Eine Giftmischerin, Mörderin, Femme fatale, Intrigantin und Lügnerin, Tochter und Konkubine des Papstes und Geliebte ihres Bruders. Diese sagenhaften Zuschreibungen hat Lucrezia ihrem Nachnamen zu verdanken, denn die Borgias waren eine der wohl einflussreichsten und aus diesem Grund meist gehassten Familien der Renaissance – die erste Mafia des Vatikans. Bleibt da überhaupt Platz für die Vermutung, dass Lucrezia Borgia in Wirklichkeit eine zutiefst unglückliche Frau und eine leidenschaftlich liebende Mutter gewesen sein könnte?
In seiner Oper Lucrezia Borgia von 1833 nähert sich Gaetano Donizetti der Titelfigur mit psychologischer Präzision und erschafft eine der schönsten und facettenreichsten Belcanto-Rollen für Koloratursopran. Donizetti bricht mit der Tradition der Opera seria und kreiert ein psychologisch ausgefeiltes Porträt einer Frau, die zwischen Macht, Schuld und Sehnsucht gefangen ist. Als dramatische Vorlage diente das gleichnamige Schauspiel von Victor Hugo, in dem Lucrezia Borgia zur unfreiwilligen Mörderin ihres eigenen Sohnes wird. In ihrer Inszenierung am Nationaltheater Mannheim erzählt die Regisseurin Rahel Thiel die Geschichte einer Alleingängerin in einer Männerwelt, die sich dem Verhängnis ihres Namens widersetzen will. In Fabian Wendlings Bühnenbild entsteht ein Ort, an dem Lucrezia sich von dieser Männerwelt stets beobachtet und verurteilt fühlt. Gibt es einen Weg heraus?
BESETZUNG
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Lucrezia
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Estelle Kruger
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Alfonso
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Bartosz Urbanowicz
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Gennaro
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Sung Min Song
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Maffio Orsini
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Shachar Lavi
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Gubetta
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Sung Ha
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Liverotto
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Raphael Wittmer
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Vitellozzo
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Dominic Lee
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Petrucci
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Ilya Lapich
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Gazella
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Zacharías Galaviz-Guerra
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Rustighello
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Christopher Diffey
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Astolfo
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Thomas Berau
Joachim Goltz
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Orchester
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Nationaltheater-Orchester Mannheim
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Chor
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Herrenchor des Nationaltheaters Mannheim
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Musik
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Gaetano Donizetti
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Text
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Felice Romani
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Regie
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Rahel Thiel
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Musikalische Leitung
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Roberto Rizzi Brignoli
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Bühne
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Fabian Wendling
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Kostüme
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Rebekka Dornhege Reyes
Isabel Garcia Espino
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Licht
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Florian Arnholdt
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Chorleitung
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Alistair Lilley
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Dramaturgie
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Eszter Orbán
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VIDEOS
HANDLUNG
Prolog
Venedig. Gennaro, ein junger Hauptmann von unbekannter Herkunft, vergnügt sich mit seinen Freunden beim Karneval. Sein engster Freund Maffio Orsini erzählt seinen Kumpanen, wie Gennaro ihm einst nach der Schlacht in Rimini das Leben gerettet habe. Dabei seien sie einem seltsamen alten Mann begegnet, der die beiden vor der verhassten Lucrezia Borgia mit den Worten gewarnt habe, dass mit ihr der Tod komme. Während Orsinis Erzählung schläft Gennaro ein und bleibt allein zurück. Eine maskierte Frau trifft ein und nähert sich dem Schlafenden. Es ist Lucrezia Borgia. Als sie in Gennaro ihren verschollenen Sohn erkennt, erfüllen sie Entzücken und Sehnsucht. Sie nutzt den Moment, um ihn ungestört im Schlaf zu betrachten. Dabei wird sie von ihrem Ehemann, Herzog Alfonso d’Este von Ferrara, mit Eifersucht beobachtet. Er hält Gennaro für Lucrezias Liebhaber und schmiedet eine Intrige, um ihn in seine Gewalt zu bringen. Gennaro erwacht und fasst Vertrauen zu der unbekannten Frau. Er vertraut ihr seine Lebensgeschichte an: In Neapel wuchs er in dem Glauben auf, der Sohn eines Fischers zu sein, bis ihm eines Tages ein Soldat einen Brief von seiner unbekannten Mutter überbrachte. Darin offenbarte sie, dass sie einem Tyrannen zum Opfer gefallen sei und er – Gennaro – zu seinem eigenen Schutz niemals nach ihr suchen dürfe. Gennaro bekennt Lucrezia seine Liebe zu seiner Mutter, obwohl er sie nie gesehen hat. Die beiden werden abrupt von Orsini und den Freunden gestört. Sie erkennen die verhasste und gefürchtete Lucrezia Borgia und enthüllen Gennaro ihre Identität. Vergeblich versucht Lucrezia, Gennaro zurückzuhalten
I. Akt
Ferrara. Der eifersüchtige Herzog beobachtet zusammen mit Rustighello Gennaros Wohnung, in der sich die Freunde zu einem Mahl versammelt haben. Später provozieren Gennaros Freunde ihn wegen seiner Beziehung zu der schönen Lucrezia. In einem rebellischen Akt verunstaltet er daraufhin das Wappen der Borgias. Als Lucrezia von der Tat erfährt, wendet sie sich wutentbrannt und rachsüchtig an ihren Gatten: Sie fordert die Todesstrafe für den Täter. Doch als sich herausstellt, dass Gennaro der Schuldige ist, fleht sie Alfonso um Gnade an. Er ignoriert ihr Flehen, gibt Gennaro vergifteten Wein zu trinken und ist überzeugt, dessen Schicksal damit besiegelt zu haben. Insgeheim jedoch rettet Lucrezia ihren Sohn: Sie verabreicht ihm ein Gegengift und beschwört ihn, zu fliehen und Ferrara für immer zu verlassen.
II. Akt
Ferrara. Gennaros Entschluss, Lucrezias Bitte zu folgen, wird von Orsini und seinen Freunden zunichtegemacht. Sie überreden ihn, vor seiner Abreise noch das Fest der Fürstin Negroni zu besuchen. Doch die Feierlaune verwandelt sich schnell in Schrecken, als Lucrezia erscheint und den Gästen offenbart, dass sie sämtlichen, bereits getrunkenen Wein aus Rache vergiftet habe. Lucrezias Rachsucht wandelt sich in Entsetzen, als sie erkennt, dass Gennaro entgegen ihrem Flehen in Ferrara geblieben ist und ihre Rache auch ihm zum Verhängnis werden wird. Sie offenbart ihm, dass er ein Borgia sei. Sie fleht ihn an, erneut das Gegengift anzunehmen. Doch Gennaro lehnt ab: Er entscheidet sich dafür, seinen Freunden in den Tod zu folgen und stirbt in Lucrezias Armen. Als Alfonso erscheint, erfährt er von Lucrezia die Wahrheit über die Identität Gennaros, ehe auch sie zusammenbricht.
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