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Javier del Real

Teatro Real

Lucia di Lammermoor

Opern | Donizetti

Liebe kann fragwürdig sein, vor allem wenn Fälschung und Mordversuch mit ihr einhergehen. Der Filmregisseur David Alden hat das Vergnügen, die Inszenierung zu leiten.

In italienischer Sprache

Live mit englischen Untertiteln. Deutsche und französische Untertitel sind bald verfügbar und zusätzlich automatische Übersetzungen in 114 andere Sprachen. 

Verfügbar von
07.07.2018 um 21:30 MEZ

bis
06.10.2018 um 23:59 MEZ

LuciaLisette Oropesa
EdgardoJavier Camarena
Enrico AshtonArtur Rucinski
Raimondo BidebentRoberto Tagliavini
Lord Arturo BucklawYijie Shi
AlisaMarina Pinchuk
NormannoAlejandro del Cerro
ChorTeatro Real
OrchesterTeatro Real


MusikGaetano Donizetti
LibrettoSalvatore Cammarano
Musikalische LeitungDaniel Oren
InszenierungDavid Alden
Stellvertretender RegisseurIan Rutherford
BühneCharles Edwards
KostümeBrigitte Reiffenstuel
LichtAdam Silverman
ChoreografieMaxime Braham
ChorleitungAndrés Máspero

Akt I

Schottland, Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein Eindringling wurde nachts auf dem Grundstück von Schloss Lammermoor, Eigentum von Enrico Ashton, gesehen. Normanno, der Hauptmann der Wache, schickt Männer auf die Suche nach dem Fremden. Enrico eilt besorgt herbei. Die finanzielle Lage seiner Familie ist in einem kritischen Zustand. Nur die arrangierte Hochzeit seiner Schwester Lucia mit Lord Arturo kann sie retten. Der Kaplan und Lehrer von Lucia, Raimondo, erinnert Enrico daran, dass sie immer noch um ihre Mutter trauert. Aber Normanno enthüllt, dass Lucia heimlich in Edgardo di Ravenswood, Anführer von Ashtons politischen Feinden, verliebt ist. Enrico ist wütend und schwört Rache. Die Männer kommen zurück und erklären, dass sie den Eindringling gesehen und identifiziert haben: Es ist Edgardo. Enrico tobt vor Wut.

Kurz vor Sonnenaufgang, warten Lucia und ihre Vertraute Alisa am Brunnen in der Nähe des Waldes auf Edgardo. Lucia erzählt, dass sie den Geist eines Mädchens, das von ihrem eifersüchtigen Geliebten an diesem Brunnen erstochen wurde, gesehen hatte. Alisa drängt sie dazu Edgardo zu verlassen aber Lucia behauptet, dass ihre Liebe für Edgardo sie glücklich macht und ihr hilft, alles zu überwinden. Edgardo stößt zu ihnen und erklärt, dass er eine politische Mission in Frankreich zu erledigen hat. Bevor er geht, will er sich mit Enrico versöhnen. Lucia bittet Edgardo jedoch, nichts über ihre Liebe zu verraten. Edgardo akzeptiert die Vereinbarung. Sie tauschen ihre Trauringe aus und schwören sich ewige Treue.

Akt II

Ein paar Monate später, am Hochzeitstag von Lucia und Arturo. Normanno zeigt Enrico die Briefe, die er zwischen dem Liebespaar abgefangen hatte; er hatte ebenfalls einen falschen Brief erstellt, der angeblich von Edgardo geschrieben wurde und an eine andere Frau adressiert war. Während der Kapitän das Brautpaar begrüßt, versucht Lucia sich weiterhin ihrem Bruder zu widersetzen. Enrico gibt ihr den falschen Brief. Das bricht Lucia das Herz. Enrico drängt sie dazu, Arturo zu heiraten, um die Familie zu retten. Er geht und Raimondo überzeugt davon, dass Lucia ihre Liebe aufgegeben hat, erinnert sie an ihre verstorbene Mutter und drängt sie dazu, ihre Pflicht als Schwester zu erfüllen. Letztendlich stimmt sie zu.

Als der Tag der Hochzeit immer näher rückt, erklärt Enrico Arturo, dass Lucia wegen des Todes ihrer Mutter immer noch sehr wehmütig ist. Das junge Mädchen tritt ein und unterschreibt widerwillig den Ehevertrag. Plötzlich stürzt Edgardo herein und will seine Verbundenheit mit Lucia in Anspruch nehmen. Die versammelten Menschen sind verblüfft (Sextett: "Chi mi frena in tal momento"). Arturo und Enrico befehlen Edgardo zu gehen, aber er gibt nicht auf. Raimondo überreicht ihm den von Lucia unterschriebenen Vertrag. Edgardo ist so verzweifelt und wütend, dass er sie verflucht und bevor er geht den Ring von seinem Finger entfernt.

Akt III

Enrico besucht Edgardo, in seinem Haus, dass in Ruinen liegt und verspottet ihn mit der Nachricht, dass Lucia und Arturo gerade geheiratet haben. Beide Männer treffen sich im Morgengrauen unweit der Gräber der Ravenswoods, um in einem Duell gegeneinander anzutreten.

Als er nach Lammermoor zurückkehrt, unterbricht Raimondo die Hochzeitsfeier, in dem er verkündet, dass Lucia verrückt geworden sei und Arturo ermordet hat. Lucia, die voller Blut ist, tritt ein. Zärtlichkeit, Freude und Schrecken zeichnen sich in ihrem Gesicht ab. Sie erinnert sich an ihre Verabredungen mit Edgardo und stellt sich mit ihm in ihrer Hochzeitsnacht vor. Sie schwört, dass sie im Paradies nie ohne ihren Liebhaber glücklich sein und ihn dort wiedersehen wird. Als Enrico zurückkommt, ist er wahnsinnig vor Wut und erkennt, dass sie ihren Verstand verloren hat. Nach einem verstörenden und gewaltsamen Austausch mit ihrem Bruder wird Lucia ohnmächtig.

Auf dem Friedhof beklagt sich Edgardo über die Idee, ohne Lucia zu leben und wartet auf sein Duell mit Enrico. Edgardo ist entschlossen, sich umbringen zu lassen denn sein Leben macht keinen Sinn mehr. Die Gäste von Schloss Lammermoor verkünden, dass Lucia im Sterben seinen Namen ausgesprochen hat. Während er beabsichtigt, zu ihrem Bett zu eilen, kündigt Raimondo den Tod von Lucia an. Entschlossen, mit ihr ins Paradies zu gehen, ersticht sich Edgardo.

5 Dinge, die man über Lucia di Lammermoor wissen sollte
 

1° Eine gotische Oper

Lucia di Lammermoor von Gaetano Donizetti ist eine Opera seria in drei Akten. Dieses Belcanto Werk markiert die Geburt der italienischen romantischen Bewegung. Die Handlung dieser Oper basiert auf Walter Scotts Roman Die Braut von Lammermoor aus dem Jahre 1819. Donizetti änderte nur manche Namen der Figuren.

Man kann einige gotische Elemente in Lucia di Lammermoor finden. Durch die romantische Bewegung entsteht im 19. Jahrhundert ein Wiederaufleben des Interesses für das Mittelalter, welches sich durch eine Faszination für das Fantastische und das Makabre auszeichnet.

Die Geschichte spielt in einer alten Burg in Schottland, Ende des 16. Jahrhunderts. Die Sturmszene, die Geistergeschichten und die Anwesenheit eines mysteriösen Brunnens tragen zu dem "fantastischen" Setting bei. Lucia ist die perfekte gotische Heldin. Unterdrückt, wird sie von einer patriarchalischen Gesellschaft verrückt gemacht; äußere und innere Qualen werden sie dazu bringen ihren Ehemann zu töten. Ihr Zustand des Wahnsinns klingt nach Donizettis Leben. Als er im Jahr 1845 an Syphilis erkrankt, verliert er die Fähigkeit zu sprechen und wird allmählich wahnsinnig. Daraufhin wurde er in eine Anstalt gebracht, wo er vier Jahre später starb.

2° Das Sextett und die wahnsinnige Szene

Das Sextett am Ende des 2. Akts ist eine der bekanntesten dramatischen Szenen der Oper. Edgardo di Ravenswood erscheint auf der Bühne, kurz nachdem Lucia ihren Ehevertrag mit Lord Bucklaw unterschrieben hat. Edgardo verflucht seine Geliebte: „Chi mi frena in tal momento? Chi tronco dell'ire corso?“ (Wer vermag's, den Zorn zu hemmen,
der mein Herz dahingerissen?)

Die berühmte wahnsinnige Szene im dritten Akt, „Oh, giusto cielo! ... Es dolce suono“ (Oh gerechter Himmel! ... Der süße Klang), findet in der großen Halle des Ravenswood Schlosses unter der Anwesenheit der Gäste von Lucia und Lord Bucklaw Hochzeit statt. Der Gesang erinnert an die Halluzinationen der Heldin, die zwischen Begeisterung und Niedergeschlagenheit hin und her schwankt. Ursprünglich wurde eine Glasharmonika für die Szene gewählt, auf Grund ihrer angeblichen Wirkung, die sie auf die Nerven der Zuhörer hat. Da das Instrument sehr teuer und schwierig zu bauen ist, wurde es später durch eine Flöte ersetzt. In dieser berühmten Arie drückt Lucia die hohen Töne bis in die Extreme.

3° Lucia: eine der anspruchsvollsten Rollen der Oper

Die Rolle von Lucia erfordert ein außergewöhnliches Maß an Virtuosität. Es ist eine Herausforderung, die technische Beherrschung und dramatische Sensibilität verlangt. Vor allem die wahnsinnige Szene ist unter den Koloratursopranistinnen für ihre technische Beherrschung die erforderlich ist, ihre Wechsel zwischen hohen und tiefen Registern und ihre beeindruckenden melodischen Linien (hohe Cs und hohe Ds) bekannt.

Es gab bemerkenswerte Performances im Laufe der Geschichte: Maria Callas (1952 in Mexiko-Stadt), Joan Sutherland (1959 in Covent Garden), Renata Scotta (1970 in Marseille), Natalie Dessay (2007 in Köln) und Anna Netrebko (2009 an der Metropolitan Opera).

4° Die wahnsinnige Szene in Film und Literatur

In dem Film Das Haus der Lady Alquist von George Cukor, der 1944 herauskam, probt Ingrid Bergman die wahnsinnige Szene. Ihrem Gesangslehrer gefällt ihre Performance nicht; er beschuldigt sie, zu sehr mit ihrem eigenen Leben zufrieden zu sein, um die Szene tragisch klingen zu lassen. Ironischerweise verfällt Bergman am Ende des Films selbst in den Wahnsinn. Diese berühmte Arie kann man ebenfalls in Luc Bessons Film Das fünfte Element hören, gesungen von einem Alien; die Diva Plavalaguna. Die Sopranistin Inva Mula verlieh dem Charakter ihre Stimme, die dann am Computer überarbeitet wurde.

Viele Autoren haben diesen dramatischen Moment auch in ihren Romanen benutzt. In Flauberts Madame Bovary sieht Emma Bovary Lucia di Lammermoor in Rouen mit ihrem Ehemann Charles Bovary. Dieses Ereignis verstärkt Emmas Überempfindlichkeit. Sie sympathisiert mit Lucias Situation, in der sie sich selbst wiedererkennt: „ Lucie, ernst aussehend, begann ihre Kavatine in G-Dur: Sie äußerte Liebesklagen, flehte um Flügel. Und in diesem Moment sehnte sich auch Emma danach, das Leben hinter sich lassen und die Flucht zu ergreifen“. In Anna Karenina von Tolstoi, besucht die gleichnamige Heldin diese Oper in St. Petersburg, um nach ihrem Geliebten Vronsky zu suchen. Sie verursacht einen Skandal, indem sie gesellschaftliche Konventionen missachtet.

5° Inszeniert von dem Filmregisseur David Alden

Der amerikanische Regisseur David Alden hat den Kontext der Oper geändert, um es in die viktorianische Periode zu setzen. Dies schafft eine Atmosphäre, die typisch für Emily Bronte oder Charles Dickens Romane ist. Als Filmregisseur findet David Alden Inspiration im Kino. Für die wahnsinnige Szene ließ er sich von Carrie, Brian de Palmas Horror Teenie-Film und insbesondere der Abschlussball-Szene inspirieren, in der, bis auf das tropfende Blut, kein Ton zu hören ist.