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Donald Cooper

Birmingham Opera Company

The Ice Break

Wie das Eis brechen zwischen uns Menschen?

Rückblick | Tippett

Diese Vorstellung ist nicht mehr als Video auf unserer Plattform verfügbar. Sie können aber weiterhin das zusätzliche Material der Produktion nutzen.

Als ein russischer Dissident nach 20 Jahren Gefangenschaft freigelassen wird, findet er seine Frau in Verzweiflung, seinen Sohn entfremdet und die Außenwelt versinkt in rassistischer Gewalt. Als die Ereignisse außer Kontrolle geraten, verwandelt sich die Rivalität zwischen Schwarzen und Weißen in einen mörderischen Aufstand des Pöbels.

 

Der künstlerische Leiter der Birmingham Opera, Graham Vick, stellt sich der Herausforderung, Tippetts sowohl visionäre als auch exzentrische Oper zu inszenieren, die seit ihrer Uraufführung 1977 nicht mehr aufgeführt wurde. Ein ungenutztes Lagerhaus wird in ein Flughafenterminal verwandelt, durch welches das Publikum in eine partizipatorische, vom Chor angeleitete Erfahrung eintaucht.

Lew: Lehrer und Pazifist, nach 20 Jahren Gefängnis und Exil entlassenAndrew Slater
Nadia: Lew's Ehefrau, die mit ihrem kleinen Sohn emigrierteNadine Benjamin
Jurij: ihr Sohn, ein Student und Einwanderer der zweiten GenerationRoss Ramgobin
Gayle: Jurijs aktuelle FreundinStephanie Corley
Hannah: Gayles Freundin, eine KrankenhausschwesterChrystal E Williams
Olympion: Weltmeister und Hannahs GeliebterTa’u Pupu’a
Luke: ein ArztJohn-Colyn Gyeantey
PolizeileutnantAdam Green
Astron: der BoteAnna Harvey and Meili Li


MusikMichael Tippett
InszenierungGraham Vick
Musikalische LeitungAndrew Gourlay
ChorleitungJonathan Laird
OrchesterCity of Birmingham Symphony Orchestra
Chor und SchauspielerChor und Schauspieler der Birmingham Opera Company
DesignerStuart Nunn
LichtGiuseppe di Iorio
BewegungsregisseurRon Howell

I. Akt
 
Eine Flughafen-Lounge. Nach 20 Jahren im Gefangenenlager steht der Pazifist Lew kurz vor der Wiedervereinigung mit seiner Frau Nadia und seinem Sohn Jurij. Jurijs Freundin Gayle und ihre Freundin Hannah warten auf die Rückkehr von Hannahs Geliebten Olympion, dem neuen Weltmeister. Olympion feiert sein Schwarz-Sein vor den bewundernden Fans. Gayle bietet sich ihm an. Der Streit, der zwischen Jurij und Olympion ausbricht, wird bald rassistisch.

II. Akt

Gewalt spaltet die Menge. Jurij ärgert sich über die Heimkehr von Lew - der Pazifismus seines Vaters hat niemandem gut getan. Jurij glaubt an Taten. Gemeinsam setzen Jurij und Gayle weiße Masken auf und gehen zu ihrem Klan. Nadia sieht einen Tod voraus - doch wessen? Die Lobhudelei des Pöbels treibt einen Keil zwischen die Liebe Olympions und Hannahs. Olympion führt sein Volk zum Aufruhr, während Hannah eine lange, dunkle Nacht der Seele erlebt. Olympion und Gayle werden erschossen. Nur Jurij überlebt.

III. Akt

Lew verliert jeglichen Glauben, da seine Frau Nadia dem Tode nahe ist und das Leben seines Sohnes auf dem Spiel steht. Als Nadia erfährt, dass ihr Sohn leben wird, bittet sie Hannah, sich um ihren Mann zu kümmern, und driftet dann in Kindheitserinnerungen ab - und in den Tod. Eine Schar von Paradies-Suchenden erhält eine gute Nachricht, verwechselt aber den Boten mit der Botschaft. Jurij erhält eine weitere Chance auf Leben. Hannah, jetzt seine Krankenschwester, hilft dem Arzt, den Gips abzuschneiden. Jurij steht frei, umgeben von Schreien nach Frühling und Neuanfang. Lev und Juri erleben einen Moment der Versöhnung. Jurij stolpert. Lew versteht.

The Ice Break: Eine prophetische Oper für die Gegenwart

Der britische Komponist Michael Tippett (2. Januar 1905 - 8. Januar 1998) ist vielleicht nicht jedem ein Begriff, doch verdient es sicherlich, heute wieder entdeckt zu werden. Zu seinen Lebzeiten galt er als führender britischer Komponist auf Augenhöhe mit seinem Zeitgenossen Benjamin Britten. Im 21. Jahrhundert wird sein Werk jedoch seltener aufgeführt.

Die Aufführung von The Ice Break durch die Birmingham Opera Company im Jahr 2015 ist ein wichtiger Schritt zur Wiederbelebung von Tippetts Musik. The Ice Break wurde in den 70er Jahren geschrieben und ist seit der Uraufführung 1977 fast vergessen. Die kühne Inszenierung des künstlerischen Leiters Graham Vick beweist nun, dass es unklug war, die Oper zu früh zu vernachlässigen. Vick, der für seine experimentellen Inszenierungen bekannt ist, entwarf ein Konzept, das die utopische Kraft der Oper widerspiegelte und ihre eindringliche politische Relevanz hervorhob.

Vick nennt es ein „visionäres Meisterwerk‟, aber das war weder bei der Uraufführung noch bei der Wiederaufnahme 1979 klar. Vick macht daraus ein stärkeres Plädoyer, als ich es für ein Stück, das aus den 1970er Jahren zu stammen schien, für möglich gehalten hätte.

Hugh Canning, The Sunday Times

In der Tat überwindet The Ice Break seinen historischen Kontext, um eine universelle, humanistische Botschaft der Bewältigung der sozialen Zersplitterung entlang generationen-, rassen- und geschlechtsspezifischer Verwerfungen zu vermitteln. Bereiten Sie sich darauf vor, unvorbereitet in Tippetts Universum einzutauchen. Seine poetische Handlung bricht absichtlich mit dem Realismus, was eine gute Dosis Aussetzung des Unglaubens in diesem Prozess erfordert. Die Geschichte beginnt auf einem Flughafen und mündet in eine Reihe von rassistischen Angriffen und Ausschreitungen. Wenn man die Aufführung 5 Jahre später im Lichte von Black Lives Matter sieht, ist es erstaunlich, wie aktuell die Oper heute erscheint.

Niemand ist geeigneter, The Ice Break aufzutauen, als die Birmingham Opera Company, deren Slogan aus gutem Grund „nicht das, was man von der Oper erwartet‟ lautet. Anstatt ihr Publikum vor eine Bühne zu setzen, lädt sie es in ein leeres Lagerhaus in Birmingham ein, das sich für diesen Anlass in eine belebte Flughafenlounge, in von Krawallen zerrissene Straßen und in ein Krankenhaus verwandelt hat. Das Publikum erlebt die Oper, während es sich durch die beeindruckende Kulisse schlängelt und mit den Darstellenden interagiert.

Die Besetzung ist natürlich ebenso einzigartig. Die Produktion, die von professionellen Musiker*innen und Sänger*innen zusammen mit Hunderten von Freiwilligen aus der ganzen Region aufgeführt wurde, involvierte über 5000 Menschen, von denen 98% die Werke des Opernhauses noch nie zuvor gesehen oder möglicherweise noch nie davon gehört hatten. Über einen Zeitraum von sechs Monaten im Jahr 2015 kamen Einheimische und Künstler*innen zusammen, um die Themen der Produktion zu vertiefen - das Brechen des Eises der Gesellschaft zu erforschen und Poesie, Tanz, Musik, bildende Kunst und Film zu teilen und zu schaffen. Kein Wunder, dass die Birmingham Opera Company derzeit in der engeren Auswahl für den FEDORA-Education Prize steht.

Die Spannung in dieser Oper besteht nicht nur zwischen den Generationen, sondern auch zwischen der ersten und zweiten Generation von Einwanderern... Diese Oper spricht das an vorderster Front an, und es ist ein potentes Thema, über das man in dieser Stadt singen kann.

Graham Vick

Vicks Inseznierung gedenkt dem 30. Jahrestag der Unruhen in Birmingham 1985, als im Sommer auf den Straßen von Handsworth ein gewaltsamer sozialer Konflikt aufflammte - inmitten brennender Armut, einer Arbeitslosenquote von über 50% unter schwarzen Jugendlichen und immer schlechter werdenden Beziehungen zwischen der Polizei und der Gemeinde. Die Inszenierung erforscht Auffassungen zu Rasse, Konflikt und Gesellschaft und unterstreicht die anhaltende gesellschaftliche Relevanz der Oper. Indem sie die Zersplitterung der Menschheit durch die seismischen Veränderungen in der Identitätspolitik poetisch darstellt, argumentiert sie für die Notwendigkeit, über die wahrgenommenen Unterschiede hinaus zu heilen und sich zu vereinen. Ihre Botschaft könnte heute nicht dringlicher sein.