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Croatian National Theatre in Zagreb

Croatian National Theatre in Zagreb

Turandot

Köpfe werden rollen.

Opern | Puccini

Eine wunderschöne und eiskalte chinesische Prinzessin ist streng mit ihren Freiern: wer ihre Rätsel nicht lösen kann, um ihre Hand zu erlangen, wird geköpft. Wird sie ihr Herz endlich öffnen, als ein mysteriöser Unbekannter den Test besteht?

 

Puccinis letzte Oper Turandot, die zum Zeitpunkt seines Todes noch unvollendet war, ist musikalisch sein abenteuerlichstes Werk. Es steht seinem Belcanto-Erbe auch mit asiatischen Einsprengseln nahe und gipfelt in der weltberühmten Arie Nessun dorma. 2017 wurde das Regieduo Ricci/Forte mit dem renommierten italienischen Music Critics Award Franco Abbiati für die beste Regie ihres Kreativprojekts ausgezeichnet.

In italienischer Sprache

 

Mit freundlicher Genehmigung von Casa Ricordi, Mailand. In Koproduktion mit dem Opernfestival Sferisterio in Macerata.

Verfügbar von
14.08.2020 um 19:00 MEZ

bis
12.02.2021 um 12:00 MEZ

Turandot Rebeka Lokar
Calaf Renzo Zulian
Liu Valentina Fijačko Kobić
Altoum Božimir Lovrić
Ping Davor Radić
Pang Mario Filipović
Pong Ivo Gamulin
Mandarin Neven Paleček
Darsteller Matino Antunović, Marko Brkljačić, Andrej Drenski, Mario Grdanjski, Svebor Kamenski-Bačun, Piersten Leirom, Domagoj Modrušan, Lorenzo Raušević, Kristian Šupe, Karlo Žganec
Chor Chor des Croatian National Theatre in Zagreb
Orchester Orchester des Croatian National Theatre in Zagreb


Musik Giacomo Puccini
Kreatives Projekt Ricci/Forte
Inszenierung Stefano Ricci
Bühne & Licht Nicolas Bovey
Kostüme Gianluca Sbicca
Choreografie Marta Bevilacqua
Assistenten des Orchesterleiters Darijan Ivezić, Ivan Josip Skender
Regieassistentin Liliana Laera
Bühnenbildner-Assistentin Eleonora de Leo
Kostüme-Assistentin Rossana Gea Cavallo, Antonia Jakšić Dorotić
Chorleiter Luka Vukšić
Übersetzung des Libretto Dubravka Oršić
Kinderchorleiterin Dijana Rogulja Deltin

Akt I

Vor den Mauern der großen violetten Stadt.

In Peking, zu märchenhafter Zeit. Bei Sonnenuntergang drängt sich das Volk vor den Mauern der Kaiserstadt. Ein Mandarin verliest wieder einmal den Aufruf und die Erklärung von Prinzessin Turandot, den Prinzen zu heiraten, der ihre drei Rätsel zu lösen wisse – wer jedoch die Herausforderung annimmt und falsch antwortet, wird bei Mondaufgang enthauptet. Dies Geschick trifft gerade den Prinzen von Persien. Im Gedränge wird ein blinder alter Mann umgerissen. Kalaf nähert sich, um ihm zu helfen, und erkennt in ihm seinen Vater, den entmachteten Tartarenkönig Timur. Der alte König, der überzeugt war, sein Sohn sei im Kampf gefallen, hat alles verloren, nur die Sklavin Liú ist bei ihm geblieben. Das Mädchen gibt zu, dass sie dem König beisteht, weil Kalaf sie einst im Schloss angelächelt habe.

Die aufgeregte Menge erwartet den Mondaufgang und ruft laut nach dem Henker. Als jedoch der Prinz von Persien vorgeführt wird, ändert sie ihre Haltung: Bewegt von dem noch jungen, unglücklichen Anwärter und von seinem würdevollen Gang ruft sie nun um Gnade. Turandot befiehlt mit einer Geste, den jungen Mann hinzurichten. Kalaf ist von der flüchtigen Erscheinung der kalten Prinzessin wie vom Blitz getroffen und beschließt, die Prüfung der drei Rätsel auf sich zu nehmen. Alle versuchen, ihn davon abzubringen: Ping, Pong und Pang, die drei Minister von Turandot, wollen ihn überzeugen, dass Turandot im Grunde nur eine Frau sei und er so viele andere haben könnte, ohne unnötig sein Leben zu riskieren. Liú fragt ihn, was aus ihr und Timur werden sollte, wenn er stürbe. Aber Kalaf ist taub für ihre Bitten. Mit dem Namen von Turandot auf den Lippen schlägt er den rituellen Gong und nimmt so die Prüfung an.

Akt II

Ein Pavillon.  

Ping, Pong und Pang geben ihrer Frustration Ausdruck. Sie sind der Routine ungelöster Rätsel und abgeschlagener Köpfe überdrüssig und hoffen, dass Turandot endlich einen Mann finde, um sich ins ersehnte Privatleben zurückziehen zu können. Doch leider drängen die Vor­be­rei­tungen für die Prüfung des neuen Anwärters.

Platz vor dem kaiserlichen Palast.

Das Volk versammelt sich auf dem Platz vor dem Schloss. Die Weisen treten vor, sie tragen die Rollen, in denen die Lösungen der Rätsel verzeichnet sind. Turandots Vater, der alte Kaiser Altoum, fordert Kalaf vergeblich auf, von dem Versuch abzulassen. Schließlich erscheint Turandot. Die wunderschöne Prinzessin erzählt, warum sie dieses tragische Spiel der Rätsel erdacht hat: Sie will ihre Urahnin Lo-u-Ling rächen, die vor Tausenden von Jahren von einem ausländischen König vergewaltigt und ermordet worden war. Aus diesem Grunde hasst Turandot die Männer. Sie ist sicher, dass es niemandem gelingen werde, die Rätsel zu lösen und sie zu besitzen, und sie zweifelt nicht, dass auch der junge Prinz für das Schafott bestimmt ist. Doch Kalaf lässt nicht ab und löst eins nach dem andern die Rätsel, die ihm vorgetragen werden.

Turandot ist erschüttert und fordert von ihrem Vater, sie nicht dem fremden Prinzen zu überlassen. Altoum erinnert sie an den Schwur, der sie bindet. Kalaf schlägt ihr mutig vor, ihrerseits eine Frage zu lösen: Wenn Turandot vor Sonnenaufgang seinen wahren Namen herausfinden würde, will er den Tod annehmen, andernfalls muss die Prinzessin ihn heiraten. Der alte Kaiser wünscht sich betrübt, dass der junge Mann Turandot heiraten und dadurch zu seinem Sohn werden würde.

Akt III

Garten des Palastes.

In der Nacht verkünden die Herolde Turandots Befehl: Niemand in der Stadt darf schlafen und es muss jeder Versuch unternommen werden, den Namen des fremden Prinzen herauszufinden. Kalaf wartet mit Bangen im Garten des Schlosses auf den Morgen und auf den Moment, in dem die Sonne aufgeht und er Turandot in die Arme schließen kann. Ping, Pong und Pang bietet ihm unermesslichen Reichtum und wunderschöne Frauen, um ihn zum Verzicht auf die Prinzessin zu bewegen, aber Kalaf weist alle Angebote zurück.

Wachen der Prinzessin schleppen Liú und Timur herbei. Die beiden sind in Gesellschaft des Prinzen gesehen worden und kennen vielleicht seine Identität. Auch Turandot kommt hinzu. Liú gesteht unter Folter, den Namen des Prinzen zu kennen, bleibt aber standhaft und will ihn nicht enthüllen. Aus Liebe zum Prinzen will sie ihm mit ihrem Schweigen Turandots Hand zuführen, damit diese dann ihrerseits nicht anders könne, als ihn zu lieben: So entreißt Liú einer der Wachen den Dolch und tötet sich, um ihr Geheimnis für immer mit sich zu nehmen. Der verzweifelte Timur hält Liús Hand, als sie von, der bewegten Menge begleitet, weggebracht wird.

Keine typische Märchenprinzessin

Die Geschichte von Turandot hat ihren Ursprung in einer französischen Märchensammlung von François Pétis de la Croix mit dem Titel Les mille et un jours („Die tausendundeinen Tage“, nicht zu verwechseln mit der berühmteren Tausendundeiner Nacht). Da viele dieser Geschichten nur in der Version von de la Croix gefunden wurden, fragten sich zahlreiche Gelehrte, ob er sie nicht selbst erfunden hatte. Im Fall von Turandot scheint der Ursprung jedoch in einer Geschichte des aserbaidschanischen Dichters und Philosophen Nizami Ganjavi aus dem 12. Jahrhundert zu liegen, den „Sieben Schönheiten“.

Puccini entdeckte die Geschichte durch Schillers Stück, das aus der deutschen Fassung einer italienischen commedia dell'arte von Carlo Gozzi stammt, der wiederum die Geschichte aus dem de la Croix übernahm. Welch ein Umweg! Puccini war nicht der erste Komponist, der sich für diese farbenfrohe Erzählung interessiert hat. Antonio Bazzini schrieb Turanda 1867, Ferruccio Busoni Turandot 1917, nur wenige Jahre bevor Puccini mit seiner Version begann.

„Hier legte der Maestro seine Feder nieder.“

Wenn Puccini immer als gewissenhaft bekannt war, so war das Schreiben von Turandot besonders mühevoll. In den vier Jahren vor seinem Tod war Puccini unschlüssig über die Anzahl der Akte und sbesonders besessen von dem letzten Liebesduett. Es sollte in seinen Augen zum alles entscheidenden Höhepunkt der Oper werden. „Ich habe meine ganze Seele in diese Oper gesteckt“, schrieb er im März 1924 an einen Freund. Er starb im November desselben Jahres.

Nach Puccinis Tod schlug sein Freund Arturo Toscanini, der die Uraufführung dirigieren sollte, dem jungen Komponisten Franco Alfano vor, die Partitur fertigzustellen. Obwohl Alfano Puccinis Skizzen zur Verfügung standen, waren viele von ihnen schwer zu interpretieren. Von dem Liebesduett zum Beispiel schrieb Puccini rätselhaft „Dann Tristan...“, in Anlehnung an Wagners Oper, die mit Isoldes exaltiertem Liebestod endet.

Turandot wurde im April 1926 an der Mailänder Scala uraufgeführt. Berühmterweise beendete Toscanini, als die Oper die letzte von Puccini geschriebene Note erreichte, die Aufführung, indem er soetwas wie „Hier legte der Maestro seine Feder nieder“ sagte. Die Alfano-Fassung wurde erst am folgenden Abend aufgeführt.

Eine dunkel verzauberte Welt

Die Inszenierung von Ricci/Forte folgt ebenfalls Alfanos Ende. „Nach der ersten Lesung dachten wir, dass die Oper mit dem Tod von Liu enden sollte. Aber später wurde uns klar, dass der emotionale Verlauf ein glückliches Ende verlangt. Schließlich haben wir im wirklichen Leben genug Enttäuschungen und traurige Enden“, erklärt Stefano Ricci, der mit Gianni Forte das Duo Ricci/Forte bildet, das für seine experimentelle, manchmal provokante Inszenierung bekannt ist, die auf OperaVision mit Nabucco zu sehen war. Für sie findet die Oper in einer verzauberten Welt statt: „Alles spielt sich im Kopf von Turandot ab, wie eine Vision, die es ihr erlaubt, die Figuren so zu gestalten, wie es ihr gefällt.“

Zwölf Tänzerinnen und Tänzer, die ihr Spielzeug darstellen - Schatten vergangener gescheiterter Beziehungen - stehen die ganze Zeit mit Turandot auf der Bühne. Rebeka Lokar, die die Titelrolle singt, sagt über ihre Figur: „Turandot ist ein junges, intelligentes Mädchen. Sie ist keine typische Märchenprinzessin, aber sie ist auch keine Hexe. Sie ist ein junges Mädchen voller Ängste, aufgrund derer sie die Menschen von sich stößt.“

„Unser Hauptziel war es, die Fiktion eines Märchens zu vermitteln“, betont Forte. „Turandot ist die eigentliche Regisseurin dieser Oper. Sie ist eine Person, die die Fäden ihrer Puppen zieht, uns alle in ihre Welt einführt, die eigentlich die Welt ihrer Phantasie ist, jedoch die einzige, in der sie sich sicher fühlt“, erklärt Ricci. Keine Chinoiserie, kein Orientalismus ist in dieser Inszenierung zu finden.

„Puccini liebte den Orient sehr, und einmal war er bei einem fernöstlichen Abendessen. Eine Spieldose spielte drei Melodien. Puccini hält die Zahl drei für eine magische Zahl aus Märchen. Turandot hat drei Assistenten, Ping, Pang und Pong, es gibt drei Rätsel, die Calaf lösen muss, es gibt drei Akte“, fügt der Dirigent Marcello Motadelli hinzu. „Für Puccini war das Theater wie diese magische Spieldose, wie ein Märchen, in dem alles möglich ist.“