Preloader Operavision
Johan Persson

Garsington Opera

The Skating Rink

Ein mysteriöser Mord auf brüchigem Eis

Opern

Eine Oper von David Sawer und Rory Mullarkey, basierend auf einem Roman von Roberto Bolaño. Die Besessenheit eines örtlichen Beamten von einer schönen Eiskunstläuferin treibt ihn dazu, Gelder zu veruntreuen, um ihr eine geheime Eislaufbahn zu bauen. Als eine ungewöhnliche Gruppe von Figuren sie entdeckt, steigt die Spannung bis ein Mord auf dem Eis alles zunichte macht.

 

Der Kompositionsauftrag der Garsington Opera, The Skating Rink, geschrieben vom führenden britischen Komponisten David Sawer mit dem preisgekrönten Bühnenautor Rory Mullarkey, wurde im Juli 2018 uraufgeführt. Sie basiert auf dem Roman des chilenischen Autors Roberto Bolaño und erzählt die spannende Geschichte von Eifersucht, politischer Korruption und den Anstrengungen, die wir für die Menschen, die wir lieben, unternehmen.

Aufgezeichnet am 3. Juli 2018

 

In englischer Sprache. Mit englischen Untertiteln und zusätzlich automatische Übersetzungen in mehr als hundert andere Sprachen.

Verfügbar von
09.06.2020 um 19:00 MEZ

bis
08.12.2020 um 12:00 MEZ

EnricGrant Doyle
RemoBen Edquist
GasparSam Furness
CarmenSusan Bickley
Nuria (Sängerin)Lauren Zolezzi
Nuria (Eiskunstläuferin)Alice Poggio
RookieAlan Oke
PilarLouise Winter
CaridadClaire Wild
Karaoke-SängerSteven Beard
OrchesterGarsington Opera Orchestra


MusikDavid Sawer
LibrettoRory Mullarkey, nach dem Roman La pista de hielo von Roberto Bolaño
Musikalische LeitungGarry Walker
Regisseur & BühnenbildnerStewart Laing
KostümeHyemi Shin
LichtMalcolm Rippeth
BewegungsregisseurSarah Fahie

Ort: Eine kleine Küstenstadt an der Costa Brava, Spanien
Zeit: Gegen Ende des Sommers, Anfang der 1990er Jahre

I. Akt: Gaspar

Gaspar, ein junger mexikanischer Dichter, arbeitet als Nachtwächter auf dem Campingplatz Stella Maris. Sein Chef, Remo Moran, ein erfolgreicher chilenischer Geschäftsmann, befiehlt ihm, zwei Landstreicherinnen, Caridad und Carmen, die sich dort umsonst aufgehalten haben, zu vertreiben.

Gaspar zögert, zumal er Caridad sehr nahe steht, aber er gehorcht Remo, um seinen Job zu behalten. Die beiden, vor allem Carmen, eine ehemalige Opernsängerin, wehren sich zunächst gegen ihre Vertreibung, beschließen dann aber zu gehen.

Mit der Zeit denkt Gaspar weiter an Caridad. Er begibt sich auf die Suche nach ihr und findet Carmen, der er durch eine traumhafte Fiesta folgt, bis er sieht, wie sie sich mit einem mutmaßlichen Liebhaber - Rookie - streitet. Dann bemerkt er Caridad in der Menge und folgt ihr zum Palacio Benvingut, einem verfallenen Herrenhaus am Rande der Stadt.

Im Inneren des Herrenhauses entdeckt er eine geheime Eisbahn, auf der eine schöne junge Eiskunstläuferin, Nuria, eisläuft, während ein älterer Mann namens Enric sie beobachtet. Gaspar sieht Caridad im Schatten, die ein Messer in der Hand hält.

II. Akt: Remo

Ein Sprung in die Vergangenheit, um die Ereignisse aus der Sicht Remos zu verfolgen.

Remo wird von Enric, dem Leiter des städtischen Sozialdienstes, beauftragt, alle Landstreicher von seinem Campingplatz zu entfernen. Er ignoriert die Anweisung und widmet seine Energie stattdessen der Eisläuferin Nuria, die seit kurzem seine Freundin ist.

Die anfängliche Leidenschaft in der Beziehung zwischen Remo und Nuria ist durch die Vereitelung ihrer Karriereaussichten getrübt worden: ihre finanziellen Mittel wurden gekürzt, und sie kann nirgends mehr trainieren.

Das Paar nimmt ein romantisches Bad, trifft aber Enric am Strand. Remo sieht, dass Enric auf seine Beziehung zu Nuria eifersüchtig ist, und beschließt, seinen Befehl über die Landstreicher auszuführen, um Enrics Wut zu zerstreuen. Carmen und Caridad werden vom Campingplatz vertrieben.

Nuria beginnt, immer weniger Zeit mit Remo zu verbringen. Da er sie nicht finden kann, wendet er sich dem Trinken zu. Eines Abends trifft er in einer Strandbar Carmen und Rookie. Carmen unterhält die Stammgäste mit ihrem Gesang und deutet an, dass sie Informationen hat, mit denen sie Enric erpressen könnte.

Gaspar kommt in Remos Zimmer an und erzählt ihm, dass er Nuria im Palacio Benvingut gefunden hat. Remo eilt dorthin, entdeckt die Eislaufbahn und macht eine grausame Entdeckung: die Leiche von Carmen, die auf dem Eis erstochen wurde.

III. Akt: Enric

Ein Sprung zurück an den Anfang, um die Dinge aus der Perspektive von Enric zu sehen.

Angesichts der bevorstehenden Kommunalwahlen beauftragt Pilar, die sozialistische Bürgermeisterin der Stadt, Enric damit, die Gegend von Landstreichern zu befreien.

Enric ist von Nuria besessen. Nachdem er von dem Verlust ihrer Fördermittel erfahren hat, hat er eine große Summe öffentlicher Gelder veruntreut und ihr eine geheime Eisbahn im Palacio Benvingut gebaut. Er hofft, dass diese große Geste sie dazu bringt, sich in ihn zu verlieben. Er geht jeden Nachmittag mit ihr zur Eisbahn und beobachtet sie beim trainieren. Er träumt davon, dass er selbst Eiskunstlaufen kann.

Als Enric Remo und Nuria zusammen am Strand trifft, sind seine Hoffnungen auf eine Romanze zunichte gemacht. Carmen und Caridad werden vom Campingplatz vertrieben.

Nuria fällt beim Training. Sie spürt Enrics Eifersucht und versichert ihm, dass es in ihrer Beziehung zu Remo nur um Sex geht. Enric geht auf das Eis hinaus und versucht, für sie zu tanzen, wird aber durch ein Geräusch im Schatten aufgeschreckt.

Carmen besucht Enric in seinem Büro. Auf der Suche nach einer neuen Bleibe stolpern sie und Caridad über die geheime Eisbahn, und Carmen hofft nun, Enric als Gegenleistung für ihr Schweigen zu erpressen. Enric gibt Carmen etwas Geld. Bevor sie geht, warnt sie Enric, dass sie mehr erwartet.

In einer Disco begrüßt Pilar die Gäste vor der Wahl. Nuria verrät Pilar versehentlich die Existenz der Eisbahn. Enric versucht, seine Gelassenheit zu bewahren, indem er mit Nuria tanzt, muss aber zugeben, dass er Gelder veruntreut hat, als Pilar ihn damit konfrontiert. Remo trifft mit der Polizei ein, die Enric wegen des Mordes an Carmen verhaftet. Enric beteuert seine Unschuld, als er abgeführt wird.

Coda

Gaspar findet Caridad auf dem Eis, mit einem blutigen Messer in der Hand. Caridad schwört, dass sie Carmen nicht ermordet hat. Die beiden planen, nach Mexiko zu fliehen.

Nuria besucht Enric im Gefängnis. Er wurde wegen Veruntreuung zu zwei Jahren Haft verurteilt. Nuria verspricht, auf ihn zu warten.
Remo trifft Rookie am Strand. Die Identität des Mörders wird aufgedeckt.

5 Dinge die Sie über The Skating Rink wissen sollten

1° Auf dem Weg zum literarischen Kult-Idol

Seit seinem frühen Tod mit 50 Jahren im Jahr 2003 haben die Werke des chilenischen Schriftstellers Roberto Bolaño einen Kultstatus erreicht, und die New York Times nannte ihn die „bedeutendste Stimme der lateinamerikanischen Literatur seiner Generation".

Obwohl Bolaño sich selbst in der Tat als lateinamerikanischer Schriftsteller und vor allem als Dichter betrachtete, verbrachte er mehr als die Hälfte seines Lebens in Spanien. Nachdem er im Alter von 15 Jahren nach Mexiko gezogen war, emigrierte Bolaño 1977 nach Spanien, wo er Gelegenheitsjobs annehmen musste, um sich über Wasser zu halten. Seine eklektische Lebenserfahrung liess er häufig in seine Schriften einfliessen. In seinem ersten Roman Die Schlittschuhbahn (La piesta de hielo) arbeiten seine Figuren z.B. als Zeltplatzwächter oder als Schmuckverkäufer, so wie er es auch getan hat.

Während Die Schlittschuhbahn 1993 den Preis der Stadt Alcalá de Henares für Belletristik gewann und damit seinen zukünftigen Erfolg ankündigte, wurde im selben Jahr bei ihm eine degenerative Lebererkrankung diagnostiziert. Bolaño war sich bewusst, dass er nun mit geliehener Zeit lebte, und schuf fiebrig ein bemerkenswertes Werk, das die Beziehung zwischen Fiktion und Gewalt widerspiegelt, darunter Die wilden Detektive und 2666.

2° Vom Buch zur Bühne

Da Bolaño selbst Variationen und Abwandlungen schätzte, war er an der Idee eines endgültigen Kunstwerks wenig interessiert. Er hätte es sicher genossen, seinen Roman in eine Oper verwandelt zu sehen. The Skating Rink, ein Auftragswerk der Garsington Opera, ist ein Gemeinschaftswerk des britischen Komponisten David Sawer und des kanadischen Dramatikers Rory Mullarkey.

Chris Andrews, der englische Übersetzer des Romans, erkennt in Mullarkeys Libretto eine Kombination aus Loyalität und Freiheit gegenüber dem Roman, mit besonderem Fokus auf die apokalyptische Facette. Mullarkey und Sawer spiegeln in der Oper die verschiedenen Erzähler des Romans wider, die jeweils ihre Version eines zentralen Ereignisses erzählen in dem sie jedem von ihnen einen Akt zuteilen.

Laut Rupert Christiansen, dem Opernkritiker des Telegraph, ist das Ergebnis „ein faszinierendes Neo-Noir-Experiment, das sich bezahlt macht“. Es hat, so Richard Morrison von der Times, „alle Wendungen und das Tempo eines TV-Thrillers, gepaart mit einer ebenso direkten und eindringlichen Musik“.

3° Sehen und gesehen werden

Auch wenn es David Sawer vielleicht nicht sofort einfiel, The Skating Rink in eine Oper zu adaptieren, räumt der Übersetzer Chris Andrews ein, dass der Roman „in vielerlei Hinsicht metaphorisch opernhaft ist, indem er Stimmen und Standpunkte nebeneinander stellt.“ Der Roman umfasst theatralische Episoden von Figuren, die zuschauen und beobachtet werden.

Eine davon ist die Szene, in der die Eiskunstläuferin Nuria den dreisten Beamten Enric auf die Eisbahn lockt. Mit einem Messer bewaffnet spioniert Caridad sie aus. Sie wiederum wird von dem Nachtwächter Gaspar beobachtet, der sich zwischen den Packkisten versteckt. Indem die Geschichte auf die Bühne gebracht wird, kommt mit dem Publikum eine weitere voyeuristische Ebene hinzu.

4° Schlittschuhe anziehen

Die Figur der Nuria verbindet die Handlungsstränge der Erzähler. Sie ist das Objekt der Begierde von zwei von ihnen, und doch bleiben ihre eigenen Bestrebungen eher vage. In Stewart Laings Inszenierung wird sie gleich zweimal porträtiert, von der Sängerin Lauren Zolezzi und von der Eisläuferin Alice Poggio.

Die 22-jährige Eiskunstläuferin Poggio reflektiert über ihren ersten Auftritt auf der Bühne. „Nuria kämpft und versucht, sich durchzusetzen und ihr Bestes zu geben. Nachdem ich meine eigenen Verletzungen und Rückschläge erlitten habe, kann ich das durchaus nachvollziehen und hoffentlich wird das auch vom Publikum wahrgenommen.“

5° Aufführung einer Weltpremiere

Zum ersten Mal ein noch nie zuvor gesehenes Werk anzulegen, ist ein aufregendes und beängstigendes Unterfangen zugleich. Laut Lauren Zolezzi, die die Rolle der Nuria singt, gibt es „bei der Schaffung eines neuen Werkes ein Spannungsniveau, das in anderen Werken vielleicht nicht existiert, weil man bereits weiß, ob es dem Publikum gefällt oder nicht.“

Glücklicherweise nahm das Publikum die Oper gut an, was Zolezzis Entschluss verstärkte, der Kunstform heute neue Horizonte zu eröffnen. Sie sieht eine Besonderheit in der Aufführung eines neuen Auftragswerks : „Es gibt keine Fußstapfen, in die man treten kann, und wenn man die Partitur zum ersten Mal erhält, ist man voller Aufregung, aber auch voller Beklommenheit, weil man will das es wundervoll wird.“