Šárka
Nationaltheater Brünn

Šárka

Janáček
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Gesungen auf
Tschechisch
Untertitel auf
Tschechisch
Englisch

Wer hat das Recht, zu herrschen? Liegt es bei Männern oder Frauen? Im Böhmen der Sagen und Legenden herrschte Fürstin Libuše gemeinsam mit Přemysl. Doch nach ihrem Tod wurden Frauen aus dem Rat verschmäht und die Herrschaft von den Männern allein beansprucht. Die Frauen Böhmens, geführt von Vlasta, wollen dies nicht einfach hinnehmen und entschließen sich, ihr Recht mit Gewalt einzufordern. Daraufhin stellen sie Ctirad und seinen Männern eine Falle. Doch könnte die Liebe diesen wohlüberlegten Plan durchkreuzen?

Es existieren zwei Fassungen von Janáčeks erster Oper Šárka: 1887–1888 stellte der Komponist das Werk lediglich als Klavierauszug fertig, aus dem Jahre 1925 stammt eine überarbeitete und voll instrumentierte Fassung. Obwohl Janáček das Werk viele Jahre lang ruhen ließ, lassen die Geschichte des dramatischen Konflikts zwischen Männern und Frauen sowie die tragische Wendung der Handlung bereits seine spätere Opernsprache erahnen. Es gibt groß angelegte Ensembleszenen und Chöre – besonders reizvoll ist etwa der Frauenchor zu Beginn des zweiten Aktes. Die Musik entfaltet ihre volle Kraft im zentralen Duett zwischen Šárka und Ctirad im zweiten Akt; hier scheint sich Janáček tief in die Figuren und deren erotische Verstrickung hineinversetzt zu haben. Es ist die ursprüngliche Klavierfassung, die das Janáček-Festival in Brno im Jahr 2026 eröffnet, inszeniert von Jiří Heřman eigens für das Besední dům – das Konzerthaus Brno. Den Klavierpart übernimmt der britische Pianist Julius Drake; als Ctirad ist der Tenor Nicky Spence zu hören, die Titelrolle singt die Sopranistin Eliška Gattringerová.

Besetzung

Šárka
Eliška Gattringerová
Ctirad
Nicky Spence
Přemysl
Daniel Kfelíř
Lumír
Ondřej Koplík
Klavier
Julius Drake
Chor
Choir of the Janáček Opera National Theatre Brno
Musik
Leoš Janáček
Text
Leoš Janáček, based on a work by Julius Zeyer
Musikalische Leitung
Dominik Pernica
Regie
Jiří Heřman
Bühne und Kostüme
Dragan Stojčevski
Licht
Jiří Heřman
Dramaturgie
Patricie Částková
Chorleitung
Martin Buchta

HANDLUNG

Den Sturm großer Ereignisse kündigt deine Miene an,
oh Vlasta, und ich stehe am Grabe
und mein Herz stirbt vor Trauer,
auf dass mein Volk dem großen Desaster entgehen möge,
den Wolken, die in deinem Blicke lodern.

Fürstin Libuše und Přemysl herrschten Seite an Seite, doch nach Libušes Tod begannen die Männer, die Frauen von Angelegenheiten des Staates auszuschließen. Nun kommen alle zusammen, um einen Herrscher für zukünftige Generationen unter der Aufsicht von Lumír und Přemysl zu wählen. Das Ergebnis der Wahl teilt sie in zwei unversöhnliche Lager auf; die Frauen verlangen ihre Rechte zurück, aber werden von den Männern vertrieben.

Der Frühling naht und ein Krieger muss ausgewählt werden, um Libušes Grab für das kommende Jahr zu bewachen. Die Wahl wird von Ctirad unterbrochen, dem Sohn von Přemysls altem Weggefährten. Er ist gekommen, um die Rüstung des Helden Trut als der rechtmäßige Erbe zu beanspruchen. Die Wahl der Männer fällt einstimmig aus: Ctirad soll das Grab bewachen, in dem auch Truts Schild und mächtiger Kriegsflegel zu finden sind.

Von Vlasta geführt haben die Frauen Schutz auf Burg Děvín gefunden. Šárka und weitere Kriegerinnen suchen das Grab von Libuše auf, um den dort auffindbaren Schleier und Krone der rechtmäßigen weiblichen Herrscherin zu suchen, der in ihren Augen Vlasta zusteht. Noch bevor Šárka und ihre Mitstreiterinnen in der Grabstätte Krone und Schleier an sich nehmen können, taucht Ctirad in der Rüstung Tuts auf. Die Frauen fliehen, doch ihr erstes Aufeinandertreffen hinterlässt einen starken Eindruck bei Šárka und Ctirad.

Die Frauen kämpfen weiter für ihre Rechte und verfolgen die Männer. Šárka ist hin- und hergerissen zwischen ihrer Mission und ihren Gefühlen für Ctirad. Sie bittet Luna, deren Priesterin sie ist, um die Hilfe der Götter, den rechten Pfad zu wählen. Als die Mädchen ankommen, erneuert sich ihre Zielstrebigkeit und Šárka erzählt ihnen von der Falle, die sie für Ctirad vorbereiten werden: Sie werden Šárka an einer Eiche fesseln und sie dort zurücklassen… Als Ctirad in die Falle tappt, ruft Šárka um Hilfe und gesteht Ctirad, dass sie auf Geheiß Vlastas gefesselt und dem Tode überlassen wurde, da sie die Krone nicht überbringen konnte. Sie bittet ihn, sie zu töten, aber Ctirad weigert sich. Beide kämpfen mit dem Verlangen, die Waffen gegeneinander zu erheben, und der Liebe, die sich zwischen ihnen anbahnt. Ctirad schlägt vor, dass Šárka ihm folgen soll – nicht als Gefangene, sondern aus ihrem eigenen Willen. Für einen kurzen Moment gibt Šárka ihren Gefühlen nach, doch ferne Stimmen kündigen die Rückkehr der Kriegerinnen an und erinnern sie an die Mission, der sie sich verschrieben hat. Sie gibt das Signal, woraufhin Ctirad gefangen und getötet wird. Die Kriegerinnen kehren heim, Šárka bleibt voller Entsetzen über ihre eigene Handlung zurück.

Die Männer haben sich in Vyšehrad versammelt. Lumír bringt den Leichnam Ctirads dorthin, den die Kriegerinnen im Wald weggeworfen haben, auf dass seine Seele niemals Ruhe finden wird. Der zeremonielle Scheiterhaufen wird errichtet. Sekunden bevor er angezündet werden soll, öffnen sich plötzlich die Tore von Vyšehrad. Eine unbekannte Frau trifft ein und sie trägt Tuts Schild und Flegel mit sich. Sie gibt sich als Šárka zu erkennen, die Schuldige an Ctirads Tod. Ohne ihn könne sie nicht weiterleben und so steigt sie auf den Scheiterhaufen, auf dass sie im Tode miteinander vereint würden. Die Flammen bringen Frieden und Einheit, zumindest für sie und Ctirad; ob es eine Versöhnung zwischen den Geschlechtern gibt, bleibt offen.