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Marc Ginot

Opéra Orchestre national Montpellier

La Soupe Pop

Eine Suppentasse Menschlichkeit

Rückblick | Marie-Ève Signeyrole & The Tiger Lillies

Diese Vorstellung ist nicht mehr als Video auf unserer Plattform verfügbar. Sie können aber weiterhin das zusätzliche Material der Produktion nutzen.

In einer Suppenküche stehen sich Spott und Unterstützung, Lügen und Liebe nichts nach und würzen die Realität ihres Lebens mit einer Prise Fantasie.

 

Inspiriert durch die wahren Erlebnisse der Regisseurin Marie-Ève Signeyrole als Freiwillige in einer Suppenküche in der Weihnachtszeit, lädt La Soupe Pop sein Publikum ein, eine Schüssel Suppe mit den Schauspieler*innen und Sänger*innen auf der Bühne der Opéra Comédie in Montpellier zu teilen. Auf halbem Weg zwischen Theater und Kabarett entfaltet sich das eindringliche Erlebnis in einer Reihe roher und doch poetischer Szenen, begleitet von der fröhlich-melancholischen Musik der britischen Kultband The Tiger Lillies.

Bénévole PoivreGrégory Cartelier
Figurant GardeJean-Luc Daltrozzo
LaurenceAlexandra Heiser-Dauphin
TonyMatĕj Hofmann
Le MinistreMiloud Khetib
NadirMehdi Lassoued
MireilleSebastien Lentheric 
LisaSandra Maurel
SergeAmadou Mbaye
RobertJean-Claude Pacull
MariaVéronique Parize
GérardFlavio Polizzy
NadineAnne Raynaud
Le BelgeJulien Testard
The Tiger LilliesMartyn Jacques (composition, vocals, accordion), Adrian Stout (double bass, vocals, musical saw), Jonas Golland (drums, percussion)
ChorOpéra national Montpellier Occitanie


Musik Marie-Ève Signeyrole & The Tiger Lillies
TextMarie-Ève Signeyrole
InszenierungMarie-Ève Signeyrole
BühneFabien Teigné
KostümeYashi
LichtPhilippe Berthomé
ChorleitungNoëlle Gény, Valérie Blanvillain
DramaturgieSimon Hatab
RegieassistentMarc Salmon
Musikalisches Arrangement für ChorReinhardt Wagner, Matthieu Roy

Während der Festtage lädt das Opéra Orchestre national Montpellier sein Publikum dazu ein, aus seiner Komfortzone herauszutreten und einen langen, intensiven Blick auf den Alltag von Menschen in Not zu werfen. Auf der Bühne teilt sich das Publikum eine Schüssel Suppe mit Schauspieler*innen und Sänger*innen und lauscht, wie sie die wahren Geschichten aus einer echten Suppenküche nachspielen. Auf halbem Weg zwischen Performance und Dokumentarfilm entdeckt das Publikum ein burleskes, theatralisches UFO - und begibt sich auf einen Abend, der sowohl urkomisch als auch tragisch, aber immer berührend ist.

Die Tiger Lillies kommentieren das Geschehen auf der Bühne in Walzern, Tangos, Liedern aus ihrem Repertoire und vier eigens für diese Produktion komponierten Kreationen.

Liederliste

Crack of dawn
You’re scared (Neukomposition)
Pretty Lisa
Stay away from him
Bottle in sea
Drowning
Traviata remix (A Cappella)
Freak show
My funny Valentine
Let’s drink (Neukomposition)
Gin
Maria (Instrumental)
My heart belongs to Daddy
Manure
Traviata remix
Maria
Poverty (Neukomposition)
Alone (Neukomposition)
Send in the clowns

Gegen die Gleichgültigkeit

Ein Gespräch mit Marie-Ève Signeyrole

Vor drei Jahren, zur Weihnachtszeit, wollte ich mich nützlich machen. Ich ging in eine Suppenküche in meiner Nachbarschaft. Die verantwortliche Person erklärte mir, dass es zu spät sei, sich freiwillig zu melden, dass man als Freiwilliger nicht improvisieren könne. Da ich die Suppe nicht servieren konnte, wurde mir geraten, zu bleiben und mit den Leuten zu sprechen. So kam ich am nächsten Abend zurück, diesmal mit jemandem, der mich begleitete. Abend für Abend begannen wir mit den Freiwilligen und Bedürftigen zu sprechen. Wir stellten fest, dass das Gespräch fast genauso wichtig war wie das Essen, ebenso wie die tägliche Begegnung mit jemandem zu einer festen Zeit. Suppe ist auch eine Antwort auf die Einsamkeit. Die Geschichten, die wir Nacht für Nacht sammelten, wurden zum Rohmaterial für diese Vorstellung.

Unter den verschiedenen Suppenküchen, die wir in Paris beobachteten, erregte eine ganz besonders unsere Aufmerksamkeit: unter freiem Himmel, vor einer Kirche. Offensichtlich waren die Freiwilligen dieser „Suppe‟ alle Mitglieder der Gemeinde dieser Pfarrei. Es gab eine interessante Beziehung zwischen religiösen und ehrenamtlichen Tätigkeiten. Wir hatten den Wunsch, das Plateau der Comédie (das historische Operngebäude in Montpellier, adÜ) zu entdecken, um diese „Freiluftkapelle‟ zu verwirklichen. Je mehr wir die Empfänger*innen dieser Suppe kennen lernten, je mehr wir sie erlebten, desto mehr fragten wir uns: der soziale Abstieg, die die Bedürftigen getroffen hatte, könnte er uns nicht auch treffen? Ich denke, die Idee, eine partizipative, immersive Show zu machen, bei der sich das Publikum auf der Bühne trifft, um eine Schüssel Suppe mit den Schauspieler*innen zu teilen, rührte daher. 

Einige Szenen in der Show können heftig sein. Ich glaube nicht, dass Gewalt nur auf der Straße stattfindet. Sexistische und homophobe Äußerungen sind heute auch im politischen Diskurs im Parlament sehr präsent. Es mag paradox erscheinen, in dieser Festzeit ein eher düsteres und ironisches Spektakel zu präsentieren. So wie die Suppe eine Antwort auf Armut und Einsamkeit ist, so ist das Theater eine Antwort auf die Gewalt der heutigen Gesellschaft, ein Widerstand gegen das Vergessen. Zu keinem Zeitpunkt sollten wir unsere Position als Künstler*innen oder Zuschauer*innen mit der Position derjenigen verwechseln, die wir bei diesen „Suppen‟ getroffen haben. Aber durch Emotionen, Worte, Musik bietet uns das Theater auch die Möglichkeit, uns über diese alltäglichen Situationen, die wir nicht mehr sehen, erneut Gedanken zu machen.

Aufzeichnungen von Simon Hatab