Preloader Operavision
Markus Gårder

5 Gründe, Verdi zu mögen

Giuseppe Verdi war einer der großen Komponisten seiner Zeit, und seine Opern sind weiterhin allseits beliebt. Hier sind fünf Gründe, weswegen Sie ihn sicher auch mögen werden.

1. Weil Sie ihn schon kennen

Auch, wer Rigoletto noch nie auf der Bühne gesehen hat, hat schon einmal „La donna è mobile“ geträllert. Die Aire sprüht vor Energie und steht für eine entspannte Sicht auf die Beziehungsprobleme zwischen den Geschlechtern.

In Verdis Oper jedoch ist die Leichtigkeit des Liedes mit den fatalen Folgen egoistischen Verlangens gepaart. Der Herzog von Mantua hat ein Auge auf Gilda geworfen, Tochter des Hofnarren Rigoletto, der verzweifelt zu verhindern sucht, dass sie ausgenutzt wird. Er fädelt des Herzogs Mord ein, doch dieser wird von einer anderen Liebhaberin beschützt, während Gilda unwillentlich in die Schusslinie gerät. Als der Herzog zum zweiten Mal „La donna è mobile“ anstimmt, schwingt in der fröhlichen Melodie Gildas grausamer Tod mit.

„La donna è mobile“

Stefan Pop singt „La donna è mobile“ aus Verdis Rigoletto am Teatro Massimo. Dirigent Stefano Ranzani, Regisseur John Turturro.

2. Weil Sie (nicht allein) die Schönheit reizt

Schöne Heldinnen, schöne Musik, schöne Gefühle: die Liebe außergewöhnlicher und unabhängiger Frauen egal welcher sozialen Herkunft ist ein Schlüsselelement in Verdis Werken. Und obwohl es die männlichen Protagonisten sind, die in der Regel überleben oder den Tag retten, „fühlt man sich nie ganz glücklich” ohne die Frauen.

In Il trovatore lehnt Lady Leonora die Annäherungsversuche des Grafen von Luna ab, da sie den vermeintlichen Zigeuner-Troubadour Manrico liebt. Er wird wegen seiner Beteiligung an einer Vendetta, die mit seiner Pflegefamilie verbunden ist, festgenommen. Leonora will nichts anderes, als den Mann retten, den sie liebt, und akzeptiert, Di Lunas Frau zu werden im Austausch für Manricos Freiheit. Aber dann nimmt sie heimlich Gift, denn sie würde lieber sterben, als sich vom Grafen lieben zu lassen.

„D'amor sull'ali rosee“

Maria Agresta singt „D'amor sull'ali rosee“ aus Verd's Il trovatore am Teatro Real. Dirigent Maurizio Benini, Regisseur Francisco Negrín.

3. Weil er witziger ist, als man meinen würde

Die letzte Oper, die Verdi komponierte, ist eine Komödie, die auf dem grotesk amüsanten Falstaff basiert. Er ist ein beliebter Shakespeare-Charakter aus dem Stück The Merry Wives of Windsor, der Wein, schöne Damen und leichtes Geld liebt. Die Frauen, die er zu täuschen versucht, damit sie ihn heiraten und ihm ihr Geld überlassen, sind seinen Plänen immer einen Schritt voraus und erfinden ihre eigenen Pläne, um Falstaff zu verspotten.

Im Finale des II. Aktes von Falstaff treffen alle heimlich Intrigen planenden Charaktere aufeinander und offenbaren ihre Geheimnisse. Die Szene gipfelt damit, wie Falstaff buchstäblich in der Traufe landet.

Garsington Opera

Finale des II. Aktes

Henry Waddington, Mary Dunleavy, Richard Burkhard, Yvonne Howard, Soraya Mafi, Oliver Johnston, Victoria Simmonds, Colin Judson, Adrian Thompson und Nicholas Crawley singen das Finale des II. Aktes aus Verdis Falstaff an der Garsington Opera. Dirigent Richard Farnes, Regisseur Bruno Ravella.

4. Weil seine Hauptfiguren absolut filmreif sind

Verdis Held*innen sind vielseitig und keine moralisch einwandfreien Charaktere, auch wenn in den Operntexten schon deutlich zwischen richtig und falsch unterschieden wird. Um die Handlungen besonders zuzuspitzen, sehen sich die Hauptfiguren oft gezwungen, nicht immer den rechten Weg zu wählen.

Rigoletto ist liebender Vater und ebenso ein verfluchter Hofnarr. Obwohl er sich mit allen Kräften bemüht, ein gutes Leben zu führen, ist seine Geschichte eine Tragödie. Nachdem er bei Hof lächerlich gemacht wird und beginnt, sich ernsthaft um das Wohl seiner Tochter zu sorgen, erliegt er der Versuchung, einen Auftragsmörder auf das Leben von Gildas Liebhaber, dem Herzog von Mantua anzusetzen. Am Ende ist es Gilda, die ermordet wird, was Rigoletto in völlige Verzweiflung versetzt.

„Cortigiani, vil razza dannata“

George Petean singt „Cortigiani, vil razza dannata“ aus Verdis Rigoletto am Teatro Massimo. Dirigent Stefano Ranzani, Regisseur John Turturro.

5. Weil seine Duette zum Sterben schön sind

Gegen Ende vieler Verdi-Opern lösen sich die dramatischen Knoten auf und unglückliche Liebespaare werden wieder vereint, nur um sich an der Schwelle zur nächsten Tragödie wiederzufinden. Doch vor ihrem endgültigen Ableben dürfen die Paare noch einmal ihre gegenseitige Liebe im Duett heraufbeschwören und einen Moment der Besinnung über die Mühen, die sie bei den vier oder fünf Akten zu bewältigen hatten, teilen.

Aida ist eine Oper über militärischen Ruhm und den Triumph der Liebe, die keine Grenzen kennt. Aida ist eine gefangene äthiopische Prinzessin, die in Radamès verliebt ist. Er ist der Hauptmann der ägyptischen Garde, der sein Volk versehentlich verrät und zum Tode verurteilt wird.

Am Ende der Oper ist Radamès mit dem Tod konfrontiert, er soll  lebendig begraben werden. Wenigstens ist Aida in Sicherheit - so glaubt er, bis er ihre Seufzer hört und sie dann direkt neben sich im Grab wiederfindet. Anstatt ohne ihren Liebsten weiterzuleben, beschloss sie, sich dort zu verstecken und gemeinsam mit ihm zu sterben.

Finale des IV. Aktes

Ivan Defabiani, Christina Nilsson und Katarina Dalayman singen das Finale des IV. Aktes in Verdis Aida an der Royal Swedish Opera. Dirigent Pier Giorgio Morand, Regisseur Michael Cavanagh.

Stöbern Sie in der OperaVision-Mediathek in unserer vollständigen Auswahl an Verdi-Videos, darunter vollständige Opern, Ausschnitte, Interviews und Blicke hinter die Kulissen.