Preloader Operavision
Michele Crosera

Teatro La Fenice

Macbeth

Was getan ist, ist getan und bleibt’s

Opern | Verdi

Ein schottischer Lord tötet nach einer übernatürlichen Prophezeiung und dem Drängen seiner Frau den König und beansprucht den Thron. In der Angst, demaskiert zu werden, hält er sein Volk in Angst und Schrecken.

 

Shakespeares Stücke inspirierten Verdi sein Leben lang, Macbeth war das erste, das er für die Opernbühne adaptierte.Teatro La Fenice eröffnet seine 2018/19-Spielzeit mit dieser Neuproduktion, inszeniert vom Venezianer Damiano Michieletto, der eine Traumwelt voller Phantasie und Halluzinationen erschafft.

In italianischer Sprache
Mit italianischen, deutschen, englischen und französischen Untertiteln und zusätzlich automatische Übersetzungen in 114 andere Sprachen.

Verfügbar von
07.12.2018 um 19:00 MEZ

bis
06.06.2019 um 23:59 MEZ

MacbethLuca Salsi
BancoSimon Lim
Lady MacbethVittoria Yeo
Dame der Lady MacbethElisabetta Martorana
MacduffStefano Secco
MalcomMarcello Nardis
ArztArmando Gabba
Diener MacbethsAntonio Casagrande
SicarioEmanuele Pedrini
AraldoUmberto Imbrenda
Drei ErscheinungenSolists from Piccoli Cantori Veneziani
ChorCoro del Teatro La Fenice, Coro di voci bianche
OrchesterOrchestra del Teatro La Fenice


MusikGiuseppe Verdi
LibrettoFrancesco Maria Piave und Andrea Maffei, nach dem Stück von William Shakespeare
Musikalische LeitungMyung-Whun Chung
InszenierungDamiano Michieletto
BühnePaolo Fantin
KostümeCarla Teti
LichtFabio Barettin
ChoreografieChiara Vecchi
ChorleitungClaudio Marino Moretti (Coro del Teatro La Fenice), Diana D’Alessio, Elena Rossi (Coro di voci bianche)

Akt I

Unter Blitz und Donner erscheinen Hexen in drei Gruppen in einem Wald. Auf diese treffen zwei Generäle des Heeres von König Duncano, Macbeth und Banco, die von einer siegreichen Schlacht zurückkehren. Die Megären, die von den Generälen zu Rate gezogen werden, begrüßen Macbeth als Sire von Glamis und Cawdor sowie als zukünftigen König von Schottland; dann begrüßen sie Banco, dem sie weissagen, dass er der Glücklichere sei, doch nicht als König, sondern als Vater von Monarchen. Die Boten des Königs treten auf und verkünden, dass Macbeth soeben zum Sire von Cawdor ernannt wurde. Macbeth und Banco sind verwundert und beeindruckt, dass sich die erste Prophezeiung bewahrheitet hat.

Lady Macbeth liest in ihrem Atrium auf der Burg von Macbeth einen Brief ihres Mannes mit dem Bericht dessen, was vorgefallen ist. Als ein Diener die Ankunft von König Duncano ankündigt, schmiedet sie ihren Plan, um den Monarchen zusammen mit ihrem Mann zu ermorden. In der Tat überzeugt sie Macbeth, als dieser zu ihr kommt, sofort davon, den Mord zu verüben. Der König erscheint zusammen mit seinem Sohn Malcolm. Macbeth wartet bis die Stille der Nacht hereinbricht und betritt das Zimmer des Königs, um ihn zu ermorden. Er ist zutiefst ergriffen von dieser kriminellen Tat, die seine Frau dagegen kalt lässt: sie nimmt Macbeth den blutüberströmten Dolch aus der Hand und legt diesen neben die schlafenden Wachen, damit diese der Tat bezichtigt werden. Macduff, ein Edelmann des Königs, betritt das Zimmer von Duncano, um ihn zu wecken und findet ihn tot vor. Als Duncano erschrocken aufschreit, eilen alle herbei, auch Macbeth und Lady Macbeth, die in den Chor derer einstimmen, die Ermordung des Königs verdammen.

Akt II

In einem Zimmer auf der Burg betrachtet Macbeth als der neue König Schottlands seine Situation, während Malcolm, der Sohn Duncanos, des Mordes an seinem Vater angeklagt wurde und nach England geflohen ist. Macbeth gesteht im Gespräch mit seiner Frau, dass ihn die Weissagungen der Hexen für Banco beängstigt, besonders die, dass Banco Vater von Königen sein werde. So kommt es, dass in Macbeth der Wunsch aufkommt, den General und seinen Sohn verschwinden zu lassen. Lady Macbeth unterstützt und bestärkt ihren Mann in seiner Entscheidung.

In einem Park bereiten die Meuchelmörder den Mord an Banco und seinem Sohn Fleanzio vor. Die beiden Opfer treten auf. Banco beschleicht eine dunkle Vorahnung: die Mörder überfallen und töten ihn, doch sein Sohn kann fliehen und sich in Sicherheit bringen.

Der Hof findet sich im Prunksaal zu einem Bankett zusammen und feiert den neuen König und Lady Macbeth hebt zu einem Trinkspruch an. Etwas abseits teilt der Meuchelmörder dem König Macbeth mit, dass Banco tot sei, sein Sohn aber unbeschadet fliehen konnte. Der König will den Platz von Banco einnehmen, doch Bancos Geist, den die anderen sehen, kann dies verhindern. Macbeth halluziniert und erschreckt die Gäste mit unvollständigen und unpassenden Sätzen. Seine Frau versucht, ihn zu stärken und den Trinkspruch wieder aufzunehmen, doch Bancos Geist kehrt zurück zu Macbeth, der angstvolle Schreie von sich gibt und damit die Anwesenden verschreckt, die sorgenvoll den Saal verlassen.

Akt III

Die Hexen zaubern und tanzen zusammen in einer dunklen Höhle. Macbeth tritt zu ihnen und befragt sie nach seiner Zukunft. Drei Erscheinungen antworten ihm: er muss sich vor Macduff in Acht nehmen, keiner, der von einer Frau geboren wurde, wird ihm schaden und er wird unbesiegbar sein, bis sich der Wald von Birnam gegen ihn erheben wird. Macbeth, der noch nicht zufrieden ist, fragt, ob die Nachfahren von Banco nach ihm das Reich regieren werden. Daraufhin erscheinen acht Geister von Königen: der Letzte ist Banco, der in seiner Hand einen Spiegel trägt, der das Abbild der zukünftigen Herrscher trägt und der ihm lachend seine königlichen Nachfahren zeigt. Wie ein Irrsinniger wirft sich Macbeth gegen die Geister, um diese zu zerstören, doch er stürzt erschöpft und wird ohnmächtig. Um ihn herum beginnen Undinen und Sylphiden einen neuen Tanz. Als er aufwacht, ist seine Frau an seiner Seite und er beschließt, die Familien von Banco und Macduff zu vernichten.

Akt IV

Macduff wird von geflüchteten und übergelaufenen schottischen Flüchtlingen an einen verlassenen Ort an der Grenze zwischen Schottland und England begleitet. Diese beweinen das Schicksal ihrer unterdrückten Heimat. Auch Macduff denkt an seine Familie, die auf Befehl von Macbeth niedergemetzelt wurde. Malcolm erreicht ihn an der Spitze der englischen Verbündeten und befiehlt dann jedem Soldat, einen Ast des Waldes von Birnam vor sich zu tragen, damit die so getarnten Truppen zu der Burg des verfeindeten Königs voranschreiten können.

Im Burgsaal stehen ein Arzt und eine Hofdame Lady Macbeth bei, die vom Wahn befallen wurde. Die Königin reibt sich dauernd die Hände, um die unsichtbaren Blutflecken zu beseitigen. Ohne sich dessen bewusst zu sein, wer sie umgibt, läuft sie wie eine Schlafwandlerin durch die Burg, verwirrt und erschöpft, sie ist Opfer einer grauenvollen Reue.

Macbeth, in einem anderen Saal der Burg, ist verängstigt: Obwohl ihn die Prophezeiung beruhigt, dass ihm keiner, der von einer Frau geboren wurde, schaden kann, bereut er es, keine Erben zu haben. Die Nachricht vom Tod der Lady Macbeth stört ihn nicht; doch er ist schwer getroffen, als ihm seine Krieger berichten, dass der Wald von Birnam sich zur Burg bewegt: da greift der König zum Schwert, um auf das Schlachtfeld zu laufen.

Die englischen Soldaten rücken, versteckt von den Ästen, auf weiter Ebene vor. Dann werfen sie das Laubwerk weg, ziehen die Schwerter aus den Hüllen und schreiten zum Angriff. Macduff erreicht Macbeth und eröffnet ihm, dass er aus dem Leib seiner Mutter geschnitten wurde und daher nicht von einer Frau geboren wurde. Dann versetzt er ihm einen tödlichen Stich. Malcolm wird zum König von Schottland ernannt.

„Musik ist ein Gegengift für das Streben nach Macht“ : ein Interview mit Dirigent Myung-Whun Chung

Maestro Chung, Sie dirigieren zum ersten Mal Macbeth, ein Shakespeare-Stück, das Verdi sehr am Herzen lag, er betrachtete es als „eine der größten Schöpfungen menschlichen Geistes“. Wie sind Sie an diese Oper herangegangen?

Wenn Sie etwas für Sie Neues bearbeiten, müssen Sie dies in einer bestimmten Reihenfolge tun. So fing ich mit dem Libretto und Shakespeares Stück an, genau wie Verdi. Er schaute immer nach einer Kernidee, aus der er die Musik entstehen lassen konnte. In diesem Sinne kann man sagen, dass die Worte vor der Musik da sind. Wenn dies jedoch der Anfang ist, muss für ihn und für jeden anderen Musiker der Endpunkt die Musik sein, die von viel größerer Bedeutung ist als der geschriebene Text. Meiner Meinung nach besteht die Hauptaufgabe eines Dirigenten darin, den Weg, den der Komponist eingeschlagen hat, zu rekonstruieren. Bei Macbeth ist der Ausgangspunkt, also der Shakespeare-Text, jedoch sehr bedeutungsgeladen, so dass die Beziehung zwischen Musik und Text viel dichter und enger ist als in anderen Fällen. Ich muss sagen, dass ich diesen Zugang zur Oper anfangs nicht einfach fand, denn was ich an Verdi normalerweise am meisten mag, ist das Menschliche, die Noblesse, der Mut und die Liebe. Hier gibt es jedoch sehr wenig Noblesse und ebenso wenig wahre Liebe. Es ist eine gewalttätige, wilde Welt, und ich musste mich ein wenig zwingen, sie zu betreten. Glücklicherweise kam mir die Musik zu Hilfe.

Wie wir wissen wollte Verdi unbedingt den Sänger Felice Varesi für die Premiere, weil er glaubte, er sei der einzige, der diese bestimmte Figur effektvoll verkörpern könnte. Welche Art von gesanglichen Qualitäten sollte man für die Rolle von Macbeth haben? Und wie ist es mit Lady Macbeth?

Zunächst möchte ich sagen, dass diese Oper eigentlich Lady Macbeth heißen sollte. Während die Rolle von Macbeth zweifellos eine der wichtigsten ist, ist es, wie so oft im Leben, die Frau hinter dem Mann, die wichtiger ist. Und dieses Element kommt bei Macbeth besonders zur Geltung. Was Sie also brauchen, ist ein guter Schauspieler für Macbeth, seine Stimme ist jedoch verhältnismäßig 'normal', während die Sopranrolle fast unmöglich zu verkörpern ist. Für die Dame suchte Verdi eine Sängerin, die nicht attraktiv war und nicht einmal eine schöne Stimme hatte. Aber das war offensichtlich unmöglich, weil man sich nicht für jemanden mit schlechten Stimmqualitäten entscheiden kann. Man muss also mit einer schönen Stimme arbeiten, die flexibel genug ist, um das angeborene Böse in diesem Charakter in den Vordergrund zu stellen. Von allen Rollen, die ich kenne, ist diese wirklich diejenige, die der Unmöglichkeit am nächsten kommt. Ich denke, es ist im Allgemeinen die Rolle der Frau in der Beziehung zwischen Mann und Frau oder Eheleuten viel zentraler ist. Ich sage oft, dass meine Hauptaufgabe nicht das Dirigieren ist: Zuerst bin ich ein Portier; dann bin ich der Koch; und zusätzlich dirigiere ich. Die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten in Macbeth ist wirklich klar: Seine Frau hat Macbeth in ihrer Gewalt und völlig unter Kontrolle.

Nach Macbeth und Lady Macbeth ist der Chor der Hexen die dritte Hauptrolle.

Auch diese Rollen sind kaum verkörperbar. Wenn man Shakespeares Stück ohne Verdis Musik inszeniert, kann man "echte" Hexen auf die Bühne stellen, die schrille, schreckliche Stimmen haben können. Aber beim Singen ist es äußerst komplex, die musikalischen Eigenschaften dieser Figuren zum Vorschein zu bringen. Aus einer Gesangsperspektive erzeugt die extreme Übertreibung einen zu komischen Effekt. Es ist also wirklich schwierig, den richtigen Weg zu finden und es muss sowohl technisch als auch mechanisch viel Arbeit geleistet werden. Man muss fast immer ohne Emotionen singen und dabei sorgfältig die Effekte berechnen, die die Leichtigkeit und „phantomhafte“ Präsenz dieser Hexen hervorrufen. Es ist fast so, als würde man gegen die Natur arbeiten, ohne Raum für Emotionen zu lassen. Es ist das genaue Gegenteil von den schönen italienischen Stimmen, die ihr Herz in jede Note stecken.

Nach der Premiere in Florenz revidierte der Komponist die Partitur für Paris, wobei er einige Teile überarbeitete und andere vollkommen auswechselte. Heute ist diese zweite Fassung auch die am meisten aufgeführte. Warum ist das so?

Ich denke nicht, dass man von einer zweiten Fassung sprechen sollte. Tatsächlich ist die für Paris erstellte Partitur eine Partitur, die im Vergleich zur ersten nur geringfügige Änderungen enthält. In diesem Fall unterscheidet sich Verdis Revision von der seiner anderen Opern, zum Beispiel Simone Boccanegra, wo die zweite Version zweifellos die bessere ist. Bei Macbeth behielt Verdi das Meiste der ersten Fassung in der zweiten bei, er nahm nur kleine Änderungen vor und modifizierte die Orchestrierung an mehreren Stellen, aber die Gesamtstruktur der Oper ist definitiv die gleiche. Wie immer ist jedoch die geringste Veränderung begründet und stellt eine deutliche Verbesserung dar, und deshalb ist es schwierig, nicht die zweite Fassung zu nehmen, wenn man sich entscheiden muss. Wir werden jedoch nicht das Ballett aufführen, das speziell für Paris geschrieben wurde. Ich persönlich mag es nicht, Ballettszenen zu Verdis Werken hinzuzufügen.

Macbeth ist eine Art Fantasy-Oper, die von Verdi zusammen mit dem Impressario Alessandro Lanari ausgewählt wurde, der schon Werke wie Meyerbeers Robert le Diable oder Webers Der Freischütz bekannt machte.

Das stimmt, man muss nur im letzten Akt an Lady Macbeths berühmte Schlafwandlerszene denken. Die ganze Oper entwickelt sich allerdings auf einem feinen Grad zwischen Realität und einer Traumwelt, zwischen dem Konkreten und dem Vorstellbaren. Was die Regie betrifft, so denke ich, dass unsere Produktion auf diese Art der Deutung ausgerichtet ist. Die Anwesenheit der Kinder ist entsprechend zu verstehen, und für Verdi hatte dies eine sehr wichtige Funktion. Vielleicht hilft es, Lady Macbeth ein wenig Menschlichkeit zu geben, denn an einem bestimmten Punkt scheint sie unverständlich böse zu werden und schwankt ständig zwischen diesem atavistischen Bösen und Wahnsinn.

Es ist ein makabres Märchen über Macht, Gier und die Schwächen des Menschen. Inwieweit spricht das noch das Publikum an?

Es spricht nicht nur die zeitgenössischen Zuschauer an, sondern auch das Publikum über die Jahrhunderte hinweg. Die Protagonisten sind zwei Figuren, die alle anderen beherrschen wollen. Figuren wie diese, die von ihrem Willen zur Macht geblendet sind, stellen seit jeher eine große Gefahr für die Menschheit dar, egal, wohin man sieht. Und obwohl das Thema düster und voller Gewalt ist, hilft uns diese Oper zu verstehen, inwieweit diese Droge - in Form des Strebens nach Macht - so furchtbar tief im Menschen verwurzelt ist. Wie immer gelingt es der Musik, eine spezifische Botschaft zu vermitteln, die über die bloßen Worte hinausgeht. Letztere bleiben im Kopf, während die Musik das Herz und die Seele eines jeden Menschen erreicht.

Jean-François Leclercq

Myung-Whun Chung ist Erster Gastdirigent an der Dresdner Staatskapelle und Ehrendirigent des Philharmonischen Orchesters Tokyo.

In Seoul geboren, begann Myung-Whun Chung seine Laufbahn als Pianist und belegte den 2. Platz beim Klavierwettbewerb in Moskau 1974. Nach seinem Studium der Musik an der Mannes School und der Juillard School in New York wurde er 1979 Carlo Maria Giulinis Assistent an der Los Angeles Philharmonic und wurde dort zwei Jahre später Associate Conductor.

Chung war Musikdirektor des RSO Saarbrücken, Erster Gastdirigent am Teatro Comunale Florenz, Musikdirektor an der Opéra Bastille in Paris und Musikdirektor des Orchestre Philharmonique Radio France. Seine Liebe zu Italien war der Grund für seine intensive und jahrelange Arbeit in diesem Land, wozu auch seine frühere Position als Erster Dirigent des Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom gehörte. Er dirigiert außerdem regelmäßig am Teatro La Fenice, wo er vor Kurzem Madama Butterfly, Simon Boccanegra, Otello und Tristan und Isolde leitete.