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A. Petersen (Isolde), B. Register (Tristan) - photo: Van Rompay-Segers

La Monnaie / De Munt

Tristan & Isolde

Im Dunkel du, im Lichte ich!

Opern | Wagner

Während ein Ritter eine Prinzessin zu ihrer Hochzeit mit seinem Herrn begleitet, entfacht zwischen ihnen eine unausgesprochene Liebe. Doch als ihre geheime Leidenschaft verraten wird, suchen sie im Tod Zuflucht für ihre ewige Liebe.

 

Wagners Tristan & Isolde, eine Hymne an die mythische Kraft der Liebe, ist ein Wendepunkt in der westlichen Musik. Ihre musikalischen Innovationen, der innovative Gebrauch von Harmonie und Polyphonie und die Darstellung extremer Emotionen haben Generationen von Komponisten beeinflusst.

Aufgezeichnet am 17. Mai 2019

 

In deutscher Sprache. Mit englischen, französischen und niederländischen Untertiteln und zusätzlich automatische Übersetzungen in mehr als hundert andere Sprachen.

Verfügbar von
22.05.2020 um 19:00 MEZ

bis
20.11.2020 um 12:00 MEZ

TristanBryan Register
König MarkeFranz-Josef Selig
IsoldeAnn Petersen
KurwenalAndrew Foster-Williams
BrangäneNora Gubisch
Melot / Ein SteuermannWiard Witholt
Ein Hirt / Ein junger SeemannEd Lyon
ChorLa Monnaies Männerchor
OrchesterLa Monnaies Sinfonieorchester


MusikRichard Wagner
LibrettoRichard Wagner
Musikalische LeitungAlain Altinoglu
InszenierungRalf Pleger
BühneAlexander Polzin
KostümeWojciech Dziedzic
LichtJohn Torres
ChoreografieFernando Melo
ChorleitungMartino Faggiani
Künstlerisches KonzeptRalf Pleger & Alexander Polzin
KonzertmeisterSaténik Khourdoian
Video-RegisseurinMyriam Hoyer

In dem Bestreben, Cornwall von dem Tribut zu befreien, den es Irland zollt, forderte König Marke seinen Vasallen und Neffen Tristan auf, sich dem irischen Ritter Morold zu stellen, der jedes Jahr kommt, um die Steuer einzutreiben. Während des Kampfes gelingt es Tristan, Morold zu töten, wird aber durch das mit Gift bestrichene Schwert seines Gegners verwundet. Nur Isolde, Morolds Verlobte und die Tochter des Königs von Irland, ist in der Lage, diese Wunde zu heilen, da sie die einzige Inhaberin des Gegenmittels ist. Unter dem Namen Tantris geht Tristan daher inkognito nach Irland. Dennoch erkennt Isolde in Tantris den Mörder ihres Verlobten; doch etwas in seinen Augen lässt sie sich in ihn verlieben und die Rache aufgeben. Sie heilt Tristan und lässt ihn nach Cornwall zurückkehren. Bald darauf kehrt Tristan nach Irland zurück, um Isolde zurückzuholen, die König Marke heiraten soll.

I. Akt

Auf See, auf dem Deck von Tristans Schiff während der Überfahrt von Irland nach Cornwall. Isolde drückt ihre Wut aus: Sie ist wütend über den Verrat Tristans und darüber, dass sie ohne Liebe eine politische Ehe mit Marke eingehen muss. Sie lässt ihre Dienerin Brangäne nach Tristan schicken. Doch er lehnt die Einladung ab, unterstützt von seinem Knappen Kurwenal, der ein Lied singt, das sich über Morold lustig macht. Das steigert nur Wut von Isolde, die Brangäne die Wahrheit über Tristan offenbart. Sie schickt ihre Vertraute, um darauf zu bestehen, dass Tristan mit ihr spricht, bevor sie in Cornwall ankommen. Isolde ist entschlossen, die Beleidigung zu sühnen, die Tristan ihr angetan hat, indem er ihre Liebe entzündete um sie dann für jemand anderen zu holen. Sie bittet Brangäne, ein Gift zuzubereiten, das sie in der Schachtel mit den von ihrer Mutter hergestellten Tränken findet. Als Tristan endlich auftaucht, fordert Isolde Wiedergutmachung. Tristan bietet ihr sein Schwert an, um ihn zu töten, aber sie zieht es vor, den Affront mit einem „Versöhnungstrank“ auszulöschen. In der Zwischenzeit hat Brangäne das Gift diskret gegen einen Liebestrank getauscht. Sowohl Tristan als auch Isolde trinken das Getränk und fallen sich in die Arme. Zur gleichen Zeit legt das Schiff in Cornwall an.

II. Akt

Im Schloss von König Marke in Cornwall. Marke und sein Gefolge gingen auf die Jagd. Es ist Nacht, und Isolde wartet ungeduldig auf Tristan. Brangäne hat jedoch bemerkt, dass Melot, einer der Höflinge von Marke, Tristan misstrauisch beobachtet und warnt Isolde vor ihm. Doch die junge Frau glaubt ihrer Dienerin nicht und bittet sie die Fackel zu löschen, damit Tristan weiß, dass er sicher zu ihr kommen kann. In einem großen Duett feiern Tristan und Isolde ihre Liebe: Sie verfluchen den Tag und segnen die Nacht, das Reich der wahren Liebe. Dort als Vorzeichen des Todes werden alle Grenzen zwischen den Liebenden aufgehoben und die vollkommene Vereinigung kann vollzogen werden. Brangäne ist auf der Lauer, aber wie Tristan und Isolde ist sie völlig überrascht über Markes plötzlichen Auftauchen, von Melot informiert. Die nächtliche Jagd war nur ein Vorwand, um die Liebenden auf frischer Tat zu ertappen. Marke ist zutiefst betrübt über diesen Verrat, den er nicht versteht. Tristan weiß nicht, was er ihm sagen soll, außer dass er jetzt in einer völlig anderen Welt lebt. Als er in der Zwischenzeit Isolde einlädt, ihm in das „Land, wo der Sonne Licht nicht scheint“ zu folgen, gerät Melot, von Eifersucht ergriffen, zwischen die jungen Männer, und Tristan wirft sich auf das Ziehschwert des Höflings.

III. Akt

Kareol, die Burg von Tristan in der Bretagne. In Tristans Stammburg, wacht Kurwenal über seinen tödlich verwundeten Herrn, den er zur Genesung nach Kareol zurückgebracht hat. Da Tristans Wunde nicht heilen wollte, rief der Knappe erneut Isolde um Hilfe. Sie wird jeden Moment aus Cornwall eintreffen. Kurwenal hat einen jungen Schäfer angewiesen, das Meer zu beobachten und ihm ein Signal zu geben, sobald das Schiff der jungen Frau in Sichtweite ist. Tristan, der aus dem Halbschlaf erwacht, glaubt in seinem Delirium, Isolde vor sich zu sehen, und äußert den Wunsch, mit ihr in die ewige Nacht zu gehen. Als der Schäfer Isoldes Ankunft mit einer fröhlichen Melodie ankündigt, ist Tristan überglücklich; als er ihre Stimme hört, reißt er sogar seine Bandagen ab. Isolde hat kaum Zeit, ihn zu umarmen, bevor er stirbt. Sie verliert das Bewusstsein und kollabiert auf seinem Körper. Ein zweites Schiff legt an, mit Marke, Brangäne und Melot an Bord. Kurwenal, der nicht weiß, dass Marke gekommen ist, um um Vergebung zu bringen und die Liebenden wieder zu vereinen, stürzt sich mit Zorn auf die Neuankömmlinge. Er tötet Melot und bricht dann, tödlich verwundet, neben Tristans Leiche zusammen. Isolde erlangt dann ein letztes Mal das Bewusstsein wieder, bevor sie Tristan in den „Liebestod“ folgt.

5 Dinge, die Sie über Tristan & Isolde wissen sollten

1° Neuanfänge

Tristan und Isolde läuteten einen Neuanfang für Wagner ein. Viele würden argumentieren, dass dies für die Gattung der Oper als Ganzes galt. Zwischen 1857 und 1859 komponiert, mitten in seiner Arbeit am Ring, markierte sie eine Abkehr von handlungsorientierten Romanzen hin zu metaphysischen Meditationen über die menschliche Existenz selbst. Friedrich Nietzsche nannte die Oper später das „opus metaphysicum aller Künste‟.

Von der Philosophie Arthur Schopenhauers beeinflusst, dessen zentrales Werk Die Welt als Wille und Vorstellung die Konzeption von Tristan und Isolde inspirierte, begann Wagner das Leben auf der Erde als von unerfüllter Sehnsucht beherrscht wahrzunehmen. Anekdotisch bleibt die eigene Sehnsucht nach seiner Freundin, der Schriftstellerin und Dichterin Mathilde Wesendock, deren Ehemann Otto sein Wohltäter war, ähnlich unerfüllt. Sie gilt als die andere große Inspiration der Oper.

2° Der schönste aller Träume

In einem Brief an seinen zukünftigen Schwiegervater Franz Liszt vom 16. Dezember 1854 schrieb Wagner: „Da ich nun aber doch im Leben nie das eigentliche Glück der Liebe genossen habe, so will ich diesem schönsten aller Träume noch ein Denkmal setzen, in dem vom Anfang bis zum Ende diese Liebe sich einmal so recht sättigen soll: ich habe im Kopfe einen Tristan und Isolde entworfen, die einfachste, aber vollblutigste musikalische Conception; mit der „schwarzen Flagge‟, die am Ende weht, will ich mich dann zudecken, um - zu sterben.

Liebesgeschichten standen schon Jahrhunderte vor der Erfindung Wagners im Mittelpunkt der Oper. Wagners Version transzendiert ihr herkömmliches Szenario und erhebt es zu einer tiefgründigen philosophischen Erforschung der Metaphysik der Subjektivität, der Vereinigung der Seelen und der Mysterien der natürlichen Welt und dessen, was dahinter liegt.

3° Musik entflammt die Leidenschaften

Tristan und Isolde hat nicht nur die früher akzeptierten thematischen Grenzen überschritten, sondern auch die Musikgeschichte nachhaltig beeinflusst. Viele würden argumentieren, dass der Eröffnungsakkord des Vorspiels, bekannt als der Tristan-Akkord, den Beginn der modernen Musik einleitete, da er Chromatik und Dissonanz in den Vordergrund rückte. Da er die traditionelle tonale Harmonie völlig ignoriert, weigert sich der Akkord, sich aufzulösen, und mündet in einem weiteren dissonanten Akkord.

Was den Musikdirektor von La Monnaie, Alain Altinoglu, als Dirigent am meisten fasziniert, ist „die innovative Funktion des Orchesters in dieser Oper‟. Er ist der Ansicht, dass „Tristan den Reiz einer großen symphonischen Dichtung hat, in der das Orchester über die Rolle eines bloßen Kommentators oder Begleiters hinausgeht und zum Initiator aller Leidenschaften und ihrer Ambivalenz wird. Die Geburt, Interaktion und Transformation einiger weniger einfacher musikalischer Stammzellen führen zu einem kosmischen, universellen und ewig modernen Meisterwerk.

4° Eine traumhafte Welt auf der Bühne

In der Produktion von La Monnaie, die vor fast genau einem Jahr, am 17. Mai 2019, aufgenommen wurde, erarbeiten zwei deutsche Künstler eine gemeinsame Vision. Der Regisseur Ralf Pleger stammt aus der Welt des Theaters und des Films, der Bühnenbildner Alexander Polzin ist vor allem als Bildhauer und Maler bekannt. Gemeinsam schaffen sie für jeden Akt ein anderes szenisches Bild, das keinen direkten Bezug zur Handlung hat, sondern den Zuschauer in einen traumähnlichen Zustand versetzt. Dieser visuelle Ansatz lenkt alle Aufmerksamkeit auf die Musik und das Libretto.

Indem jeder konkrete Hinweis auf die Handlung - kein Becher zu sehen, kaum eine Anspielung auf einen Speer - ausradiert wird, tritt sie in den Hintergrund, und die Leidenschaften werden noch stärker verinnerlicht, transzendiert. Die Liebesszene im zweiten Akt beispielsweise wird von einem reglosen Tristan und einer reglosen Isolde erlebt, die auf einem seltsamen Haufen weißer Zweige stehen. Als diese Zweige in einer sinnlichen Choreographie langsam anfangen, sich zu winden, spiegeln sie perfekt die herzzerreißenden widersprüchlichen Gefühle der Liebenden wider.

5° Berauschende Fragen

Regisseur Ralf Pleger interpretiert den Liebestrank, den Tristan und Isolde im ersten Akt trinken, als eine wirklich halluzinogene Substanz, die ihnen neue Dimensionen eröffnet. Wagners Musik, die oft als berauschend beschrieben wurde, spiegelt deutlich wider, wie der Trank in den Körper der Liebenden eindringt und ihr Bewusstsein verwandelt. Plegers Inszenierung imaginiert die sinnliche Erfahrung des Paares während dieser metaphysischen Reise. Entsprechend scheinen die szenischen Tableaus direkt aus einem psychedelischen Traum herausgerissen. Im 3. Akt zum Beispiel ist hinter den Sänger*innen ein sphärischer Hintergrund aus Licht und Schatten zu sehen, der ihre Leidenschaften ins Universum hinein verlängert.

In den Augen des Regisseurs wirft die Oper große Fragen über unseren Ursprung und unser Ziel auf. „Sind Tristan und Isolde mit ihrem offenen Bewusstsein in der Lage, diese andere, vielleicht tiefere Wahrheit zu sehen? Verleiht ihnen ihre Trunkenheit diese „universelle Klarsicht‟, wie Wagner sie später in Parsifal formulieren würde? Was geschieht in ihnen, wenn sie sich in ihrem großen Duett zur Welt bekennen? Und vor allem: Ist Liebe die Antwort?‟