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NCPA Mumbai

National Centre for the Performing Arts, Mumbai

La bohème

Die Lieb' ist ein Kamin, der viel Heizung aufzehrt.

Opern | Puccini

Ein quirliger Poet lebt mitten im kalten Winter mit seinen drei Bohèmien-Mitbewohnern zusammen. Sein Herz erwärmt sich, als er sich in seine gebrechliche Nachbarin verliebt, aber dann wird es mit ihrer Krankheit immer schlimmer.

 

Das National Centre of the Performing Arts (NCPA) in Mumbai zeigt diese innovative Neuproduktion von Puccinis beliebter Oper. Carlo Rizzi dirigiert die geschmeidige Partitur, die mit Auszügen aus der Romanvorlage des Librettos von Henri Murger durchsetzt ist, um auch die Lebensgeschichte und die Liebeleien der jungen Bohème-Künstler im Quartier Latin zu erzählen.

In italianischer Sprache

Mit englischen Untertiteln und zusätzlich automatische Übersetzungen in 114 andere Sprachen.

Verfügbar von
06.09.2019 um 19:00 MEZ

bis
05.03.2020 um 23:59 MEZ

RodolfoGiordano Lucà
MimìOlena Tokar
MarcelloAndrea Bonsignore
MusettaMaria Mudryak
CollineAndrea Concetti
SchaunardDaniele Terenzi
Alcindoro/BenoitMatteo Peirone
OrchesterSymphony Orchestra of India


MusikGiacomo Puccini
LibrettoLuigi Illica und Giuseppe Giacosa
Musikalische LeitungCarlo Rizzi
InszenierungSax Nicosia
Stellvertretender RegisseurAlessandra Premoli und Diego Mingolla
KostümeDaena Sethna
LichtAlberto Giolitti
AkteureDevi Giannetti, Shambhavi Bhat, Pearl Pereira, Sharayu Nirbhavane, Ashish Choudhary, Ronald Rodrigues, Debabrat Samal und Kawaljit Singh Anand

Akt I

Der Dichter Rodolfo und der Maler Marcello arbeiten an Heiligabend in ihrer kalten Dachkammer in Paris. Sie haben kein Geld und kein Öl für den Ofen, also verbrennen sie das Manuskript von Rodolfos Stück, um sich warm zu halten. Ihr Mitbewohner Colline, ein Philosoph, kommt ohne Geld nach Hause, aber Schaunard, ein Musiker, hat ein bisschen was verdient. Er lädt sie alle zum Abendessen ein, aber dann kommt ihr Vermieter und fragt nach der überfälligen Miete. Marcello beschuldigt ihn, eine Geliebte zu haben, und die anderen drängen mit vorgetäuschter Empörung den Vermieter aus der Wohnung.

Rodolfo bleibt zurück, um einen Artikel zu beenden, während die anderen zum Café Momus gehen. Mimì, eine Näherin, die im gleichen Gebäude wohnt, klopft an die Tür und bittet Rodolfo, ihre Kerze anzuzünden. Sie ist von einem Hustenanfall überwältigt und wird ohnmächtig. Wieder erholt erkennt sie, dass sie ihren Schlüssel verloren hat. Im Dunkeln findet Rodolfo ihn, verbirgt ihn aber und "findet" stattdessen ihre Hände. Sie stellen sich einander vor, verlieben sich und gehen zusammen ins Café Momus.

Akt II

Im Quartier Latin füllen Kinder und Verkäufer die Straße. Im Café Momus stellt Rodolfo Mimì seinen Freunden vor. Marcello sieht seine alte Geliebte Musetta in Begleitung von Alcindoro, einem aufgeblasenen Staatsrat. Mimì bewundert Musettas Kleid, während Marcello versucht, sie zu ignorieren. Musetta schickt Alcindoro weg, um ihr ein paar Schuhe zu kaufen, und in seiner Abwesenheit flirtet sie mit Marcello. Sie bekennen ihre Liebe füreinander, und als der Kellner die Rechnung bringt, lässt Musetta den Staatsrat alles bezahlen.

Akt III

Etwa acht Wochen später befinden sich Rodolfo, Marcello und Musetta in einer Taverne an einer städtischen Mautstelle. Mimì kommt krank und erschöpft hinzu und erzählt Marcello, dass Rodolfo sie in heftiger, eifersüchtiger Wut verlassen hat. Mimì versteckt sich, als Rodolfo sich bei seinem Mitbewohner beschwert, dass Mimì eine Flirterin ist, aber gesteht, dass der wahre Grund, warum er sie verlassen hat, ihre Krankheit ist. Mimìs Husten verrät ihre Anwesenheit und sie kommt aus ihrem Versteck heraus. Sie und Rodolfo sind sich einig, dass sie sich trennen sollten, aber erst wenn der Winter vorbei ist und die Wärme des Frühlings gekommen ist, um den Abschied leichter zu ertragen.

Akt IV

Einige Zeit später wieder in der Dachkammer versuchen Rodolfo und Marcello ohne Erfolg, zu arbeiten. Stattdessen beschweren sie sich, dass ihre Geliebten sie für wohlhabende Männer verlassen haben. Schaunard und Colline kommen mit einem einzigen Hering nach Hause und die Männer bereiten ein ironisches Fest mit höfischen Tänzen und einem Duell vor. Plötzlich kommt Musetta mit der Nachricht, dass Mimì gleich auch kommen würde, aber sehr krank sei. Sie erklärt, dass Mimì ihren neuen aristokratischen Geliebten verlassen hat, um bei Rodolfo zu sterben. Marcello, Musetta und Colline verpfänden ihren Besitz, um Medikamente, einen Arzt und einen Muff zu bezahlen. Mimì und Rodolfo erinnern sich, wie sie sich zum ersten Mal trafen und sich verliebten, und die Freunde kehren mit den Sachen zurück. Rodolfo erzählt seinen Freunden, dass Mimì ruhig schläft, aber Schaunard entdeckt, dass sie tatsächlich gestorben ist.

5 Dinge, die man über La bohème wissen sollte

1° Eine verzweifelte Leidenschaft

Giacomo Puccini studierte Komposition in Mailand, und es war eine Zeit, die von finanziellen Schwierigkeiten geprägt war. Er musste häufig sein Hab und Gut verpfänden, um die Grundausgaben zu decken, und hatte einmal einen einzigen Hering als Abendessen für sich und drei andere. (Puccini würde diese Szenen aus seinem Studentenleben später in Akt IV von La bohème einfügen.)

Aber 1893 begann es aufwärts zu gehen, als seine dritte Oper, Manon Lescaut, als Triumph gelobt wurde. Viele hatten an Puccinis Themenwahl gezweifelt, da der französische Komponist Jules Massenet erst vor wenigen Jahren eine eigene Oper über Manon geschaffen hatte. „Aber warum sollte es nicht zwei Stücke über sie geben“, antwortete Puccini. Eine Frau wie Manon kann mehr als einen Liebhaber haben! Massenet fühlt es wie ein Franzose, mit Pulver und Menuetten; ich werde es wie ein Italiener fühlen, mit einer verzweifelten Leidenschaft.“ Er hatte keine Angst vor Konkurrenz und Konflikten, und das zahlte sich aus, wie auch George Bernard Shaw sagte: „Puccini sieht für mich eher wie der Erbe von Verdi aus als jeder seiner Rivalen.“ 

2° Eine Freundschaft, die bitter wurde

Einer dieser Rivalen war auch einmal ein Freund, der Komponist Ruggero Leoncavallo, der mit seiner Oper Pagliacci gerade einen eigenen Hit gelandet hatte. Leoncavallo hatte während dem Komponieren die hohen Temperaturen und die ebenso hohen Mietkosten von Mailand für eine Hütte in Vacallo, im Hochgebirge Italiens, hinter sich gelassen. Er überredete Puccini, ihm zu folgen, und als er in sein neues Haus auf der anderen Straßenseite zog, wurde er von einem Gemälde eines Clowns - einem Pagliaccio - begrüßt, das am Fenster von Leoncavallo hing. Puccini konterte prompt mit einem Handtuch, worauf eine Hand zu sehen war - eine ‘Mano’ (Manon).

Aber diese harmlose Rivalität würde bald bitter werden. Eines Tages lud Leoncavallo seinen Freund ein, ihm zu zeigen, woran er arbeitete. Es handelte sich um eine Oper namens La bohème, die auf Henri Murgers 1851er Erzählband über die Mansardenkünstler der Pariser Rive Gauche, La Vie de Bohème, beruhte. Etwas später teilte Puccini ihm mit, dass auch er an einer eigenen Adaption des Buches arbeitete, die er zufällig auch als... La bohème bezeichnen wollte. Ein wütender Leoncavallo machte ihre Fehde öffentlich und schrieb einer Zeitung, dass sein Vorrang bezüglich der Oper unbestreitbar „festgelegt“ sei. Dies diente nur dazu, den Wettbewerbsvorteil von Puccini zu verstärken, der in einer konkurrierenden Publikation antwortete: „Lass ihn komponieren, und ich werde komponieren. Die Öffentlichkeit wird urteilen.“

3° Herumalbern in Booten

Obwohl er von Beruf Komponist war, war Puccinis wahre Leidenschaft die Jagd, insbesondere das Schießen von Wasservögeln. Er zog in die Stadt und baute sich eine Villa in der Nähe von Torre del Lago, wobei er den Ort vor allem deshalb auswählte, weil er an einen See angrenzte, der reich an potenzieller Beute war. Seine Partnerin Elvira war weniger beeindruckt und beschwerte sich, dass er „anstatt mit seiner Waffe und seinen Vagabunden auf dem See herumzufahren, am Klavier sitzen und an La bohème arbeiten sollte“.

Zu seiner Verteidigung versuchte Puccini vielleicht einfach, den gleichen Bohème-Geist von Henri Murger zu vermitteln, der Autor selbst war übrigens in seinem späteren Leben ein enthusiastischer Jäger. Leider war er ein sehr schlechter Schütze, was ihm den liebevollen Ruf als „der Jäger, der nie etwas erlegt“ einbrachte. In einer Einladung an einen Freund, sich ihm an einem Tag der Fasanenjagd anzuschließen, schrieb er: „Ich werde dir einen alten Hahn vorstellen, den ich respektvoll fünfmal verfehlt habe, und jetzt, wo er mich kennt, macht er sich nicht einmal die Mühe, mir aus dem Weg zu gehen.“

4° Kalte hände und nicht kalte Füße

Der Moment, in dem sich Rodolfo und Mimì am Ende vom I. Akt treffen, ist eine der romantischsten Liebesszenen im Theater überhaupt. In La Vie de Bohème schrieb Murger die Figur des Rodolfo, indem er von sich selbst ausging. Dennoch porträtierte der Autor den verarmten Dichter in unschönen Worten und beschrieb ihn als „ein[en] jungen Mann, dessen Gesicht fast ganz bedeckt war mit den dichten Haaren eines mehrfarbigen Bartes. Im Gegensatz zu der Überfülle von Barthaar war seine Stirn durch eine frühzeitige Kahlheit ganz blank geworden und sah aus wie eine Kniescheibe.“

Mimì hingegen wird als kleines, zartes, lebhaftes und attraktives achtzehnjähriges Mädchen beschrieben, „von einem Typ, der sich besonders gut für Rudolfs künstlerische und poetische Vorlieben eignet“. Ihr Gesicht ist wunderschön, mit einem jungen, frischen Lächeln „und einem Blick, der sowohl zärtlich als auch voller herrischer Koketterie ist“. Aber wie Puccini im I. Akt in der Arie „Che gelida manina“ darstellt, waren ihre Hände mehr als alles andere die Ursache dafür, dass Rodolfo sich in Mimì verliebte. „Doch diese Hände," warnt Murger, „so gebrechlich, so zart, so weich an den Lippen - diese kindlichen Hände, in die Rudolf sein neulich zum Leben entfachtes Herz gelegt hatte - diese weißen Hände von Mlle Mimì sollten bald dieses Herz mit ihren rosigen Nägeln in Stücke reißen.“

5° Alles zu seiner Zeit

Unter den vielen Aspekten, die Puccini von seinen Zeitgenossen unterscheidet, ist sein extrem feingliedrige Anlage des Tempos. Wenn Sie eine Puccini-Arie hören, wird es viel Druck und Zug geben, als ob der Sänger seinen Emotionen ausgeliefert wäre. Die subtilen Verlangsamungen, gefolgt von schnelleren Wendungen, werden alle strengstens von der Partitur vorgegeben. Das macht das Dirigieren seiner Opern sehr anspruchsvoll.

Die Zeit gibt Puccinis Händen nach. Er gibt seiner Musik ein organisches Gefühl, als ob nicht nur die Sänger, sondern auch das Orchester, das Drama und die Zeit selbst als Einheit atmen, mal keuchend, mal schnurrend, aber immer hart an der Grenze des Möglichen. Dies ist die Verkörperung des Boheme-Spirits und eignet sich besonders für ein intimes, häusliches Drama, bei dem jede Szene in Echtzeit stattfindet, wie es bei La bohème der Fall ist.