Un giorno di regno
Garsington Opera

Un giorno di regno

Verdi
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Streamed am Streamed bis Aufnahme vom
Gesungen auf
Italienisch
Untertitel auf
Englisch
Italienisch

Diese Komödie über einen gewöhnlichen Mann, der zum „König für einen Tag“ wird, ist eine Geschichte über vereitelte Liebe und das Spiel mit falschen und angenommenen Identitäten. Um die Aufmerksamkeit vom echten Monarchen abzulenken, hat Cavaliere Belfiore die Identität von König Stanislaus von Polen angenommen und ist mit viel Pomp auf das Schloss von Baron Kelbar in der Nähe von Brest eingezogen. Dort landet er mitten in den Vorbereitungen für zwei Hochzeiten: Die Tochter des Barons, Giulietta, soll gegen ihren Willen den älteren La Rocca heiraten, während ein örtlicher Militärbeamter auf die Hand der Marchesa del Poggio hofft. Kann „König Stanislaus“ seine hoheitliche Macht rechtzeitig anwenden, um diese unglücklichen Verlobungen zu lösen, bevor seine wahre Identität aufgedeckt wird? 

Dieser verrückte Strudel aus Wahnvorstellungen, der die Handlung von Un giorno di regno (wörtlich: König für einen Tag) mit allerlei Wendungen füllt, ist selten: eine komische Oper von Verdi! Der Komponist schrieb das Werk als Mittzwanziger in einer Zeit großer persönlicher Not – Verdis Frau Margherita starb 1840, im Jahr der Entstehung. In der heiteren Komödie, die durch eine virtuose Vokalpartitur besticht, beweist Verdi trotz seiner Jugend schon sein dramatisches Geschick bei der Darstellung von Charakteren, sein Gespür für rhythmische Vitalität und seine glanzvolle Komposition für die Stimme. Christopher Aldens gefeierte Inszenierung an der Garsington Opera wird vom Philharmonia Orchestra unter der Leitung von Chris Hopkins begleitet.

BESETZUNG

In der Reihenfolge des Auftretens:
 

Baron Kelbar
Henry Waddington
La Rocca
Grant Doyle
Delmonte
James Micklethwaite
Cavaliere Belfiore
Joshua Hopkins
Edoardo di Sanval
Oliver Sewell
Marchesa del Poggio
Christine Rice
Giulietta di Kelbar
Madison Leonard
Diener
Daniel Vening
Graf Ivrea
Robert Murray
Orchester
Philharmonia Orchester
Chor
Chor der Garsington Opera
...
Musik
Giuseppe Verdi
Text
Felice Romani
Musikalische Leitung
Chris Hopkins
Regie
Christopher Alden
Bühne
Charles Edwards
Kostüme
Sue Willmington
Licht
Ben Pickersgill
Video
Matt Vale
Rob Vale
Choreografie
Tim Claydon
...

VIDEOS

Trailer

Sneak Peek: Un giorno di regno

Eine seltene und komische Verdi-Oper über einen gewöhnlichen Mann, der zum „König für einen Tag“ wird.

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Ausschnitt

Tesorier! Io creder voglio

Der Schatzmeister La Rocca (Grant Doyle) ist fassungslos, als der Cavaliere Belfiore (Joshua Hopkins), der sich als König verkleidet hat, selbstbewusst seine königliche Autorität geltend macht. Die Szene spielt auf dem Anwesen des Barons von Kelbar und unterstreicht das komische Thema der Oper: Verwechslungen und zunehmende Verwirrung unter den Figuren.

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Ausschnitt

Grave a core innamorato

Die Marchesa del Poggio (Christine Rice) reagiert auf den Druck ihres Vaters, Graf Ivrea, aus politischen Gründen zu heiraten. Obwohl die Marchesa äußerlich gelassen wirkt, nutzt sie diesen Moment, um ihre Unabhängigkeit zu bestätigen. Sie erklärt, dass sie nicht der Spielball für Pläne anderer sein wolle, und wenn, dann aus freier Entscheidung lieben oder heiraten werde.

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Ausschnitt

Care fanciulle, è grato al core

Der Baron hat für seine Tochter Giulietta (Madison Leonard) eine Ehe mit dem wohlhabenden Finanzier La Rocca arrangiert. Giulietta, die sich in diesem politischen Plan gefangen fühlt, beschwert sich bei ihren Bediensteten (Garsington Opera Chorus) darüber, den alten Mann heiraten zu müssen. Der Mann, den sie wirklich liebt, ist Edoardo, La Roccas junger Neffe.

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HANDLUNG

I. Akt
Im Haus des Barons Kelbar

Belfiore gibt sich aus komplexen Gründen der Staatsräson als polnischer König Stanislaus aus, um diesen vor Rivalen zu schützen, und ist in dieser Verkleidung zu Gast bei Kelbar. Kelbar will seine Tochter Giulietta mit dem Finanzier La Rocca verheiraten, doch sie bevorzugt La Roccas Neffen Edoardo.

Die Marchesa del Poggio, eine junge Witwe, ist in Belfiore verliebt, hat sich aber mit Ivrea verlobt, da Belfiore sich nicht in der Lage sieht zu heiraten.

Weil Belfiore über die baldige Ankunft der Marchesa weiß und befürchtet, dass sie seine wahre Identität preisgeben könnte, schreibt er an Stanislaus mit der Bitte, von seiner Verpflichtung entbunden zu werden. Edoardo fleht den „König“ an, ihn mit nach Polen zu nehmen, um ihm zu helfen, seine Liebe zu Giulietta zu vergessen. Als die Marchesa eintrifft und Belfiore als König vorgestellt wird, gibt sie vor, ihn nicht zu erkennen, ist aber entschlossen, ihn auf die Probe zu stellen, indem sie ihm ihre Liebe zu Ivrea erklärt.

Giulietta ist unglücklich über die anstehende Heirat mit La Rocca. Die Marchesa beschließt, ihr und Edoardo zu helfen.

In seiner Rolle als König bietet Belfiore La Rocca eine Beförderung an, wenn er sich bereit erklärt, anstelle von Giulietta eine reiche Witwe zu heiraten. Als La Rocca Kelbar mitteilt, seine Tochter nicht mehr heiraten zu wollen, ist Kelbar empört und droht mit Gewalt. Die Marchesa schlägt vor, dass Giulietta und Edoardo sofort heiraten sollen. Der „König“ verkündet, dass er eine Lösung habe, die alle zufrieden stellen werde.

II. Akt

Edoardo hofft immer noch, dass er Giulietta heiraten kann. Der „König“ und La Rocca erfahren von Giulietta, dass der Hauptgrund für den Widerstand ihres Vaters gegen die Heirat mit Edoardo der Geldmangel des jungen Mannes ist. Der „König“ schlägt als Lösung des Problems vor, dass La Rocca eine Summe Geld an Edoardo übergibt. La Rocca zögert, will aber einen Streit mit Kelbar vermeiden.

Die Marchesa kann nicht verstehen, warum der „König“ so lange braucht, um seine wahre Identität als Belfiore zuzugeben. Sie sagt ihm, dass sie Ivrea auf jeden Fall heiraten werde. Der „König“ verbietet die Heirat aus „Staatsräson“ und gibt bekannt, dass er und Ivrea sofort nach Polen abreisen müssen.

Auf dem Höhepunkt der Verwirrung trifft eine Nachricht für Belfiore ein: Sie stammt von König Stanislaus, der seine sichere Ankunft in Warschau ankündigt und Belfiore von seiner Aufgabe entbindet, sich für ihn auszugeben. Bevor er seine Verkleidung ablegt, verkündet der „König“ noch, dass Edoardo und Giulietta heiraten werden und erhält die Zustimmung Kelbars. Dann enthüllt er seine wahre Identität und erklärt schließlich seine Liebe zur Marchesa.

EINBLICKE

Regisseur Christopher Alden über Un giorno di regno

Verdis zweite Oper, Un giorno di regno (König für einen Tag), wurde 1840 an der Scala zwar nur ein einziges Mal aufgeführt – erlebte später aber einen Aufschwung und wird, wenn man sie heute inszeniert, vom Publikum begeistert aufgenommen. Wie hat der Regisseur Christopher Alden das Stück kennengelernt?

„Ich habe immer von diesem Stück gewusst“, erzählte mir Christopher Alden, „weil es ein berühmter Flop war. Dazu kommen die schrecklichen Umstände, unter denen es komponiert wurde – eine Komödie innerhalb von ein paar Jahren nach dem Tod der ganzen Familie schreiben zu müssen. Es ist nachvollziehbar, warum Verdi mehr als 50 Jahre lang keine weitere Komödie schrieb, bis Falstaff.

Aber wenn man sich auf die Komödie einlässt, stellt man fest, dass trotz des etwas abgedroschenen Librettos die Musik inspiriert und klug ist – natürlich im Stil der Opera buffa von Rossini und Donizetti. Das ist ein ziemlicher Schock, hat sich Verdi doch später so weit davon entfernt.“

Christopher erklärte weiter, dass das Libretto zu der Zeit, als Verdi es vertonte, tatsächlich eine Art Rückschritt gewesen sei. „Er versuchte, es bis zu einem gewissen Grad zu verändern und fügte ein paar Nummern hinzu, die es in eine etwas menschlichere Richtung treiben hätten können.“ Trotzdem gebe es interessante Punkte in Bezug auf den dramatischen Aufbau. „Belfiore, der Held des Stücks, ist eine Art verdeckter Widerstandskämpfer, der seine königliche Verkleidung nutzt, um die Pläne der machthungrigen Männer, mit denen er in Kontakt kommt, zu durchkreuzen. In seinem Duett mit Edoardo im 1. Akt sagt er in einem Nebensatz: ‚Selbst wenn meine Herrschaft nur einen Tag dauert, wird sie nicht umsonst gewesen sein, wenn ich sie nutzen kann, um die Lächerlichkeit dieses verrückten alten Mannes aufzudecken‘. Damit bezieht er sich auf Kelbar, der plant, seine Tochter und Nichte als austauschbare Waren einzusetzen, deren emotionale Bedürfnisse geopfert werden, um seinen größenwahnsinnigen Ehrgeiz noch zu fördern. Indem Belfiore Giulietta und die Marchesa in ihrem Kampf um eine Heirat aus Liebe statt aus Standesdünkel unterstützt, hilft er diesen beiden willensstarken Frauen in ihrem Gefecht um Erfüllung und Handlungsfähigkeit innerhalb der patriarchalischen Zwänge ihrer Zeit.“

Alden finde die Aktualität des Librettos mit seinem subversiven Helden, der sich auf die Seite der beiden um Selbstbestimmung und Identität kämpfenden Heldinnen stellt, spannend. „Ich war schon immer beeindruckt davon, wie effektiv Komödien ernste Themen behandeln können. Meine Ausstatter:innen – Charlie Edwards und Sue Willmington – waren ebenso wie ich der Meinung, dass dieses Stück viel über die moralisch orientierungslose Welt aussagt, in der wir heute leben, in der sich die Regierenden unablässig auf ihr Ego, ihre Macht und ihre transaktionalen Beziehungen verlassen und in der Berühmtheit, Publicity und soziale Medien der beste Weg sind, ihre Ziele zu erreichen. Die Handlung von Un giorno di regno ähnelt auf schreckliche Weise einer Fantasie, die sicherlich viele von uns teilen: nämlich dem Traum, für nur einen Tag den Platz eines Trump, eines Orban oder eines Putin einzunehmen, um den Lauf der Geschichte zu verändern.”

George Hall
Übersetzt aus dem Englische