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A Bofill

Die Geschichte hinter Don Giovannis berühmten Arien

1° Klassenkampf in „Notte e giorno faticar‟

Der Diener Don Giovannis, Leporello, ist ein Mann des Volkes. Wir begegnen ihm, als er vor einem Haus Wache hält, in dem sein Herr eine Frau verführt. Seine Verärgerung darüber, wieder einmal die ganze Nacht aufbleiben zu müssen, äußert er in der berühmten Arie „Notte e giorno faticar‟ (Tag und Nacht schuften), ein Ausdruck, der zu einem Standardspruch geworden ist. Die Melodie selbst ist einfach, jede Silbe wird wie in einem Volkslied von einem Ton begleitet. Erst wenn er „Voglio far il gentiluomo‟ (Ich will den Aristokraten mimen) singt, verlängert sich die Melodie und wird rhythmisch.

Schon zu Beginn der Oper sind die Einsätze klar: Auf der einen Seite steht der Diener, der seine List in den Dienst seines Herrn stellt, und auf der anderen Seite der Meister selbst, der nur sein eigene Vergnügen im Sinn hat.

2° Leporellos berühmte Katalog-Arie 

Eine der bekanntesten Arien Mozarts ist sicherlich „Madamina il catalogo e questo‟, allgemein bekannt als die Katalogarie. In einem leichtherzigen Ton, begleitet von zwitschernden Flöten, beschreibt Leporello der unglücklichen Donna Elvira die endlosen (und möglicherweise erfolglosen) sexuellen Heldentaten seines Meisters. Er rät Don Giovannis sitzengelassener Geliebten, ihn zu vergessen, da sie weder seine erste noch seine letzte Eroberung sei:
 
       „In Italien, sechshundertvierzig
       In Deutschland, zwei hundert und einundreissig
       Hundert in Frankreich, in der Türkei einundneunzig
       Aber in Spanien schon ein Tausend und drei.‟

Sein Herr ist nicht wählerisch, erklärt Leporello bösartig. Jeder wird es tun: Wenn sie nur einen Rock trägt, Ihr wisst schon was er tut.. „Quell' che fa‟ (was er tut) wiederholt er nonchalant viermal, reibt Salz in die Wunde der armen Elvira, die so die Untreue Don Giovannis entdeckt. Selten war der Humor von Mozart und Da Ponte dunkler.

3° „La ci darem la mano‟: Endlich, ein Liebesduett!

Nach all dem Gerede über Don Giovannis Kunst der Verführung bekommen wir in dieser Szene endlich die Kunst der Verführung aus erster Hand zu sehen. Nachdem er Zerlina und Masetto gerade erst an ihrem Hochzeitstag getroffen hat, macht er sich daran, sie zu zähmen. Es wäre schade, wenn sie sich an einen Bauernlümmel binden würde. Der Don gaukelt ihr Ehe, Glück und Reichtum vor. Zerlina ist misstrauisch und riecht eine Falle, gibt aber schließlich nach.

Musikalisch ist dies ein honigsüßes, schmachtendes Duett. Es spricht für Don Giovannis List und seinen chamäleonartigen Charakter, dass er einem Bauernmädchen eine einfache Melodie vorsingt, im Gegensatz zu den aristokratischen Melodien, die wir schon einmal gehört haben. Zerlina zeigt ihre innere Ambivalenz, indem sie antwortet: "vorrei e non vorrei" (Ich will und ich will nicht). Nach einem schüchternen Übergang gibt sie schließlich dieser Fata Morgana eines Märchenprinzen nach. Der Austausch wird hitziger und sie wiederholt alles, was Don Giovanni ihr vorsingt. Als sich ihre Stimmen endlich vereinigen, könnte man fast an ein Happy End für sie glauben.

4° Die Champagner-Arie oder Party Party!

Leporello mag seine Katalog-Arie haben, doch der Don hat seine Champagner-Arie („Fin ch'han dal vin‟). In halsbrecherischer Geschwindigkeit gibt Don Giovanni Leporello überschwänglich Anweisungen, um noch am selben Abend ein Fest zu organisieren. In weniger als zwei Minuten - es ist eine der kürzesten Arien in Mozarts Repertoire - gibt sie einen Einblick in seinen Charakter. Das atemberaubende Stakkato - wie ein rasender Herzschlag - vermittelt seine Lebenslust, seinen unerschöpflichen Tatendrang und seine Lust zu verführen. Trotz seiner Rücksichtslosigkeit und Gewalt ist es unmöglich, Don Giovanni zu hassen, wenn man seiner Lebensfreude lauscht.

5° Der steinerne Gast

Selten halten wir inne, um darüber nachzudenken, dass Don Giovanni in Wirklichkeit eine Geistergeschichte ist, einschließlich einer Friedhofsszene und einer Rückkehr von den Toten. Im zweiten Akt trifft sich der Don mit Leporello auf einem Friedhof. Das Duett, das sie singen, „O statua gentilissima‟, ist so visuell dramatisch, dass wir fast vergessen, dass es sich dabei überhaupt um eine musikalische Komposition handelt. Don Giovanni verspottet Leporello, indem er erzählt, wie er versucht hat, eine seiner Freundinnen zu verführen. Er wird von einer kalten Stimme unterbrochen, begleitet von schrecklichen Holz- und Blechbläsern. Eine Statue warnt ihn, dass sein Lachen den Sonnenaufgang nicht überdauern wird. Auf Befehl seines Meisters liest Leporello die düstere Inschrift der Statue: „Hier warte ich auf die Rache an dem Schurken, der mich getötet hat‟.

Leporello schaudert vor Schreck, aber Don Giovanni scheint unbeirrt. Er befiehlt ihm, die Statue zum Essen einzuladen. Leporello versucht mehrmals, sich an die Statue zu wenden, ist aber zu erschrocken, um die Einladung zu vollenden. Am Ende lädt Don Giovanni ihn selbst ein. Als die beiden Männer bemerken, dass die Statue mit dem Kopf nickt, besiegeln sie ihre Anerkennung durch gemeinsames Singen. Am Ende der Szene ziehen sie sich in scheinbarer verbaler und musikalischer Harmonie zurück, aber ihre Gefühle könnten nicht weiter voneinander entfernt sein.