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Mara Bratoš

Croatian National Theatre in Zagreb

Das Medium

Die Séancen mögen manipuliert sein, doch sind ihre Kräfte echt?

Opern | Menotti

Mit Hilfe ihrer Tochter und eines stummen Dieners nutzt die angebliche Hellseherin Madame Flora den Kummer ihrer Kunden, um sie zu betrügen. Eines Nachts jedoch führt eine unheimliche Begegnung zu Mord und Wahnsinn.

 

Die Inszenierung von Das Medium des Croatian National Zagreb bietet in nur einer Stunde genug Spannung, um mit jedem Thriller mitzuhalten. Gian Carlo Menottis musikalisch eklektische englischsprachige Oper mischt italienischen Verismo mit musicalartiger amerikanischer Modernität, wie man es von einem durch und durch amerikanisch-italienischen Komponisten und Theatermann erwarten kann.

Wird auf OperaVision am 9. Dezember 2021 LIVE aus Zagreb gestreamt.

 

In englischer Sprache. Mit englischen Untertiteln.

Verfügbar von
09.12.2021 um 20:00 MEZ

bis
09.06.2022 um 12:00 MEZ

FloraDubravka Šeparović Mušović
MonikaIvana Lazar
Madam NolanMargareta Matišić
Madam GobineauTamara Franetović Felbinger
Mister GobineauOzren Bilušić
TobyLeonard Lampert
OrchesterCroatian National Theatre Zagreb Orchestra


MusikGian Carlo Menotti
TextGian Carlo Menotti
Musikalische LeitungJosip Šego
InszenierungCaterina Panti Liberovici
BühneRoberto Boldini
KostümeAlessandra Garanzini
LichtChiara Lussignoli
RegieassistentLeonard Lampert
SupervisorsAleksandra Ćorluka, Zrinka Petrušanec
KonzertmeisterVlatka Peljhan, Mojca Ramušćak
Künstlerische Leitung des OpernstudiosNina Cossetto

Akt 1

Der Salon des Mediums. Monica, die Tochter von Madame Flora, und Toby, ein stummer Diener, der aus den Straßen von Budapest gerettet wurde, spielen Verkleiden. Als Madame Flora, oder Baba, wie sie sie nennen, betrunken nach Hause kommt, schimpft sie heftig mit den beiden, weil sie sich nicht auf die Séance vorbereitet haben. Bald treffen die Kunden ein, Herr und Frau Gobineau, Stammgäste, und die Witwe Mrs. Nolan, die zum ersten Mal dabei ist. Während Madame Flora in Trance auf ihrem Stuhl sitzt, wird eine falsche Séance abgehalten, bei der Frau Nolan angeblich mit ihrer verstorbenen sechzehnjährigen Tochter spricht, die aber in Wirklichkeit Monica hinter einer Leinwand ist. Als Monica verschwindet, stürmt Frau Nolan auf die Gestalt zu und wird von den Gobineaus zurückgehalten. Als die Ordnung wiederhergestellt ist, kommunizieren Mr. und Mrs. Gobineau mit ihrem verstorbenen zweijährigen Sohn Mickey, der nie sprechen gelernt hat und nur lacht. Nachdem sie sich von ihm verabschiedet haben, greift sich Madame Flora plötzlich mit einem lauten Keuchen... mit beiden Händen an die Kehle. Sie spürt, dass eine Phantomhand ihre Kehle umklammert und ist entsetzt. Nachdem sie die Gäste aufgefordert hat, zu gehen, ruft sie nach Monica und erzählt ihr, was sie gefühlt hat, und gibt schließlich Toby die Schuld, der die ganze Zeit im anderen Zimmer war. Um Babas betrunkene Wut auf Toby zu besänftigen, singt Monica ihr das düstere Schlaflied Der schwarze Schwan vor, das von einer Stimme unterbrochen wird, die Baba hört, woraufhin sie in schreckliche Wut gerät auf Toby, der ihr nicht sagt, woher die Stimme kommt. Der Akt endet damit, dass Monica erneut das Schlaflied singt, während Baba ihr Ave Maria aufsagt.

Akt 2

Ein paar Tage später. Toby gibt ein Puppentheater für Monica. Ihre gegenseitige Liebe wird immer deutlicher. Als Baba nach Hause kommt, macht sie Toby erneut Vorwürfe, weil sie sicher ist, dass er weiß, was in jener Nacht geschehen ist. Die Kunden treffen wieder ein und erwarten eine weitere Séance, werden aber von Madame Flora vertrieben, die versucht, sie davon zu überzeugen, dass die ganze Sache ein Schwindel war, indem sie alle Tricks aufdeckt, die sie und Monica angewandt haben. Aber die Kunden sind nicht überzeugt und gehen mit der Begründung, dass sie vielleicht dachte, sie würde sie betrügen, es aber in Wirklichkeit nicht tat. Nachdem die Gäste gegangen sind, vertreibt sie Toby, obwohl Monica sie anfleht, ihn zu verschonen. Als alle weg sind und Monica in ihrem Zimmer ist, schenkt sich Baba noch ein Glas ein und zweifelt an ihrem eigenen Verstand, bis sie schließlich ohnmächtig wird. Nachdem sie eingeschlafen ist, schleicht sich Toby zurück und versucht, in Monicas Zimmer zu gelangen, findet es aber verschlossen und geht schließlich zur Truhe, um sein Tamburin zu suchen. Bei der Suche stößt er den Deckel der Truhe um und weckt Baba. Toby versteckt sich schnell im Puppentheater. Als Baba nachsehen will, woher das Geräusch kommt, holt sie einen Revolver aus einer Schublade im Tisch. Hysterisch schreit sie auf: “Wer ist es? Sprich oder ich schieße!” und der Vorhang des Puppentheaters bewegt sich. Baba schreit auf und feuert mehrmals darauf. Als Tobys blutiger Körper zusammenbricht und sich an den Vorhang klammert, sagt Baba: "Ich habe den Geist getötet! Ich habe den Geist getötet!” Monica, die die Schüsse hört, kommt herein, sieht Tobys leblosen Körper und rennt zu Hilfe. Als der letzte Vorhang ganz langsam fällt, fragt Baba in einem heiseren Flüsterton: “Warst du es?”

Josip Šego und Caterina Panti Liberovici über Das Medium

Josip Šego, Dirigent: Ich habe eine besondere Beziehung zu Das Medium von Gian Carlo Menotti. Menotti wurde 1936 zum Schreiben des Librettos inspiriert, nachdem er zehn Jahre zuvor an einer spirituellen Séance teilgenommen hatte. Er fühlte sich zum Übernatürlichen hingezogen, dazu, wie andere darauf reagieren, und zu den damit verbundenen Überzeugungen. Diese Erfahrung wurde zur Grundlage der Geschichte; die Spannung zwischen einer realen und einer imaginären Welt, in der die Figuren leben.

In einer perfekten Mischung aus italienischem Verismo und zeitgenössischer amerikanischer Musik sind alle Figuren und ihre Beziehungen musikalisch nuanciert und perfekt ausbalanciert. Auf der einen Seite hören wir Monicas Arien, einfach, einprägsam und melodiös, luftig orchestriert, mit eingängigen Nummern wie The Black Swan (Der schwarze Schwan, der in einem Duett mit Flora endet) und Monica's Waltz (Monicas Walzer). Auf der anderen Seite erleben wir eine Figur, die im Wahnsinn versinkt, gefangen zwischen einer realen und einer erfundenen Welt. Die Darbietungen von Flora zeichnen sich durch Chromatik, raue Harmonien, unerwartete Rhythmen, plötzliche Besetzungswechsel und vor allem im zweiten Akt durch plötzliche Akzente und den Höhepunkt des Orchesters aus. Die instrumentalen Präludien tragen zur Atmosphäre und Dramatik bei. Die Ausdruckskraft kommt in kompakter Form daher: ein Kammerorchester, bestehend aus Streichquintett, Bläsersextett, Klavier und Schlagzeug, was für viele Kammermusikwerke des 20. Jahrhunderts von Britten, Strawinsky, Hindemith und Holst typisch ist.

Ich hatte die Gelegenheit, als Student der Musikakademie Zagreb erstmals an Das Medium mitzuarbeiten. Bei dieser Aufführung konnte ich den gesamten Zyklus einer Produktion miterleben, von den ersten Proben bis zur endgültigen Aufführung. Ich wurde zum ersten Mal Zeuge der unendlichen Möglichkeiten und der Ausdruckskraft, wenn eine Stimme und ein Instrumentalensemble zusammenwirken. Ich lernte, wie man Musik mit Libretto und Bühnendrama verbindet. Das Medium war eine prägende Erfahrung, die mich dazu brachte, mich weiter mit der Oper zu beschäftigen. Seitdem habe ich Das Medium mehrere Male dirigiert, immer mit großer Freude und Begeisterung, als wäre es das erste Mal.

Caterina Panti Liberovici, Regisseurin: Wo liegt die Grenze zwischen dem, was wir als real bezeichnen, und unseren unerklärlichen inneren Wahrnehmungen? Das Medium ist eine zutiefst faszinierende, vielschichtige Oper. Die beiden Akte haben eine ähnliche Abfolge, wobei im ersten Akt alles vertraut und realistisch erscheint, während im zweiten Akt die Handlungsstränge verzerrt wirken. Menotti war ein Meister der Leitmotive im Dienste seiner Geschichte. Die Handlung ermutigt uns, unsere eigenen Geschichten zu erforschen. Der Schlüssel zum Verständnis dieser Oper liegt darin, das Unbekannte zu akzeptieren und sich unbeantworteten Fragen zu stellen. Die Reise unseres Mediums Flora beginnt in einer sicheren Umgebung, denn sie kontrolliert die Realität und scheint das Jenseits zu beherrschen (oder zumindest mit ihm in Kontakt zu stehen). Sie ist fast wie eine Geschäftsfrau, die ein Medium spielt. Ihre Angestellten spielen bei diesem Unterfangen eine wichtige Rolle: Monica ist eine Schauspielerin, die während dieser Sitzungen als Geist auftritt, und Toby fungiert als Bühnenbildner. Die Grenzen von Floras Welt sind abgesteckt. Die emotionale Bindung der bei der Séance anwesenden Kund:innen unterstreicht Floras dominante Position; ihr Vertrauen in das Unsichtbare überschreitet die Grenze zwischen Logik und Emotionen. Doch während einer Séance spürt Flora plötzlich eine unsichtbare Hand, die ihren Hals berührt. Dadurch gerät ihre Welt aus den Fugen und Flora in eine unumkehrbare Abwärtsspirale. Als ihr Selbstvertrauen ins Wanken gerät, wird sie mit ihren eigenen Unsicherheiten konfrontiert, die sie an zwei Fronten bedrohen: zum einen der Kampf um die Aufrechterhaltung der bestehenden Ordnung und zum anderen die wachsende Kluft zwischen Traum und Wirklichkeit. Was zuvor eine klare Trennung zwischen wahr und falsch war, wird zu einer Lücke voller Zweifel, introspektiver Forschung und unbeantworteter Fragen. Flora muss aufpassen, dass sie nicht von dieser Kluft verschluckt wird. Elemente ihrer Realität brechen zusammen und werden Teil einer halluzinatorischen Unschärfe. Monica, Toby, die Gäste und sogar die Umgebung verwandeln sich in feindliche Projektionen, die Floras fragmentierte Identität verkörpern.