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Baus/ La Monnaie De Munt

La Monnaie / De Munt

Dialogues des Carmélites

Rückblick | Poulenc

Diese Vorstellung ist nicht mehr als Video auf unserer Plattform verfügbar. Sie können aber weiterhin das zusätzliche Material der Produktion nutzen.

Eine faszinierende Inszenierung von Olivier Py mit Patricia Petibon in der Rolle von Blanche.

Blanche de la ForcePatricia Petibon
Chevalier de la ForceStanislas de Barbeyrac
Beichtvater der KarmelGuy de Mey
Gefängniswärter, Thierry, JavelinotNabil Suliman
Madame de CroissySophie Pondjiclis
Madame LidoineVéronique Gens
Mutter Maria von der MenschwerdungSophie Koch
Schwester Constance vom heiligen DionysiusSandrine Piau
Mutter Jeanne vom Kinde JesuMireille Capelle
Schwester MathildeAngélique Noldus
Erster KommissarYves Saelens
Zweiter KommissarArnaud Richard
ChorLa Monnaie Chorus + Choral Academy of La Monnaie
OrchesterLa Monnaie Symphony Orchestra


MusikFrancis Poulenc
LibrettoFrancis Poulenc, Georges Bernanos
Musikalische LeitungAlain Altinoglu
InszenierungOlivier Py
BühnePierre-André Weitz
KostümePierre-André Weitz
LichtBertrand Killy
ChorleitungMartino Faggiani

Akt 1

Während der Revolution beschließt die junge und ängstliche Blanche, Tochter des Marquis de la Force, Nonne zu werden. Bevor sie dem Kloster der Karmelitinnen von Compiègne beitritt, versucht die Priorin ihre wirklichen Absichten zu enthüllen und erinnert sie daran, dass das Kloster kein Versteck ist, sondern von seinen Mitgliedern geschützt wird. Blanche bleibt entschlossen und die Priorin segnet sie.

Als sie ankommt, trifft Blanche die junge Schwester Constance, ein freudiges und lebenslustiges Mädchen. Sie sagt voraus, dass sie beide in jungen Jahren und am selben Tag sterben werden. Kurz daraufhin stirbt die Priorin an einem qualvollen Tod, der Blanche tief trifft. Als sie ihre neue Schülerin segnet, übergibt die Priorin Mutter Marie die Verantwortung von Blanche.

 

Akt 2

Die neue Priorin warnt das Kloster vor dem bevorstehenden Elend und ermutigt die Schwester stark und bescheiden zu bleiben. Blanches Bruder, der Chevalier de la Force, kommt an und bittet seine Schwester mit ihm vor dem kommenden Terror zu fliehen. Doch Blanche möchte in jedem Fall bleiben, selbst wenn sie deshalb sterben würde.

Während der Beichtvater ankündigt, dass er sich verstecken muss, warnt die Priorin die Schwestern vor dem Stolz und der Versuchung des Märtyrertodes und sagt, dass nur Gott über ihr Schicksal entscheiden kann. Nach ihren Worten betritt eine wütende Menge das Kloster, um die Nonnen zu vertreiben.

 

Akt 3

Mutter Marie versucht in der Abwesenheit der Priorin ihre Mitschwestern zum Märtyrertod zu überreden und darüber geheim abzustimmen. Blanche ist dagegen, was die Abstimmung ungültig macht. Constance behauptet, dass es ihre Stimme war und sie sich noch unsicher sei. Verängstigt flieht Blanche. Mutter Marie findet sie traumatisiert vom Tod ihres Vaters in ihrem ehemaligen Haus auf. Sie erklärt, dass Blanche womöglich ihr eigenes Leben, aber nicht ihre Seele gerettet hat. Kurz darauf erfährt Blanche, dass die Karmelitinnen verhaftet wurden.

Zum Tode verurteilt gehen die Schwestern zum Schafott, in der Begleitung eines schönen Salve Regina. Blanche erhebt sich friedlich aus der Menge, um Constance bei diesem letzten Schritt zu begleiten.

„Was bedeutet ein christliches Leben in einer Welt ohne Religion? Die Aufgabe unserer Generation wird es nicht sein, sich wieder "große Dinge" zu wünschen, sondern unsere Seele vor dem Chaos zu bewahren, sie zu behalten und in ihr den einzigen Besitz zu sehen, den wir vor einem brennenden Haus als unser „wichtigstes Gut“ bewahren. Gott gibt uns zu wissen, dass wir leben müssen als solche, die mit dem Leben ohne Gott fertig werden. Der Gott, der mit uns ist, ist der Gott der uns verlässt.“ - Dietrich Bonhoeffer

Die Geschichte der Märtyrinnen von Compiègne geht auf die Zeit während der Französischen Revolution zurück und wurde von Mutter Marie de l'Incarnation de Dieu erzählt, die diesen Terror überlebt hatte. In den 1930er Jahren wurde diese historische Tatsache als ein Roman von der Deutschen Gertrud von Le Fort angepasst. Sie fügte den fiktiven Charakter von Blanche de La Force ein, dessen Name offensichtlich von ihrem eigenen Namen inspiriert wurde. Ende der 1940er Jahre entschloss sich der Widerstandskämpfer Pater Brückberger eine Filmadaption des Romans von Le Fort zu erstellen und bat den französischen Schriftsteller Georges Bernanos das Drehbuch der Dialogues des Carmélites zu schreiben. Der Autor, der an Krebs litt, legte den Schwerpunkt seiner Geschichte auf die Glaubenskrise der sterbenden Priesterin, den Tod und auf seine eigenen religiösen Obsessionen. Sein für das Kino unpassende Skript wurde schließlich abgelehnt, doch Anfang der 1950ger Jahre erschien es als Theaterstück. Diese Version wurde Poulenc vom Herausgeber Ricordi als Libretto vorgeschlagen und von ihm mit Freuden angenommen.

Donnerstag den 7. Dezember 2017 unterhielt sich der Philosoph und Autor Laurent de Sutter mit dem Regisseur Olivier Py, Leitung des Festival d’Avignon, über Les Dialogues des Carmélites, das erst vor kurzem im Théâtre Royal de la Monnaie aufgeführt wurde.

Laurent de Sutter: Differenzieren Sie zwischen Oper und Theater? Wenn ja, wie? Und gibt es einen Grund sie zu unterschieden?

Olivier Py: Der Unterschied ist der Gesang. Ich selbst mag nur gesungenes Theater. Auch wenn es nicht gesungen wird, muss es gesungen werden. Für mich ist ein Schauspieler gleichzeitig auch ein Sänger. Wenn ein Schauspieler nicht singt, spielt er für das Kino oder für das Fernsehen. Außerdem werden einige Schauspieler dafür kritisiert, zu korrekt zu singen. Ich habe immer nach lyrischen Schauspielern gesucht, die den Text sangen, und nach denen, die in diesem Gesang die Darstellung des Menschen zerschmetterte. Der heutige Mensch, der auf das Fernsehen konzentriert ist, hat folgende Probleme: Er kann seine Miete nicht bezahlen, er wird sich scheiden lassen usw. Das sind die Probleme, die ich Bourgeoisie nenne.

Der tragische Schauspieler hat keine Probleme, alles ist schon tot. Die Bürger sind diejenigen, die Probleme haben. Wenn ich mit Gefangenen arbeite, was durchaus sein kann, haben sie keine „Probleme“: Es geht um das Überleben. Um das Überleben ihrer Würde. Das ist alles, worüber sie reden. Sind wir immer noch Männer oder sind wir Zahlen? Wie bewahre ich meine Würde? Und manchmal kommt es auf eine nasse Zigarette oder einen Hut, den man nicht absetzten will, an.

Ich denke zu dieser Zeit, direkt nach Auschwitz, konnte man sich nicht damit begnügen, Menschen darzustellen, die Probleme haben… Probleme, die sogar interessant sind! Es muss einfach gesungen werden. Es ist der Gesang, der mich die Oper lieben lässt. Was ich gerade gesagt habe klingt vielleicht wie eine Doppelaussage, aber es gibt viele Opern, in denen nicht gesungen wird und es Sänger gibt, die nicht singen.

Ich selbst bin Amateursänger. Es singt nicht immer, auch wenn sie singt. Niemand weiß, was dieses „Ding“, dieses „Es“ ist, ich sogar weniger als die anderen und je mehr ich mich nach vorn in meinem Leben begebe, desto weniger weiß ich es. Doch es ist die Fähigkeit, auf einmal eine tiefere Katharsis zu schaffen. Bei Katharsis stellen sich die Leute ein „Ah ja, meine Großmutter hatte auch einen Krebs, wie traurig das doch ist“ vor. Wir hören die Geschichte von jemandem, der Krebs hatte, in diesem Fall, die von unserer Großmutter, die Krebs hatte. Diese Geschichte rührt mich… Keineswegs! Katharsis ist das komplette Gegenteil: Ich habe das nie gelebt, dieser Charakter hat nichts mit mir zu tun, ich werde nie dieselbe Erfahrung machen, dann weine ich. Es ist das genaue Gegenteil. Es geht darum, die eigene Menschlichkeit zu entdecken. Meiner Meinung nach sind das bei Künstlern im Allgemeinen diejenigen, die es am besten machen, die vielleicht auch die einzigen sind, die es überhaupt tun, das sind die Sänger. Sie sind die einzigen Menschen, die ich auf dieser Welt bewundere. Ja, es sind die Sänger. Die Sänger und die Heiligen. Mein ganzes Leben lang wollte ich ein Sänger ... oder ein Heiliger sein. Ich könnte aber nie so ein Heiliger, wie den, den ich kannte, werden. Auch die Karriere als Sänger hing ich schnell an den Nagel, da ich dazu nicht in der Lage gewesen wäre. Zu viel Arbeit hätte mich da erwartet.