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Adam Fradgley

Birmingham Opera Company

Lady Macbeth von Mzensk

Düstere und brillante Satire, neu gestaltet und verschärft in Birmingham

Opern | Schostakowitsch

Eine gelangweilte, unglücklich verheiratete Frau träumt von Liebe und davon, anderswo neu anzufangen. Als sie eine Affäre mit einem verwegenen Landarbeiter beginnt, treibt ihre Leidenschaft sie zum Verbrechen...

 

Die 50. Produktion der Birmingham Opera Company bringt Lady Macbeth von Mzensk in einen stillgelegten, ikonischen Nachtclub, wo die Zuschauer*innen inmitten der 150 freiwilligen Darsteller*innen und des Chors auf blutige Bräute, übergroße Ratten und vergiftete Hochzeitsgäste treffen. Auf der Bühne begleitet vom City of Birmingham Symphony Orchestra und einer Band des Royal Birmingham Conservatoire und mit einem radikalen Bühnenbild von den Banksy-Mitarbeitern Block 9 versehen, „ist die Inszenierung vielleicht ihre bisher brillanteste.“ (The Observer). Im Rahmen der 2021 International Opera Awards gewann das Birmingham Opera Company den Preis für Education and Outreach, während der Dirigent Alpesh Chauhan den Preis für den Newcomer des Jahres entgegennahm.

Aufgezeichnet im März 2019.

 

In englischer Sprache. Mit englischen Untertiteln und zusätzlich automatische Übersetzungen in mehr als hundert andere Sprachen.

Verfügbar von
14.05.2021 um 19:00 MEZ

bis
14.08.2021 um 12:00 MEZ

Die EhefrauChrystal E Williams
Der SchwiegervaterEric Greene
Der EhemannJoshua Stewart
Der LiebhaberBrenden Gunnell
Der IngenieurThemba Mvula
Der FahrerDominick Felix
Das DienstmädchenGrace Nyandoro
Der schäbige PflegelJames Kryshak
Der PförtnerAndrew Clarke
Der VerwalterJames Ioelu
Die drei VorarbeiterAndrew Clarke, Dominick Felix, Jack Sandison
Der PriesterJames Ioelu
Das Gespenst des SchwiegervatersEric Greene
Der PolizeichefQuentin Hayes
Der festnehmende BeamteThemba Mvula
Der SozialistEdward Harrisson
Der betrunkene GastDominick Felix
Die GefängniswärterThemba Mvula, James Ioelu
Der GefangeneEric Greene
Die Pole-TänzerinLilly Papaioannou
Die andere FrauGrace Nyandoro
ChorBirmingham Opera Company Chorus and Actors
OrchesterCity of Birmingham Symphony Orchestra


MusikDmitri Schostakowitsch
TextAlexander Preis und Dmitri Schostakowitsch, nach einer Kurzgeschichte von Nikolai Leskow. Englische Fassung basierend auf der Übersetzung von David Pountney.
Musikalische LeitungAlpesh Chauhan
InszenierungGraham Vick
BühnendesignBlock9
BewegungsregisseurRon Howell
LichtdesignGiuseppe Di Iorio
ChorleiterJonathan Laird
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Zusätzliche Musik mit freundlicher Genehmigung der Boosey & Hawkes Music Publishers Limited im Auftrag von Musikverlag Hans Sikorski GmbH

Die Frau und ihr Mann werden vom Schwiegervater tyrannisiert, der verbittert ist, weil sie ihm kein Enkelkind gezeugt haben. Als der Ehemann auf Geschäftsreise geht, nimmt sich die Frau einen Liebhaber - einen neuen Arbeiter.
Der Schwiegervater findet es heraus und peitscht den Liebhaber bis an den Rand des Todes. Die Frau vergiftet ihren Schwiegervater. Entschlossen, ihr neu gefundenes Glück zu bewahren, tötet sie den Ehemann, versteckt die Leiche und heiratet den Geliebten.
Die Polizei, unglücklich darüber, nicht zur Hochzeit eingeladen worden zu sein, stürmt die Party und findet die Leiche.
Im Gefängnis findet sie heraus, wen sie eigentlich geheiratet hat.

5 Dinge, die Sie über Lady Macbeth von Mzensk wissen sollten

1° Stalin blockt ab

Schostakowitschs umstrittene zweite Oper Lady Macbeth von Mzensk ist seit langem mit Kontroversen verbunden. Wenngleich ihr freizügiges, brutales und schmuddeliges Thema teilweise für diese Verrufenheit verantwortlich ist, so hat ihre skandalumwitterte Aufführungsgeschichte ihrem Ruf die Krone aufgesetzt. Zwei Jahre nach der überaus erfolgreichen Premiere im Januar 1934 besuchte Stalin eine Aufführung der Oper. Ob er mit der provokativen Handlung oder der progressiven Partitur der Oper nicht einverstanden war, ist nicht dokumentiert. Auf jeden Fall wurde der Erfolgskurs der Oper durch einen denunziatorischen Leitartikel mit dem Titel „Schlamm statt Musik‟ in der offiziellen kommunistischen Parteizeitung Pravda gestoppt. Dieser Angriff läutete ein gnadenloses, weit verbreitetes und lang anhaltendes idealogisches Durchgreifen auf die sowjetische Musikwelt ein.

2° Von der Novelle zur Oper

Das Libretto von Lady Macbeth von Mzensk basiert auf der gleichnamigen Novelle von Nikolai Leskow aus dem Jahr 1865, obwohl Schostakowitsch die Gewichtung der Sympathien deutlich verändert hat. Wo Leskow eine kalte und entsetzliche Frau dargestellt hat, betrachtete Schostakowitsch Katerina als „tragische Schilderung des Schicksals einer talentierten, klugen und herausragenden Frau, die in der albtraumhaften Atmosphäre des vorrevolutionären Russlands stirbt‟ und drückte ihr so sein Mitgefühl aus. Im Nachhinein erscheint es als bittere Ironie, dass diese Oper ausgewählt wurde, um die sowjetische künstlerische Säuberung einzuleiten. Lady Macbeth von Mzensk wurde 1932 komponiert und war als erster Teil einer Trilogie gedacht, die die Unterdrückung und Emanzipation der Frauen vor, während und nach der Revolution skizziert. 

3° Warum Lady Macbeth?

Während Katerina zugegebenermaßen eine Mörderin und nicht gerade ein angenehmer Charakter ist, wirft ihr Vergleich mit Shakespeares Schurkin Lady Macbeth, die ihren Mann zum Königsmord anstachelt, um Königin zu werden, durchaus Fragen auf. Beide Frauen sind willensstark und haben Blut an ihren Händen. Sobald die erste Bluttat geschieht, sinken ihre Hemmungen, was weitere Verbrechen erleichtert. Beide werden schließlich wahnsinnig, aber ihre Motive sind unterschiedlich. Lady Macbeth empfindet Reue für ihr Machtstreben, die gelangweilte Hausfrau Katerina hingegen wird von jäher, exzessiver Leidenschaft getrieben. Verdient Katerina den Titel der meist verachteten Mörderin der Theatergeschichte?

4° Oper von und für alle(n)

Graham Vick ist international dafür bekannt, die Opernwelt auf den Kopf zu stellen. Er glaubt weder, dass Oper in der Originalsprache gesungen werden muss, noch dass sie nüchtern auf einer Theaterbühne stattfinden muss. Seine Inszenierungen sind unmittelbar, partizipativ und vielfältig und die Resonanz ist überwältigend. Auch wenn andere Regisseure heute die Grundzüge von Vicks Ansatz übernommen haben, bleibt sein Stil unübertroffen; denn über Vicks besondere künstlerische Vision hinaus gelingt es ihm, neben seiner herausragenden professionellen Besetzung eine große Menge von Darsteller*innen aus der Bevölkerung - insgesamt 150 - zu begeistern und zu motivieren. Ihr Engagement, das von einer Reihe von Profis unterstützt wird, bildet das Rückgrat der Produktion.

5° Lady Macbeth des Edgbaston Reservoirs

Die 50. Produktion der Birmingham Opera Company verlegt Lady Macbeth von Mzensk in den Tower Ballroom, einen kultigen Nachtclub in Edgbaston, Birmingham, der schon bessere Tage gesehen hat. Dort steht das Publikum, während sich die Handlung um sie herum entfaltet. Der schäbige Raum und die Kostüme - bis hin zu den westafrikanisch anmutenden Stoffen mit Pilz- und Nagetierdrucken, die Katerina trägt - wurden von den radikalen Bühnenbildnern und Banksy-Kollaborateuren Block9 entworfen. Alpesh Chauhan, der bei den International Opera Awards 2021 als bester Newcomer gekürt wurde, dirigiert ein mitreißendes und belebendes City of Birmingham Symphony Orchestra. Chrystal E. Williams ist eine eiserne, elektrisierende Katerina, Brenden Gunnell ein kraftvoll klingender Sergei. Und wer kann schon dem köstlich lüsternen, tyrannischen Schwiegervater widerstehen, dem Eric Green mehr als seinen üblichen Schwung verleiht?