Preloader Operavision
Micke Sandström

Norrlandsoperan

Love & Politics

Liebe schillert in vielen Farben

Opern | Verdi

 

Wenn sich private Liebesbeziehungen und öffentliche politische Intrigen verstricken, ist der Ausgang oft tragisch. Die Protagonist*innen haben keine andere Wahl, als hilflos zuzusehen, wie sie plötzlich zur Spielfigur in einem Spiel werden, das sie zu kontrollieren glaubten.

 

Mit Love & Politics tritt Dan Turdén seine Position als künstlerischer Leiter der Norrlandsoperan an. Die Aufführung verbindet vier auf Friedrich Schillers Theaterstücken basierende Verdi-Opern - Don Carlo, I masnadieri, Luisa Miller und Giovanna d'Arco - fesselnd zu einer Reflexion über die vielen Gesichter der Liebe, die eng mit politischen Machtspiele verwoben ist.

Aufgezeichnet am 25. Oktober 2020

 

In Italienisch Sprache. Mit englischen und schwedischen Untertiteln und zusätzlich automatische Übersetzungen in mehr als hundert andere Sprachen.

Verfügbar von
27.02.2021 um 19:00 MEZ

bis
27.08.2021 um 12:00 MEZ

Sänger Hrolfur Saemundsson, Hege Gustava Tjønn, Susanna Levonen, Tapani Plathan, Elsa Ridderstedt, Jihan Shin, Linus Flogell, Fabian Düberg
Schauspielerin Sara Ribbenstedt
Orchester Norrlandsoperans Symfoniorkester


Musik Giuseppe Verdi
Text Temistocle Solera, Andrea Maffei, Salvatore Cammarano (Joseph Méry), Camille du Locle (Monolog nach einem Text von Friedrich Schiller)
Musikalische Leitung Ville Matvejeff
Inszenierung Dan Turdén
Licht William Wenner
Choreografie Sara Ribbenstedt
Kostüm- und Maskenbildnerin Angelica Ekeberg
Regieassistent Oskar Bergström
Assistent des Chorleitung Simon Bång
Korrepetitor Jonas Olsson, Nigar Dadascheva
Tonaufnahme und Mix Johannes Oscarsson
Konzertmeister Bartosz Cajler

Liebe & Politik

 

Erste Szene
​Giovanna d'Arco
1430er

Giovanna (Jeanne d'Arc) hat die französischen Truppen erfolgreich angeführt und eine Schlacht gegen die Engländer gewonnen. Dennoch wurde sie gefangen genommen.
Sie ist an den Scheiterhaufen gebunden und wartet darauf, als Hexe verbrannt zu werden. In der Nacht hat sie Visionen, in denen sie die Franzosen zum Sieg auf dem Schlachtfeld führt. Sie sieht auch, wie König Karl VII. von den Engländern gefangen genommen wird und fragt Gott, warum er sie bestraft, obwohl sie ihre weltliche Liebe für den König aufgegeben hat.
Giovannas Vater Giacomo glaubte die ganze Zeit, dass sie vom Teufel besessen sei, aber als er sie von ihrer Liebe zu Gott sprechen hört, erkennt er, dass er sich geirrt hat und befreit sie. Giovanna bereitet sich darauf vor, noch einmal an die Front zu gehen.

Zweite Szene
I masnadieri
1750er

Der noch junge Carlo brach sein Studium ab und schloß sich einer Bande von skrupellosen Wegelagerern an.
Seines gesetzlosen Lebens überdrüssig, schreibt Carlo an seinen Vater Massimiliano und bittet um Hilfe und Vergebung. Der Brief wird von seinem jüngeren Bruder Francesco abgefangen, bevor er den Empfänger erreicht. Francesco ist neidisch auf seinen Bruder und vernichtet den Brief, und Massimiliano verstößt Carlo.
Als Carlo dies erfährt, beschließt er, für den Rest seines Lebens bei seinen neuen Kameraden zu bleiben und wird zu ihrem Anführer gewählt. Nachdem er eine Stadt überfallen hat, um einen seiner neuen Freunde aus dem Gefängnis zu befreien, und die halbe Stadt in Brand gesetzt hat, stellt er seine Existenz in Frage und überlegt, sie zu beenden.
Francesco nutzt die Gelegenheit und täuscht eine Nachricht vor, dass Carlo im Kampf ums Leben gekommen ist. Im Beisein von Massimiliano und Carlos Verlobter Amalia verliest Francesco Carlos (vorgetäuschten) letzten Wunsch, in dem sich Carlo von seiner Familie verabschiedet und Francesco bittet, sich um Amalia zu kümmern. Alt und gebrechlich bereut Massimiliano, so hart zu Carlo gewesen zu sein, und stirbt.
Francesco gesteht seine Liebe zu Amalia, die seinen Antrag zurückweist. Das macht Francesco wütend, aber Amalia schafft es, ihn auszutricksen und zu entkommen.

Dritte Szene
Luisa Miller
1720er

Luisa, eine Bürgerstochter, ist in den Grafensohn Rodolfo verliebt. Ihre Väter, Herr Miller und Graf Walter, sind strikt gegen ihre Beziehung. Außerdem hat Miller in einem schwachen Moment seine Tochter dem Verwalter des Grafen, Wurm, versprochen.
Als er erkennt, dass Luisa Wurm niemals lieben wird, bekommt Miller kalte Füße und versucht, sich aus seinem Versprechen herauszuwinden. Wurm lässt Miller verhaften und nutzt Luisas Liebe zu ihrem Vater aus. Um ihn zu befreien, muss sie einen Brief schreiben, den Wurm ihr diktiert. Darin gesteht sie, dass sie Rodolfo nie geliebt hat, dass ihr einziger Ehrgeiz dem sozialen Aufstieg galt und dass sie Wurm wirklich liebt.
Miller erzählt Luisa, dass im Schloss eine große Hochzeit vorbereitet wird. Plötzlich erscheint Rodolfo und erklärt seine Liebe zu Luisa. Einen Moment später tritt Walter ein, um seinen Sohn abzuholen, der eine Frau seines Standes heiraten soll. Walter nennt Luisa eine Prostituierte und es kommt zu einer Schlägerei. Als die Dinge aus dem Ruder laufen, geht Luisa auf die Knie und versucht, die beiden Väter zu beruhigen.

Vierte Szene
Don Carlo
1560er

Der Marquis von Posa besucht seinen besten Freund Don Carlo, den Prinzen und Erben des spanischen Throns, der im Gefängnis sitzt und auf seine Hinrichtung wartet. Posa glaubt, dass die einzige Möglichkeit, eine politische Veränderung in Spanisch-Flandern zu erreichen, darin besteht, die Hinrichtung des Prinzen zu verhindern.
Die Fürstin von Eboli ist eine enge Vertraute der Königin Elisabetta. Die Königin ist eine französische Prinzessin und sollte eigentlich mit Don Carlo verheiratet werden. Aufgrund von geopolitischen Strategien wurde sie jedoch mit seinem Vater, König Filippo II. vermählt. Eboli hat der Königin gestanden, dass sie hinter ihrem Rücken intrigiert hat und dass sie eine Mätresse ihres Mannes, König Filippo, war. Bevor Elisabetta sie verlässt, stellt sie Eboli vor die Wahl, entweder in ein Kloster einzutreten oder ins Exil zu gehen.
Don Carlo hat einen Brief erhalten, der ein geheimes Treffen mit Elisabetta vorschlägt. Der Brief ist in Wirklichkeit von Eboli geschrieben, die heimlich in Carlo verliebt ist. Sie hat seine Aufmerksamkeiten für die Königin falsch gedeutet und dachte, er sei in sie verliebt. Als alles aufgedeckt wird, ist Eboli im Besitz eines Geheimnisses, das sowohl Don Carlo als auch die Königin das Leben kosten könnte. Posa versucht, ihr Treffen zu unterbrechen. Die beiden Männer sehen zu, wie Eboli geht, weil sie wissen, dass sie ihre Entdeckung für sich nutzen wird. Posa weiß, dass Carlo im Besitz von geheimen Dokumenten ist, die den Prinzen in die jüngsten Aufstände in Flandern verwickeln. Als einer der prominentesten Generäle Spaniens hat Posa mit aller Macht versucht, den König dazu zu bringen, die Unterdrückung Flanderns zu beenden. Nun überredet er Carlo, ihm die Dokumente zu geben.

Fünfte Szene
Giovanna d'Arco
1430er

Giovanna hat die französischen Truppen erneut zum Sieg geführt, der Krieg ist gewonnen.
Tödlich verwundet wird sie mit ihrem Vater Giacomo und König Karl VII. wiedervereint. Nachdem sie sich verabschiedet hat, gesellt sich Giovanna zu den Engeln.

  Giuseppe Verdi, der Gigant
(1813-1901)

 

Giuseppe Verdi überzog seine Briefe abwechselnd mit Ausrufezeichen und Fragezeichen. Kleine Aneinanderreihungen von !!!, !?? und ?!! als Abschluss dessen, was er sagen wollte - energische, laute und mitreißende Zeichensetzung.

Als Komponist und Mensch transzendierte er alle Maßstäbe, Anekdoten berichten von seinen Wutausbrüchen während der Proben. Seine Finger schnippen wie Kastagnetten, um Sänger*innen und Musiker*innen anzutreiben. Schweißtropfen von seiner Stirn verschmieren die Partituren, zum Missfallen der Dirigenten.

Jenseits der Anekdoten stoßen wir auf den Ernst.

Verdi brach mit den Gewohnheiten in der Produktion und forderte, dass die Aufführung zum Werk passen sollte. Und der Komponist sollte das letzte Wort haben, nicht die Solisten oder der Manager.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Verdi die treibende Kraft der italienischen Oper und Musik, ähnlich wie Richard Wagner im deutschen Teil Europas. 

Es gab frühere Höhepunkte wie Bellini, Donizetti und Rossini, aber als Verdi die Bühne betrat, war ihm niemand ebenbürtig.

Verdi lebte ein langes Leben - geboren wurde er während der napoleonischen Kriege, und er starb in einer modernen Ära mit Telefonen und Radio. Dampfschiffe und Eisenbahnen brachten Rigoletto, Il trovatore und La traviata nach Kansas City, Sydney, Kapstadt und Valparaíso. Drehorgeln und Akkordeons spielten seine Melodien auf den Straßen von Glasgow und Göteborg. Er war ein erfolgreicher Geschäftsmann, der das Urheberrecht für sich beanspruchte, und wurde der reichste Komponist seiner Zeit. Seine Musik war zeitgleich mit der Entstehung eines unabhängigen und geeinten Italiens - „Freiheit und Verdi‟ wurden zu politischen Synonymen für das Opernpublikum, das ihm mit „Viva Verdi!‟ zujubelte.

Bei seinem Begräbnis schloss sich eine Viertelmillion Menschen dem Trauerzug an. Arturo Toscanini dirigierte ein riesiges Orchester, und die Menge sang „Va pensiero‟, der Gefangenenchor aus Nabucco.

In den dramatischen Werken von William Shakespeare und Friedrich Schiller fand Verdi eine Welt, die er in Musik umsetzen wollte. Eine Welt voller Gefühle und Kontraste. Heldentum und Großartigkeit neben dem einfachen Leben der Menschen. Die Tragödie neben der Komödie. Hoch und tief. Shakespeare gab ihm Macbeth, Otello und Falstaff. Von Schiller bekam er die vier Opern, die jetzt an der Norrlandsoperan aufgeführt werden. Aus Die Jungfrau von Orleans wurde Giovanna d'Arco, die 1845 an der Mailänder Scala uraufgeführt wurde. Aus Die Räuber wurde I masnadieri (uraufgeführt in London 1847 mit Jenny Lind). Kabale und Liebe wurde zu Luisa Miller am Teatro San Carlo in Neapel 1849. Und Don Carlos wurde 1867 an der Pariser Oper uraufgeführt, dann 1884 als Don Carlo für die Scala überarbeitet.

Verdis Werke sind seit langem fester Bestandteil des internationalen Opernrepertoires - wie Un ballo in maschera und Aida. Verdi ist immer noch der große Komponist der Wahl für Sänger*innen und Publikum, zusammen mit Mozart und Wagner. Aber die beiden letztgenannten können nicht mit Verdi konkurrieren, wenn es um Fußball geht, wenn die Menge kurz vor dem Anpfiff „La donna è mobile‟ von der Tribüne singt.