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The Kolobov Novaya Opera Theatre of Moscow

Kolobov Novaya Opera Theatre Moscow

Il pirata

Auf Sizilien braut sich ein Sturm zusammen

Rückblick | Bellini

Diese Vorstellung ist nicht mehr als Video auf unserer Plattform verfügbar. Sie können aber weiterhin das zusätzliche Material der Produktion nutzen.

Verliebt in einen verbannten Grafen, der zum Piraten wurde, ist eine junge Frau in eine Ehe mit seinem ärgsten Feind gezwungen worden. Gibt es einen Ausweg aus diesem dramatischen Liebesdreieck?
 

Il pirata bildete den Auftakt für die fruchtbare Zusammenarbeit des jungen Bellini mit dem Librettisten Felice Romani, den man den "Dante seiner Zeit" nannte, sowie seiner internationalen Karriere, die ebenso schillernd wie kurz war. Unter Abkehr von der Tradition des glücklichen Endes gipfelt die gotische Handlung in einer der ersten Wahnsinnsszenen in der Geschichte der Oper.

ErnestoPavel Yankovsky
ImogeneIrina Kostina
GualtieroDmitry Korchak
ItulboAlexander Skvarko
GoffredoVitaly Efanov
AdeleVictoria Shevtsova
ChorChor der Novaya Opera
OrchesterOrchester der Novaya Opera


MusikVincenzo Bellini
Musikalische LeitungAndrey Lebedev
InszenierungVictoria Agarkova
LichtMaya Shavdatuashvili
ChorleitungYulia Senyukova
Video-DirektorVictoria Agarkova

Im 13. Jahrhundert wütet ein Sturm auf der Insel Sizilien. Graf Gualtiero wird von Herzog Ernesto von der Insel vertrieben. Die Feindschaft zwischen dem Grafen und dem Herzog wird durch persönliche Motive noch verschärft: Ernesto ist in Imogene, Gualtieros Braut, verliebt und zwingt sie, ihn zu heiraten. Gualtiero versammelt eine Bande von Piraten, um die Feinde von der Insel zu vertreiben, doch er verliert die Schlacht. Er trifft sich heimlich mit Imogene und drängt sie, mit ihm durchzubrennen. Ernesto unterbricht ihre Zusammenkunft. Sie kämpfen, und Gualtiero tötet Ernesto. Der Rat der Ritter verurteilt den Grafen zum Tode. Imogene wird verrückt vor Kummer. Der Sturm und der Wahnsinn der Heldin - mit diesen Szenen beginnt und endet die Oper.

Ein schöner Seeräuber

Bellini ist aufgrund seines Namens und seiner Neigung die Essenz des Belcanto. Diese beiden Wörter sind einfach das italienische Wort für „schöner Gesang“ und können auf jeden Stil oder jede Periode angewendet werden. Es ist üblich geworden, sie zu verwenden, um die italienische Oper des ersten Teils des 19. Jahrhunderts, des primo ottocento, zu bezeichnen. Von den drei herausragenden italienischen Komponisten dieser Epoche vor Verdi in den frühen 1840er Jahren kann man sagen, dass Rossini mehr musikalischen Schwung zeigte, Donizetti die größere dramatische Begabung, aber Bellinis Opern sind die schönsten. Er war weniger produktiv als seine Hauptkonkurrenten, mit nur 10 erhaltenen Titeln, weil sein Leben und sein Potential in seinem 34. Jahr jäh unterbrochen wurden.

Zeige deine Leidenschaft!

Dennoch schätzte Bellini die Wahrheit mehr als die Schönheit. Die Titelrolle des Gualtiero in seiner dritten Oper Il pirata wurde für den Star-Tenor seiner Zeit, Giovanni Battista Rubini, geschrieben, der für seine unvergleichliche Beherrschung von Kantilenen, blumigen Koloraturen und stratosphärischen Höhen berühmt war, aber weniger für sein Können als Schauspieler. Es gibt eine Geschichte, in der der frühreife 25-jährige Komponist den großen Tenor beschimpfte, indem er fragte: „Willst du Rubini sein oder Gualtiero?“ „Du bist ein Tier“, sagte er, „zeige deine Leidenschaft: warst du noch nie verliebt?“ Bellini demonstrierte mit seiner eigenen schwachen Stimme, was er wollte, aber laut einem Zeugen, „brachte er mit seinem Gesicht und seinem ganzen Körper einen so pathetischen Gesang hervor, dass er das Herz zusammenschnürte und so viel Feuer in die Brust trieb, dass es den härtesten Mann zerrissen hätte. Gerührt stimmte Rubini mit seiner gewaltigen Stimme ein“. Endlich war der Komponist zufrieden: „Denk im Übrigen daran, beim Üben aufzustehen und deinen Gesang mit Gesten zu begleiten“.

Eine Galerie denkwürdiger Heldinnen

Rubini schuf noch zwei weitere Bellini-Rollen: Elvino in La sonnambula und Arturo in seiner letzten Oper I puritani, aber heute ist Bellini vor allem wegen der schillernden Möglichkeiten in Erinnerung, die er für die ausdrucksstarken Farben und Kräfte der Sopranstimme bot. Die verschmähte Priesterin Norma mag der Höhepunkt sein, aber sie ist keineswegs der Prototyp. Bellini stattet jede seiner Heldinnen mit einer anderen Persönlichkeit aus. Die schlafwandelnde Amina ist ein unschuldiges Bauernmädchen. Elvira in I puritani wird durch die Konflikte des Bürgerkriegs in den Wahnsinn getrieben. Imogene, der zentrale Dreh- und Angelpunkt von Il pirata, ist eine verheiratete Frau mit einem kleinen Kind, die von dem titelgebenden Piraten dazu verleitet wird, ihre Verantwortung zu verraten.

Ins kollektive Gedächtnis gesungen

Bellini verlieh seinen Primadonnen sein Markenzeichen, die lang gesponnenen Melodien, auf eine Art und Weise, die sie als Sängerinnen im kollektiven Gedächtnis des Publikums verankert. Besonders emblematisch ist Normas Hymne an ihre Göttin, „Casta diva“. Sie wurde von großen Sängerinnen unsterblich gemacht, von ihrer Schöpferin Giuditta Pasta, die ihr Haus am Comer See danach benannte, bis zu Rosa Ponselle, Maria Callas und Montserrat Caballé. Ebenso schön sind Aminas traumhaftes „Ah, non credea mirarti“, auf das beim Erwachen ihre ekstatische Cabaletta „Ah, non giunge“ folgt, und Elviras visionäres „Qui la voce“. Wenn Sie Musik lieben, die Emotionen ausdrückt, sollten Sie die besten Aufführungen dieser erhabenen Erfindungen aufsuchen. Das denkwürdigste Beispiel aus Il pirata ist Imogenes letzte Erinnerung an das Glück, bevor sie von Trauertrompeten herbeigerufen wird, „Col sorriso d'innocenza“.

Was, wenn Bellini länger gelebt hätte?

Was hätte Bellini wohl erreicht, wenn er so lange wie Rossini oder Donizetti, geschweige denn Verdi, gelebt hätte? Man erkennt eine Entwicklung vom relativ frühen Il pirata, mit seinen Anklängen an Rossini, hin zur Grandezza von Norma und der größeren Pariser Raffinesse von I puritani. Dennoch bewahrt Bellini seine individuelle Stimme, zerbrechlich, aber sicher in ihrer Qualität. Wie bei anderen jung verstorbenen Komponisten dieser Epoche, Franz Schubert und John Keats, gibt es eine unbestreitbare Sicherheit und Vollständigkeit in seinem Werk. Es ist schön, aber mehr als schön. Mit den Worten, die Keats’ Ode an eine griechische Urne beschließen:
Schönheit ist wahr, und Wahrheit schön,“ – nur das
Weißt du auf Erden und größern Wissens bedarfst du nicht
.“