidende Rolle in der gescheiterten Revolution von 1905 gespielt hatte, musste Rainis in die Schweiz emigrieren.

Nach dem Ersten Weltkrieg stellte Rainis seine dramatische Kunst in den Dienst seiner Landsleute und verband Figuren der lettischen Mythologie mit den politischen Themen seiner Zeit. In I Played, I Danced beschwor er die Besetzung Lettlands herauf, indem er die Auferstehung des „Herrn“, der das lettische Volk unterdrückt, dramatisierte. Die Hauptfigur Tots stürzt sich orphisch in die Unterwelt, um die Braut Lelde – als Symbol für Lettland – aus den Fängen des Todes zurückzuholen.

2° Imants-Tage

Der vielseitige Komponist Imants Kalniņš gilt als ein Symbol der Anti-Establishment Kunstszene Lettlands und ist ebenso beliebt wie subversiv. Ein seiner Musik gewidmetes Festival mit dem Namen „lmants-Tage“ wurde vom sowjetischen Staat gänzlich verboten. Obwohl er klassische Musik studiert hatte, wurde Kalniņš als Rockmusiker und Komponist der ersten Rockoper in der UdSSR berühmt: Hey, you there! In den 1970er Jahren kehrte er wieder zum Schreiben von symphonischer Musik zurück.

1977 vertonte Kalniņš das Stück I Played, I Danced. In der Oper können die Zuschauer folkloristische Reminiszenzen der traditionellen lettischen Musik hören, die sich mit der ornamentalen und kunstvollen Musiksprache von Kalniņš vermischen. Die lettische Musikzeitschrift Mūzikas Saule bezeichnet die Oper als „das großartigste Werk des Meisters“.

3° Die Oper zeitgemäß machen

Die führende junge lettische Regisseurin Laura Groza-Ķibere bringt die unbändige Energie der Oper in der Produktion der Lettischen Nationaloper auf die Bühne und wirft viele Fragen auf. Sind Rainis' Ideen auch heute noch aktuell? Sollte man die Dämonen der Vergangenheit bekämpfen, um eine neue Vision für die Zukunft zu beleben?

Groza-Ķibere ist entschlossen, eine zeitgenössische Analogie zu finden: „Als Rainis dieses Stück während des Krieges schrieb, konnte er sich nicht vorstellen, dass Lettland jemals frei sein würde, obwohl er davon träumte und das auch im Bild von Lelde festhielt. In den 1970er Jahren diskutierten Imants Kalniņš und der Librettist Imants Ziedonis dasselbe. Es war ganz klar, wer der äußere Feind war, und dass das Land trotz seiner Besetzung endlich wir waren“.

4° Die Hölle ist eine radikal-nationale Zone

In Hinblick auf den Hintergrund der Oper, dem lettischen Unabhängigkeitskampf, ist die Abkehr der Inszenierung von der akzeptierten nationalen Symbolik umstritten. Dennoch erklärt die Regisseurin, dass die Vision von Kalniņš nicht in nationalen Kategorien festgefahren ist, sondern lediglich die lettische Symbolik verwendet. Rainis selbst wollte ein neues Land mit seinen Erfahrungen aus dem Exil aufbauen, anstatt die Grenzen abzuschotten.

„Deshalb wird die Hölle in unserer Aufführung als eine radikal-nationale Zone definiert“, sagt Groza-Ķibere, „Es wäre eine Hölle für mich – als lettischer Bürger und Patriot – in ein Land zu kommen, in dem die Grenzen geschlossen und nationalisiert werden, in dem jeder beim berühmten lettischen Gesangs- und Tanzfestival singt, ein Strumpfband trägt und ein einziges Weltbild vertritt.“ Die Inszenierung kann als eine eindringliche Kritik an der unmöglichen Suche nach Authentizität gesehen werden. Vor allem im zweiten Akt wird die Ironie der Kommerzialisierung der Folklore deutlich.

5° Das Rigaer Schloss steht in Flammen

Am Anfang des ersten Aktes ist das Bühnenbild von I Played, I Danced, von den Mauern des Rigaer Schlosses überschattet. Während der Hochzeitszeremonie reißen die Saiten von Tots' Kokle und ein Feuer bricht aus, welches das Schloss verschlingt. Für das lettische Publikum rufen die Ereignisse auf der Bühne unweigerlich lebhafte Erinnerungen an das Feuer wach, das in der Nacht der Sommersonnenwende 2013 ausbrach. Wie der Brand der Kathedrale Notre-Dame de Paris brach er während der Renovierungsarbeiten aus.

Die Inszenierung zeigt, wie nachlässig die Gesellschaft bei der Bewahrung ihres zurückeroberten Erbes geworden ist. Im dritten Akt werden reale Zustände gezeigt: der Wiederaufbau hat begonnen, die Märchenfiguren berichten von den Ereignissen der Brandnacht. „In Zeiten, in denen uns niemand bedroht, ist das Symbol von Riga im Herzen der Altstadt und Zeugnis der nationalen Geschichte unseres Landes, die uns als Nation identifizieren, abgebrannt“, bekräftigt Groza-Ķibere.