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Marc Douet

Garsington Opera

Die Hochzeit des Figaro

Rückblick | Mozart

Diese Vorstellung ist nicht mehr als Video auf unserer Plattform verfügbar. Sie können aber weiterhin das zusätzliche Material der Produktion nutzen.

Großartige Vorstellungen in John Cox‘ Produktion dieser Mozartoper, mit einem unvergesslichen Figaro gesungen von Joshua Bloom.

FigaroJoshua Bloom
SusannaJennifer France
Doktor BartoloStephen Richardson
MarcellinaJanis Kelly
CherubinoMarta Fontanals-Simmons
Don BasilioTimothy Robinson
Graf AlmavivaDuncan Rock
Gräfin AlmavivaKirsten MacKinnon
AntonioAndrew Tipple
Don CurzioAlun Rhys-Jenkins
BarbarinaAlison Rose
BrautjungfernHollie-Anne Bangham, Hazel McBain
ChorChor der Garsington Opera
OrchesterOrchester der Garsington Opera


MusikWolfgang Amadeus Mozart
LibrettoLorenzo da Ponte
Musikalische LeitungDouglas Boyd
InszenierungJohn Cox
Stellvertretender RegisseurBruno Ravella
BühneRobert Perdziola
LichtMark Jonathan
BewegungsregisseurKate Flatt

Für Viele fühlt sich der Hochzeitstag dramatisch, aufregend, nervenkitzelnd - ja fast sogar wie eine Oper an. Mozarts Figaro ist buchstäblich eine Oper! Das Spektakel findet an einem Tag auf dem Schloss Aguas Frescas, in der Nähe von Seville, statt.

1. Akt; Es ist der Tag der Hochzeit von Figaro und Susanna, die Kammerzofe der Gräfin. Figaro, der Kammerdiener des Grafen, beurteilt das Schlafzimmer, das ihm von seinem Dienstherrn angeboten wurde: es grenzt praktischerweise an den Zimmern des Grafen und der Gräfin an. Susanna weist darauf hin, dass das Zimmer immer noch praktischerweise naheliegt, wenn der Graf das „Droit de Seigneur”, ein feudales Gesetz, das dem lokalen Grafen erlaubt, die Braut zu entjungfern, zurückberuft. Ein Gesetz, das er erst kürzlich abschaffte. Figaro entscheidet sich seinen Meister zu überlisten (‘Se vuol ballare,’ If you want to dance, I’ll play the tune).

Aber Figaro schuldet Marcellina immer noch Geld und hatte ihr damals versprochen sie zu heiraten, wenn er es nicht schaffen sollte seine Schulden zu begleichen. Er hatte ebenfalls den Zorn von Dr. Bartolo, der ehemalige Beschützer der Gräfin, auf sich gezogen, da er half die Hochzeit des Grafen und der Gräfin zu Stande zu bringen. Zudem bittet der junge Page Cherubino Susanna um Fürsprache bei dem Grafen, der ihn entlassen hatte, nachdem er ihn alleine mit Antonios Tochter Barbarina erwischt hatte. 

Plötzlich erscheint der Graf, der Verwirrung stiftet. Cherubino versteckt sich und hört die Annäherungsversuche des Grafens an Susanna. Der Graf wiederum versteckt sich und überhört Basilio, den Musiklehrer, der Unterstellungen über Cherubino und der Gräfin macht. Der Graf kommt zum Vorschein, entdeckt den unglücklichen Pagen und verweist ihn in seine Armee.

Der 2. Akt beginnt mit der weinenden Gräfin, die über den Grafen jammert, der sie nicht mehr liebt („Porgi amor“). Figaro verrät seinen Plan den Grafen zu überlisten: Er versandt ihm einen anonymen Brief, der besagt, dass die Gräfin einen Liebhaber besitzt. Susanna weist darauf hin, dass Marcellina immer noch die Schulden erlassen und man so die Hochzeit verhindern kann: ein zweiter Plan wird geschmiedet. Susanna stimmt einem Treffen mit dem Grafen in dem Garten zu, doch Cherubino wird als sie getarnt erscheinen. Figaro beauftragt seine Frau Cherubino angemessen zu kleiden.

Der Page turtelt mit den Frauen, indem er seine neueste Komposition („Voi che sapete“) vorsingt. Er war noch halbnackt, als der Graf ankam. Durch Figaros Brief ist er eifersüchtig und wütend. Cherubino, der sich im Kleiderschrank versteckt hat, stößt einen Stuhl um. Panisch gibt die Gräfin vor, dass das Geräusch von Susanna kommt, aber verweigert ihm die Tür zu öffnen. In der Zwischenzeit rettet Susanna Cherubino, der aus dem Fenster geflüchtet ist. Susanna sperrt sich selbst in den Kleiderschrank.

Die Gräfin versucht ihrem Ehemann zu erklären, warum sich Cherubino im Kleiderschrank befindet. Sie ist genauso überrascht wie der Graf, als Susanna zum Vorschein kommt. Die zwei Frauen täuschen vor, dass der Vorfall ein Trick war, um den Grafen davon zu überzeugen, seine Gemahlin besser zu behandelt. Sie gestehen, dass Figaro den Brief schrieb, der sich danach zu ihnen gesellt, ahnungslos von der Offenbarung der Frauen an den Grafen. Als Bartolo, Basilio und Marcellina gegen Figaro Klage, um ihn zur Heirat zwischen ihm und Marcellina zu zwingen, erheben, triumphiert der Graf.

Die Gräfin und Susanna eröffnen den dritten Akt mit einem Plan, um das amouröse Vorhaben des Grafens zu verhindern. Susanna stimmt einem Treffen am Abend im Garten mit dem Grafen zu, doch die Gräfin wird getarnt als ihre Magd hingehen.

Auf den Rat ihres Richters Don Curzio, bestand der Graf darauf, dass Figaro seine Schulden an Marcellina begleicht oder er sie auf der Stelle heiratet. Figaro wird zeitgerecht durch die Enthüllung seiner Verwandschaft zu Marcellina gerettet, denn er ist der verschollene Sohn von ihr und Bartolo. Alle, außer der Graf und Don Curzio umarmen sich vor Freude.

Endlich kann die Hochzeit von Figaro und Susanna gefeiert werden. Cherubino ist unmaskiert inmitten der Brautjungfern. Barbarina beschimpft den Grafen dafür, dass er Cherubino auf dem Schloss bleiben ließ. Susanna gibt dem Grafen den Brief der Gräfin, um dem späteren Treffen unter den Pinien zuzustimmen.

Alle warten im Garten: Der Graf und Figaro auf Susanna. Die Gräfin auf den Grafen. Bartolo und Basilio um die Wiederberufung des „Droit de Seigneur” zu bezeugen. Figaro schimpft Susanna für ihre Treuelosigkeit (“Aprite un po’quegli occhi”) während sie sich auf die Folgen ihres Plans freut („Deh vieni, non tardar“).

Cherubinos Anwesenheit ist vermutlich ein Disaster, jedoch erscheint der Graf und wirbt um „Susanna”, tatsächlich um seine Gemahlin. Der eifersüchtige Figaro wird mit Susanna konfrontiert, getarnt als Gräfin. Er erkennt seine Braut wieder, woraufhin sie sich versöhnen. Der Graf beobachtet die Beiden und glaubt seine Frau in den Armen seines Kammerdieners zu sehen. Er verurteilt sie. Die wahre Gräfin nimmt ihre Maske ab und vergibt ihrem Ehemann. Der Tag endet mit einer Feier.

Im Gespräch mit John Cox und Dougie Boyd

Wo fangen wir am besten an um über, so wie es John Cox ohne zu zögern ausdrücken würde, die „beste Oper, die jemals geschrieben wurde“ zu sprechen? Wir setzen uns dafür ein, dass alles im Rahmen eines einzigen Tages stattfindet und, dass das Publikum direkt in das Leben der Charaktere eingetaucht wird.

„Diese Komplexität und die Möglichkeit, dass verschiedene Gefühls- und Gemütszustände gleichzeitig durch die Musik ausgedrückt werden können, ist einzigartig“, stimmt ihm Boyd zu. „Es ist wie in einer der magischsten Momente in Peter Shaffers Amadeus“, erzählt er. Vor Kurzem besuchte er diese Vorführung im National Theater. Seitdem kreisen sich seine Gedanken nur noch darüber. „Nach Mozart ist die Musik die einzige Kunst, mit der man zur selben Zeit, z. Bsp., vier Menschen vier verschiedene Gefühle ausdrücken lassen kann. Ich stimme ihm da zu, denn er ist der Experte in diesem Gebiet. Wenn man selbst im Publikum sitzt, muss man seine Aufmerksamkeit nicht von einem zum anderen Charakter wenden, sondern kann einfach vernehmen, dass die eine Person verliebt, die andere verzweifelt, sie ängstlich und er wütend ist. Beethoven hat das wunderbar in seinem „Mir ist so wunderbar” in Fidelo gemacht“. „Und so macht es auch Haydn“, schließt Cox sich an. „Das hätte durchaus eine Idee von Mozart sein können.“

Um diesen Gedankenweg an komplexen und individuellen Ideen und Emotionen klar und kommunikativ zu machen, schlagen Mozart und Da Ponte einen neuen Weg ein. Sie geben jedem einzelnen Charakter, wie dem Meister, dem Grafen Almaviva und Barbarine, die die Tochter des Gärtners ist, einen eigenen Stellenwert, ihre Wichtigkeit und Individualität.

Cox und Dougie Boyd haben zuvor schon an dieser Oper und an Fidelio zusammengearbeitet. Die zwei sind ein gutes Team und akzeptieren die Meinung des anderen.

Es sei eine Frage des Impulses innerhalb des geringen Zeitraumes, denkt Boyd. Auch wenn es sich um ruhige Musik handelt, ist sie nie ruhend. Aus der seiner leitenden Sicht ist es nichts, was mit dem Takt oder der Geschwindigkeit zu tun hat, sondern alles mit einem Rad, das sich immer weiterdreht.

Das gelte für alle der drei Da Ponte Opern, fügt Cox hinzu. Don Giovanni und Così fan tutte könnten, nach seiner Meinung, innerhalb einer Nacht und eines Tages stattfinden. Die Zeitspanne ist nicht viel länger als ein Tag. „Die Hochzeit von Figaro handelt genauso von der Hochzeit zwischen dem Grafen und der Gräfin, wie von der Hochzeit zwischen Figaro und Susanna. Zu Beginn der Oper gibt es Probleme mit der ersten Hochzeit. Die andere findet im dritten Akt statt, doch im vierten Akt steht sie kurz vor dem Ende. Diese komplexen Umstände sind dramatisierend und musikalisch zugleich, wie die beiden Hochzeiten, dessen Schicksal stark miteinander zusammenhängt“, sagt Cox.

„Dieses Stück wird jetzt das dritte Mal auf die Bühne gebracht. Da frage ich mich, was die Königin von dieser Oper hält. Kennt sie die Geschichte? Zur Feier des 50. Jahrestages von Glyndebourne, wurde sie zu einer Vorstellung eingeladen. George Christie, der Vorstand, bat ihr die Möglichkeit eine Oper der Saison frei auszuwählen. Sie blickte auf die Liste und sagte: „Figaro? Das ist die mit der Nadel. Die habe ich schon gesehen!“ Und sie hatte Recht!“, gesteht Cox. „Barbarina ist kein Hauptcharakter der Oper. Aber durch den Verlust eines winzigen Dinges, wie ihrer Nadel wird sie unwissentlich ein Instrument vom Verderben des Grafen und bringt Figaro an den Rand des Abgrunds. Da Ponte hat das perfekt aufs Papier gebracht.“

Boyd beginnt zu Lachen und meint, dass alles an dem verheerenden und wunderschönen Moment zusammenkommt, an dem der Graf seine Gräfin um Vergebung bittet. Er erinnert sich an die letzte Probe dieser Szene, die er leitete. Die Gräfin kam hinter einer Venusstatue hervor. Die Musik machte den Moment unbeschreiblich großartig und man stoppte plötzlich die Probe und fragte sich: „Das ist alles, was es für diese Oper braucht?“

Beide Männer lachen laut auf. Cox meinte, dass es eine anstrengende Probe war. Die Beleuchtung musste optimiert werden, die Statue sollte den Anschein machen, dass sie schon seit mehreren hunderten von Jahren, und nicht erst seit 10 Minuten, an diesem Platz steht. Doch da dachte er sich: „Diese Unstimmigkeiten werden von der Musik beseitigt“. Nach einer kurzen Pause wandte er sich zu Boyd und sagte scherzhaft: „Und du halfst mir nicht mal dabei“. Doch nach einer schnellen, freundschaftlichen Versöhnung war auch diese Problem gelöst.