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Alessia Santambrogio

Teatro Sociale di Como / AsLiCo

Werther

Warum weckst du mich, du Frühlingshauch?

Rückblick | Massenet

Diese Vorstellung ist nicht mehr als Video auf unserer Plattform verfügbar. Sie können aber weiterhin das zusätzliche Material der Produktion nutzen.

Als sich ein leidenschaftlicher Dichter in eine junge Frau verliebt, ist sie von seiner leidenschaftlichen Liebeserklärung aufgewühlt. Doch sie ist einem anderen versprochen und lehnt ihn schließlich ab, was ihn zu einer fatalen Tat veranlasst

 

Mit einer der schönsten romantischen Musik, die je geschrieben wurde, adaptiert Jules Massenets Werther Goethes höchst erfolgreichen Briefroman zu einer der besten Leistungen der französischen Oper. In dieser Produktion sind die Gewinner des 71. AsLiCo-Gesangswettbewerbs 2020 zu sehen, deren jugendliche Leidenschaft mit der von Werther konkurriert.

 

WertherGillen Munguía
Le BailliAlberto Comes
CharlotteKarina Demurova
AlbertGuido Dazzini
SchmidtNicola Di Filippo
JohannFilippo Rotondo
SophieMaria Rita Combattelli
BrühlmannAndrea Gervasoni
KätchenLuisa Bertoli
ChorCoro voci bianche del Teatro Sociale di Como
OrchesterI Pomeriggi Musicali


MusikJules Massenet
Musikalische LeitungFrancesco Pasqualetti
InszenierungStefano Vizioli
BühneEmanuele Sinisi
DesignerAnna Maria Heinreich
LichtVincenzo Raponi
ChorleitungLidia Basterretxea
VisualsImaginarium Creative Studio
Assistant directorPierluigi Vanelli
Assistant set designerEleonora De Leo

I. Akt

In seinem Haus im hessischen Wetzlar versucht der Gerichtsvollzieher, seinen jüngsten Kindern ein Weihnachtslied beizubringen. Seine beiden Trinkkumpels, Johann und Schmidt, sind amüsiert über seine Anstrengung, mitten im Sommer Weihnachtslieder zu üben. Der Gerichtsvollzieher teilt ihnen mit, dass sich seine älteste Tochter Charlotte auf den abendlichen Ball vorbereitet, und dass der junge Dichter Werther sie begleiten soll, da Charlottes Verlobter Albert geschäftlich unterwegs ist.

Im Haus des Gerichtsvollziehers angekommen, ist Werther vom herrlichen Sommertag überwältigt und besingt die Natur in einem Gedicht. Er wird durch den Lärm der Kindern unterbrochen: Es ist Charlotte, die sich beeilt, ihren kleinen Geschwistern das Abendessen zu servieren, bevor sie zu ihrer abendlichen Unternehmung aufbricht. Werther ist völlig fasziniert von dem, was er sieht. Der Gerichtsvollzieher sagt, dass er Witwer geworden ist, und dass es Charlotte ist, die sich seit dem Tod ihrer Mutter um die Kinder und das Haus kümmert.

Nachdem Werther und Charlotte zum Ball aufgebrochen sind, trifft Albert unvermittelt ein, nachdem er sechs Monate lang nicht in der Stadt war. Er ist enttäuscht, dass Charlotte nicht zu Hause ist, und bittet Sophie, die zweite Tochter des Gerichtsvollziehers, nicht zu verraten, dass er zurück ist: Er will am nächsten Tag alle überraschen.

Nachdem Werther und Charlotte vom Ball zurückgekehrt sind, gesteht ihr Werther seine Liebe. Verzweifelt erfährt er, dass Charlotte ihrer Mutter auf ihrem Sterbebett versprochen hat, dass sie sich um die Familie kümmern und Albert heiraten muss.

II. Akt

Es ist ein strahlender und sonniger Sonntag. Albert und Charlotte sind seit drei Monaten verheiratet. Zusammen mit anderen Gästen strömen sie in die Kirche, um den goldenen Hochzeitstag des Pastors zu feiern.

Werther beobachtet Charlotte und ihren Mann aus der Ferne und trauert um seinen Verlust, er hält Charlotte für die Liebe seines Lebens. Albert erzählt Werther, dass er seine Verzweiflung versteht und ihm vergibt. Werther lügt Albert an, dass er Charlotte jetzt lediglich als eine gute Freundin sieht.

Die beiden Männer werden von der lebenslustigen Sophie unterbrochen, die erklärt, dass sie, da viel Freude in der Luft liegt, feiern und den ersten Tanz mit Werther teilen möchte. Aber Werther zieht sich zurück und schämt sich, Albert wegen seiner Liebe zu Charlotte angelogen zu haben. Als Charlotte hinzukommt, gesteht ihr Werther erneut seine starken Gefühle.

Charlotte, nun verzweifelt, wiederholt, dass sie ihrer Pflicht nachkommen muss und nun jemand anderem gehört. Sie fordert Werther auf, die Stadt zu verlassen, wird aber schwach und bittet ihn, später, zur Weihnachtszeit, wiederzukommen. Werther sagt, dass er nie wieder zurückkehren wird.

III. Akt

Es wurde Herbst und es wurde Winter. An Heiligabend liest Charlotte verzweifelt und von Gefühlen überrollt Werthers ganze Briefe. Sophie versucht erfolglos, ihre große Schwester aufzuheitern.

Werther erscheint unangekündigt, er und Charlotte tauschen Erinnerungen an die Zeit vor ihrer Trennung aus. Werther zitiert aus einem leidenschaftlichen Gedicht, das er gerade übersetzt hat. Das Treffen ist intensiv, doch Werther verlässt Charlotte abrupt.

Albert kommt nach Hause und erzählt Charlotte, dass er von den Bewohnern der Stadt gehört hat, dass Werther sie besucht hat. Er zeigt ihr auch einen Brief, den er gerade von Werther erhalten hat: „Ich werde länger verreisen. Wirst du mir deine Pistolen leihen?‟ Charlotte ahnt schon die schreckliche drohende Tragödie und eilt davon.

IV. Akt

In dieser Nacht macht sich Charlotte auf den Weg zu Werthers Haus. In seinem Zimmer findet sie ihn verwundet, aber er verbietet ihr, Hilfe zu holen. Endlich umarmen sich, und sie gesteht ihm ihre Liebe, bevor er in ihren Armen stirbt.

5 Dinge, die man über Werther wissen sollte

1° Widersprüchliche Wünsche

Johann Wolfgang von Goethes Die Leiden des jungen Werther von 1774 wurde in nur fünfeinhalb Wochen geschrieben und verkörperte besser als alles andere je zuvor den Konflikt zwischen individueller Freiheit und dem strengen Rahmen sozialer Konventionen. Der locker strukturierte autobiographische Briefroman prägte seine damalige Leserschaft und rückte den jungen Autor ins internationale literarische Rampenlicht. Im Roman wird Werther als leidenschaftlicher, junger Träumer dargestellt. Alle Sinneseindrücke werden mit voller Kraft erlebt, und als er sich in Charlotte verliebt, obwohl sie verlobt ist, weicht die Vernunft heftigen Emotionen. Zeile für Zeile kann der Leser Werthers Gefühlsleben miterleben, das von Tag zu Tag schmerzhafter wird. Er kann nicht bekommen, was er so sehr liebt, und dieser Schmerz wird so unerträglich, dass er schließlich Selbstmord begeht.

2° Das Zeitalter der Angst

Etwas mehr als 100 Jahre später erfuhr der Roman durch Jules Massenets Oper, die 1887 fertiggestellt wurde, ein neues Interesse. Goethes detaillierte Darstellung der inneren Gefühlsregungen, der Pessimismus von Werthers tragischem Ende und die Frage nach dem Platz der Frau in der Gesellschaft schwangen mit den Ängsten Frankreichs im ausgehenden 19. Jahrhundert. Massenets drei Librettisten - Édouard Blau, Paul Milliet und Georges Hartmann - legten den Roman als zeitgenössische Pariser aus, hielten das Geschehen aber in Wetzlar, der hessischen Stadt, in der Goethe damals gelebt hatte. Das Ergebnis ist ein intimes und starkes Drama, in dem Charlotte und Werther gegen ihre inneren Konflikte ankämpfen, bis sie sich endlich umarmen und einander öffnen, als es bereits zu spät ist.

3° Melodien und Motive

Für Massenet war dies ein herausfordernder Text für die Vertonung. Zugegebenermaßen war er ein Meister des atmosphärischen Tonsatzes, aber das Innenleben der Seele erforderte ein besonderes Händchen. Wie bei vielen Komponisten der 1880er Jahre ließ er sich von Richard Wagners Verwendung von Leitmotiven inspirieren. Ohne den zwei Jahre vor Beginn der Arbeit an Werther verstorbenen Deutschen direkt zu kopieren, konnte Massenet unvergessliche musikalische Motive entwerfen, um besondere emotionale und dramatische Momente zu veranschaulichen. In einen Strom romantischer Melodien eingefügt, halfen sie, die Spannung der beiden Protagonisten Werther und Charlotte zu spiegeln. Auf diese Weise konnte Massenet mit Hilfe von Musikinstrumenten zwischen äußerer und innerer Aktion unterscheiden und gleichzeitig Tiefe und Kontrast im Gesamtwerk schaffen.

Für den Dirigenten Francesco Pasqualetti singt das Orchester in Werther eine Melodie, und die Sänger auf der Bühne begleiten sie. Auf diese Weise hebt Massenet die übliche Konzeption des Opernschreibens auf. „Es ist, als würde das Orchester sagen oder singen, was mit der Stimme nicht mehr gesagt werden darf. Was mit der Stimme nicht mehr gesagt werden darf.‟ 

4° Ein zerknülltes Stück Papier

Der Regisseur Stefano Vizioli sah sich mit unerwarteten Schwierigkeiten konfrontiert, als er sich an die Inszenierung von Werther machte. Überzeugt von der fundamentalen Bedeutung des Körperkontakts und der Körpersprache als Vehikel für den stimmlichen Ausdruck, quälte ihn die Frage, wie er die Oper mit den heutigen Sicherheitsbestimmungen produzieren könne. Wie würde die Szene mit dem Kuss ablaufen? Wie steht es mit der Szene, in der die Kinder spielen?

Die Inspiration kam, als der Bühnenbildner Emanuele Sinisi und er sich ein grosses weisses Blatt Papier vorstellten, das von einer nervösen Hand zerknüllt wurde, „ein Blatt, das manchmal Worte aufnimmt, die zusammengesetzt und zerrissen sind, befleckt mit Tinte, die ausläuft, zu Tränen oder Blut wird‟. Dieser szenografische Trick setzt die Handlung in Beziehung zu Goethes ursprünglichem Briefroman und rechtfertigt gleichzeitig auf poetische Weise die Distanz zwischen den Figuren.

5° Eine Bühne für talentierte junge Sänger*innen

Diese Produktion ist mit den jungen Talenten der 71. Ausgabe des AsLiCo-Wettbewerbs für junge Opernsänger*innen (6. Januar 2020) besetzt und steht damit in der langjährigen Tradition hochkarätiger Aufführungen mit den Gewinner*innen des Wettbewerbs. Auch andere Finalist*innen und Gewinner*innen früherer Ausgaben haben sich der Besetzung angeschlossen. Vor Beginn des Probenprozesses haben die Sängerinnen und Sänger ein Jahr lang die AsLiCo Academy besucht, einschließlich Masterclasses mit den berühmten italienischen Sänger*innen Silvia Dalla Benetta und Roberto De Candia, Marco Vinco und Sonia Ganassi. Das Training wurde während der Monate der Theaterschließungen mit Diktions- und Sprachunterricht fortgesetzt.