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Clärchen & Matthias Baus

Dutch National Opera and Ballet

Les Troyens

Pierre Audi dirigiert die niederländische Sopranistin Eva-Maria Westbroek und den amerikanischen Tenor Bryan Hymel in einer der ambitioniertesten Opern von Berlioz.

Rückblick | Berlioz

Diese Vorstellung ist nicht mehr als Video auf unserer Plattform verfügbar. Sie können aber weiterhin das zusätzliche Material der Produktion nutzen.

AeneasBryan Hymel
ChorebusJean-François Lapointe
PantheusNicolas Testé
NarbalAlastair Miles
IopasGreg Warren
AscaniusValérie Gabail
CassandraEva-Maria Westbroek
DidoYvonne Naef
AnnaCharlotte Hellekant
Hélénus / HylasSébastien Droy
PriamChristian Tréguier
Ein Griechischer Chef / Erste WachpostenAlexander Vassiliev
Ein SoldatPeter Arink
Zweite WachpostenPatrick Schramm
Der Schatten von Hector / Der Gott MerkurPhilippe Fourcade
SinoChristophe Gillett
PolyxenusMichaëla Karadjian
HecubusDanielle Bouthillon
AndromacheJennifer Hanna
AstyanaxStijn Koene
Hector / LarbasStandish de Vries
FernsehdirektorMisjel Vermeiren
ChorKoor van de Nederlandse Opera
OrchesterNetherlands Philarmonic Orchestra


MusikHector Berlioz
Musikalische LeitungJohn Nelson
InszenierungPierre Audi
BühneGeorge Tsypin
KostümeAndrea Schmidt-Futterer
LichtPeter van Praet
ChoreografieAmir Hosseinpour, Jonathan Lunn
DramaturgieKlaus Bertisch

I. Der Fall von Troja

Akt 1

Nach einer Belagerung von 10 Jahren, verlassen die Griechen endlich Troja. Die Trojaner freuen sich über den Abzug ihrer Feinde. Ein riesiges hölzernes Pferd wurde zurückgelassen, welches die Trojaner für eine Opfergabe für die Göttin Athene halten. Cassandra, die Tochter von König Priam hat jedoch eine dunkle Vorahnung; sie sieht den blutigen Fall Trojas voraus, doch niemand schenkt ihr Beachtung. Nicht einmal ihr Vater oder ihr Verlobter Chorebus. Priam befiehlt eins der Stadttore niederzureißen, sodass das Pferd in die Stadt gebracht werden kann.
Der Priester Laokoon vermutet hinter dem gigantischen Pferd ebenfalls einen hinterlistigen Komplott der Griechen und fordert das Volk dazu auf, es anzuzünden, nur um dann von zwei Riesenschlangen erdrückt zu werden. Die Trojaner sehen in der Bestrafung des Priesters ein Zeichen der erzürnten Athene. Das riesige Pferd wird triumphierend nach Troja geleitet.

Akt II – Szene 1

Aeneas ist am Schlafen. Der Geist Hectors, der gefallene trojanische Held, erscheint ihm und warnt ihn vor dem großen Feuer, was in Troja wüten wird. Aeneas muss die Schätze Trojas retten und all die Überlebenden mit sich nehmen; in Italien wird er ein neues Imperium finden, welches später die ganze Welt regieren wird.
Pantheus stürmt herein und erzählt Aeneas, dass im Inneren des Pferdes Griechen versteckt waren, die die Stadtwachen ermordet haben. Die Griechen, die eigentlich gegangen waren sind zurückgekehrt und dringen nun durch die offenen Tore in die Stadt. Priam ist bereits tot. Aeneas entschließt sich mit seinem Sohn Ascanius und Chorebus dazu, zu retten was noch zu retten ist. 

Akt II – Szene 2

Die Frauen von Troja erkennen, dass Cassandra die Wahrheit vorhergesehen hatte, doch das ist jetzt zu spät. Um weder gefangengenommen oder geschändet zu werden, entschließen sie sich dazu zusammen mit ihr zu sterben.

II. Die Trojaner in Karthago

Akt III

Dido, Königin von Karthago, feiert mit ihrem Volk: es ist nun sieben Jahre her, seitdem sie die Stadt gegründet hat, nachdem ihr Bruder ihren Mann ermordet hatte. Der nubische König Larbas droht ihr damit in Karthago einzufallen, wenn sie ihn nicht heiraten würde. Dido bleibt ihrem toten Ehemann allerdings treu, obwohl sie die Einsamkeit schmerzt.
Dido gewährt einer Gruppe Trojanern die aus Troja fliehen Asyl. Unter ihnen befindet sich Aeneas. Er bietet Dido seine Hilfe an. Aeneas gibt Ascanius in Didos Obhut, nachdem die Trojaner und die Karthager gemeinsam unter seiner Führung in den Krieg gegen König Larbas ziehen.

Akt IV

Dido und Aeneas suchen Schutz vor einem Sturm. Dido lässt alle Regierungsverpflichtungen außer Acht und hat nur noch Augen für ihren Retter. Er muss ihr mehr über die Trojaner erzählen, vor allem über Andromache. Andromache war eine Witwe wie Dido, doch nachdem sie entführt wurde, hatte sie letztendlich Pyrrhus geheiratet, der Sohn von Hectors Mörder und er selbst der Mörder ihres Vaters. Dido sieht das als ein Präzedenzfall für die Auflösung ihres eigenen Treuegelübdes mit ihrem toten Ehemann Sichaeus.
Sie ist immer noch unsicher, doch ihr Widerstand wird gebrochen, als Ascanius, verkleidet als Cupid, ihr den Ehering vom Finger streift. Die Nacht wirft über alles ihren Zauber. Dido und Aeneas loben die Nacht als den Inbegriff ihrer gemeinsamen Glückseligkeit. Der Gott Merkur erscheint und erinnert Aeneas an seine Mission: das Wort „Italien“ ertönt drei Mal.

Akt V

Es müssen umgehend Vorbereitungen für die Abreise getroffen werden um die Götter nicht weiter zu kränken. Die Geister von Cassandra, Priam, Hector und Chorebus erscheinen und sagen Aeneas er solle sich beeilen. Auch die Proteste der Königin können Aeneas nicht davon abhalten zu gehen. Als Dido alleine ist, beschließt sie zu sterben. Sie wirft alles was sie an Aeneas erinnert auf eine brennende Pyramide. Wie in Trance sagt sie das Erscheinen ihres Rächers voraus: Hannibal wird ihren Tod an den Nachkommen der Trojaner rächen. Karthago wird dennoch letztendlich zerstört. Zum Schrecken aller, ersticht sie sich mit dem Schwert von Aeneas. Als sie stirbt hat sie eine letzte Vision von dem unvergänglichen Rom. Ihr Volk schwört ihr ewigen Hass gegen Aeneas und sein Volk. Ein neuer Krieg zeichnet sich ab.

5 Dinge, die man über Les Troyens wissen sollte

1° Ein Werk, das als unspielbar galt

Die Trojaner ist eine Oper in fünf Akten und neun Bildern von Hector Berlioz. Letzterer verstarb, bevor er sein Werk in seiner ganzen Fassung hören konnte. Napoleon III. hatte abgelehnt, dass das Werk an der Opéra de Paris gespielt werden würde. Als die Oper 1863 am Théâtre-Lyrique in Paris gespielt wurde, wurden die ersten beiden Akte gestrichen und es wurde nur die zweite Hälfte – die Trojaner in Karthago – gespielt. Warum? Zunächst, auf Grund der ursprünglichen Länge von 4 Stunden, aber vor allem wegen der spektakulären Inszenierung, der häufigen Szenenwechsel, sowie der starken Orchester und Chöre. Man würde bis 1890 warten, bis die Oper in ihrer vollständigen Fassung an dem Theater Karlsruhe in Deutschland gespielt werden würde, aufgeteilt auf zwei Abende. Die Premiere der Oper an einem Stück fand 1969 im Kings Theatre in Glasgow statt.

2° Die Rückkehr zum Ursprung

Trotz seiner Ambitionen mit dem Schreiben und der Komposition einer Oper über die Antike zu beginnen, zögerte Berlioz. Ruiniert und gebremst von seinen großen Misserfolgen der letzten beiden Opern – Benvenuto Cellini und La Damnation de Faust – wartet der Komponist zwei Jahre, bevor er Die Trojaner schreibt. Es ist die Prinzessin Carolyne von Sayn-Wittgenstein, Freundin von Liszt, der es gelang ihn dazu zu bringen, das Projekt anzunehmen. Berlioz hat, sich stützend auf den Text von l’Enéide de Virgile, sein Libretto selbst komponiert. Er kehrt hier zu seiner ersten literarischen Liebe zurück, die großen tragischen Mythologien. „Ich habe mein Leben mit dem Volke der Halbgötter verbracht, ich stelle mir vor, dass sie mich kennen so wie ich sie kenne“, sagte er 1859. Sein dramaturgischer Stil ist klassisch: Alexandriner, Inversionen und Archaismen spicken den Text.

3° Frauen in Aktion

Die weiblichen Figuren haben eine besondere Rolle in Die Trojaner. Im ersten Teil, der Eroberung von Troja, spielt Cassandre die Hauptrolle. Von den griechischen und römischen Mythen isoliert, ist sie hier eine heroische Figur, Geliebte und später Ehegattin von Chorèbe. Resistent und bewaffnet, verteidigt sie ihre Stadt, bevor sie sich selbst tötet und die anderen Frauen dazu bringt einen Massenselbstmord zu begehen, um nicht den Feinden ausgeliefert zu werden. Im zweiten Teil, die Trojaner in Karthago, ist Didon ebenfalls Mittelpunkt ihrer eigenen Geschichte. Eine machtvolle Frau, die isoliert durch ihren Witwenstand ist, regiert Karthago. Sie entscheidet sich letztendlich dazu, ihre Leidenschaft für Enée vor ihre Regierungsverpflichtungen zu stellen. Cassandre und Didon werden beide mit ihrem Leben für ihre Leidenschaft bezahlen.

4° Ein berühmtes Duett: "Nacht der Trunkenheit und unendlicher Entrücktheit"

Am Ende von Akt 4, hören wir ein Duett von Enée und Didon. Der Text ist inspiriert von Der Kaufmann von Venedig von Shakespeare („In einer Nacht wie dieser...“). Die zwei Verliebten verführen sich gegenseitig und tauschen mythologische Anspielungen aus in denen sich Provokation, Keuschheit und Wut der Liebe vermischen. Man beachte, dass ihre Gesangslinien nicht im Abstand einer Terz übereinandergeschrieben sind, sondern eher danach suchen sich zu nähern: manchmal in einer parallelen Bewegung, gegenläufig oder versetzt. Um letztendlich auf den Worten „lächelt der Liebe“ zusammenzufinden.

5° Die Produktion

OperaVision stellt Pierre Audi für seine letzte Saison als Intendant der Dutch National Opera in den Vordergrund, eine Stellung die er seit 1988 besetze. Er wird die Oper im September 2018 verlassen um Generaldirektor des Festivals d’Aix-en-Provence zu werden. Pierre Audi arbeitet mit einem minimalistischen und radikalen Stil. Um Die Trojaner zu inszenieren, hatte er den Entschluss gefasst, das Orchester sichtbarer zu machen: die Szene erstreckt sich nach dem Orchestergraben, das Orchester in der Mitte. Er hat ebenfalls mit dem Gegensatz der Kulissen der zwei Teile gespielt: horizontal für Troja, vertikal für Karthago.

Eva-Maria Westbroek, eine der weltweit berühmtesten Sopranistinnen, spielt Cassandre, die hellsehende Tochter von Priam. Bryan Hymel, ein vielversprechender amerikanischer Tenor der seine Anfänge 2010 machte, spielt Enée, den Geliebten von Didon.