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National Theatre Brno

National Theatre Brno

Das schlaue Füchslein

Ein poetisches, lebensbejahendes Märchen über Liebe, Verlust und Freiheit.

Rückblick | Janáček

Diese Vorstellung ist nicht mehr als Video auf unserer Plattform verfügbar. Sie können aber weiterhin das zusätzliche Material der Produktion nutzen.

Eine kleine Füchsin wird von einem Förster eingefangen. Sie wächst zu einer starken, unabhängigen Füchsin heran, entkommt in die Wildnis und erfährt den ewigen Kreislauf des Lebens am eigenen Leib.

 

Diese Produktion eröffnete das letzte Janáček Brno International Opera and Music Festival, das 2019 zum Festival des Jahres der International Opera Awards gekürt wurde. Regie führt Jiří Heřman, Künstlerischer Leiter und Operndirektor des National Theatre Brno.

Füchslein SchlaukopfJana Šrejma Kačirková
Das junge Füchslein SchlaukopfJulie Šebestová
Goldspore der FuchsVáclava Krejči Housková
FörsterSvatopluk Sem
Schulmeister / MoskitoOndřej Koplik
Priester / DachsJan Šťáva
FörsterfrauDaniel Straková-Šedrlová
Pásek, ein WirtPetr Karas
Frau Pásková, die Frau des Wirts / SpechtJitka Zerhauová
PepíkZdislava Bočková
FrantíkEva Štěrbová
HaraštaRoman Hoza
Die HeuschreckeZdislava Bočková
Die GrilleEva Štěrbová
FröschleinPetr Hrůša
LapákJitka Klečanská
Der HahnAndrea Široká
Chocholka, die Henne, die EuleMartina Mádlová
EichelhäherAndrea Široká
ChorChor von Janáček Opera National Theatre Brno, Kinderchor Theatre Brno
OrchesterOrchester von Janáček Opera National Theatre Brno


MusikLeoš Janáček
LibrettoLeoš Janáček
Musikalische LeitungMarko Ivanović, Robert Kružík
InszenierungJiří Heřman
BühneDragan Stojčevski
KostümeAlexandra Grusková
LichtDaniel Tesař
ChorleitungKlára Svozilová Rotočilová
DramaturgiePatricie Částková
Assistent des BühnenregisseursSilvie Adamová

Akt 1

Vom warmen Moos in Versuchung geführt, schläft ein Förster im Wald ein. Ein junges Füchslein erkundet den Wald, weil es dort so viele interessante Dinge zu entdecken gibt. Ein kleiner grüner Frosch weckt den Förster auf und dieser fängt das Füchslein. Das Füchslein ruft nach seiner Mutter, aber der Förster ist mit ihm schon auf dem Weg zu seiner Hütte.

Das junge Füchslein ist gewachsen und ist das Füchslein Schlaukopf geworden. Es lebt in einem Hof mit dem Hund Lapák, mit Hühnern und einem Hahn. Es ist Frühling und Lapák träumt von der großen Liebe, allerdings vergeblich. Das Füchslein Schlaukopf hat auch keine Erfahrung mit der Liebe, es erinnert sich aber noch an die Stare in ihrem Nest über der Höhle ihrer Kindheit. Der Sohn der Försters, Sepp, mit seinem Freund Franzl, sticht das Füchslein mit einem Stock und daraufhin beißt ihn Schlaukopf. Ein Fuchs ist eben doch kein Hund! Die Frau des Försters macht nach dem Ereignis eine Szene und das Füchslein muss angeleint werden. Die Hühner freuen sich, weil das Füchslein sie nicht mehr durch den Hof jagen kann. Es hat es verdient!

Füchslein Schlaukopf hält eine revolutionäre Rede und appelliert an die Hennen, sich gegen den Hahn zu wehren. Seine Rede findet kein Gehör und das Füchslein tut so, als wäre es tot. Die Hähnen fordern den Hahn auf zu überprüfen, ob das Füchslein wirklich tot ist. Als er sich nähert, schnappt sich das Füchslein den Hahn und frisst ihn. Warum dann nicht auch ein paar Hennen fangen? Die Förstersfrau eilt in den Hof und erschrickt, als sie die chaotische Szene entdeckt. Sie ruft ihren Mann, damit er das Füchslein erschießt, doch das Füchslein ist zu schnell und verschwindet schon in dem Wald.  

Akt II

Füchslein Schlaukopf findet im Wald seine Freiheit wieder, doch es hat keinen Dach mehr über dem Kopf. Entschlossen vertreibt es einen alten mürrischen Dachs aus seiner Hütte, zum großen Vergnügen der anderen Waldtiere.   

Der Förster, der Pastor und der Schulmeister trinken in Páseks Schenke. Der Förster macht sich über den Schulmeister lustig, weil er sich fürchtet, seiner geheimen Liebe seine Gefühle zu gestehen. Darauf wird der Förster gefragt, was eigentlich mit seinem Füchslein sei. Er erzählt, dass das Tier geflohen ist und dass er es nicht suchen wird. Betrunken bereitet sich der Schulmeister vor zu gehen. Der Pastor geht ihm nach, weil er noch für seine Reise in eine neue Gemeinde packen muss. Nur der Förster möchte länger bei seinen alten Freunden bleiben, aber sein Versuch, die beiden Freunde zum Bleiben zu überreden, scheitern, und er beschließt, durch den Wald nach Hause zu gehen.

Der betrunkene Schulmeister findet seinen Weg nach Hause und denkt nur an seine geliebte Ternyka, stolpert schließlich ihrem Geist hinterher. Die Gedanken des Pastoren, der ebenfalls gut gebechert hat, werden von einer Erinnerung einer verlorenen Liebe heimgesucht, die ihn einst verletzte. Sie war schön, ihre Augen brunnentief, und umso schlimmer war ihr Verrat. Sowohl der Schulmeister als auch der Pastor schlafen in der Ruhe des Waldes ein. Der Förster ist auch dort, und als er das Füchslein erspäht, beschließt er, es fast zum Spaß zu erschießen. Es gelingt ihm allerdings lediglich, den Schulmeister zu verängstigen, der sich beeilt, aus der Reichweite des Gewehrs zu kommen.

Eines Nachts taucht der Fuchs auf der Lichtung auf, wo Schlaukopf ihre nächtlichen Streifzüge unternimmt. Er ist ein attraktiver Jüngling und die Füchsin kann ihre Augen nicht von ihm abwenden. Sie nähern sich schüchtern einander an und Schlaukopf erzählt von ihrer Jugend in der Hütte des Försters. Der Fuchs verschwindet und kommt bald darauf mit einem Kaninchen als Geschenk zurück. Schlaukopf ist zunächst beschämt, die ehrlich gemeinte Liebeserklärung des Fuchses nimmt sie dann aber für ihn ein.

Akt III

Der Sommer schmilzt in die Farben des Herbstes und diese verschwinden schließlich unter einer Schneedecke. Schneller jedoch als erwartet kehrt der Frühling wieder, und auch ein neuer Sommer und Herbst. Der Förster trifft im Wald auf Harašta. Er hat einen Sack voller Geflügel bei sich, schwört aber, kein Wilderer zu sein. Die beiden sehen einen toten Hasen auf der Lichtung liegen, der Förster nutzt ihn als Falle für Füchslein Schlaukopf. Ihre Familie wächst immer weiter und die Eltern haben alle Hände voll zu tun, auf ihre Kleinen aufzupassen. Das Füchslein sieht natürlich den toten Hasen, bemerkt aber auch die eiserne Falle, die sie erwartet. Harašta sieht den Schwanz der Füchsin und möchte ihn seiner Verlobten zum Geschenk machen. Er nimmt einen Stock und stürzt der Füchsin nach, aber die Tiere des Waldes geraten ihm zwischen die Beine und Harašta trägt nichts als eine gestoßene Nase davon. Die Jungen nutzen die Gelegenheit, seinen Sack mit dem Geflügel zusammen mit Füchslein Schlaukopf zu durchwühlen, dabei wird sie von Harašta erschossen.

Die Stammgäste in der Schenke sind nicht bei bester Laune. Pásek ist nach Brünn gegangen und seine Frau beschwert sich, dass sie keine Zeit hat, mit ihren Gästen zu sprechen. Der Pastor fehlt, und der Schulmeister ist todunglücklich, weil seine heimliche Liebe an diesem Tag jemand anderen heiraten wird. Die Freunde trennen sich früher als sonst und der Förster geht ein weiteres mal durch den Wald nach Hause. Alles erinnert ihn an den Tag, an dem er das Füchslein fand – und dann sieht er sie, ein Ebenbild ihrer Mutter. Er versucht, sie zu fangen, wird aber wieder von einem kleinen grünen Frosch aufgehalten, der Enkel des Vorigen. Es ist, als ob das Leben für nur eine Sekunde angehalten hätte, und diese ein Leben lang gedauert hätte. So ist eben der ewige Lauf des Lebens.

What does the fox say?

Patricie Částková, Dramaturgin der Oper Janáček am Nationaltheater Brünn, stellt die Oper vor, die mit ihrer Stadt und ihrer Umgebung so eng verbunden ist wie keine andere.

Die siebte Oper von Janáček ist immer eine große Herausforderung für diejenigen, die sie inszenieren, denn sie verbindet zwei scheinbar abstrakte Welten, die den Komponisten verzauberten: die Welt der Oper mit all den Erfolgen und Verlusten, die mit seinem künstlerischen Schaffen verbunden waren, und die Welt der Natur, in die er in seinem späteren Alter auf der Suche nach Stille flüchtete.

Die Geschichte der Füchsin wurde begann Anfang 1920 mit einer Reihe von Gemälden des Designers Stanislav Lolek, der sich von einer wahren Geschichte über einen gezähmten Fuchs inspirieren ließ. Die Redakteure der Brünner Tageszeitung Lidové noviny entdeckten bald die humorvollen Bilder des Tierlebens und beauftragten den Schriftsteller Rudolf Těsnohlídek mit der Erstellung einer Erzählung zu diesem Thema.

Die Reihe wurde sofort bei einem breiten Publikum beliebt und wurde zu einem Buch verarbeitet. Bei den Janáčeks las man regelmäßige Lidové noviny und der Komponist interessierte sich für die Cartoons. In den Sommerferien 1921 begann er, das Drehbuch für eine neue Oper über die schlaue Füchsin zu entwerfen. Er schrieb das Libretto selbst, das auf zehn der Originalkapitel aus der Reihe von Těsnohlídek basiert.

Die Erzählung von Těsnohlídek endet mit der Hochzeit von Schlaukopf und Goldspor. Im Gegensatz zur ursprünglichen Geschichte entschied sich Janáček jedoch, eine signifikante Veränderung vorzunehmen und die Hauptfigur sterben zu lassen. Als Dramatiker fühlte er, dass eine fröhliche Sache ein schreckliches Ende braucht, um für Katharsis zu sorgen. Er reduzierte auch die Anzahl der menschlichen Charaktere und entschied sich dafür, dass in der Oper die Welt der Tiere im Vordergrund steht.

Janáček war ein hoch idiomatischer Komponist, der gerne Klänge aus dem wirklichen Leben extrahierte, um sie in seinen Kompositionen zu verwenden. Es waren nicht nur die Melodien und Rhythmen der menschlichen Sprache, die ihn interessierten, er war auch sehr daran interessiert, alles, was er in der Natur hörte, aufzuschreiben. Die Vorbereitungen für das schlaue Füchslein mussten daher eine gründliche Studie über das Leben der Füchse beinhalten.

Janáček bat seinen Freund aus Hukvaldy, den Gutsbesitzer Ludvík Jung, ihm einen Bericht darüber zu schicken, wann Füchse das Erwachsenenalter erreichen, wie viele Jungen sie haben, wie lange sie trächtig sind und wie oft sie werfen. Während seines Aufenthalts in Hukvaldy ging der Komponist oft in einen Wald mit dem örtlichen Wildhüter Sládek, der eine Fuchshöhle aufgespürt hatte, und zusammen beobachteten sie die tummelnden Jungen. Die Stimme der Füchsin und ihrer Familie ist letztlich eine menschliche und wird kompositorisch als solche behandelt, anstatt, dass die Geräusche und Rufe der Füchse nachgeahmt werden.

Die Arbeit an der Oper begann im Januar 1922. Zwei Monate später schrieb Janáček an seine Freundin Kamila Stösslová: "Ich bin bereits am Schlauen Füchslein. Ich habe keine Zeit, über mich selbst nachzudenken, und in keinem anderen Jahr habe ich so hart gearbeitet wie jetzt." Die Überarbeitung des Schlussakts wurde erst im Oktober des folgenden Jahres abgeschlossen.

Während der Arbeit am Libretto entwickelte Janáček einige originelle Ideen. Auf ganz eigene Weise konfrontierte er Hochtschechisch mit dem Dialekt, der aus dem Text von Těsnohlídek stammt, der oft als Grundlage für die humorvollen Passagen dient. Er verwendete auch Texte aus den Volksliedern "Als ich wanderte, spielte die Musik" "Als ich durch den Wald ging" und komponierte seine eigenen Versionen. Er nahm das Kinderlied "Der Fuchs rennt nach Tábor" und ließ es die Fuchswelpen singen. Ballett- und Pantomimenszenen werden verwendet, um zwischen tierischen und menschlichen Perspektiven sowie zwischen Realität und Träumen zu unterscheiden.

Die Uraufführung der Oper fand am 6. November 1924 im Nationaltheater Brünn unter der Leitung von František Neumann statt. Der erste Regisseur, Ota Zítek, baute auf den Konzepten des Autors auf und prägte viele Jahre lang die mit dem Werk verbundenen Produktionsgepflogenheiten. Außerhalb Tschechiens erlebte die Oper zunächst wenig Aufmerksamkeit, was sich mit Walter Felsensteins berühmter Produktion an der Komischen Oper in Berlin 1956 völlig ändern sollte.

Das schlaue Füchslein ist eines der lyrischsten und melodischsten Werke von Janáček. Die Schönheit der Oper inspirierte die Dirigenten Václav Talich und František Jílek zu Orchestersuiten aus ihrem musikalischen Material. Es sprüht vor Humor, während es den Zuhörer auf eine philosophische Reise durch den ewigen Kreislauf des Lebens mitnimmt. Bis heute ist keine Oper so eng mit Brünn und seiner Umgebung verbunden wie das schlaue Füchslein, weshalb diese neue Produktion unter der Leitung von Jiří Heřman der perfekte Start für das diesjährige Internationale Opern- und Musikfestival Janáček Brünn ist.

Patricia Částková ist seit zwei Jahrzehnten Dramaturgin der Oper Janáček am Nationaltheater Brünn. Während dieser Zeit hat sie an über siebzig Opernproduktionen und mit mehreren international anerkannten Regisseuren gearbeitet, darunter Pamela Howard, Jiří Heřman und James Conway.

 

Patricia ist Co-Direktorin des Internationalen Opern- und Musikfestivals Brünn Janáček und Mitglied des Dramaturgieausschusses. Sie ist Mitbegründerin der gemeinnützigen Kammeropern- und Bildungsorganisation Opera on the Move und arbeitet regelmäßig mit der musikwissenschaftlichen Zeitschrift Opus Musicum zusammen.