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Edoardo Piva | Teatro Regio Torino

Teatro Regio Torino

Violanta

Ein Karneval von Wonne und Tod

Opern | Korngold

Aus Rache für den Selbstmord ihrer Schwester gelobt Violanta, ihren Verführer töten zu lassen. Doch Hass schlägt in Liebe um. Können sie dem tödlichen Schicksal, das sie selbst geplant hat, noch entkommen?

 

Violanta, die im Venedig der Renaissance spielt, ist Korngolds zweite Oper, die im jugendlichen Alter von 17 Jahren komponiert wurde. Diese Produktion ist die italienische Premiere von Violanta mehr als hundert Jahre nach der Entstehung der Oper und nimmt an ihrer wohlverdienten Wiederentdeckung teil.

In deutscher Sprache

 

Mit deutschen, englischen und französischen Untertiteln und zusätzlich automatische Übersetzungen in mehr als hundert andere Sprachen.

Verfügbar von
28.02.2020 um 19:00 MEZ

bis
28.08.2020 um 12:00 MEZ

ViolantaAnnemarie Kremer
Simone TrovaiMichael Kupfer-Radecky
AlfonsoNorman Reinhardt
Giovanni BraccaPeter Sonn
BiceSoula Parassidis
Barbara, Violantas AmmeAnna Maria Chiuri
MatteoJoan Folqué
Erster SoldatCristiano Olivieri
Zweiter SoldatGabriel Alexander Wernick
Erste MagdEugenia Braynova
Zweite MagdClaudia De Pian
ChorTeatro Regio Torino
OrchesterTeatro Regio Torino


MusikErich Wolfgang Korngold
LibrettoHans Müller
Musikalische LeitungPinchas Steinberg
Regie, Bühnenbild und KostümePier Luigi Pizzi
LichtAndrea Anfossi
RegieassistentMatteo Anselmi
Bühnenbild-AssistentLorenzo Mazzoletti
Kostüme-AssistentinLorena Marin
Technischer DirektorPier Giovanni Bormida
ChorleitungAndrea Secchi

In der Nacht des Karnevals sucht Simone sein Haus vergeblich nach seiner Frau Violanta ab. Seit ihre Schwester Nerina nach der Verführung durch Alfonso, den Prinzen von Neapel, Selbstmord beging, hat Violanta geschworen, sie zu rächen.

Simone ist gerade dabei, mit dem Maler Giovanni Bracca zu den Karneval-Feierlichkeiten aufzubrechen, als Violanta erscheint. Nachdem sie Bracca entlassen hat, gibt sie Simone gegenüber zu, dass sie anonym ein Treffen mit Alfonso in ihrem Haus arrangiert hat, und möchte, dass ihr Mann ihn bei dieser Gelegenheit tötet. Zunächst entsetzt über diesen Plan, gibt Simone schließlich nach. Als Violanta droht, dass sie Alfonsos Werben erliegen könnte, denn Hass und Liebe sind Gefühle gleicher Art, schwört Simone, dass Alfonso das Haus nicht lebend verlassen wird. Sobald Alfonso unbewaffnet ist, wird Violanta dasselbe Karnevalslied singen, mit dem sie ihn zuerst angelockt hat: Auf dieses Signal hin wird Simone eintreten, um ihn zu ermorden.

Alfonso kommt zu Violanta. Während ihres Treffens enthüllt sie ihre wahre Identität und ihre Absicht, Nerina zu rächen. Als Alfonso jedoch die Geschichte seines unerfüllten Lebens erzählt und seine Todessehnsucht zugibt, wird Violanta klar, dass sie ihn tatsächlich liebt - so wie auch er sie liebt. Sie zögert, Simone das Signal zu geben, herauszukommen und ihn zu töten. Simone wird ungeduldig und tritt ein und findet die Liebenden in Umarmung. Als Simone Alfonso erstechen will, stellt sich Violanta dazwischen und wird seinerstatt getroffen.

Draußen ist das bunte Karnevalsgetümmel zu hören. Giovanni stürmt mit einer Gruppe von Maskierten ins Haus. Als Violanta in den Armen von Simone stirbt, tritt Schweigen ein.

Der Tod und der junge Mann

Das Wiener Wunderkind Erich Wolfgang Korngold komponierte seinen Opern-Einakter Violanta vor seinem Welterfolg Die tote Stadt. Von dem italienischen Komponisten Giacomo Puccini als „größte Hoffnung der modernen deutschen Musik“ gefeiert und von keinem Geringeren als Gustav Mahler, der ihm empfahl, bei Alexander von Zemlinsky zu studieren, als „musikalisches Genie“ bezeichnet, war Korngold schon früh auf Erfolg eingestellt. Im Alter von 17 Jahren komponiert, kann Korngolds Anleihen bei großen Vorgängern wie Verdi und Wagner und Zeitgenossen wie Strauss und seinem Lehrer Zemlinksy nicht geleugnet werden. Und doch ist Violanta keineswegs eine Nachahmung.

Diese Oper darf zu jenen letzt- und spätestromantischen Gipfelwerken des Genres gerechnet werden, die wie im Rausch noch einmal alle Mittel aufbieten.

Neue Zürcher Zeitung

Violanta wurde 1916 in München als tragisches Gegenstück zu Korngolds erster Komödie Der Ring der Polykraten unter der Leitung von Bruno Walter uraufgeführt. Mehr als hundert Jahre nach der Uraufführung wird das Stück nun im Zuge einer internationalen Korngold-Renaissance wiederentdeckt und zum ersten Mal in Italien am Teatro Regio Torino aufgeführt. Es ist nicht zu übersehen, dass dieses Jugendwerk von zwei unumstrittenen Größen ihres Fachs inszeniert und dirigiert wird: dem renommierten Opernregisseur Pier Luigi Pizzi und dem ebenso gefeierten Dirigenten Pinchas Steinberg.

Alles in allem strahlt die Produktion Reife, die fast schon Verfall ist, aus. Die dekadente Kulisse - ein venezianischer Karneval - verstärkt diesen Eindruck nur noch. Ursprünglich in der Renaissance angesiedelt, verlegte Pizzi die Handlung in die 1920er Jahre, als das Werk entstand. Die Kritiker loben einhellig die Umsetzung „dieser düsteren Geschichte von Eros und Thanatos in eine Jugendstilmode, die vom Teatro Regio selbst inspiriert zu sein scheint“. (Corriere della Sera)

Die Handlung findet in einem prächtigen, purpurroten Innenraum statt, der die unterdrückten Leidenschaften der Figuren vermittelt. In der Tat gibt Pizzi nicht der Versuchung nach, ein folkloristisches Tableau zu zeichnen. Der Renaissance-Mann, der auch das Bühnenbild und die Kostüme entworfen hat, interpretiert die Szenerie metaphysisch. Wie die Neue Zürcher Zeitung betont: „In der gänzlich roten, von gediegen-schweren Vorhängen gerahmten Bühne zieht ein schwarzes Rund das Auge in die Tiefe, hinter dem eine Gondel gleich einer Totenbarke Alfonso und die anderen karnevalesken Gestalten in Violantas Haus trägt.“ Das „riesige Erkerfenster, in dem sich das silberne Wasser der Lagune in einer tintenschwarzen Nacht, einem Omen des Todes, spiegelt“ (Crescendo-Magazin) ist der Dreh- und Angelpunkt der Inszenierung, von dem aus exzentrische Figuren wie Gespenster aus einer fernen Welt erscheinen könnten. Während der Karneval in vollem Gange ist, konzentriert sich die Inszenierung auf das Drama der drei in den symbolischen Kreis eingeschlossenen Figuren.

Die Musik trägt dazu bei, eine Atmosphäre der Bedrohung und Versuchung zu schaffen. Pinchas Steinberg „hebt die modernsten, straußischen Züge von Korngolds Schaffen hervor, von der kranken chromatischen Üppigkeit der dramatischsten und lyrischsten Momente bis hin zu einem Kammermusikstil voller geisterhafter Schauer.“ (GB Opera Magazine).

Korngold und Steinberg schaffen es voll und ganz, den authentischen venezianischen Charakter zu vermitteln, diese Mischung aus Staunen und Abscheu, ein verwesender, mit Purpur und Gold bedeckter Leichnam, ist der authentischste Grund, bezaubert zu sein.

GB Opera Magazine

Violanta kann als eine Oper der erotischen Entfremdung gesehen werden. Violantas Einstellungen bewegen sich auf dem schmalen Grat zwischen Vernunft und Psychose. Man kann Freudsche Untertöne in den verstrickten Trieben und Verdrängungen erkennen, die den Protagonisten beleben. Schließlich war Freud eine Schlüsselfigur im jüdischen soziokulturellen Umfeld in Wien, welche Korngold beeinflusst hat.

Wo die vermeintlich keusche Violanta nach Ausschweifungen sucht, sucht der von der Lust geplagte Alfonso nach bedingungsloser Liebe. Wenn sich ihre Stimmen am Ende der Oper in einem Duett sanft ineinander verschränken, ist die Inspiration von Wagners Tristan und Isolde in der Mischung aus erschöpfter Liebe und ekstatischer Todessehnsucht zu spüren. Wie konnte Korngold schon in so jungen Jahren eine solche Erfahrung darstellen? Imitiert die Kunst das Leben, oder ist sie ein Streifzug in unsere Psyche?