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Péter Rákossy

Hungarian State Opera

L’oca del Cairo, ossia Lo sposo deluso

Zwei unvollendete Komödien. Eine schreiend komische Oper.

Opern | Mozart

Ein geiziger Marquis und ein wohlhabender alter Graf haben es geschafft, sich ihre gegenseitigen Protégées zu verheiraten. Alles scheint nach Plan zu laufen, bis eine Riesengans anfängt, Geld vom Himmel regnen zu lassen.

 

Nach dem Erfolg von Die Entführung aus dem Serail begann Mozart, L'oca del Cairo und Lo sposo deluso zu komponieren, gab aber beide Porjekte auf. Die beiden fragmentarischen Komödien wurden zu seinen Lebzeiten nie inszeniert, sondern werden in diesem neuen Pasticcio an der Ungarischen Staatsoper zusammengeführt, das von ihrem Intendanten, Szilveszter Ókovács, konzipiert wurde.

In italienischer Sprache
Mit deutschen, englischen und französischen Untertiteln und zusätzlich automatische Übersetzungen in 114 andere Sprachen.

Verfügbar von
21.06.2019 um 19:00 MEZ

bis
20.12.2019 um 23:59 MEZ

Don PippoIstván Kovács
CelidoraAnikó Bakonyi
CalandrinoGergely Biri
LionettoJános Szerekován
LavinaZita Váradi
BiondelloPéter Balczó
AurettaBori Keszei
ChichibioMáté Fülep


MusikWolfgang Amadeus Mozart
LibrettoLorenzo Da Ponte / Giovanni Battista Varesco
Musikalische Leitung Pál Németh
InszenierungAttila Toronykőy
BühneKatalin Juhász
KostümeKatalin Juhász
ChorleitungGábor Csiki
DramaturgieJudit Kenesey
Assistenz Chorleitung Dániel Erdélyi
KonzeptAttila Toronykőy / Szilveszter Ókovács
EditionPál Németh
Ergänzungen zum italienischen LibrettoÉva Lax
Ungarische ÜbertitelJudit Kenesey
Englische ÜbertitelArthur Roger Crane

I. Akt

Im Schloss von Ripaseccha bereitet sich der nicht mehr junge und geizige Marquis Don Pippo auf seine Hochzeit vor, zur großen Freude seines Sekretärs Calandrino. Celidora, Don Pippos Mündel, verlangt, dass ihr Vormund sein Versprechen hält, indem er ihr endlich erlaubt, Biondello, den jungen Mann, den sie liebt, zu heiraten, der seit einem Jahr Dauergast in ihrem Hause ist. Don Pippo verspricht ihr eine Doppelhochzeit an diesem Abend. Es soll jedoch nicht Biondello für Celidora sein, denn Don Pippo gibt sie einem reichen römischen Grafen ähnlichen Alters zur Frau, dessen Pflegetochter Don Pippo wiederum zu heiraten beabsichtigt.

Biondello sieht den Marquis traurig an, der den Jungen auslacht und peinigt: Der mittellose Jüngling kann Celidora haben, wenn der Gesang der Gans von Kairo Geld vom Himmel regnen lässt. Calandrino zerbricht sich den Kopf um herauszufinden, wie er Biondello helfen kann, seine Geliebte zurückzugewinnen, aber Don Pippo sperrt das Mädchen in den Turm des Schlosses, um jegliche Tricks zu verhindern.

Der Marquis heißt die römischen Gäste bei ihrer Ankunft im Haus fröhlich willkommen, namentlich seine verschleierte Braut und sein zukünftiger Schwiegervater und Schwiegersohn, der edelmütige und anspruchsvolle Lionetto. Als Don Pippo den Grafen zum Schlossturm begleitet, um ihn seiner zukünftigen Frau Celidora vorzustellen, soll sich Calandrino um Don Pippos Braut kümmern. Sie nimmt ihren Schleier ab, und der Sekretär ist erstaunt, Lavina, seine Geliebte, zu sehen. Er beschließt sofort, sie wegzuzaubern. Als Don Pippo zurückkehrt und die beiden Liebenden in inniger Umarmung vorfindet, lässt er Lavina zusammen mit Celidora im Turm einsperren und übergibt den Schlüssel Auretta, der Kammerzofe.

Calandrino entlockt Aurettas Händen den Turmschlüssel. Die Szene wird von ihrem Geliebten, dem Stallburschen Chichibio, beobachtet, der sofort eifersüchtig wird.

Endlich treffen sich auch Graf Lionetto und Celidora: Es stellt sich heraus, dass Don Pippo die Liebesbriefe, die Celidora an Biondello geschrieben hat, an Lionetto geschickt hat, der das Mädchen aus unerfindlichem Grund Clarice nennt. Celidora kündigt bitter an, dass der alte Mann nur dann ihr Mann sein wird, wenn der Gesang der Gans von Kairo Geld vom Himmel regnen lässt.

II. Akt

Nach seinem Mittagsschlaf beauftragt Don Pippo fieberhaft Auretta und Chichibio mit der Vorbereitung für die Doppelhochzeit. Das Zimmermädchen und der Stallbursche finden jedoch, dass diejenigen, die sich lieben zusammen sein sollten und beschließen, den Jugendlichen zu helfen, die Zwangsehen zu vermeiden.

Calandrino bringt die Mädchen heimlich aus dem Turm. Celidora und Biondello fallen sich in die Arme, und der Junge treibt Geld auf, um seiner Geliebten aus ihrer Notlage zu helfen. Lionetto überrascht sie und, mit Celidora allein, beanstandet, dass sie nicht die gleiche Person ist wie Clarice, über die ihr Ziehvater so viel Gutes berichtet hat, da sie weder gebildet noch tugendhaft sei. Celidora erklärt Lionetto bitter, dass sie schon immer in jemand anderen verliebt war und ihr Vormund ein Herz aus Stein hat. Schließlich wirft sie das Geld vor den älteren Mann und eilt davon. Nachdem er kurz nachgedacht hat, wendet sich Lionetto an Chichibio, der gerade in einem Gänsekostüm umherschleicht, und sagt ihm, er solle seinem Meister mitteilen, dass sich die beiden Liebenden gerade auf die Flucht vorbereiten. Er selbst beschließt, dem Drama ein Ende zu setzen; er sammelt das Geld vom Boden, zusammen mit dem Gänsekostüm, das der Stallbursche dort gelassen hat, und eilt davon.

Die vier Liebenden können den Fluss vor der Burg nicht ungesehen überqueren und rufen so einige Arbeiter zusammen, um schnell eine Brücke zu bauen. Die Arbeit wird wie im Fieber durchgeführt, als Auretta und Chichibio die Nachricht überbringen, dass Don Pippo sich nähert.

Der Marquis kommt tatsächlich und will in seiner übergroßen Wut die gesamte Kompanie sofort ins Gefängnis werfen. Plötzlich erscheint Graf Lionetto aus dem Turm, der wie eine Gans gekleidet ist und mit Goldstücken wirft. Er versucht, an Don Pippos bessere Natur zu appellieren indem er feststellt, dass jeder nur aus Liebe heiraten sollte und erklärt sich selbst sowohl zur Gans von Kairo als auch zum getäuschten Bräutigam.

Gänsewahn, oder 2 Opernfragmente von Mozart

Während der vier Jahre, die Mozart mit der Komposition von Die Entführung aus dem Serail zubrachte, flirtete er 1782 mit der Komödie. „Ich habe leicht 100 - Ja wohl mehr bücheln durchgesehn‟, schrieb er seinem Vater in Salzburg am 7. Mai 1783, „allein ich habe fast kein einziges gefunden mit welchem ich zufrieden seyn könnte.‟

Für Mozart war das wichtigste an der Komposition das komische Element, ganz nach dem Geschmack der Wiener, der ihm wohl bekannt war, und er suchte nach einem passenden Librettisten für sein Unterfangen. Die Frucht dieser Arbeit war L'oca del Cairo (Die Gans von Kairo), ein insgesamt gescheitertes Projekt, wenn es jemals eines gab. Es ist vielleicht ein Zeichen von Mozarts Verzweiflung, dass er nicht nur bereit sein sollte, an einer komischen Oper mit Abbate Varesco, dem Librettisten der Oper Idomeno, zusammenzuarbeiten, der, wie er zugab, nicht das geringste Gespür fürs Theater hatte, sondern tatsächlich sechs Monate lang an einer so sperrigen Geschichte arbeiten sollte, bevor er endlich zugab, dass sie ein hoffnungsloser Fall war. Die Geschichte eines alten Marquis, der seine Tochter mit einem Mann verlobt, den sie nicht mag, und der sie in einem Turm einsperrt und so zum Schweigen bringt, aus dem der wahre Liebhaber der Tochter sie mit Hilfe einer riesigen mechanischen Gans retten kann, würde sich sicherlich nicht dem Pantheon des Dramas anschließen.

In einem Brief, der nach seiner Rückkehr nach Wien geschrieben wurde, erwähnte Mozart, dass er und Varesco die Oper persönlich besprochen hätten. Varesco machte sich sofort an die Arbeit und überreichte ihm einen Entwurf des Librettos des ersten Aktes. Einige der acht erhaltenen Nummern, meist in Skizzenform und alle aus dem ersten Akt, wurden in Salzburg geschrieben, andere auf der Heimreise. Das Finale wurde im Dezember in Wien entworfen. Bis dahin hatte er ernsthafte Zweifel an der mechanischen Gans: „übrigens muß ich ihnen sagen, daß ich über die ganze ganshistorie nur deswegen nichts einzuwenden hatte‟, so schrieb er am 6. Dezember 1783 an seinen Vater, „weil 2 Männer von mehr Einsicht und Überlegung, als ich, sich nichts dagegen einfallen ließen, und das sind sie und varesco‟.

Dies ist sicher ironisch gemeint und dennoch überzeugt der Grund kaum. Mozart hätte viel früher einsehen können, dass der Abbate nicht sehr tiefgründig und unfähig war, eine Komödie mit halbwegs glaubwürdigen Charakteren zu schaffen. Als er später sieht, wie Varesco an den Rand des zweiten Akt geschrieben hatte „à cui servirà la musica della cavatina antecedente‟ (die Musik der vorigen Kavatine wird dafür reichen), wird Mozart schließlich ungehalten. „Das kann aber nicht seyn. – Denn in der Cavatina der Celidora ist der text sehr trost und hofnungs-los. – und in der Cavatina der Lavina ist er sehr trostreich und hofnungsvoll. – übrigens ist auch das eine sehr ausgepeitschte und nimmer gewöhnliche Mode daß ein anderer dem andern sein liedchen nachlallt. [...] ferners würde man schwerlich die nemliche aria von der 2t Sängerin ertragen können, nachdemm man sie von der Ersten hat singen hören.‟ (Brief an den Vater, 24. Dezember 1783)

Dennoch, Mozarts kämpft weiter - der Brief ist voll von konstruktiver Kritik zur Verbesserung des Librettos. Der nächste Brief zeigt jedoch, dass L'oca del Cairo auf die Seite gelegt wurde. Mozart musste sich auf andere Werke konzentrieren, um schneller Geld zu verdienen. Zu diesem Zeitpunkt war die Gans gut und zuverlässig durchgebraten, und damit nichts mehr von ihr zu hören.

Ein weiteres Opernfragment, Lo sposo deluso (Der frustrierte Bräutigam), stammt wahrscheinlich aus etwa der gleichen Zeit. Es könnte das Libretto sein, das Mozart in einem Brief vom 5. Juli 1783 erwähnt: „ein wälscher Poet‟ trug ihm den Text zu, welchen „ich vielleicht nehmen werde, wenn er es nach meinem sinn zuschnizeln will‟. Man geht häufiger davon aus, dass es sich dabei um Da Ponte selbst handelte.

Obwohl keiner dieser Entwürfe Erfolg hatte, war der Aufwand nicht nur umsonst. Das Schreiben der Ensembles lieferte Mozart wertvolle Erfahrungen, um die Beherrschung des zeitgenössischen buffa-Stils zu erlangen, der von seiner unverwechselbaren persönlichen Stimme erfüllt wurde. Dies gilt insbesondere für das Finale von L'oca del Cairo, das durchkomponiert und mit zwei gegnerischen Gruppen besetzt ist, in dem die Rollen durch eine ausgeprägte musikalische Charakterisierung weiter abgegrenzt werden. Dies war der Auftakt zu Mozarts großen Da Ponte-Opern: Die Hochzeit des Figaro, Don Giovanni und Così fan tutte.

Szilveszter Ókovács, Generaldirektor der Ungarischen Staatsoper, hatte vor 25 Jahren die Idee, diese beiden unvollendeten Werke zu einem Ganzen zu verbinden. Unter anderem mit Hilfe des Dirigenten Pál Németh und des Regisseurs Attila Toronykőy ist diese Idee nun auf der brandneuen Bánffy-Bühne in den Eiffel Art Studios in Budapest verwirklicht worden.

Originalzitate von Mozart nach Ludwig Schiedermair, Die Briefe W.A. Mozarts und seiner Familie, Fünf Bände. Erstdruck: München / Leipzig (Georg Müller) 1914; hier 2. Band, 9. Reihe, gemeinfrei abrufbar unter http://www.zeno.org/Musik/M/Schiedermair,+Ludwig