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Pierre Grosbois

Opéra Comique

La Princesse légère

Rückblick | Cruz

Es war einmal eine schwerelose Prinzessin der die Schwerkraft der Erwachsenenwelt fremd war. Wer wird es wohl schaffen sie wieder auf die Erde zurückzuholen.

Diese Vorstellung ist nicht mehr als Video auf unserer Plattform verfügbar. Sie können aber weiterhin das zusätzliche Material der Produktion nutzen.

Die Prinzessin, die Amme 1Jeanne Crousaud
Die KöniginMajdouline Zerari
Der Prinz, der ErzählerJean-Jacques L’Anthöen
Der KönigNicholas Merryweather
Der Arzt Déjanthé, die Amme 2Kate Colebrook
Der Arzt Malofoi, der Page, die HexeGuy-Loup Boisneau
ViolineAlexandra Greffin-Klein
KlarinetteBogdan Sydorenko
AkkordeonJean-Etienne Sotty
OrchesterEnsemble Court-Circuit


MusikVioleta Cruz
LibrettoGilles Rico
Musikalische LeitungJean Deroyer
InszenierungJos Houben und Emily Wilson
BühneOria Puppo
KostümeOria Puppo
LichtNicolas Simonin
BewegungsregisseurEric Nesci
Herstellung der elektronischen Musik IrcamAugustin Muller
ZaubererCarmelo Cacciato
Kulissen AssistentinRoberta Chiarito
Kostüm AssistentinClémentine Tonnelier
GesangsleiterJuliette Journaux

Ein König und eine Königin bekommen nach langem Warten ein Kind. Vom väterlichen Glück überwältigt, vergisst der König seine Schwester, die Hexe Folerpès, zu der Taufe des kleinen Mädchens einzuladen. Um sich zu rächen, verflucht die Hexe den Säugling: ihrem Gewicht beraubt, bewegt sie sich nach dem Belieben der Luftströmungen fort. Die schöne Prinzessin wird älter und lacht unentwegt über alles.

Ihre Eltern sind gequält von der Schwerelosigkeit ihrer Tochter und bitten die exzellenten Ärzte, Déjanthé und Malofoi um Rat. Um den Fluch zu brechen, müsse man sie zum Weinen bringen. Der Prinzessin Hélas ist es aber unmöglich auch nur eine Träne zu vergießen. Während einer Bootsfahrt, fällt die Prinzessin in den Nachbarsee des Schlosses. Da das Wasser ihr etwas Schwerkraft verleiht, verbringt sie von nun an die meiste Zeit damit, im See zu schwimmen.  Während einer Sommernacht, entdeckt ein Prinz die sich amüsierende Prinzessin im See. Er verliebt sich unsterblich in sie. Trotz ihrer Gleichgültigkeit, trifft die Prinzessin ihn jede Nacht. Die Hexe Folerpès verflucht also auch den See, der sich daraufhin leert.

Zunächst verschließt sich die Prinzessin in ihrem Zimmer und um sie wiederzusehen, lässt der Prinz sich als Schuhputzer am Palast einstellen. Danach stellt sich heraus, dass nur ein Opfer das Wasser in den See zurückbringen kann. Der Prinz meldet sich freiwillig: er ertränkt sich in Anwesenheit der Prinzessin, sodass sich der See wieder mit Wasser füllt. Als die Prinzessin den leblosen Körper aus dem Wasser zieht fängt sie plötzlich an zu weinen. Der Prinz erwacht und die Prinzessin erlangt endlich ihre Schwerkraft wieder und macht ihre ersten Schritte auf der Erde.

Im Studio der Komponistin

Ein Treffen mit Violeta Cruz

Die Partitur von La Princesse légère beinhaltet zwei recht unterschiedliche Teile. Im ersten Teil der Partitur handelt es sich bei dem vorherrschenden Charakter um den Rhythmus. Hier werden das Spiel und die Energie der kindlichen, lebhaften, freudigen und luftigen Prinzessen beschrieben. Im zweiten Teil ist die Harmonie der vorherrschende Charakter. Dieser Teil ist poetischer und nimmt uns mit in die Gefühlswelt der jugendlichen Prinzessin, die von der Nacht und der Natur umgeben ist.

Ein Orchester erfinden

Als ich mit der Musik angefangen habe, lernte ich erst einmal Klavier. Danach habe ich Klarinette gespielt. Anschließend habe ich im Alter von 18 Jahren angefangen zu komponieren. Ich habe es immer geliebt zu singen. Keine Oper oder komische Oper, aber populäre lateinamerikanische Lieder aus meinem Heimatland Kolumbien, aus Mexiko, aus Argentinien…

In der Partitur von La Princesse légère gibt es ein Streichquintett: zwei Violinen, eine Bratsche, ein Violoncello und ein Kontrabass. Die Klangfarben dieser Instrumente sind sehr fein und vielfältig. Aber zusammen können sie sehr Kraftvoll und manchmal gar Gewaltig klingen. Anschließend habe ich Instrumente ausgewählt, die für mich das Lachen verkörpern, wie die Klarinette, die mit einer klassischen Eleganz lacht, die Posaune die eher ein fettes schweres lachen hat oder das Akkordeon, was mit dem Faltenbalg ein eher volkstümliches Lachen erzeugt. Ich habe auch ein Spielzeuginstrument aus meiner Kindheit mit einbezogen: ein Schlagstock, der an einer Kugel befestigt ist, wo es eine Zunge und ein Faltenbalg gibt (wie im Akkordeon). Wenn man es bewegt, fängt es an zu lachen (so funktioniert auch die Muh-Dose). Schließlich ist die Flöte in der Höhe für den luftigen Stil verantwortlich.

Normalerweise beginnen die Komponisten ihre Musik erst mit dem Klavier zu schreiben, bevor sie sich an die Orchestrierung machen. Ich beginne mit dem Gesang und dem Schlagwerk. Mit meiner Stimme und Instrumenten die ich einfach in der Hand halten kann forme ich das Skelett meiner Musik. Wenn ich das tue, habe ich das Gefühl das ganze Orchester selbst zu spielen!

Ich habe viele Perkussionsinstrumente gesammelt, aber ich habe sichergestellt, dass sie von einem einzigen Musiker gespielt werden können. Die meisten von ihnen sind aus Holz, da ich die am liebsten mag. Vor allem die Marimba mag ich besonders gerne, ein Xylophon mit afrikanischen Wurzeln, welches sehr präsent in der populären Musik Kolumbiens ist und welches für mich Wasser verkörpert und somit perfekt für den See ist. Ich mag auch gerne nichtresonante Perkussionsinstrumente ohne Höhen. Zum Beispiel nutze ich gerne die Ratsche: sie hat ein begrenztes Potenzial aber erzeugt immer einen Effekt! Letztendlich mag ich diese abgeriebenen oder abgekratzten Klänge einfach sehr gerne. Diese, die man zum Beispiel mit dem Güiro (Ratschgurke) erzeugt oder indem man einen Stift über die Spiralen eines Blocks führt…

Apropos Gegenstände, davon benutze ich einige in meiner Musik und füge sie dann zu den Orchesterinstrumenten hinzu. Ich benutze zwei Weingläser verschiedener Größen, zwei Plastikdeckel und zwei Pappbecher. Das schafft drei kleine Klangfamilien, beziehungsweise Klangpaare mit zwei jeweils unterschiedlichen Tonlagen.

Fast alle Gegenstände können zu Instrumenten gemacht werden. Die Szene, in der der Prinz die Schuhe der Prinzessin putzt, ist von reibenden Tönen begleitet, die durch eine Bürste auf Styropor, Karton, Papier…und auf einem Tamburin erzeugt werden.

Mit den Musikalischen formen spielen

Ich hatte Lust die musikalischen Formen, die der historischen Zeit der Princesse légère entsprechen, zu nutzen und auszuarbeiten. Die Tatsache am Schreibprozess des Librettos des Stückes meiner Komplizen Jos, Emily und Gilles, teilzunehmen, hat es mir erlaubt die Partitur mit ihnen zu erstellen, während sie ebenfalls auf meine musikalischen Wünsche eingingen.

So hat mir die Prinzessin als Kleinkind mit ihrer Verspieltheit Lust gegeben, einen echten wiedererkennbaren Kinderreim zu schreiben. Beim Schreiben der Partitur habe ich mir alle Freiheiten genommen, sogar die Kombination von einer zeitgenössischen und abstrakten Musik mit alten, populären und wiedererkennbaren Formen.

Für die Szene, in der der König zu seiner Schwester der Hexe gehen muss, es sich aber nicht traut, habe ich eine rhythmische Basis aus dem Jazz, nämlich den walking bass genutzt: durch die unaufhaltsame Schrittbewegung des Basses, wird die Blockade des Königs zur Schau gestellt. Die wunderbare Improvisation des Sängers und Kontrabassisten Fantazio, den ich bewundere, hat mich zu dem verwirrenden gesanglichen Teil in dem der König nicht mehr seine Wörter findet, inspiriert.

Aus Vorliebe zu dem populären Südamerikanischen Lied, wollte ich nicht nur lyrische Arien, sondern auch Gesänge die die Freude am Singen selbst verkörpern machen. Das Lied der Prinzessin, bietet somit keine technische Demonstration, sondern ist wie das eines kleinen Mädchens.

Die Schwester des Königs hat eine zwiespältige Persönlichkeit, sie ist gleichzeitig weise und böse, Mensch und Tier, alte Dame und Hexe. Diese Mehrdeutigkeit wollte ich durch die Erfindung eines Hexengesangs vermitteln, der eher eine Äußerung sein sollte, eine animalische Stimme die nicht sehr menschlich ist. Ich habe das Gesprochene und den Gesang mit weiblichen und männlichen Klangfarben und tiefen und hohen Tönen vermischt. Mit dem Darsteller, der ein Mann ist, Guy-Loup Boisneau, haben wir viel Zeit damit verbracht, die Eingliederung jeder Intonation in jedes Wort einzeln zu ermessen!

Es gibt noch viele weitere musikalische Formen: Chöre, die das Wasser des Sees nachahmen, ein Lamento (Klagelied), das von der Prinzessin gesungen wird als der See austrocknet, ein Trauermarsch, als sie den Prinzen zu seiner Aufopferung begleiten…

Aus dem lachen einen gesang machen

Das ist nichts Neues: wenn ein Lachen klangvoll ist, ist es häufig wie die gesungene Stimme platziert. Man sagt auch „aus vollem Halse lachen“ um gleichzeitig das Klangvolumen und den weit geöffneten Mund zu beschreiben. Manche Opernkomponisten haben das Lachen in ihre Partituren mit eingebracht und es sogar komponiert. Die Bekanntesten „Lacher“ sind in der Arie „L’Éclat de rire“ von Manon aus der gleichnamigen komischen Oper von Auber und die „Air des bijoux“ von Marguerite in Faust von Gounod gesungen – das „Ah! Je ris de me voir si belle“ von Castafiore…

Für das Lachen der Prinzessin als Kleinkind habe ich lange Zeit ein echtes Baby im Alter von einem Jahr aufgenommen, dass mit sehr viel Talent lacht, Loula Bernard.

Für das Lachen der Prinzessin als junges Mädchen, habe ich mit Jeanne Crousaud eine ganze Lachpalette erarbeitet. Mehr oder weniger gesungen, frech, spöttisch, hysterisch, Lacher die sich manchmal von dem Ende eines Wortes loslösen, ein Seufzer, oder einer der sich in eine hüpfende Notenfigur der Violinen verwandelt. Es gibt sogar zwei Passagen in denen das ganze Orchester lacht!

Mit der Elektronik haben wir menschliche Lach Töne kreiert, was zu instrumentalen Lachern wird.

Die Kommentare wurden von Agnès Terrier für die Opéra Comique Paris erfasst