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Rosellina Garbo
19.10.2018 um 18:30 MEZ
Freitag, Oktober 19, 2018 - 18:30

Teatro Massimo Palermo

Rigoletto

Frauen sind flatterhaft, aber Männer machen sich zum Affen

Opern | Verdi

Als ein spitzzüngiger Hofnarr für seine hasserfüllten Worte verflucht wird, sieht er sich gezwungen, seine uneheliche Tochter vor seinem liederlichen Herren zu verstecken.

 

John Turturro, Preisträger des Filmfestival Cannes und regelmäßiger Mitarbeiter der Coen-Brüder inszeniert seine erste Oper in Hommage an seinen italienischen Vater. Mit dem gefeierten Verdi-Bariton George Petean in der Titelrolle.

 

In Zusammenarbeit mit dem Teatro Regio Torino; dem Opernhaus Shaanxi und der Opéra Royal de Wallonie Liège.

In italianisher Sprache

Englische Untertitel sind bald verfügbar und zusätzlich automatische Übersetzungen in 114 andere Sprachen.

Verfügbar von
19.10.2018 um 18:30 MEZ

bis
18.11.2018 um 23:59 MEZ

Herzog von MantuaGiorgio Berrugi
RigolettoGeorge Petean
Maria Grazia SchiavoGilda
SparafucileLuca Tittoto
MaddalenaMartina Belli
GiovannaCarlotta Vichi
Herzog von MonteroneSergio Bologna
MarulloPaolo Orecchia
Matteo BorsaMassimiliano Chiarolla
Graf CepranoGiuseppe Toia
Gräfin CepranoAdriana Calì
GerichtsdienerAntonio Barbagallo
PaggioEmanuela Sgarlata
ChorCoro del Teatro Massimo
OrchesterOrchestra del Teatro Massimo


MusikGiuseppe Verdi
LibrettoFrancesco Maria Piave
Musikalische LeitungStefano Ranzani
InszenierungJohn Turturro
BühneFrancesco Frigeri
KostümeMarco Piemontese
LichtAlessandro Carletti
ChoreografieGiuseppe Bonanno
ProjektkoordinatorinCecilia Ligorio
RegieassistentBenedetto Sicca
Bühnenbildner AssistentinAlessia Colosso
Kostümbildner AssistentinSara Marcucci
Teatro Massimo Palermo

Akt I

Der Herzog von Mantua interessiert sich für ein schönes Mädchen, das er in der Kirche gesehen hat, wirbt jedoch auf einer Feier in seinem Palast um die Gräfin von Ceprano. Der bucklige Hofnarr Rigoletto macht den Ehemann der Herzogin lächerlich, der daraufhin Rache schwört. Rigoletto rät, den Grafen gefangen zu nehmen oder zu köpfen, sodass der Herzog freie Bahn bei der Gräfin hat. Graf Montenore beschuldigt den Herzog, seine Tochter verführt zu haben und verlangt, dass diese Tat gesühnt werde. Nachdem er vom Hofnarren verhöhnt wurde, verflucht Montenore den Narren und den Herzogen und wird abgeführt.

Aus Angst vor dem Fluch eilt Rigoletto zu seiner Tochter Gilda nach Hause. Auf dem Heimweg trifft er den Mödrer Sparafucile, der ihm seine Dienste anbietet. Rigoletto lehnt dies ab, fragt jedoch, wie er ihn finden kann, falls er seine Meinung ändert. Zuhause angekommen fragt Gilda ihren Vater über ihre Familie aus, er gibt ihr jeodch keine Antworten. Er hielt sie ihr ganzes Leben lang vor der Öffentlichkeit verborgen und erlaubte ihr bislang nur, zur Kirche zu gehen. Gilda kennt nicht einmal den Namen ihres Vaters. Bevor Rigoletto zum Palast zurückkehrt, bittet er Giovanna, Gildas Freundin, die Tür immer verschlossen zu halten. Der Herzog hat sich jedoch schon ins Haus geschlichen und erkennt, dass das Mädchen aus der Kirche Rigolettos Tochter sein muss. Er stellt sich Gilda als armer Student vor und gesteht ihr seine Liebe. Als Giovanna sich nähernde Schritte hört, verschwindet der Herzog durch die Hintertür. Die Höflinge, immer noch gegen Rigoletto aufgebracht, entführen Gilda, die sie für Rigolettos Geliebte halten.

Akt II

Der Herzog, wieder in seinem Palast, bedauert, dass seine neue Geliebte verschwunden ist. Als ihm seine Höflinge berichten, dass sie Rigolettos Geliebte entführt haben, ist ihm klar, dass es sich bei der von ihnen beschriebenen Frau nur um Gilda handeln kann und beeilt sich, sie zu finden. Rigoletto verlangt, sie zu sehen, aber die Höflinge verspotten ihn nur. Er erklärt ihnen, dass Gilda seine Tochter ist und bittet sie, ihn zu ihr zu führen. Gilda erscheint aus dem Raum, in dem sie festgehalten wurde und wirft sich ihrem Vater in die Arme. Auf seinem Weg ins Gefängnis beklagt Montenore, dass sein Fluch auf den Herzog wirkungslos blieb. Rigoletto schwört, sich am Herzog zu rächen, während Gilda ihren Liebhaber in Schutz nimmt.

Akt III

Um seine Tochter vom Herzog abzubringen, führt Rigoletto Gilda in Sparafuciles Taverne, wo er ihr zeigt, wie der Herzog des Mörders Schwester Maddalena verführt. Der Hofnarr weist seine Tochter an, als Mann gekleidet nach Verona abzureisen. Anschlieβend beauftragt er Sparafucile, den Herzog zu töten und ihm in einem Sack zu hinterlassen.

Der Herzog entscheidet angesichts eines herannahenden Gewitters, über Nacht in der Taverne zu bleiben. Sparafucile bereitet seinen Mord vor, aber Maddalena, hingerissen vom Herzog, bittet ihren Bruder, sein Leben zu schonen.Sparafucile willigt widerwillig ein, da er schon bezahlt wurde, den nächsten Mann zu töten, der zur Tür herein kommt. Gilda hört heimlich diese Unterhaltung und beschlieβt, sich für ihren Liebhaber zu opfern, seiner Untreue durchaus gewahr. Sie betritt die Taverne wie von ihrem Vater angewiesen als Mann verkleidet und wird von Sparafucile erstochen. Rigoletto kehrt zurück, um den Sack mit der Leiche des Herzogs zu holen. Er ist zufrieden mit seiner Rache, hört jedoch plötzlich von Weitem die Stimme des Herzogs. Rigoletto öffnet den Sack und findet seine Tochter darin, die ihn um Vergebung bittet und in seinen Armen stirbt.

5 Dinge, die man über Rigoletto wissen sollte

1° Den König auslachen

Die Geschichte der Oper sowie von Theaterstücken, worauf erstere häufig fuβt, ist untrennbar mit der Geschichte der Zensur verwoben. Über den Groβteil der letzten 400 Jahre mussten Komponisten, Librettisten und Theaterautoren, die die Grenzen von vorherrschenden Moralvorstellungen und Geschmack ausgereizt hatten, ihre Stücke umschreiben, damit die Zensur diese freigeben würde.

Die Protagonisten in Victor Hugos Le Roi s’amuse (Der König amüsiert sich) sind König Franz I. und sein Hofnarr Triboulet. Obwohl drei Jahrhunderte zwischen der Handlung des Stücks und seiner Uraufführung in Paris liegen, wurde es nach seiner ersten Aufführung verboten, weil davon ausgegangen wurde, dass sich die Beleidigungen an Franz I. in Wirklichkeit auf Louis-Philippe I. bezögen. Hugo reichte Klage ein, damit sein Stück weiter aufgeführt werden könnte. Dies brachte ihm seinen Ruf als Verteidiger der Redefreiheit in Frankreich ein, auch wenn er die Klage verlor und sein Stück für weitere 50 Jahre verboten wurde. Als Verdi 1850 den Auftrag vom Teatro La Fenice in Venedig erhielt, wählte er Le Roi s’amuse, denn das Stück verfügte, wie er sagte, über „eine Rolle, die eine der gröβten Schöpfungen des Theaters aller Länder und aller Zeiten ist.“

2° Immoralität und obszöne Trivialität

Dem Komponisten machte die Zensur sein Leben lang zu schaffen und er wusste, seine Oper von den Österreichern, die Venedig zu dieser Zeit in ihrer Gewalt hatten, freigeben zu lassen, wäre seine bislang gröβte Herausforderung. „Tu, was nötig ist“, sagte er seinem Librettisten Francesco Maria Piave, „lauf durch die Stadt und finde eine einflussreiche Person, die die Erlaubnis beschaffen kann, Le Roi s’amuse zu ermöglichen!“ Der Sekretär des Teatro La Fenice, Guglielmo Brenna, versprach Verdi und Piave, dass alles glatt laufen würde. Er ermutigte die Beiden, für den Rest des Jahres an der Oper zu arbeiten, im Dezember jedoch weigerte sich der österreichische Zensor De Gorzkowski vehement, die Produktion freizugeben, und nannte sie „ein widerliches Beispiel für Immoralität und obszöne Trivialität.“

Piave überarbeitete das Libretto, machte den König zum Herzog und strich den Buckligen und den Fluch völlig aus der Geschichte. Verdi war gegen diese radikalen Eingriffe und schlug vor, direkt mit den Zensoren jeden einzelnen der Kritikpunkte zu verhandeln. Brenna bot sich an, zu vermitteln, und im Januar hatten die Parteien eine Einigung erreicht: Die Handlung wurde von Frankreich ins erloschene Herzogtum Mantua verlegt; der König wurde ein Herzog; die Szene in Gildas Schlafzimmer wurde gestrichen; Gilda selbst sollte statt dem Herzog sterben; und, neben anderen Namensänderungen, sollte Triboulet Rigoletto heiβen.

3° Die Frau ist wankelmütig 

Im Akt III von Rigoletto singt der Herzog von Mantua eine der berühmtesten Tenorarien der Operngeschichte, ‘La donna è mobile’ (Oh wie so trügerisch / sind Frauenherzen). ‘Mit ihnen kann man nicht leben, und ohne sie auch nicht’, ist die zynische Botschaft des Herzogs, der vor der flatterhaften und damit nicht vertrauenswürdigen Natur der Frauen warnt, räumt aber auch ein, dass kein Mann ohne die Liebe einer Frau wirklich glücklich werden kann.

Verdi wusste, dass die Melodie sehr catchy war und hoffte, dass sie nicht vor der ersten Vorstellung im März 1851 im Teatro La Fenice schon auf den Straβen und Kanälen Venedigs zu hören sein werde. Der gefeierte italienische Tenor Raffaele Mirate spielte den Herzog, und Verdi nahm ihm das Versprechen ab, niemals die Melodie von ‚La donna è mobile‘ auβerhalb der Proben zu singen oder auch nur zu pfeifen. Nicht, dass er viel Zeit dazu gehabt hätte; denn damit die Musik geheim bliebe, gab Verdi Mirate die Partitur nur wenige Abende vor der Premiere, und die Arie des Herzogs bekam er erst ein paar Stunden bevor der Vorhang das erste Mal aufging.

Die erste Aufführung war triumphal und, ganz, wie Verdi vorhersagte, ‘La donna è mobile’ wurde sofort ein Hit. Er wurde am nächsten Morgen in den Gassen gesungen und wurde schnell eine Vorzeigearie für Tenor sowie ein Drehorgel-Schlager. In jüngeren Zeiten hat sich die Arie verselbstständigt und kommt als Hintergrundmusik fast überall vor, von Werbung für Tomatenmark bis hin zum Computerspiel Grand Theft Auto.

4° Eine liebevolle Hommage

„Ich liebe Musik“, bestätigt John Turturro, italo-amerikanischer Schquspieler, Autor und Filmemache. Er ist Preisträger der Filmfestspiele Cannes und regelmäβiger Mitarbeiter der Coen-Brüder, diese Produktion ist sein Debüt als Opernregisseur. „Ich bin in einem musikalischen Haushalt aufgewachsen, ich hörte Verdi, Puccini und auch italienische Popmusik. Zufällig wurde ich wegen Rigoletto angefragt, ich arbeitete an einem Drehbuch, worin Verdis Musik eine wichtige Rolle spielt.“

Turturro möchte seinem Vater aus Apulien mit der Oper die Ehre erweisen und nimmt seine Pflichten als Regisseur sehr ernst. „Ich möchte Rigoletto gerecht werden“, sagt er, „auch dem Material, auf komplexe und detaillierte Weise, und nicht aus einer zeitgenössischen Perspektive, sondern die Tiefen des Stücks genau ausloten.“ Das bedeutete, engstens mit Bühnenbildner Francesco Frigeri zusammenzuarbeiten, um ein Gefühl einer im Abstieg begriffenen Zivilisation zu evozieren, die vom rücksichtslosen Verhalten seiner Herrscher und Bürger ruiniert wurde. „Wir haben sehr hart am Bühnenbild gearbeitet, um es zu reduzieren und alles Barocke unserer Interpretation und ihrer Umsetzung zu vermeiden. Das hoffen wir erreicht zu haben.

5° Ein italienisch-musikalisches Abenteuer

Die Oper ist Turturros aktuelle Aufgabe, allerdings entwickelte er über die letzten zwei Jahrzehnte eine Leidenschaft für einen anderen groβartigen Aspekt der italienischen Musik. „1997 arbeitete ich mit Francesco Rosi an einer Adaptation von La tregua (Die Atmpause) von Primo Levi. Durch Francesco entdeckte ich das Werk des Dramatikers Eduardo de Filippo und ich spielte in einem seiner Stücke mit, Questi Fantasmi (Gespenster), worin viel neapolitanische Musik vorkam. Daher kam mir die Idee, Passione, einen Film über neapolitanische Musik und die Stadt Neapel zu machen.“

Ein Jahr vor dem Erscheinen von Passione nahm Turturro das Publikum mit auf eine intime, eindringliche Reise durch Sizilien in Prove per una tragedia siciliana. Die Arbeit am Teatro Massimo Palermo ermöglichte dem in Brooklyn geborenen Star aus Barton Fink, auf die Insel seiner Groβeltern mütterlicherseits zurückzukehren, wobei er feststellte, „bei Rigoletto‘ Regie zu führen fühlt sich wie der nächste natürliche Schritt in meinem italienisch-musikalischem Abenteuer.“