Preloader Operavision
La Monnaie / de Munt

La Monnaie / De Munt

Cavalleria rusticana / Pagliacci

Rückblick | Mascagni / Leoncavallo

Zwei italienische Verismo Klassiker schildern die harte Realität des Lebens in einem intensiven, emotionalen Rahmen.

 

 

Eine Koproduktion zwischen La Monnaie / De Munt, Royal Opera House, Opera Australia und Göteborgsoperan.

Diese Vorstellung ist nicht mehr als Video auf unserer Plattform verfügbar. Sie können aber weiterhin das zusätzliche Material der Produktion nutzen.

CAVALLERIA RUSTICANA
SantuzzaEva-Maria Westbroek
LolaJosè Maria Lo Monaco
TuridduTeodor Ilincai
AlfioDimitri Platanias
LuciaElena Zilio
----------------------
PAGLIACCI
NeddaSimona Mihai
CanioCarlo Ventre
TonioScott Hendricks
PeppeTansel Akzeybek
SilvioGabriele Nani
ChorLa Monnaie Chorus
OrchesterLa Monnaie Symphony Orchestra


Musik Mascagni / Leoncavallo
LibrettoGiovanni Targioni-Tozzetti and Guido Menaschi / Ruggero Leoncavallo
Musikalische LeitungEvelino Pidò
InszenierungDamiano Michieletto
BühnePaolo Fantin
KostümeCarla Teti
LichtAlessandro Carletti

Cavalleria rusticana

Es ist Ostermorgen. Turridu singt auf dem Hauptplatz des Dorfes (‘O Lola ch’ai di latti la cammisa’/‘O Lola! Pur wie der weiße Schnee’). Lucia hat einen Weinladen auf der einen Seite des Platzes, neben der Kirche, in der Nähe des Hauses in dem sie und ihr Sohn Turridu leben. Dorfbewohner schlendern herum und singen von dem schönen Frühlingstag.

Für den Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass Turridu, als er vom Militär zurückkam herausfand, dass seine Verlobte Lola während seiner Abwesenheit Alfio geheiratet hatte. Das hatte Turridu das Herz gebrochen und er rächte sich, indem er eine andere junge Frau aus dem Dorf verführte, Santuzza.

Santuzza sucht nach Turridu. Sie ist traurig, da sie Turridu verdächtigt, immer noch nicht über Lola hinweggekommen zu sein und sie befürchtet, dass er wieder mit ihr zusammen ist.

Seine Mutter Lucia erzählt Santuzza, er wäre zu dem nächsten Dorf gelaufen um dort mehr Wein zu holen, doch Santuzza sah ihn letzte Nacht in ihrem Dorf und ist sich deshalb unsicher. Lucia lädt Santuzza zu sich ein, doch Alfio unterbricht sie, als er auf einem Wagen mit einer Gruppe Dorfbewohnern ankommt. Er prahlt mit seiner neuen Frau, Lola, und fragt Lucia nach einem feinen Wein. Lucia erwidert erneut, dass Turridu in ein anderes Dorf gegangen sei, um dort Wein zu holen, doch auch Alfio behauptet, er hätte ihn hier im Dorf gesehen.

Nachdem Alfio weg ist trifft Santuzza Lucia erneut vor der Kirche. Lucia verlangt zu erfahren weshalb Santuzza vor Alfio nicht zugegeben hatte, dass sie Turridu ebenfalls im Dorf gesehen hatte. ‘Voi lo sapete,’ (‘Du weißt es sehr gut’) antwortet Santuzza. Sie gesteht Lucia ein, dass Turridu sie verführt hatte und daraufhin eine Affaire mit Lola hatte. Lucia ist mitfühlend. Als Turridu dazukommt, wirft ihm Santuzza vor mit Lola zusammen gewesen zu sein und nicht Wein geholt zu haben, wie es seine Mutter behauptete. Turridu stößt sie zu Boden. Als Alfio zurückkommt, sagt ihm Santuzza, dass Lola ihn betrogen hat, da sie zurück zu Turridu gegangen sei. Alfio schwört, dass er sich rächen wird.

Turridu lädt das Dorf in den Laden seiner Mutter ein und bringt Lola mit. Alle sind gut gelaunt, doch es entsteht eine Spannung, als Alfio kommt und das Angebot von Turridu, einen Wein zu trinken ablehnt. Alle Frauen verlassen den Laden, einschließlich Lola. Alfio fordert Turridu zu einem Duell auf.

Am Ende der Oper, weint das Dorf, da Turridu getötet wurde. Santuzza und Lucia brechen vor Trauer zusammen.

Pagliacci

Die Geschichte dreht sich um eine Gruppe von Schauspielern im Jahre 1800, die traditionelle italienische Commedia dell’arte Rollen spielen.

Tonio ist als die Rolle des Taddeo verkleidet. Er wendet sich zum Publikum und erinnert es daran, dass Schauspieler auch nur Menschen sind. 

Am Nachmittag erreichen die Schauspieler ein Dorf. Canio berichtet über die Schwierigkeiten von Pagliaccio bei dem Auftritt letzte Nacht. Canio und Tonio scheinen einen Konkurrenzkampf um Nedda, Canios Frau zu führen.

Canio und Beppe trinken in der Dorfkneipe ein Bier aber Tonio gesellt sich nicht zu ihnen. Das Dorf macht sich darüber lustig, dass Tonio gerne eine Affäre mit Nedda hätte. Und tatsächlich. Als sie alleine sind, gesteht Tonio Nedda seine Liebe, doch sie lacht ihn nur aus. Allerdings hat Nedda wirklich einen Liebhaber, nämlich Silvio, der sie darum bittet, mit ihr durchzubrennen. Nedda willigt ein, doch das Gespräch der Verliebten wird von Tonio belauscht.

Die Menschenmenge strömt für die Abendvorstellung herbei und Nedda, als Colombina verkleidet, kümmert sich um den Einlass. In dem Stück, beginnt die Grenze zwischen Kunst und Wirklichkeit zu verschwimmen: Colombinas (Neddas) Ehemann Pagliaccio (Canio) ist für die Nacht verschwunden. Taddeo (Tonio) ist auf dem Markt. Colombina wartet auf Arleccino (Beppe), ihren Liebhaber.

Als die Vorstellung weitergeht, wird Canio eifersüchtig und fängt an das Stück und die Realität zu vermischen. Er will den Namen von Neddas Liebhaber wissen und er will ihn auch im wirklichen Leben wissen. Nedda erinnert ihn als Pagliaccio daran zurück in seine Rolle zu schlüpfen. Canio ist mehr und mehr verstört und sein Gesicht ist blass. Das Publikum glaubt, das Ganze wäre Teil einer überragenden Darbietung und tollem Schauspiel und sie bejubeln ihn.

Canio verlangt weiterhin nach dem Namen Neddas Liebhabers und sie weigert sich, ihn ihm zu sagen. Er ersticht sie mit einem Messer. Als sie stirbt ruft sie Silvios Namen und Canio tötet ihn ebenfalls. Als das Publikum die Szene mit Schrecken betrachtet, hören wir ‘La commedia è finita! (‘Das Stück ist vorbei’)

Fünf minuten mit... Damiano Michieletto

Sie haben 2015 für Convent Garden diese Produktion geleitet in Koproduktion mit la Monnaie. Was hat ihr Konzept, auf dem die Inszenierung basiert, inspiriert?

Ich will, dass die Figuren glaubwürdig rüberkommen und ihnen ein Umfeld schaffen, welches ihnen ermöglicht lebendig zu werden. Es schien mir offensichtlich, dass diese zwei Geschichten nicht zwei unterschiedliche Welten zeigen, weshalb es also mein Wunsch war, das Publikum in das ein und selbe Universum tauchen zu lassen. Beide Werke spielen in der gleichen Region, nämlich im Süden Italiens und beide handeln von einer Dreiecksbeziehung. Darüber hinaus ist die Präsenz der Religion und die der Position der Frau vergleichbar und beide Intrigen enden in einem Drama. Man kann ebenfalls musikalische Gemeinsamkeiten erkennen, denn in beiden Opern kommt ein sinfonisches Intermezzo vor.

Und sie haben also diese Verbindung ausgebaut?

Mascagni und Leoncavallo konnte nicht wissen, dass ihre Opern zu einem unzertrennlichen Diptychon werden würden. Und es ist in der Tat eine persönliche Entscheidung meinerseits, die beiden Opern zusammen zu erzählen, so als ob es sich um die ein und selbe Geschichte handeln würde um somit eine intensivere Theater und Musik Erfahrung zu schaffen. Cavalleria rusticana beginnt beispielsweise mit der Ankunft der Schauspieler die im Anschluss eine Theatervorstellung im Pagliacci haben. Die Beiden Geschichten verschmelzen somit miteinander.

Wo befindet sich die Stärke der Opern die doch so simpel erscheinen?

Die Intrige von Cavalleria ist vielleicht etwas dünn aber es ist auch die Einfachheit, die die Stärke veristischer Opern dieser Art ausmacht, die alles nur nicht konzeptuell oder symbolistisch sind. Dieser „Realismus“ erinnert an das Kino. Denken Sie zum Beispiel an den Anfang von Pagliacci, wo die Figuren des Prologes betonen, dass es sich bei ihnen um Personen aus Fleisch und Blut handelt. Die Geschichte von Pagliacci ist komplexer, da sie sich auf zwei Ebenen abspielt. Aber sie stützt sich auf eine Situation, die der Situation in Cavalleria ähnlich ist. Ein gewaltsamer Tod bildet ebenfalls das Ende der Geschichte. Das bringt uns zu einer weiteren Ähnlichkeit der zwei Werke: die Präsenz der primitiven Gewalt.

Was bedeutet für Sie als Opernregisseur der Begriff „Verismus“?

Die Oper als Kunstform ist von der Realität entfernt: Geschichten singend zu erzählen ist alles andere als realistisch! Aber die Essenz der Oper besteht auch darin, Emotionen mit Hilfe von Gesang und Musik zu vermitteln. Der Verismus in der Musik ist mit dem literarischen Verismus von Autoren wie Giovanni Verga verbunden, der durch simple und volkstümliche Geschichten bekannt wurde. Für mich behandelt der Verismus Geschichten, die aus dem wahren Leben stammen mit glaubwürdigen Figuren, gespielt von Sängern, die fähig sind sich gänzlich in die Geschichte hineinzuversetzen und gleichzeitig Emotionen vermitteln. 

Äußert sich das ebenfalls in dem sehr ausgearbeiteten Bühnenbild?

Unser Bühnenbild enthält zahlreiche „realistische“ Details aber es ist vor allem so konzipiert, schnelle Wechsel zu ermöglichen beispielsweise zwischen beeindruckenden Chorszenen und intimen Momenten und präsent in beiden Werken zu sein. Unsere Geschichte spielt auf dem großen Platz einer kleinen Stadt. Dank einer Drehbühne, können wir schnell „heranzoomen“ und „wegzoomen“. In der Mitte ist die Bäckerei von Mamma Lucia, eine ältere Figur. Ich stelle mir vor, dass sie bereits ähnliche Situationen von Gewalt aus ihrer Vergangenheit kennt…Es ist ein Ort mit dem man viele Erinnerungen verbindet und ein sehr „menschlicher“ Ort, wo man mit den Händen arbeitet. Das Innere der Bäckerei kann genutzt werden, aber ebenso der Außenbereich für Festlichkeiten oder für eine religiöse Prozession…Es ist für mich wichtig, dass dieser Bereich den Intrigen helfen kann, sich zu entfalten.

Sie haben die Gewalt erwähnt, die dieser Geschichte innewohnt. Wie setzen sie im Wesentlichen die Gewalt auf der Bühne um?

Dafür habe ich keine Regeln…Ich versuche einfach die Geschichte mit Ehrlichkeit anzugehen. Manchmal entscheidet man sich die Gewalt zu unterstreichen, wenn es hilft das Konzept der Darbietung zu untermauern. Wenn man Pagliacci aus der heutigen Sicht betrachtet, würde Canio ins Gefängnis kommen. Er ist ein Monster: er tötet eine Frau aus Eifersucht! Dennoch ist es in diesem Falle nicht mein eigentliches Ziel den Mord zu zeigen: ganz im Gegenteil, ich will mit den menschlichen Beziehungen arbeiten und der Spannung die aus der Parallelität zwischen dem Leben der Schauspieler und dem Stück, dass sie spielen entsteht: was dies in Canios Geist weckt und wie es ihn verrückt werden lässt.

Was stellt es für sie da, diese Produktion mit zwei Distributionen wiederaufzunehmen?

Bei einer Wideraufnahme sind zahlreiche Elemente schon festgelegt, aber wie ich schon sagte, erfordert dieses Repertoire, dass die Sänger authentische Emotionen vermitteln können. Es ist also wichtig, dass die Sänger und der neue Leiter die Freiheit haben, etwas Persönliches, etwas an was sie glauben, mit einzubringen. Ich versuche selbst neue Facetten auf der Basis ihrer Persönlichkeiten, ihrer Vorstellung, und ihrer körperlichen Erscheinung zu entdecken…Von da aus ist ein kreativer Austausch möglich und das ist genau das, was mich an diesem Beruf glücklich macht.

Aussagen erfasst von Marie Mergeay