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Daniel Senzek

The detail of the pattern is movement

Zur Choreographie von Demis Volpi

Inspiriert von dem A-capella-Stück „Partita for 8 Voices“ der Komponistin Caroline Shaw hat Demis Volpi eine Choreographie für acht Tänzer*innen kreiert, die am 15. Oktober 2020 im Opernhaus Düsseldorf zur Uraufführung gebracht wurde. Für die Verfilmung gemeinsam mit dem Düsseldorfer Filmemacher Ralph Goertz hat Demis Volpi die Choreographie für 16 Tänzer*innen und Kamera im Lockdown, der kurz nach der Premiere begann, neu entwickelt. Beide Künstler haben sich von der Idee leiten lassen, ein Tanzerlebnis zu schaffen, das es ohne das hinzugezogene Medium Film so nicht gegeben hätte. Ein bloßes Abfilmen des Stücks aus Zuschauerperspektive war deshalb keine Option.

A simple piece ist ein ganz und gar nicht simples Stück geworden, sondern eine stark konzeptuell durchdrungene und entschiedene Arbeit, hinter der sich ein beinahe mathematisches System und viele Wochen Proben verbergen. Obwohl das Zählen der Counts, also der Zählzeiten ständiger Begleiter einer jeden Probe ist, ist es hier besonders präsent, wenn nicht sogar zwingend notwendig. Demis Volpi geht nicht nur den unmittelbar emotionalen Eindrücken der Musik nach, sondern orientiert sich auch an bestimmten musikalischen Strukturprinzipien und choreographiert zu großen Teilen mit der Partitur in der Hand.

Carmen Kovacs (dramaturgin)

In dieser präzisen Arbeit, die viel Kommunikation zwischen Choreograph, Tänzer*innen und Ballettmeister verlangt, muss jede Bewegungsqualität einzeln gesucht und gefunden werden. Nach und nach entsteht so ein Pool von Bewegungsmustern – Material, das durchdekliniert und verarbeitet wird und in streng formal komponierte Bewegungsabfolgen mündet, die miteinander verkettet werden. Eine Bewegung oder Geste wird in Zählzeiten aufgebrochen und wandert wie eine Strömung durch die Gruppe. So wird der Körper durch die Vereinzelung der Bewegung auf sich selbst zurückgeworfen und in seine Einzelteile zerlegt – fast schon ein skulpturaler oder anatomischer Zugang – und gleichzeitig entsteht ein kraftvoller Sog innerhalb der Gruppe, der Gemeinschaft herstellt.

„The detail of the pattern is movement“ lautet eine Zeile in der Partitur, die aus einem Gedicht von T.S. Eliot stammt und sich wie ein Credo liest. In der Choreographie entsteht dieses belebte Verhältnis zwischen Detail und Struktur durch Wiederholung und Verschiebung. Ein „pattern“, das nur über die Distanz vollkommen wahrgenommen werden kann. In der Allemande, dem ersten Satz, wird das kanonartige System eingeführt, indem sich die einzelnen Schritte und Gesten durch die Gruppe transportieren – wie ein Wind, der durch die Gräser zieht und eins nach dem andern in Schwingung versetzt. Dieses Prinzip funktioniert gut mit den vielen schnellen und kleinmaschigen Bewegungen, die comic-artig in Endlosschleife geloopt werden, während eine lang gehaltene Arabesque durch einen synchronisierten Moment kraftvoller wirkt.

Jeder der vier Sätze hat sein Bewegungsmaterial. Während der erste Satz beispielsweise den Fokus auf Oberkörper, Arme und Hände legt, sehen wir im dritten Satz Knie, Hüften, Tendus (gestreckte Beine), Rond de jambes (Beinkreise). Das musikalische Atmen der Musik wird nicht physisch gemimt oder gedoppelt, sondern durch eine strenge akademische Bewegung der Beine kontrastiert. Es entsteht der Eindruck von beinahe maschineller Arbeit – eine Assoziation, die durch die Kostüme noch verstärkt wird. Die steife und schwere Materialität der hohen Hosen und groben Taschen wird allerdings durch die sichtbaren Nähte und feine, netzartig pudrige Tops kontrastiert. Carola Volles hat für die Tänzer*innen etwas zwischen Arbeiterkleidung und high fashion kreiert, inspiriert von Peter Lindberghs schwarzweißen Modefotografien im industriellen Setting des Ruhrgebiets.

Diese Vorstellung ist nicht mehr auf unserer Plattform verfügbar. Sie können aber weiterhin das Bonusmaterial der Produktion hier nutzen.