Opéra de Lille

Trois Contes

Pesson
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Eine sensible Prinzessin, ein berühmter Schriftsteller und ein unerwünschter Teufel, etwas verloren unter den Menschen, versuchen ihren Platz in einer ungewohnten Welt zu finden.

Der französische Komponist Gérard Pesson hat mit seiner zugänglichen und gewollt witzigen Musik ein Opernabenteuer aus drei Märchen geschaffen. Ihre Geschicke werden mit Phantasie und Vorsicht von Librettist und Regisseur David Lescot in Szene gesetzt.

Besetzung

The Queen | Guérin's secretary | Hostess
Camille Merckx
The King | Jacques Guérin | Belfry guardian
Marc Mauillon
The Prince | Werner | Boy
Enguerrand de Hys
The Princess | Visitor, Library | Boy
Maïlys de Villoutreys
The other Princess, Handmaid | Museum Guide, Marthe Dubois | Boy
Melody Louledjian
Servant | Robert Proust, Museum's curator | House Master
Jean-Gabriel Saint Martin
The narrator
Jos Houben
Dancer / Choreographer
Sung Im Her
Orchester
Ictus Ensemble
...
Musik
Gérard Pesson
Musikalische Leitung
Georges-Elie Octors
Inszenierung
David Lescot
Bühne
Alwyne de Dardel
Licht
Paul Beaureilles
Kostüme
Mariane Delayre
Text
David Lescot in three parts based on The Princess and the Pea by Hans Christian Andersen, Proust's Overcoat by Lorenza Foschini and The Devil in the Belfry by Edgar Allan Poe
Musical assistant and vocal coach
Christophe Manien
Make-up and hairstyling
Elisabeth Delesalle
Assistant Stage Director
Linda Blanchet
Assistant set designer
Claire Gringore
...

Video

Anrisstext

TEASER | TROIS CONTES Pesson - Opéra de Lille

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Extract

Alors ? Cette nuit ?

Die Prinzessin (Maïlys de Villoutreys), die Obdach im königlichen Palast sucht während eines Sturms, beschwert sich, dass sie kein Auge zubekommen hat, weil etwas unter ihren 20 Matratzen sie störte. Die Königin (Camille Merckx) zeigt ihr ide Erbse, die sie im Bett versteckt hat. Die Prinzessin hat die Probe bestanden – sie ist wahrlich eine echte Prinzessin. Sie willigt ein, den Prinzen (Enguerrand de Hysand) zu heiraten, und der König (Marc Mauillon) verspricht, die Erbse in einem Museum auszustellen.

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On ne doit en aucun cas changer

Der Erzähler (Jos Houben) berichtet von den drei wichtigen Verodnungen, die der Stadtrat von Vondervotteimittis kürzlich beschlossen hat, wo das Alltagsleben der Bürgerinnen (Jean-Gabriel Saint Martin, Melody Louledjian, Maïlys de Villoutreys, Enguerrand de Hys und Camille Merckx) von der Uhr des Belfrieds und seinem Wächter (Marc Mauillon) bestimmt wird.

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Handlung

Die Prinzessin auf der Erbse

Ein Prinz kehrt von einer Reise um die Welt zurück, auf der er nicht die Prinzessin seiner Träume traf. Kurz darauf taucht eine junge Frau am Portal seines Schlosses auf, vom Gewitter überrascht bittet sie um Unterkunft für die Nacht. Die Königin lässt sie auf einem Bett aus 20 Matratzen übernachten, worunter sie heimlich eine Erbse versteckt hat.

Prousts Mantel

Prousts Mantel ist eine Ermittlung voller Zufälle und unerwarteter Wendungen und einer gewissen Spannung um das Verschwinden von persönlichen Gegenständen aus dem Besitz von Marcel Proust nach seinem Tod: die Manuskripte, die Möbel, und auch der berühmte Pelz, „Prousts Mantel‟, eine Art zweiter Geist des Verstorbenen.

Der Teufel im Belfried

Der Tagesablauf der Bewohner des Weilers Vondervotteimittis wird von der Zeit des Belfireds bestimmt. Diese Regelmäßigkeit - Sauerkraut kochen, Pfeife rauchen und Sauerkraut essen - wird von einem Geige spielenden Teufel gestört, der mit seinem Spiel das unerbittlich gleichförmige Leben der Dorfbewohner stört.

Einblicke

Ein offenes Kunstwerk

David Lescaut, Librettist und Regisseur der Oper Trois Contes erklärt, wie er die drei in sich geschlossenen Geschichten in dieser Oper zu einer zusammenbringt

Trois Contes ist ein Kammeropernprojekt in Form eines Triptychons, komponiert von Gérard Pesson. Es ist eine sehr freie Adaption von 2 Geschichten: Andersens Prinzessin auf der Erbse und Der Teufel im Belfried von Edgar Allan Poe sowie ein Buch von Lorenza Foschini über dem Mantel des Schriftstellers Marcel Proust, Le manteau de Proust. Die drei Geschichten sind unterschiedlich, autonom, doch sie weisen gemeinsame Elemente auf, es gibt Echos, sich überschneidende Themen. Es soll eine Einladung sein, das, was wir hören und sehen, zu interpretieren, Verbindungen zu knüpfen, selbst Bedeutungen zu finden. Trois Contes wäre also das, was Umberto Eco als ein offenes Kunstwerk bezeichnete, eine Eigenschaft als Bedingung für die Modernität des Werks.

Die Prinzessin auf der Erbse, eine kurze Geschichte von Andersen, ist ein Bild, das in 6 Variationen wiederholt wird. Jede Version hat ein anderes Verhältnis zwischen Musik und Text. Die Musik im Thema-Bild ist hypnotisch, schnell, fast mechanisch. Die erste Variation hingegen ist mehr als langsam, und die Geschichte hört, als ob sie erschöpft wäre, noch vor dem Ende auf. Die dritte ist eine Express-Version von Die Prinzessin auf der Erbse in einer Minute. Die vierte nutzt die gleiche Gestik, Positionen und Licht wie die vorherige, ändert aber Text und Musik, als ob der Soundtrack eines Films geändert worden wäre, die fünfte ist ein Musical, bestehend aus einer Reihe von sonnigen und fröhlichen Liedern, bis hin zum Absurden. Die sechste und letzte Variation ist eine schwarze Version, in der die Prinzessin nicht von der Familie des Prinzen begrüßt und als Ausländerin abgelehnt wird.

Die Geschichte von Prousts Mantel beginnt im Untergeschoss des Carnavalet-Museums, wo dieser zu empfindliche Mantel in einem großen Karton aufbewahrt wird. So macht das Museum, in dem die Erbse platziert ist, den Übergang zwischen dem ersten und zweiten Teil. In diesem Teil ist die Stimme im Gegensatz zum ersten weniger präsent. Der Text wird mal gesungen, mal gesprochen, mal zum Vorlesen und mal zum Entschlüsseln angeboten. Der Rhythmus ist sanft, bis zum Verschwinden, ein Schattenspiel. Wir können uns das wie ein Bilderbuch vorstellen, in dem wir die Seiten nacheinander umblättern und jeweils ein Bild vor uns haben. Die Objekte, ihre Zerbrechlichkeit, ihre religiöse Überhöhung, sind ebenso die Protagonisten der Geschichte wie die Figuren. Die Musik ist verwischt, geheimnisvoll, andeutungsvoll, besteht aus Silhouetten und Erinnerungen.

Der dritte Teil, Der Teufel im Belfried, ist der Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe nachempfunden, die mit ihrer Ironie und ihrem Sinn für das Karikaturale einen Comic-Strip oder Cartoon vorzeichnet. Hier wird eine sechsstimmige Chorgruppe die Geschichte eines Erzählers, des belgischen Schauspielers Jos Houben, einstreuen. Die Geschichte wird durch Refrains, Lieder sowie eine erdachte Folklore ausstaffiert. Wie in Poes Kurzgeschichte wird die Struktur der Geschichte die einer Konferenz sein. Der Erzähler entlehnt der akademischen Sprache das Gelehrsame, den Spaß an manischen bibliographischen Referenzen, die etymologischen Hypothesen. Wenn der Sprecher sein Thema beschreibt, erscheint es und erwacht um ihn herum zum Leben. Er lässt auch zu, dass es von Innen zerstört wird, indem er den Teufel einführt.

Das Bild muss genau wie die Musik die Distanz, die so besondere und wirklich innovative Ironie von Poes Kurzgeschichte rüberbringen. Hier wird das Eindringen des Teufels, ein Geiger in Poes Kurzgeschichte, durch einen choreografischen Moment übersetzt. Der Teufel hat einen einzigartigen Rhythmus, der sich vom allgemeinen Rhythmus abhebt, dabei ist er sowohl destruktiv als auch befreiend: eine Idee, die sich im Tanz widerspiegeln könnte, im Gegensatz zur gängigen Unbeweglichkeit des Dorfchores. Der Rhythmus wird hier auf wilde Weise behandelt: Der Rhythmus von Vondervotteimittis ist die Litanei, die sich jeden Tag aufs Neue vor dem Hintergrund der puritanischen Zufriedenheit immer wieder wiederholt.

Es ist am Betrachter, die thematischen und symbolischen Verbindungen herzustellen, von denen es viele gibt, welche die drei Werke über ihre Verschiedenartigkeit hinaus verbinden. Aber wir können auf der Idee bestehen, dass die Figur des Fremden zwischen den drei Geschichten zirkuliert:

  • die Prinzessin, die aus dem Nichts kam und einen Test bestehen muss, um zu beweisen, wer sie ist.
  • der Schriftsteller Marcel Proust, wegen seiner Kunst und seiner Moral, ist ein Fremder in seiner eigenen Familie.
  • der als Teufel dargestellte Fremde, der in eine mechanisch an seine Gewohnheiten gebundene Gemeinschaft eindringt und durch seine Störung (über die der Erzähler vorgibt, sich zu ärgern, während er sich eigentlich darüber freut) das befreiende Prinzip der Kunst als Lebenskraft wieder einführt.

David Lescot, Jahrgang 1971, ist Dramaturg, Musiker und Regisseur. Seine Schreib- und Bühnenarbeit verbindet Musik, Tanz und dokumentarisches Material mit Theater. Er hat seine Stücke Les Conspirateurs (1999, TILF), L'Association (2002, Aquarium) und L'Amélioration (2004, Rond-Point) inszeniert. Im Jahr 2011 inszeniert er seine erste Oper: The Rake's Progress von Strawinsky an der Opéra de Lille. 2012 und 2013 folgten Le Système de Ponzi, ein Chorwerk, in dem es um den gierigen Finanzmarkt geht, und Il Mondo Della Luna von Haydn im MC93-Bobigny, sowie La Finta Giardiniera von Mozart, wiederum an der Opéra de Lille 2014 unter der Leitung von Emmanuelle Haïm.