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Bart Grietens
30.09.2021 um 19:00 MEZ
Donnerstag, September 30, 2021 - 19:00

Dutch National Opera & Ballet

Missa in tempore belli

Eine Messe für das 21. Jahrhundert

Opern | Haydn

Auf ungewöhnliche Weise präsentiert die Dutch National Opera die Missa in einer vollständig inszenierten Fassung. Ihre moderne Interpretation zeigt die Kehrseite des unerschütterlichen Glaubens, der sich durch jede Note von Haydns Messe zieht. Es entsteht ein Gemälde von Menschen, die unter der schweren Last einer einseitigen Ideologie leiden.

 

Im Mittelpunkt dieser besonderen Aufführung unter der Leitung des neuen Chefdirigenten der DNO, Lorenzo Viotti, steht Haydns „Messe in Zeiten des Krieges‟, die Musiktheater, Tanz, elektronische Komposition und Video kombiniert. Die neun Tänzer:innen des Choreographen Juanjo Arqués verleihen den Kontrasten, die in der Vision der Regisseurin Barbora Horáková im Mittelpunkt stehen, körperlichen Ausdruck, während Elektronikkomponist Janiv Oron Haydns religiöse Musik mit Live-Beats und Soundeffekten reflektiert.

Neue Produktion der Dutch National Opera & Ballet. Aufgezeichnet am 21. September 2021, Amsterdam.

 

In lateinischer Sprache. Es sind keine Untertitel verfügbar.

Verfügbar von
30.09.2021 um 19:00 MEZ

bis
30.12.2021 um 12:00 MEZ

SopranJanai Brugger
AltoPolly Leech
TenorMingjie Lei
BassJohannes Kammler
Tänzer:innenDutch National Ballet
ChorChor der Dutch National Opera
OrchesterNetherlands Philharmonic Orchestra


MusikJoseph Haydn
Musikalische LeitungLorenzo Viotti
InszenierungBarbora Horáková
BühneBarbora Horáková
KostümeJorine van Beek
LichtBarbora Horáková
ChoreografieJuanjo Arqués
ChorleitungLionel Sow
DramaturgieNiels Nuijten
Video-DirektorSimon Haenggi, Hervé Thiot
BühnenbildassistentSieger Kotterer
LichtdesignassistentPeter van der Sluis

Die lateinische Messe, und damit auch Haydns Missa in tempore belli, hat eine Reihe von festen Teilen, die in dieser Produktion mit Kompositionen von Janiv Oron (kursiv) durchsetzt sind.

GLOCKEN

I. KYRIE
Mit den griechischen Worten Kyrie/Christe eleison wird um Gnade für die Gemeinde gebeten.

KLINGENDER GARTEN

II. GLORIA
Gott der Vater und Christus, sein Sohn, werden gepriesen.
- Gloria in excelsis Deo („Ehre sei Gott in der Höhe“)

RADELN FÜR DIE LIEBE

- Qui tollis peccata mundi („Der du trägst die Sünd der Welt“)
- Quoniam tu solus Sanctus („Denn du allein bist der Heilige“)

FREQUENZBALKEN

III. CREDO
Das Glaubensbekenntnis („Ich glaube an ...“), wie es auf den Konzilien von Nizäa (323 n. Chr.) und Konstantinopel (381 n. Chr.) festgelegt wurde.
- Credo in unum Deum („Ich glaube an den einen Gott“)
- Et incarnatus est („und das Wort ist Fleisch geworden“')

BLUTHERZ

- Et resurrexit („Und er erstand“)

GEWASCHEN UND GETROCKNET

IV. SANCTUS
Die Engel preisen Gott auf seinem Thron. Dies ist einer der ältesten Bestandteile aller Liturgien, zusammen mit dem folgenden Benedictus.

V. BENEDICTUS
Die Huldigung Jesu bei seinem Einzug in Jerusalem („Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn“).

PAUKEN

VI. AGNUS DEI
Eine alte Litanei, in der das Lamm Gottes (Christus) um Gnade und Frieden angerufen wird. 

GLOCKEN

Joseph Haydn hat viele Messen komponiert. Der fromme Komponist tat dies nicht nur aus persönlicher Andachtshaltung heraus, sondern vor allem auf Bestellung. So auch seine Missa in tempore belli - eine der sechs Messen, die er in der letzten Phase seines Lebens schrieb.

Die Messe erzählt keine Handlung und hat keine Figuren. Die Texte sind die üblichen lateinischen Messetexte. Katholiken werden ihre Teile wiedererkennen: Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und das Agnus Dei. Die Texte sind an Gott, den Vater, und Christus, seinen Sohn, gerichtet: Sie werden um Vergebung gebeten, es wird an sie geglaubt und für sie gesungen. Am Ende ertönt der Ruf „dona nobis pacem“, „gib uns deinen Frieden“.

Es war die Aufgabe der Regisseurin Barbora Horáková und ihres Teams, auf der Grundlage dieser Messe ein Musiktheaterstück zu schaffen. Es wurde schnell klar, dass es schwierig sein würde, eine Aufführung allein auf der Grundlage von Haydns Musik zu schaffen; Spannung und Kontrast waren gefragt.

Haydns Musik sollte außerdem nicht an einem Stück aufgeführt werden. Neben der Musik besteht eine Messfeier aus anderen Elementen wie der Predigt, dem Abendmahl und den Lesungen aus dem Evangelium. Dies gab dem Kreativteam die nötige Freiheit, Ergänzungen einzufügen, zwischen den Chorgesängen. Diese neuen Teile wurden von dem Komponisten und DJ Janiv Oron eingespielt, der mit selbstgebauten elektronischen Instrumenten Musik macht.

In der Messe treten vier Stimmen in lyrischen Soli auf: Sopran, Mezzo, Tenor und Bariton. Diese vier Solist:innen werden zu den Protagonist:innen der Aufführung. Horáková fand die Inspiration für diese Figuren in intensiven, persönlichen Geschichten. Eine Frau, die nach einer Vergewaltigung eine Abtreibung vornimmt. Ein Junge, der, mit seiner Sexualität kämpfend, sich durch Sport rettet. Ein Mann, der als Kind mit einer tödlichen Krankheit zu kämpfen hatte, ohne die Unterstützung seiner religiösen Eltern, die sein Schicksal in die Hände Gottes legen wollten. Eine Frau, die in einer gewalttätigen Ehe gefangen war, diese heilige Bindung aber nur mit Mühe und unter Verlust jeglicher Unterstützung durch ihr Umfeld lösen konnte.

Die Geschichten symbolisieren individuelle Erfahrungen im Gegensatz zu den Ansichten einer scheinbar homogenen Gruppe, die sich über das Ganze erhebt. In der Aufführung geht es aber nicht nur um persönliche Traumata, sondern auch um das Leben danach. Um die Frage, wie wir einander näher kommen können. Die Themen Vergebung, Glaube, Gnade und Feiern haben eine Bedeutung für unser aller Leben. Vielleicht nicht unbedingt in Bezug auf einen Gott, aber in Bezug auf uns selbst. Diese Messe ist also für uns Menschen bestimmt. Das zentrale Thema ist die Hoffnung auf die Schöpfung, die schöpferische Kraft des Menschen, die in jeder Faser dieser inszenierten Messe zu spüren ist.