Wenn Giuditta singt, steht die Zeit still. Zahllose Männer versuchten sich bereits daran, die als Paradiesvogel geltende Frau mit diamantenen Halsketten einzufangen und in einen goldenen Käfig zu sperren. Ohne Erfolg: Ihre Freiheit behütet die schöne Giuditta ebenso sorgsam wie ihre Geheimnisse. Niemand kennt ihre wahre Geschichte, weder der Vogelfänger, der sie eines Tages am Strand traf und sie ohne Fragen zu stellen heiratete, noch der gutaussehende Legionär Octavio, mit dem sie nach Nordafrika davonlief …
Lehárs letzte Operette, die er selbst als „musikalische Komödie“ bezeichnete, ist Puccinis großen Opern ähnlicher als den amerikanischen Musicals, davon zeugt nicht zuletzt die pompöse Uraufführung an der Wiener Staatsoper 1934. Giuditta lässt zwar an so manche lyrische Heldin (Carmen, Violetta, Mélisande) denken, doch sie hat auch viel von Marlene Dietrich und ihren ikonischen Rollen als tonangebende Variété-Sängerin in den Filmen Der blaue Engel und Marokko. In der ersten Übertragung von OperaVision aus der Opéra national du Rhin dirigiert Thomas Rösner die französische Fassung dieser bezaubernden Rarität in einer flammenden, von Zirkus und Kabarett inspirierten Inszenierung von Pierre-André Weitz.
BESETZUNG
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Giuditta
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Melody Louledjian
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Anita
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Sandrine Buendia
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Octavio
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Thomas Bettinger
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Manuel, Sir Barrymore, Seine Hoheit
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Nicolas Rivenq
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Séraphin
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Sahy Ratia
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Marcelin, der Attaché, Ibrahim, ein Straßensänger
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Christophe Gay
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Jean Cévenol
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Jacques Verzier
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Der Hotelier, der Oberkellner
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Rodolphe Briand
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Lollita, der Pförtner des Alcazar
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Sissi Duparc
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Der Kellner, ein Straßenmusiker, ein Unteroffizier, ein Fischer
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Pierre Lebon
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Orchester
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Orchestre national de Mulhouse
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Chor
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Chœur de l’Opéra national du Rhin
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Musik
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Franz Lehár
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Text
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Paul Knepler
Fritz Löhner
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Regie, Bühnenbild, Kostüme
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Pierre-André Weitz
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Musikalische Leitung
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Thomas Rösner
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Choreografie
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Ivo Bauchiero
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Licht
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Bertrand Killy
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Chorleitung
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Hendrik Haas
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VIDEOS
HANDLUNG
Erstes Bild
Eine südfranzösische Hafenstadt in den 1930er Jahren. Seraphim und Anita lieben sich innig und geben sich große Mühe, genug Geld für ihre Reise an die andere Seite des Mittelmeers zu verdienen, denn sie hoffen, dort mit ihren Liedern und Tänzen zu Reichtum zu gelangen. Währenddessen wacht der alte Manuel eifersüchtig über seine Frau, die junge und schöne Giuditta, die er am Strand kennengelernt hat und von deren Vergangenheit er nichts weiß. Ihre magnetische Stimme zieht schon bald den Offizier Octavio in ihren Bann. Octavio beschwört Giuditta, ihm nach Afrika zu folgen, wo er sich einem Regiment der Fremdenlegion anschließen soll. Die freiheitsliebende Giuditta ist die Besitzansprüche ihres Gatten leid. Sie nimmt Octavios Vorschlag schließlich an und geht an Bord der Champollion, wo Seraphim und Anita bereits eingeschifft haben.
Zweites Bild
Saada. Seraphim und Anita finden Zuflucht bei Giuditta und Octavio: Sie haben erst ihre Anstellung im Zirkus und dann im Kabarett aufgegeben und sind nun mittellos. Seraphim beschließt, nach Europa zurückzukehren. Er will dort genug Geld verdienen, um anschließend Anita holen und heiraten zu können. Giuditta bietet ihrer Freundin an, an ihrer Seite zu bleiben, während Octavio von seinem Kameraden Marcelin erfährt, dass ihr Regiment bald ins Feld ziehen muss.
Drittes Bild
Octavio hat Giuditta immer noch nicht über seine bevorstehende Abreise informiert. Er ist sehr eifersüchtig und befürchtet, dass sie ihn betrügt und verlässt, sobald sie allein ist. Beim Abschied verlangt Giuditta von Octavio, ihr seine Liebe zu beweisen und bei ihr zu bleiben. Er ist kurz davor, nachzugeben, doch als Marcelin das Wort „Deserteur“ ausspricht, versetzt es ihm einen Stich und er beschließt doch mit seinem Regiment zu ziehen. Vor lauter Verdruss beginnt Giuditta wütend zu tanzen.
Viertes Bild
Tanger. Umringt von ihren Tänzern triumphiert Giuditta auf der Bühne des Kabaretts l’Alcazar, wo der Chansonnier Cévenol und einige Animiermädchen wie die junge Lolitta auftreten. Giudittas Darbietungen begeistern Lord Barrymore, einen reichen Engländer, der sie mit großzügigen Geschenken überhäuft und sie gerne zum Dinner einladen möchte. Letztendlich nimmt sie die Avancen ihres neuen Gönners an. Sie bemerkt Octavio nicht, der sich von seinem Regiment abgesetzt hat, um sie zu suchen.
Fünftes Bild
Eine europäische Hauptstadt. Giuditta ist jetzt eine umjubelte Berühmtheit. Nach einer Vorstellung begibt sie sich in das Privatgemach eines Hotels, um mit einem großen Aristokraten zu dinieren. Der Pianist, der zur Begleitung ihres diskreten Stelldicheins engagiert wurde, ist kein anderer als Octavio. Giuditta erkennt ihn und offenbart ihm ihre unveränderten Gefühle, doch er weist sie zurück: Er ist nicht länger fähig zu lieben.
Louis Geisler, Übersetzt von Inga Frohn
GALERIE