De Materie ist eine vierteilige Meditation des niederländischen Komponisten Louis Andriessen über die Zusammenkunft von Verstand und Materie. Jeder Teil bildet ein Ganzes mit einer zentralen Figur: ein Philosoph des 17. Jahrhunderts, der denkt, das sich Materie aus unsichtbaren Atomen zusammensetzt; der Mystiker Hadewijch von Antwerpen, von einer Vision Gottes ergriffen; der Maler Piet Mondrian, der auch Boogie-Woogie tanzt; und Marie Curie, die trotz des Verlustes ihres Gatten Pierre weiter an der Radioaktivität forscht.
Vom Holland Festival und De Nederlands Opera in Auftrag gegeben, wurde De Materie 1988 fertiggestellt und zuerst ein Jahr später von Robert Wilson inszeniert. Andriessen schrieb das Werk auf seine eigene Art und Weise: kein Chor und kein Standardorchester, stattdessen ein Tenor, ein Sopran, zwei Sprecher, acht Stimmen und ein Ensemble mit Betonung auf Perkussion und Saxophon. Hier treffen Bach und Stravinsky auf Steve Reich, Boogie-Woogie und Disco. Für Dirigent Bas Wiegers sind Hadewijchs Visionen die schönsten Passagen, die Andriessen je geschrieben hat. Er dirigiert das Orchester von Opera Ballet Vlaanderen und das zeitgenössische Brüsseler Ensemble Ictus. Regisseurin Phia Ménard kreiert Szenen, die sich mit dem Stück bewegen und KOR’SIA entwickelte die Choreografie der Mondrianischen Bewegung.
BESETZUNG
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Gorlæus
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Robin Tritschler
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Hadewijch
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Katrien Baerts
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Tänzerinnen (Sprechrolle)
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Samantha Hines
Ausia Jones
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Marie Curie
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Lies Pauwels
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Tänzer:innen
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Dansers Opera Ballet Vlaanderen
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Chor & Orchester
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Symfonisch Orkest Opera Ballet Vlaanderen
Ictus Ensemble
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Musik
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Louis Andriessen
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Musikalische Leitung
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Bas Wiegers
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Konzept
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Phia Ménard
Jan Martens
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Inszenierung
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Phia Ménard
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Choreografie
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Antonio de Rosa
Mattia Russo
Phia Ménard
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Kostüme
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Marie La Rocca
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Licht
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Éric Soyer
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Chorleitung
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Jan Schweiger
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Dramaturgie
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Tom Swaak
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Mitarbeit Choreographie
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Zoe Ashe-Browne
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Sounddesign
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Maarten Buyl
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HANDLUNG
De Materie erkundet in vier eigenständigen Teilen, jeder mit seinen eigenen musikalischen und textlichen Quellen, eigenen Schauplätzen, Themen und Hauptfiguren, eine philosophische Frage: Wie interagiert der menschliche Verstand mit Materie? Wir können dasselbe Material auf verschiedenste Weisen nutzen: Aus Holz lassen sich Schiffe, das Gebälk einer Kathedrale oder eine Bassklarinette herstellen. Gleichzeitig geben materielle Gegebenheiten vor, inwieweit eine Gesellschaft wachsen kann – oder daran gehindert wird.
1. Teil: Die Materie
Das Jahr 1581. Ein lauter Knall schallt durch das Orchester. Stille. Wieder ein Knall. Schneller und immer schneller folgen 144 Hammerschläge aufeinander. Auf gleiche Art befördert die Republik der Vereinigten Niederlande – gesungen von acht Chorsänger:innen – König Philipp II zur Tür hinaus. Mit metronomischer Präzision überwinden sie ihre Unstimmigkeiten (ausgedrückt durch reiche Harmonien) und mit ihrer Unabhängigkeitserklärung lösen sie sich von der spanischen Herrschaft. Mit dem Ende der Unterdrückung ist nun Platz für Fortschritt: Destruktives Knallen verwandelt sich in das produktive Schmettern von Hämmern auf einer Werft. Zwischen Schiffsbauteilen, Werkzeugen und Handwerkern steht Gorlæus, ein junger Philosoph des 17. Jahrhunderts mit radikalen Ideen. Jede Art von Materie, so glaubt er, wird von allerkleinsten Partikeln ausgemacht; Atome, die sich nicht weiter auftrennen lassen.
2. Teil: Hadewijch
Mitte des 13. Jahrhunderts. Wissen über Gott ist denjenigen vorbehalten, die es über Jahre hinweg studiert haben, ihre Erkenntnisse durch endloses Lesen und akademische Kommentare gewonnen. Durch endlose Hingabe entdeckt Hadewijch, dass sie in direkten Kontakt mit Gott treten kann. Manchmal trägt ihr unerschöpfliches Streben Früchte: Sie empfängt Visionen, wie heute, am Pfingstsonntag. Am frühen Morgen ist sie mit ihrer Gemeinde in der Kirche, als es passiert. Von Sehnsucht übermannt sieht sie Gott auf dem Altar. Er kommt auf sie zu und drückt sie an sich heran. Sie spürt Ihn in jeder Faser und zittert vor Leidenschaft.
3. Teil: Der Stil
Der dritte Teil ist Piet Mondrian gewidmet, auch wenn er nicht persönlich auftritt. Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges findet er sich im niederländischen Künstlerdorf Laren wieder. Dort traf er auf den bunten Denker Mathieu Schoenmaekers, der an einer abstrakten und allumfassenden Theorie arbeitete. Schoenmaekers‘ Geometrie, von der der Chor eine Passage singt, hatte wohl einen entscheidenden Einfluss auf Mondrian. In Laren traf Mondrian ebenfalls auf Maaike Middelkoop. Jahre später erinnert sich jene an ihn zurück. Mondrian, der Maler strikter, gerader Linien, war anscheinend vom Tanzen besessen.
4. Teil: Madame Curie
Langsam und rätselhaft nimmt der letzte Teil an Fahrt auf. Im Einklang kommen Akkorde zu einer fesselnden und stattlichen Pavane zusammen. Kontinuierlich baut sich Spannung auf und gipfelt in einer Chorpassage zu den Sonetten von Willem Kloos. Seine Verse zu großen Themen – Liebe, Leben, Tod – stellen die letzte Hauptfigur vor. Marie Curie, die die tiefsten Mysterien der Materie erschlossen hat, beschreibt ihre wissenschaftlichen Errungenschaften und ihre erschütternde Trauer über den Tod ihres „petit Pierre“.
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