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Philippe De Gobert

Kleines Opernglossar

durch Stimmen, Stile und Genres

Arie (Air): eine gesungene oder auf einem Instrument gespielte Melodie,  mit oder ohne Begleitung. Sie stellt einen Moment in der Oper dar, wo die Handlung stoppt und ein Charakter seine oder ihre Gefühle ausdrückt. Vor allem in Opern eingesetzt, gilt die Arie als Prüfstein für Sängerinnen und Sänger.

Ballad Opera (wörtl. „Lieder-Oper“): dies ist eine Form von Oper, die gesprochene Dialoge, Tanz und volkstümliche Lieder im Stil alter Balladen verbindet. Ein typisches Beispiel dieses – im England des 18. Jahrhunderts so populären – Stils ist John Gay’s The Beggar’s Opera (1728). Das deutsche Equivalent zur Ballad Opera ist das Singspiel.

Barcarolle: Eine barcarolle ist ein Lied der venezianischen Gondoliere in einem 6/8 oder 12/8 Takt, was an das Schaukeln eines Bootes erinnern soll. Das Wort barcarola kommt aus dem italienischen und bedeutet „Gondoliere“. Einige Opern beinhalten barcarolles, wie Otello von Verdi oder Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach. Auch andere musikalische Werke enthalten barcarolles. Wir finden sie beispielsweise bei Fauré, der um die zehn Stück komponiert hat. Hier das Duett für Sopran und Mezzosopran, welches den dritten Akt von Hoffmanns Erzählungen eröffnet „Schöne Nacht, du Liebesnacht“, produziert an der Dutch National Opera.

Bariton: eine mitteltiefe männliche Stimmlage, welche im 18. Jahrhundert mit einer großen Bandbreite an Charakteren assoziiert wurde, und im 19. Jahrhundert besonders mit Bösewichten.

Barock: dies ist eine musikalische Epoche. Sie umfasst in den meisten Definitionen die Zeit von Monteverdi (1600) bis zum Tode J.S. Bachs (1750). Barockopern zeichnen sich durch fantastische Handlung und freie vokale Verzierungskunst aus.

G.F. Händel war ein produktiver Opernkomponist des Barocks (mehr als 30 Opern).

Bass: der tiefste menschliche Stimmumfang. Der Bass wird meist assoziiert mit Rollen von Weisen, Greisen, und gelegentlich komischen Charakteren.

Bel canto: wörtlich aus dem Italienischen übersetzt „schöner Gesang“, ist ein Gesangsstil mit vielen Verzierungen, welcher große stimmliche Virtuosität und eine makellose Technik voraussetzt. Entstanden gegen Ende des 17. Jahrhunderts, blieb dieser Stil bis ins späte 19. Jahrhundert populär.

Castrato (Kastrat): Kastraten waren Sänger, welche niemals in den Stimmbruch gerieten, da sie vor der Pubertät kastriert wurden. Dadurch behielten Kastraten ihre kindliche Stimmlage, während sie zugleich über größeres Stimmvolumen verfügten, da sie die Lungen eines Erwachsenen hatten. Virtuosität, Stimmumfang und Stimmgewalt der Kastraten waren besonders populär in italienischen Opern des 17. und 18. Jahrhunderts. Diese Praxis kam daher, dass es verboten war, weibliche Sängerinnen öffentlich anzuhören. Dieses Verbot wurde Ende des 18. Jahrhunderts aufgehoben, woraufhin die Kastraten zu Beginn des folgenden Jahrhunderts verschwanden. Heutzutage werden ihre Rollen meist von Countertenören oder Mezzosopranen gespielt.

Carlo Broschi, bekannt als Farinelli, ist der berühmteste Kastrat aller Zeiten.

Klassik: Epoche zwischen dem Barock und der Romantik, von 1750 bis 1830 (ungefähr von Mozarts Geburt bis zu Beethovens Tod). Die Opern dieser Zeit führten Text und Musik wieder zusammen und sind raffinierter als Barockopern.

Coloratura (Koloratur): sorgfältig ausgearbeitete Melodie, charakteristisch für den italienischen Belcanto oder für die Arien der Königin der Nacht in Die Zauberflöte (Mozart, 1791). Im weiteren Sinne beschreibt der Begriff auch die Interpreten solcher Musik, ursprünglich Kastraten, später sowohl weibliche als auch männliche Stimmen.

Alt (Contralto): dunkle weibliche Stimmlage, edel und voll Pathos, ziemlich selten in Opern. Sie wird oft mit Charakteren wie älteren Damen, Dienstmädchen, Müttern, Großmüttern oder Hexen assoziiert. Wenn der Begriff für die Stimmlage „Alt“ verwendet wird, dann beschreibt er einen Stimmumfang; dies darf nicht verwechselt werden mit dem gleichnamigen Begriff für eine Stimme in der Chormusik, die nicht notwendigerweise von Alti gesungen werden muss.

Kontratenor (auch männlicher Sopran oder Alt, abhängig von der Stimmlage): männliche Stimmlage, welche sich einer Falsetttechnick bedient. Der Countertenor war während der Renaissance und dem Barock besonders populär, verschwand dann beinahe ganz bis zur Wiederentdeckung dieser Musik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Begriff darf nicht verwechselt werden mit jenem des „haute-contre“, der einen sehr hohen Tenor bezeichnet.

Finale: dies bezeichnet den letzten Abschnitt eines Akts oder der gesamten Oper. Es wird entweder von den Protagonisten im Ensemble oder von allen Charakteren der Oper gemeinsam gesungen.

Leitmotiv: musikalische Idee (Melodie, Akkord, Rhythmus), die mit einem bestimmen Charakter, einer Idee, einem Gemütszustand oder einem Ort assoziiert wird. Wagner hat Leitmotive in all seinen großen Musikdramen verwendet, nicht nur um die Idee an sich in Erinnerung zu rufen, sondern auch um zu zeigen, wie sie sich während der Handlung verändert.

Libretto (Buch): Text der Oper, wörtlich aus dem Italienischen als „kleines Buch“ übersetzt. Es ist meist von einem Schriftsteller oder Dichter (dem Librettisten) geschrieben, manchmal vom Komponisten selbst.

Mezzosopran: Italienisch für ‚Halbsopran’. Dies ist die zweithöchste weibliche Stimmlage. Mit einer tieferen und wärmeren Stimme als Soprane spielt der Mezzosopran meistens Nebenrollen wie etwa reifere Frauen, Kindermädchen, Verräterinnen, Hexen, Verführerinnen oder sogar junge Knaben – in einem Wort „Hosen, Hexen und Huren“.

Musical Comedy (engl. „musikalische Komödie“): ein Theaterstück mit gesungenen Abschnitten und Tanznummern, das sich aus der Operette entwickelte.

Oper: dramatisches Werk mit Einsatz von Musik und Gesang. Während in unterschiedlichen Ländern unterschiedliche Aspekte betont wurden – der Gesang in der italienischen Oper, das Schauspiel in Deutschland, und der visuelle Gesamteindruck in Frankreich – lässt sich Oper in zwei Hauptgruppen einteilen: opera seria (ernst), die der Tragödie ähnlich ist und mythologische und geschichtliche Sujets behandelt, und die opera buffa (komisch) welche mit der Komödie verwandt ist, mit Charakteren des alltäglichen Lebens.

Opéra comique: Französische musikalische Gattung welche gesprochene Dialoge enthält, ähnlich dem deutschen Singspiel und der englischen Ballad Opera. Ungeachtet der Bezeichnung können Opéras Comiques ernsthaft sein, wie etwa Bizet’s Carmen (1875).

Operette: eine „kleine Oper“ mit unbeschwertem Charakter. Es kommen gesprochene Dialoge, Gesang und Tänze vor. Operetten waren besonders populär gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Paris und Wien. Operetten unterscheiden sich von der Opéra Comique durch ihre stets heiteren Sujets. Beispiele sind Offenbach’s Orpheus in der Unterwelt (1858), Johann Strauß’ Die Fledermaus (1874) oder Lehár’s Die lustige Witwe (1905).

Ouvertüre: jener musikalische Abschnitt, mit welchem die Opera beginnt. Meist beinhaltet er die wichtigsten musikalischen Themen der Oper.

Rezitativ: frei gesungene Phrasen, im Duktus eher deklamatorisch als liedhaft-gesungen. In der Oper dienen Rezitative meist dazu, Geschehnisse zu erzählen und die Handlung voranzutreiben, wohingegen Arien Gefühlszustände betonen.

Romantik: auf die Epoche der Klassik folgend, charakterisiert die Romantik (etwa 1830 bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts) das 19. Jahrhundert, besonders in den Opern von Verdi, Tschaikowski und Wagner. Sie ersetzt klassische Strenge mit Freiheit im Ausdruck und der Vorherrschaft von Gefühlen.

Singspiel: Deutsche Gattung mit sowohl Gesang als auch gesprochenen Abschnitten, meist unbeschwerten oder komischen Inhalts. Das Singspiel weist eine Ähnlichkeit zur französischen Opéra Comique und der englischen Ballad Opera auf. Mozarts Entführung aus dem Serail (1782) ist ein traditionelles Wiener Singspiel, während seine Zauberflöte (1791) das Singspiel mit Elementen der Opera Seria kombiniert.

Sopran: höchste weibliche Stimmlage, für welche die bedeutendsten Rollen des Opernrepertoires geschrieben sind: tragische oder mythologische Heldinnen, aber auch Dienstmädchen, geistreiche und auch lustige Charaktere.

Synopsis: Inhalt einer Oper.

Tenor: die höchste männliche Stimmlage (unter Verwendung der Bruststimme), und zugleich die populärste in der Oper. Tenorrollen entsprechen den Sopranrollen: der Held, der Liebhaber, manchmal der Bösewicht.

Tessitura: italienisch für „Weben“ oder „Flechten“, bezeichnet jenen Tonbereich, den ein Sänger mit Leichtigkeit beherrscht, d.h. ohne an Klangschönheit einzubüßen oder physischen Schaden zu erleiden. Der Ambitus bezeichnet die Gesamtheit von Tönen, welche ein Sänger erreichen kann: von dem höchsten bis zum tiefsten.

Verismus: Dieser Begriff bezeichnet einen Stil der italienischen Oper, der durch die Darstellung des „wirklichen Lebens“ und die von sozialen Problemen gekennzeichnet ist. Cavalleria rusticana (Mascagni) und Pagliacci (Leoncavallo) sind dafür perfekte Beispiele. Auch andere Komponisten wie Giordano und Puccini schufen Werke in diesem Stil.