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Hana Smejkalova

National Theatre Prague

Juliette

Michel sucht nach einer Frau, von der die Stimme das Einzige ist, was er kennt..

Rückblick | Martinů

Diese Vorstellung ist nicht mehr als Video auf unserer Plattform verfügbar. Sie können aber weiterhin das zusätzliche Material der Produktion nutzen.

JulietteAlžběta Poláčková
MichelPeter Berger
Der Polizeioffizier / Ein Beamter / Ein Briefträger / Der WaldhüterOndřej Koplík
Ein PolizistPetr Levíček
Alter Araber / Der SträflingYevhen Shokalo
Junger Araber / Der JägerMichaela Zajmi
Ein HandleserStanislava Jirků
Der Mann im Fenster / Händler mit ErinnerungenJiří Hájek
Der Mann mit dem HelmMarek Gurbal
Die VögelhändlerinLucie Hájková
Die FischhändlerinYvona Škvárová
Alter Mann / Der BettlerJan Šťáva
Der Grossvater / Der alte SeemannIvan Kusnjer
Der junge SeemannMichal Bragagnolo
Der NachtwächterMilan Stehlík
ChorNational Theatre Prague
OrchesterNational Theatre Prague


MusikBohuslav Martinů
LibrettoBohuslav Martinů basierend auf Georges Neveux
Musikalische LeitungJaroslav Kyzlink
InszenierungZuzana Gilhuus
KostümeTomáš Kypta
ChoreografieRadim Vizváry
ChorleitungPavel Vaněk
DramaturgieBeno Blachut

Michel Le Pic ist Buchhändler in der rue du Chemin-Vert in Paris. Da er es liebt zu reisen, gelangt er eines Tages in eine kleine Stadt im Süden Frankreichs. Als er eine Promenade entlangschlendert, hört er plötzlich wie eine junge Frau ein Liebeslied singt und er verliebt sich augenblicklich in sie. Drei Jahre lang verfolgt ihn die Erinnerung an die junge Frau in seinen Träumen, bis er beschließt in das Dorf zurückzukehren um sie zu finden.

Aber diese Mission ist kniffliger, als sie auf den ersten Blick scheint. Auch wenn es aussieht, als hätte sich die Stadt nicht verändert, bemerkt Michel nach und nach ein komisches Verhalten der Bewohner. Sie haben ihre Erinnerungen verloren und versuchen diese, mit Hilfe der Begegnung von Fremden Besuchern der Stadt, wiederzufinden. Michel findet dennoch die junge Frau, namens Juliette. Sie verabreden sich im Wald.

Auf dem Weg zu ihrem Treffen, trifft Michel verschiedene Personen: eine Hellseherin, die die Vergangenheit wahrsagt, ein Weinverkäufer in der Mitte des Waldes, der Geschichten erzählt die jeder glaubt…Als er Juliette endlich wiedertrifft, begrüßt sie ihn so, als würden sie sich schon immer kennen. Aber aus der Verwirrung von Traum und Realität entstehen Spannungen und Juliette flieht. Michel feuert einen Schuss ab, um sie aufzuhalten. Ein Schrei hallt aus dem Wald wieder, er versucht sie wiederzufinden, doch auch die Seeleute die auf die Suche nach ihr gegangen sind haben nur ihren Schleier gefunden. Ist es wirklich er, der geschossen hat? Michel kann sich nicht mehr erinnern…

Er geht also an Bord eines Schiffes, welches sich auf einmal in ein Amt der Träume verwandelt, auf dem sich jeder, für einen gewissen Preis, einen Traum seiner Wahl aussuchen kann. Aber Michel träumt nicht mehr. Unaufhörlich wird er daran erinnert, dass sein Traum vorbei ist und er nun fortgehen soll. Doch sobald er sich entschließt dies zu tun, hört er aufs Neue die Stimme von Juliette die ihn zurückruft. Er kehrt also in seinen Traum zurück um sie wiederzufinden. 

Martinu über Juliette ​

Eines Tages findet sich der reisende Buchhändler, Michel aus Paris, in einer kleinen Hafenstadt wieder. Am Abend vor seiner Rückreise nach Paris, schlendert er über einen kleinen Platz und hört durch ein offenes Fenster das Liebeslied einer jungen Frau. Nachdem er nach Paris zurückgekehrt ist, wiederholt sich die Erinnerung ständig in seinen Träumen und er sucht weiterhin nach der Stadt, dem Mädchen und dem Lied. Sein Verlangen und sein Wunsch formen den tatsächlichen Inhalt der Oper, welcher in dem Moment beginnt als Michel zu der kleinen Stadt „zurückkehrt“. Es scheint so, als wäre es die gleiche Stadt wie vorher, allerding hat sich etwas verändert: ihre Bewohner verhalten sich sonderbar und mysteriös. Sie haben ihre Erinnerungen verloren; sie sind lediglich in der Lage die Gegenwart und die momentanen Bestandteile ihrer Zeit wahrzunehmen. Allerdings weiß Michel nichts darüber, wodurch er in absurde, rätselhafte und tragische Situationen gerät, die er als unergründbar und unerklärlich erachtet. Michel findet endlich seine Juliette, doch die Situationen wiederholen sich und so, in Folge der rätselhaften Ereignisse, verwandelt sich das ganze Stück in eine so starke Illusion, dass seine eigene normale und durchlebte „Realität“ als leer, blass und sogar illusorisch erscheint, wohingegen all diese Fiktionen wirklich erscheinen. Ein dementsprechend komplett verdrehtes Verhältnis. Michel, der der Einzige in der kleinen Stadt ist, der weiß, weshalb er gekommen ist und was er dort wollte, geht langsam in dieser Welt, in der es weder eine Vergangenheit noch eine Gegenwart gibt, in der keiner weiß was im nächsten Moment passieren wird genauso wenig, was in der Vergangenheit passiert ist, verloren. Situationen nehmen ihren Lauf ohne einen Grund und ohne Konsequenzen. Michel will zurück nach Paris, doch man sagt ihm, es würden keine Züge dorthin fahren. „Aber ich bin doch mit dem Zug gekommen!“ „Nein, wir haben keine Züge hier.“ Ein Hellseher weissagt die Vergangenheit und nicht die Zukunft. Ein Weinverkäufer erzählt völligen Unsinn und verrückte Märchen, doch jeder glaubt ihm, da es sie vage an ihre eigenen vergessenen Erinnerungen erinnert. Sie machen sich jede Einzelne und noch so kleine Erinnerung die sie glücklich macht zu eigen. Nachts soll ein Fest im Wald stattfinden, allerdings weiß niemand wann und wo. Selbstverständlich kann sich Michel daran erinnern, dass er als Kind eine kleine Spielzeugente hatte die andauernd umherlief. Im Gegenzug dazu, dass er diese so weit entfernte Erinnerung wieder in sein Gedächtnis gerufen hat, wird er zum Bürgermeister der Stadt ernannt, was alle Bewohner sofort wieder vergessen.

Juliette begrüßt ihn so, als würde sie ihn schon immer kennen. Die Liebesszene bildet solch einen starken Abprall zwischen Michels Faktizität und Juliettes Fantasie, dass die Situation in einem Revolverschuss kulminiert. Michel schießt auf die weggehende Juliette und hört wie ein Aufschrei aus dem Walde wiederhallt. Allerding ist er sich nicht mehr sicher, ob er es war der den Schuss abgefeuert hatte. Hat er sie getötet? Er hörte einen Schuss und einen Schrei. „Hast du etwas gehört? Einen Schuss?“, fragt er den Wächter des Waldes, der antwortet: „Natürlich, habe ich das! Ich habe selbst auf eine Ente geschossen, übrigens habe ich danebengeschossen!“ Verzweifelt kehrt Michel zu Juliettes Haus auf dem Platz zurück, in der Hoffnung sie dort anzutreffen. Eine alte Dame, die ihm mitten in der Nacht die Tür öffnet, erinnert sich nicht daran, dass eine andere Person außer ihr selbst in dem Haus wohnt. Die Seeleute, die auf der Suche nach Juliettes Körper waren, bringen nur einen Schleier mit. „Warum bin ich hier eigentlich hergekommen?“ Ist das alles wahrhaftig oder nur ein Traum? Oder ist alles wie die Postkarten von Toledo und Sevilla, die sich Michel und Juliette im Wald angesehen haben, gesammelte Erinnerungen an Städte die sie niemals besucht haben? „Was tust du hier so spät in der Nacht?“, fragt ihn ein Mann. „Bist du eventuell der Passagier von meinem Boot?“ „Ja, ich bin der Passagier“, antwortet Michel. Doch das Schiff verwandelt sich in ein Amt der Träume, in dem sich jeder für einen gewissen Preis seine Träume aussuchen kann. Hierher kommt ein Junge der von Buffalo Bill träumen will, ein Krimineller von Freiheit, ein Bettler von einem Ausflug zur Meeresküste und ein Lockführer davon, sich ein Album mit Bildern seiner toten Tochter anzuschauen, in dem Michel nur weiße Seiten sieht. Michel wird erneut gewarnt, dass sein Traum vorbei ist und er den Ort nun verlassen muss. Als er beschließt dies zu tun, hört er plötzlich erneut die Stimme von Juliette, wie sie ihn zurückruft.

So kehrt er um, und versucht sie wiederzufinden, doch sein Traum ist vorbei. Er trifft eine Menschenmenge die sich dazu entschieden hat für immer in ihren Träumen zu leben. Michel ist verängstigt und unentschlossen und hört immer noch Juliettes Stimme, wie sie ihn zurückruft. Er wird erneut von dem Sekretär des Amtes ermahnt zu gehen. „Feierabend“, verkündet der Wachmann. „Lass mich ein letztes Mal durch diese Tür. Ich habe lange nach einer Person gesucht und heute habe ich sie endlich gefunden. Es handelt sich um eine junge Frau, die sich hinter dieser Tür befindet.“, fleht ihn Michel an. „Niemand ist hier.“, antwortet der Wachmann. „Du musst verschwinden.“ Er öffnet die Tür und seine Taschenlampe leuchtet in einen leeren Raum, doch Michel hört weiterhin die Stimme, die ihn zurückruft und plötzlich tauchen all seine Erinnerungen, die er in dem Traum erlebt hatte, wieder auf. Das Spiel könnte nochmal aufs Neue losgehen. Die Handlung hört nicht gänzlich auf, sondern geht weiter – doch es ist ein Traum.