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Iko Freese/drama-berlin.de

Komische Oper Berlin

Roxy und ihr Wunderteam

Immer Sport, Sport, Sport ist das große Wort.

Rückblick | Abraham

Diese Vorstellung ist nicht mehr als Video auf unserer Plattform verfügbar. Sie können aber weiterhin das zusätzliche Material der Produktion nutzen.

Als ein kluges und selbstbewusstes Mädchen die Hilfe einer Fußballmannschaft sucht, um vor ihrem weichlichen Verlobten zu fliehen, droht den Männern die glückliche Ablenkung mit einer sportlichen und emotionalen Niederlage.

 

Der Komponist von Die Blume von Hawaii und Ball im Savoy zeichnet diese „Fußballoperette‟, eine verrückte und turbulente Sportsatire. Paul Abrahams feurige Musik ist ein Cocktail aus Jazz, Puszta und Opernmelodien, abgerundet mit einem Hauch von Stadiongesang. Das bekannte deutsche Musikkabarett-Trio Die Geschwister Pfister übernimmt die drei Hauptrollen in dieser neuen Produktion an der Komischen Oper Berlin.

Sam CheswickUwe Schönbeck
Roxy CheswickChristoph Marti
Bobby WilkinsJohannes Dunz
Gjurka KarolyTobias Bonn
Aranka von Tôtössy / Ungarischer Zollrevisor / DienstmädchenAndreja Schneider
Baron SzalmaryChristoph Späth
Jani HatschekJörn Felix Alt
Hoteldirektor / Zollbeamter / Kovacz / Misky / RadiosprecherMathias Schlung
Arapad BalindiKevin Arand
Aladar KövessDennis Weißert
Géza AlpassyMathias Reiser
Laczi MolnarTobias Stemmer
Jenö KörmendyChristopher Bolam
Máté PulitzerPaul Gerritsen
Tamás KodályHunter Jaques
Lászlo KertészThiago Fayad
Zlotán LigetiAndrew Cummings
Ilka PrinitzerGabriela Ryffel
Marika V. DobossyMilena Sophia Hagedorn
Ilonka TaussigLaura Mann
Réka RökkMariana Souza
Ildikó FarkasMeri Ahmaniemi
Erzébet KalmánFriederike Meinke
Krisztina GaborPaula Rummel
Magdolna HorváthDiemut Wauer
Mónika BartókSabine Hill
Boglárka EsterhazyKatharina Thomas
Katalin TaboriKatrin Hacker
StadionpublikumChorsolisten der Komischen Oper Berlin


MusikPaul Abraham
LibrettoAlfred Grünwald und Hans Weigel
Musikalische LeitungKai Tietje
InszenierungStefan Huber
BühneStephan Prattes
KostümeHeike Seidler
LichtDiego Leetz
ChoreografieDanny Costello
ChorleitungJean-Christophe Charron
DramaturgieUlrich Lenz und Maximilian Hagemeyer

Die ungarische Fußballnationalmannschaft um Kapitän Gjurka Karoly feiert in London gerade den Sieg über das englische Team, da platzt die Engländerin Roxy ins Hotelzimmer der Fußballer, auf der Flucht vor ihrem dümmlichen Bräutigam Bobby und ihrem Onkel, dem schottischen Saucen-, Ketchup- und Mixed-Pickles-Fabrikanten Sam Cheswick. Trotz Einspruch von Seiten des Mannschaftskapitäns, der den Trainingserfolg seines Teams in Gefahr sieht, wird die »Braut, die sich nicht traut« kurzerhand mit ins ungarische Trainingslager am Plattensee genommen. Doch Ex-Bräutigam Bobby und Sam Cheswick heften sich an ihre Fersen.

Am Plattensee angekommen, erfährt das ungarische Team, dass sich außer ihnen auch noch die Schülerinnen eines Mädchenpensionats samt ihrer strengen Lehrerin Aranka von Tötössy im Landhaus einquartiert haben. Kapitän Gjurka ist über derlei geballte weibliche Präsenz alles andere als begeistert. Dabei hat es ihm die selbstbewusste Roxy durchaus angetan, auch wenn er das sich und ihr (noch) nicht eingestehen kann. In die gemeinsame abendliche Feier von Fußballern und Schülerinnen, an der Gjurka demonstrativ nicht teilnimmt, platzen unverhofft Sam und Bobby. Um sich aus dem Schlamassel zu befreien – und um Gjurka nach dessen Zurückweisung eins auszuwischen – verkündet Roxy ihrem verblüfften Onkel die Verlobung mit dem soeben eintreffenden Verbandspräsidenten Baron Szatmary, der sich amüsiert auf das Spiel einlässt.

Nach den stürmischen Ereignissen am Plattensee haben die nach Budapest zurückgekehrten Pensionatsschülerinnen Hausarrest. Roxy, deren Onkel sich bis zur Hochzeit mit Szatmary die Kosten für ihr Hotel sparen will, teilt ihr Schicksal. Als die Fußballer einer nach dem anderen in Verkleidung bei den Mädchen erscheinen, um ihnen zu imponieren, kommt es zwischen Gjurka und Roxy erneut zum Streit. Das Rückspiel der ungarischen Mannschaft gegen die Engländer müssen die Mädchen notgedrungen am Radio verfolgen. Doch als es zur Halbzeit 1:0 für England steht, brechen die Mädchen mit Roxy aus, um ihre Jungs im Stadion anzufeuern. Und tatsächlich, dank ihrer tatkräftigen Unterstützung wendet sich das Blatt für die ungarische Mannschaft und auch Roxy und Gjurka – und nicht nur die beiden! – finden im allgemeinen Siegestaumel endlich zueinander: 3:1 – für die Liebe!

5 Dinge, die man über Roxy und ihr Wunderteam wissen sollte

1° Zwischen Börsen- und Notenpapieren

Paul Abraham wurde im November 1892 in Apatin geboren, dem heutigen Serbien, damals noch Südungarn und damit zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn gehörig. Sein Vater war Kaufmann; sein musisches Talent förderte seine Mutter, sie gab ihm den ersten Klavierunterricht. Die Interessen der Eltern übertrugen sich auch auf den Sohn: Lange konnte sich Abraham nicht entscheiden, ob er eine musikalische oder kaufmännische Laufbahn einschlagen sollte, was dazu führte, dass er beides eine Zeit lang parallel betrieb. Nach dem Ersten Weltkrieg verlegte sich Abraham auf sein kaufmännisches Talent: Er versuchte sich als Börsenspekulant, verlor jedoch seine Einsätze während der anhaltenden Inflation 1924. Wegen Zahlungsunfähigkeit musste er sogar eine Gefängnisstrafe verbüßen. Die Legende besagt, dass in seiner Gefängniszelle die Idee zu Viktoria und ihr Husar entstand.

2° Auf der Suche nach seiner musikalischen Sprache

1927 trat er die Stelle eines Kapellmeisters am Budapester Operettentheater an. Er schrieb zu verschiedenen Werken musikalische Einlagen und brachte dort auch seine erste eigene Operette zur Uraufführung. Der Gatte des Fräuleins hatte zwar nur mäßigen Erfolg, aber das Werk weist bereits die typischen Merkmale einer Abraham-Operette auf: die Mischung aus Jazz und ungarischer Folklore. Allerdings fehlt noch das ironische Augenzwinkern, mit dem er in seinen späteren Operetten jedes Gefühl hinterfragt. Im Februar 1930 kam seine Operette Viktória in Budapest heraus. Um sie auf den deutschen Markt bringen zu können, musste sie nicht nur übersetzt, sondern auch dem mondänen Geschmack der Großstädter angepasst werden. Im Juli 1930 wurde Viktoria und ihr Husar am Neuen Theater in Leipzig gefeiert und zog dann triumphal weiter an das Metropoltheater Berlin, das Gebäude der heutigen Komischen Oper Berlin, das – nebenbei bemerkt – vom selben Architektenduo wie das Budapester Operettentheater stammt und daher im Inneren große Ähnlichkeiten mit diesem besitzt.

3° Berliner Erfolge

Abraham hatte seinen Posten in Budapest gekündigt und war mit seiner Frau Sarolta Feszelyi nach Berlin gezogen, dem Zentrum der Operetten- und Revueproduktionen. Im Juli 1931 folgte Die Blume von Hawaii, die Uraufführung fand ebenfalls am Neuen Theater in Leipzig statt und wurde dann vom Metropol-Theater übernommen. Die dritte Operette in dieser Erfolgs-Trilogie war Ball im Savoy, die im Dezember 1932 im Großen Schauspielhaus in Berlin uraufgeführt wurde. Die drei Werke katapultierten Abraham in kürzester Zeit an die Spitze des europäischen Unterhaltungstheaters. Nur wenige Wochen nach der gefeierten Uraufführung von Ball im Savoy übernahmen die Nationalsozialisten in Berlin die Regierungsgewalt. Peu à peu verschwanden Operetten jüdischer Autoren oder Komponisten von den Spielplänen – also fast alle.

4° Das »Wunderteam«

Abraham flüchtete zunächst nach Wien. Im Theater an der Wien wurde im März 1934 Abrahams Märchen im Grand-Hotel uraufgeführt und anderthalb Jahre später Dschainah – Das Mädchen aus dem Tanzhaus, doch keines der beiden war so erfolgreich wie seine Berliner Werker. So entschied er sich für ein Thema, das das Wiener Publikum unwiderstehlich finden sollte: Fußball. Wien war in den 1920er und frühen 30er Jahren das Zentrum des professionellen Fußballs in Europa. Zum Höhepunkt des österreichischen Fußballs gehören die Jahre des »Wunderteams«. Als Geburtsstunde der legendären Mannschaft gilt gemeinhin der 16. Mai 1931, als die österreichische Auswahl die haushoch favorisierten Schotten in Wien mit 5:0 schlug. Die europäische Fußball-Welt horchte auf. Als das Team wenig später auch noch Deutschland eine 0:6-Heimniederlage bescherte, wurde deutlich, dass man es hier mit einer Ausnahmemannschaft zu tun hatte.

5° Abraham punktet

Seine ungarischsprachige Operette 3:1 a szerelem javara, die die ungarische Wasserpolomannschaft feierte, die 1936 überraschend Gold bei den Olympischen Spielen gewonnen hatte, diente Abraham als Vorlage zu einer deutschen Fußballoperette. Im März 1937 ging die deutschsprachige Erstaufführung, richtiger: die Uraufführung von Roxy und ihr Wunderteam über die Bühne des Theaters an der Wien. Eine Kritik in Der Wiener Tag beschreibt den jubelnden Erfolg: » Das Publikum füllte das Stadion an der Wien bis auf den letzten Platz und ging mit dem Spiel des Operettenteams lebhaft mit. Der Beifall nahm mitunter ländermatchartige Dimensionen an.« Eigentlich sollte Roxy nach der 75. Vorstellung in derselben Besetzung an die Wiener Volksoper umziehen, aber dieser Plan konnte wegen der angespannten politischen Lage nicht mehr realisiert werden. Viele Angehörige des Ensembles mussten Wien verlassen. Nach dem Anschluss Österreichs kehrte Abraham kurz nach Budapest zurück, bevor er zunächst nach Paris und dann nach Kuba floh, wo er als Pianist ein bescheidenes Leben führte. Später emigrierte er nach New York und dann nach Hamburg, wo er 1960 im Alter von 67 Jahren starb. Nach heutigem Stand wurde Roxy und ihr Wunderteam nach der Vorstellungsserie in Wien bis zur Deutschen Erstaufführung am Opernhaus Dortmund 2014 nicht mehr gezeigt.